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Der Hamburger Männerschwarm Verlag kann aufatmen: Ein drohendes Strafverfahren wegen des Erotik-Romans "Murats Traum" ist vom Gericht jetzt abgewiesen worden.

Von Carsten Weidemann

Am 9. Januar 2008 fing der Stress an. Beamte der Fachdienststelle Sexualdelikte beim LKA Hamburg klopften an die Tür des Männerschwarm Verlags und hielten den engagierten Verlegern einen Durchsuchungsbefehl unter die Nase. Der Vorwurf: "Verbreitung kinderpornographischer Schriften". Ganz konkret ging es um das Buch "Murats Traum", eine erotische Geschichte des namhaften Berliner Autoren Michael Sollorz, der unter dem Pseudonym Fabian Kaden im Frühjahr 2007 veröffentlicht worden war. Die Beamten beschlagnahmten die Bücher, die sie in den Büroräumen und im Buchladen vorfanden.

Die von der Hamburger Staatsanwaltschaft initiierte Strafverfolgung ist von einem Leser losgetreten worden, der sich kurz nach der Veröffentlichung telefonisch beim Verlag gemeldet und mit einer Strafanzeige gedroht hatte. Er fand, der Roman sei kinderpornographisch, da es darin eine Szene gibt, in der zwei Männer Sex vor einem Zwölfjährigen haben. Dessen Anzeige ging an das BKA, das wiederum eine Stellungnahme von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften einholte. Als man von dort meldete, dass es sich möglicherweise um einen Straftatbestand handelte, rollte die Ermittlungsmaschinerie los.

Es verging ein Jahr mit Schriftwechseln zwischen Behörden und Anwälten, bis am 2. Februar 2009 eine Richterin am Amtsgericht Hamburg Klartext sprach und die Eröffnung des Hauptverfahrens ablehnte. Ihr Urteil: "Mangels pornografischer Qualität nicht hinreichend verdächtig". Es läge keine Pornographie vor, da der Geschichte von Sollorz eben das Typische dieses Genres fehle: "Die ausschließliche oder überwiegende Erregung eines sexuellen Reizes dem Betrachter bei Vernachlässigung menschlicher, interpersonaler Bezüge von Sexualität." In "Murats Traum" seien aber gerade diese zwischenmenschlichen Bezüge ein Hauptstrang der Geschichte, trotz des detailliert geschilderten Sex.

Nun wird der Autor es verschmerzen müssen, dass eine Richterin seinem Werk mangelnde "pornographische Qualität" bescheinigt hat, beim Männerschwarm Verlag bleiben die Bauchschmerzen wegen des gesamten Verfahrens, das viel zu lange gedauert habe. "Während Verlag und Autor sehr wohl wissen, was sie tun, müssen ernste Zweifel erlaubt sein, ob das auch auf die Ermittlungsbehörden zutrifft, deren Handeln jede Verhältnismäßigkeit der Mittel vermissen lässt und von einer Mischung aus Unkenntnis und Hilflosigkeit gekennzeichnet ist", klagt Männerschwarm-Verleger Detlef Grumbach.

Dass Staatsanwaltschaften beim Thema Kinderpornographie wie die Dampfwalzen agieren, und dabei Rufschädigung sowie wirtschaftliche Beeinträchtigungen der Betroffenen in Kauf nehmen, hatte bereits 1996 der damalige Dortmunder Rosa Zone Verlag erfahren dürfen. Die Polizei durchsuchte Büro- und Privaträume der Verleger allein aufgrund der Tatsache, dass sich die schwul-lesbische Monatszeitung im Adressverzeichnis eines Pädophilen fand, gegen den ebenfalls ermittelt wurde. Das Ermittlungsverfahren gegen den Verlag wurde später eingestellt.



44 Kommentare

#1 XDAAnonym
  • 03.03.2009, 13:44h
  • Fahrlässig ist natürlich auch, dass der Autor eine Sexszene vor einem 12 jährigen wohl beschreibt. Da muss man mit sowas rechnen, c´est la vie.
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#2 beobachterAnonym
  • 03.03.2009, 13:51h
  • Was für ein bekloppter Leser war das denn? Gibt es von dieser üblen Sorte gar weitere ... Herrje, sexuelle Lust beginnt nicht erst mit 18. Ich war als 12jähriger heftig verliebt in nicht nur einen Gleichaltrigen, leider ohne das begreifen zu können. Ab 14 darf man im Prinzip Sex haben, auch mit Erwachsenen - wann begreifen das die Klemmschwestern im Westen endlich.
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#3 XDAAnonym
  • 03.03.2009, 14:17h
  • Antwort auf #2 von beobachter
  • Allerdings liegen zwischen 12 und 14 immerhin zwei Jahre. Und zwischen verliebt sein und Sex haben ist ein Unterschied.

