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- 27. Februar 2009 3 Min.
In der bayerischen Landeshauptstadt wurde im Februar die neue HIV-Präventionskampagne "Der Schwanz als Diktator" vorgestellt. Die Motive erreichen bereits eines: Sie provozieren Reaktionen.
Von Christian Scheuß
Bei der Münchner AIDS-Hilfe ist man offensichtlich ziemlich schwanzfixiert. Bereits im Sommer 2004 verblüffte sie die Öffentlichkeit mit Kampagnenmotiven, die ein provozierender Hingucker waren. Männer in Freizeitsituationen waren darauf zu sehen, in der Bar oder im Schwimmbad. Nur dort, wo sonst üblicherweise der Kopf sitzt, sind pralle Dödel ins Bild montiert worden. "Und womit denkst du?" lautete der Slogan, der einen Apell an die Vernunft richtete, die man beim Sex ja so gern mal beiseite legt.
Und jetzt schon wieder deutlich sichtbare Schwänze bei der neuen Kampagne. Doch als Steigerung der Provokation sind über die Pracht-Willys, die da aus den Hosen ragen keine Kondome, sondern die Abbilder dreier weltweit äußerst unbeliebter Staatslenker gestülpt worden. Die drei Plakatmotive tragen die Ländernamen "Russland", "Nordkorea" und "Chile". Die Aufschrift behauptet "Auch ein kleiner Diktator kann ein großes Problem sein", sozusagen als Variante des Mahnens vor zu vielem Denken mit dem Schwanz, gerade wenn man geil ist.
"Natürlich ist es ein ganz übles Klischee", verteidigt sich die AIDS-Hilfe im Rahmen der Vorstellung der Motive schon mal vorbeugend. Man ist sich der Brisanz der Bilder, die einen Zusammenhang zwischen Politikern, die Verbrechen begehen und Männern, die ihren Trieb möglicherweise als Ausrede für riskantes Verhalten gegenüber sich und anderen als Entschuldigung nutzen, herzustellen. Man hofft, dass die Ironie dahinter gespürt und die Botschaft gerade deswegen ankommt: "Natürlich wollen wir nicht grundsätzlich die Autonomie des Einzelnen in Frage stellen. Wir möchten mit dieser Kampagne, auf eine - hoffentlich - als leicht und witzig verstandene Art, schwulen Männern näher bringen, dass es verschiedene Probleme geben kann, die durch sexuelle Begierde entstehen, und hier an erster Stelle HIV," so die AIDS-Hilfe weiter.
Die von der Münchner Werbeagentur .start! entwickelte Kampagne, wird in den kommenden Wochen für Zündstoff sorgen. Das Weblog "ondamaris", dass sich schwerpunktmäßig mit den Themen HIV und AIDS auseinandersetzt, hat als erstes die Motive zur Diskussion gestellt und auch eine erste kritische und persönlich verfasste Reflektion von Martin Klatt, der bei der AIDS-Hilfe in Gießen arbeitet, veröffentlicht. Klatts Resümee: "Die Kampagne verdient zwei Preise: Den ‚Schimmligen Schwanz 2009‘ in Gold für die beste ‚Schlechteste Kampagne einer AIDS-Hilfe‘. Die ‚Goldene Irgendwas 2009‘ die nicht mit Lob spart, wie toll diese mutige Kampagne doch zu einer offenen Diskussion anregt und somit dem Thema Aufmerksamkeit beschert und sich die Macher nicht scheuten, dazu in leichter und witziger Art kontrovers erlebte Motive aufzugreifen."
Links zum Thema:
» Der Bericht und die Reaktionen beim Blog "ondamaris"
» Das Statement der AIDS-Hilfe München zum Start der Kampagne















Zu mal sie nicht nur für viele schwule, sondern auch für sehr viele Hetero-Männer gilt, auch ganz unabhängig von Geschlechtskrankheiten.
Wo Sicherheit und Treue für einen Fick weggeschmissen werden, da kann an dem Mann nichts Gutes zu finden sein.