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- 09. März 2009 4 Min.
Die Spielwiese der Schwulen expandiert: Mit der Übernahme der asiatischen Datingsite Guys4Men dringt Gayromeo auch in den asiatischen Markt ein. Queer.de hat mit dem Managing Director von Gayromeo über die Zukunft des "schwulen Einwohnermeldeamtes" gesprochen.
Von Dennis Klein
Die Datingseite Guys4Men gehört eigenen Angaben zufolge zu den größten Asiens. Rund die Hälfte der Nutzer kommt aus Indien, danach folgen die Philippinen und Malaysia. Die Nutzer von Guys4Men werden ab Mitte März in Gayromeo integriert werden. Maurice Berendsen, Managing Director des in Amsterdam ansässigen Gayromeo, erklärt im Interview die Hintergründe der Expansion nach Fernost, wie es mit dem Datingportal weitergeht und warum ein Sexdate eben auch ein Menschenrecht ist.
Zunächst mal zum Geld: Wie teuer war der Erwerb von Guys4Men?
Ich bitte um Verständnis, dass wir hierzu lieber keine direkte Angabe machen möchten. Allerdings ist dies in keinster Weise mit StudiVZ oder anderen großen Social-Networks vergleichbar.
Wir als Betreiber kannten uns schon eine ganze Weile und hatten eine sehr ähnliche Geschichte und Wellenlänge. Letztlich waren wir uns einig, dass es Sinn machen würde, wenn wir unsere Kräfte zukünftig bündeln.
Was versprecht Ihr Euch von der Übernahme?
Der große Vorteil liegt darin, dass die Nutzer aus relativ unterschiedlichen Ländern kommen und wir somit zukünftig in Ländern vertreten sind, in denen wir bisher kaum Nutzer hatten. Das schwierige Thema internationales Wachstum, wird damit für uns deutlich einfacher.
Für uns selber ergeben sich mehrere Vorteile. Zum einen können wir durch die unterschiedlichen Online-Zeiten (Zeitzonen) unsere Serverkapazität deutlich besser über den Tag verteilt nutzen. Zum anderen kann man sich auf die Weiterentwicklung einer Community-Software konzentrieren. Also letztlich eine deutliche Effizienzsteigerung durch mehr Nutzer.
Was verändert sich für die Nutzer von GayRomeo und Guys4Men?
Die größeren Änderungen erfahren sicherlich die Guys4Men-Nutzer, die sich an ein anderes Portal gewöhnen müssen. Dies ist immer sehr schwierig, da wir aus Erfahrung wisse, wie sensibel Nutzer auch auf kleinste Veränderungen reagieren. Für GayRomeo-Nutzer ändert sich grundsätzlich nicht viel. Die Vorteile, die sich ergeben, werden sich eher langfristig durch eine schnellere Plattformentwicklung auswirken. Ein sofortiger Vorteil ist sicherlich, dass es deutlich einfacher wird weltweit interessante Menschen kennen zu lernen und den Urlaub zu planen.
Wollt Ihr Euch nun mehr auf den asiatischen Markt konzentrieren?
Wie bisher gibt und möchten wir uns auf keinen speziellen Markt fokussieren. Eine Community zu betreiben, die allen Wünschen gerecht wird, ist im weltweiten Bereich allerdings deutlich schwieriger. Dies kann bis in die kleinste Funktionen reichen. Man denke hier an Sternzeichen vs. chinesische Tierkreiszeichen oder die fast unnötige Angabe zur Haarfarbe.
Sind weitere Expansionen geplant?
Dies ist sicherlich für uns bisher und auch in absehbarer Zukunft einmalig.
Wo seht Ihr GayRomeo in zehn Jahren?
Dies ist eigentlich kaum zu beantworten, da GayRomeo noch nicht einmal zehn Jahre besteht. Auch die vergangene Entwicklung hat uns gelehrt, dass es kaum Sinn macht Visionen und Träume zu planen. In vielen Bereichen haben wir akzeptiert, dass wir auch Getriebene der Entwicklung sind.
Worin seht Ihr dann Eure gegenwärtige "Mission"?
Dem Wunsch, schwule Menschen weltweit zu verbinden, sind wir mit der Übernahme in unseren Augen aber ein gutes Stück näher gekommen. Wir persönlich denken, dass die Dinge, die uns trennen sehr gering sind, im Vergleich zu dem was uns verbindet.
Auch wenn in Europa einiges noch im Argen liegt, hat die Schwulenbewegung vieles in den letzten Jahrzehnten erreicht. Dies sieht weltweit oft anders aus. So mag GayRomeo für viele in Europa in erster Linie ein zusätzlicher Weg zu sein, um unkompliziert andere Menschen kennen zu lernen. In anderen Ländern ist dies aber oft die einzige Möglichkeit aus der persönlichen Isolation auszubrechen sozusagen als Fenster in eine virtuelle schwule Freiheit. Auch ein einfaches Sexdate kann in unseren Augen ein Menschrecht sein. Uns ist bewusst, dass diese Verantwortung mit der Guys4Men-Fusion noch deutlich zunimmt und möchten diese wahrnehmen.