    Das hat gar nichts mit Klemmschwester zu tun, wenn man der Ansicht ist, dass Erwachsene nicht vor 12-jährigen Sex haben sollen.
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#4 RabaukeAnonym
  • 03.03.2009, 14:24h
  • Der Staat hat doch immer "Recht". Mir wurde 2000, im Juni, morgens halb sechs, die Wohnungstür eingetreten. Trotz meines Anwaltes und sofortiger Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft, blieben, wie erst später vom Gericht festgestellt, die bei mir zu unrecht beschlagnahmten Gegenstände in "Gewahrsam". Die BKA Beamten hatten sich um exakt eine Etage im Haus geirrt. Natürlich bekam es die gesammte Umgebung mit. Es ist ein "Traum", wenn man selbständig ist, Beamte nicht lesen können und man dadurch Pleite geht. Bis heute......keine Entschuldigung, keine für die zu Unrecht beschlagnahmten Computer und meine Arbeitsmaterialien Entschädigung. Das alles ist Deutschland.............das gibts nur hier.
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#5 alexander
  • 03.03.2009, 14:52h
  • ach du lieber gott, da wird der bub der morgen 16. wird, heute noch missbraucht und morgen muss er, dann ist es "legal" !!!!!
    es ist eigentlich zum brüllen komisch, dass ausgerechnet die jüngere generation, die sich vornehmlich in rudelbumsschuppen rumtreibt, natürlich nur auf einen "COCKtail", hier mit nachdruck moralisiert und den zeigefinger hebt ???
    gehts noch ? mit viel, viel lesen wird vielen geholfen !
    soviel dämlichkeit grenzt an körperverletzung für andere und was für unsäglich schwachsinnige folgeerscheinungen damit verbunden sind, kann man ja oben nachlesen !
    aber wir ach so sauberen deutschen schreien ja förmlich nach verboten auf allen ebenen, je mehr desto besser !
    bald kann ein vater seine kinder nicht mehr öffentlich küssen, weil sofort ein "wachsames" auge auf ihn geworfen wird, einfach ekelhaft diese denunziantenmentalität !

    kann # 4. rabaucke nur bestätigen, selbiges passierte einem freund schon vor jahren, überfallkommando mit hunden, tür eintreten, durchsuchung von 6 zimmerwohnung, angeblich gefahr im verzug ? wir sassen vorm fernseher und waren etwas perplex. dann zog man ohne entschuldigung wieder ab. es stellte sich heraus, dass ein nachbar seine ungeratene tochter verprügelt hatte, die um hilfe schrie, irgendein bekloppter nachbar hatte die polizei arlamiert. wir eine etage höher haben nichts gehört, ist doch seltsam ?
    aber nochmal zum buch, gerade hier schreien doch viele nach künstlerischer freiheit, reggae usw., dann hätte man schon das buch "lolita" vor 50 jahren verbieten müssen, war das ein geschrei, als frau knef ihren nackten rücken 1951 im film "die sünderin" zeigte !
    aber unterm strich eine schönes beispiel für unsere bigotte, wieder völlig verspiesserte gesellschaft heutzutage und bei unserem gesellschaftlichen nachwuchs !
    man bekommt das grausen !
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#6 gelderlanderEhemaliges Profil
  • 03.03.2009, 16:27h
  • Das ganze erinnert mich irgendwie an die Geschichte mit den König-Comix, die in Thüringen so ein oberkorrekter CDU-Abgeordneter, der logischerweise seine Heimatstadt Heiligenstadt nennt, als Jugendgefährdend verbieten lassen wollte, weil dies Zur Homosexualität "verführen" könnten.

    P.S.: Das ganze spielte sich im Jahre 1998 ab
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#7 gelderlanderEhemaliges Profil
#8 gatopardo
  • 03.03.2009, 16:35h
  • Antwort auf #5 von alexander
  • Wenn es sich aber dann wirklich um Kindsmisshandlung bis -tötung handelt, sieht man in Deutschland lieber weg, wie die vielen Tragödien belegen, wo ehrbare Nachbarn nie etwas gehört oder gesehen haben wollen. Gut möglich, dass dieselben keinen Moment zögern, beim Anblick eines harmlosen Wichsers Polizeieinsatz mit Hubschraubern und Spürhunden zu fordern, auch wenn kein Minderjähriger anwesend war.
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#9 RabaukeAnonym
  • 03.03.2009, 16:41h
  • @werters_echter

    neeeee damit hatte dies nix zu tun. Der Typ, welcher unter mir wohnte, war beschuldigt, Kinderpornographische Bilder, mit einem anderen Internetnutzer ausgetauscht zu haben. Ob der nun schuldig war, weiß ich nicht. Hatte und habe mir da echt nie was zu Schulden kommen lassen. Wenn man mit Behörden dieser Kategorie nie etwas zu schaffen hatte, dann plötzlich sowas erlebt, reicht das für mich, als Unschuldiger.....von postraumal bis hin zur absoluten Panik, wenn ich heute in eine simple Verkehrskontrolle gerade. Darum, wenn Unschuldige zu Opfern dieses Staates werden, kümmert sich Dieser ebend nicht. Nur "draufkloppen".
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#10 A failed philosophy - enough is enoughAnonym
  • 03.03.2009, 17:05h
  • "Die ausschließliche oder überwiegende Erregung eines sexuellen Reizes dem Betrachter bei Vernachlässigung menschlicher, interpersonaler Bezüge von Sexualität."

    Offenbar gilt das aber weiterhin nur für "abweichende" sexuelle "Reize", denn die Massenmedien strotzen nur so vor manisch-aggressiver Zwangssexualisierung der jungen Zielgruppe, die natürlich völlig in Ordnung ist, solange sie ausschließlich in EINE (heterosexuelle) Richtung geht. Das sollten wir uns nicht gefallen lassen, und das heißt: unsere HOMOsexualität so sichtbar machen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie nur irgend möglich!
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