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- 26. Februar 2009 2 Min.
In nordwestspanischen Vigo ist ein 30-Jähriger überraschend freigesprochen worden, der zwei Schwule mit insgesamt 57 Messerstichen getötet hat.
Sieben der neun Geschworenen glaubten dem Angeklagten, der von Agenturen nur mit seinem Vornamen Jacobo identifiziert wurde, aus Notwehr gehandelt zu haben. Demnach habe der Mann Angst gehabt, von den beiden Schwulen vergewaltigt zu werden.
Die Tat ereignete sich im Juni 2006, als Jacobo in einer Bar den 27-jährigen Kellner Isaac kennen lernte, mit dem er gemeinsam Alkohol und Kokain konsumierte. Isaac lud Jacobo daraufhin in seine Wohnung ein, in der auch sein 32-jähriger brasilianischer Lebensgefährte Julio lebte. Nach Angaben von Jacobo sollen dann die beiden Gastgeber versucht haben, ihn ins Schlafzimmer zu locken – und ihn sogar mit einem Messer bedroht haben. Er sagte aus, er habe panisch reagiert, Julio das Messer entrissen und dann auf die beiden eingestochen. Der Gerichtsmediziner zählte später an Julios Leiche 35 Einstiche, auf Isaac stach Jacobo 22 Mal ein.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Geschworenen hätten den Täter aus Schwulen- und Ausländerhass freigesprochen: "Es hätte mit Sicherheit einen Schuldspruch gegeben, wenn die Opfer zwei Mädchen gewesen wären und nicht zwei Homosexuelle, von denen einer dunkler Hautfarbe war", erklärte Oberstaatsanwalt Juan Carlos Horro. Man müsse darüber nachdenken, ob das angelsächsische Geschworenensystem gerecht sei. Berufsrichter hätten den Täter schuldig gesprochen, ist er sich sicher.
Erst Anfang des Monats hatte ein Geschworenengericht auf den Bahamas in einem ähnlichen Fall den Angeklagten freigesprochen (queer.de berichtete). Die "Homo-Panik-Verteidigungsstrategie" wurde in spektakulären Prozessen insbesondere in den USA angewandt und führte in mehreren Fällen zu einem reduzierten Strafmaß. Schwul-lesbische Gruppen kritisieren diese Taktik, weil sie das Opfer zum Täter mache. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen die Bevölkerung – und damit auch die Geschworenen – eine Abneigung gegen Homosexuelle haben, ist die "Gay Panic Defense" erfolgreich. (dk)















Vigo ist eine im grünen Galicia gelegene Grosstadt mit 300.000 Einwohnern am Atlantik an der portugiesischen Grenze, in der es eine umfangreiche und selbstbewusste schwul-lesbische Gemeinde mit Clubs, Bars, Diskos,Cafeterías und Saunas gibt. Geschworene aus der schweigenden Bevölkerungsmehrheit sind aber wohl dennoch total mit einem Schuldspruch überfordert , wenn sie sich panisch von angreifenden Schwulen umgeben sehen.