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- 26. Februar 2009 2 Min.
Zwei scheinbar unzertrennliche Brüder entfremden sich. Jedoch nicht wegen einer Frau wie es so oft in solchen Spielfilmen geschieht. Ein junger Mann bringt das Duo ins Wanken.
Von Carsten Weidemann
Antoine und Quentin, ein 18-jähriges Zwillingsbrüderpaar, reißen von zu Hause aus. Sie wollen zur Beerdigung der Mutter, die sie nicht gekannt haben. Ihr Weg führt sie per Anhalter, in Lastwagen versteckt und mit dem Zug vom Norden Frankreichs nach Spanien. Im Verlauf der Reise entfremden sich die vorher unzertrennlichen Brüder und werden zu Individuen.
Die konstant spürbare Sehnsucht der Brüder, sich vom anderen zu emanzipieren, wird immer wieder durch die unerträgliche Erfahrung der Trennung vereitelt. Selbst die äußerste 'Lösung' durch den Brudermord ist Quentin nicht möglich – am Ende holt er selbst den Bruder wieder ins Leben zurück. Scheinen sie selbst fortwährend mit ihrer Brüderbeziehung zu hadern, übt ihre äußere Erscheinung für die anderen Menschen offensichtlich eine große Faszination aus. Sowohl Clementine als auch der junge Erntehelfer, aber auch der ältere Mann, der sie ein Stück im Auto mitnimmt, machen Antoines und Quentins Ähnlichkeit oder Verschiedenheit zum Thema. Für den Mann am Bahnhof sind sie eine erotische Fantasie.
Als das berühmteste Zwillingspaar der Mythologie werden die so genannten 'Dioskuren' ("Söhne des Zeus") Castor und Pollux betrachtet, die auch als Sternpaar im Sternbild der 'Zwillinge' zum Begriff geworden sind. Der Sage nach hatten beide dieselbe Mutter (Leda), aber verschiedene Väter – trotzdem glichen sie einander bis aufs Haar. Pollux, der Sohn des Zeus, war als Halbgott unsterblich, Castor dagegen sterblich. Als Castor im Kampf fällt, bittet der trauernde Pollux aus Liebe zu seinem Bruder Zeus, ihm die Unsterblichkeit zu nehmen um mit Castor zu sterben. Zeus ließ diesen aus Rührung wieder ins Leben zurückkehren, woraufhin die Zwillinge fortan zwischen Olymp und Hades gemeinsam wandern. Sie werden älter und sterben schließlich, ohne noch einmal getrennt sein zu müssen.
Durch diese Legende entstand bei den Etruskern und im antiken Rom ein Dioskurenkult. Bis heute hält sich im deutschen Sprachgebrauch die Redewendung "wie Castor und Pollux" für unzertrennliche männliche Freundschaften. Die enge Beziehung wird dabei vor allem aus der emotionalen Verbundenheit abgeleitet, weniger aus der genetischen Ähnlichkeit – aufgrund der Liebe des einen für den anderen werden beide als "Zeussöhne" bezeichnet, gleichen sie sich wie eineiige Zwillinge, wird letztlich auch der fundamentale Unterschied – die Sterblichkeit Castors – aufgehoben.
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