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Die indische Vier-Millionen-Einwohner-Stadt Chennai will öffentliche Toiletten für Transsexuelle einführen – nicht jede ist glücklich darüber.

Das soll ein erster Schritt zur Anerkennung von Mann-zu-Frau-Transsexuellen sein, die auf dem Subkontinent meist als Hijras bezeichnet werden, meldet die Nachrichtenagentur AP. Stadtrat Rajesh Lakhoni erklärte, das Pilotprojekt könne auch in anderen Städten übernommen werden, wenn die Öffentlichkeit es annimmt. In ganz Indien soll es Schätzungen zufolge 500.000 Mann-zu-Frau-Transsexuelle geben.

Unter den Hijras ist die neue Regelung umstritten. So lehnt die Thamilnadu Aravanigal Association, eine Organisation sexueller Minderheiten, die Tranny-Toiletten ab, weil diese eine neue Art der Diskriminierung darstellten. "Wir wollen als Frauen anerkannt werden. In unserem Herzen sind wir Frauen", erklärte Aasha Bharati, die Vorsitzende der THAA.

Dagegen sprach sich Rose Venkatesan, die erste transsexuelle TV-Moderatorin, für die Idee aus: "Es gibt ein großes Problem, weil nicht jede eine Geschlechtsanpassung durchgeführt hat", so Venkatesan. "Heute ist so etwas notwendig, aber langfristig gesehen sollten wir auf eine Gesellschaft hinarbeiten, in der jeder die selben Toiletten benutzt."

In Indien hat das Leben zwischen den Geschlechtern eine lange Tradition. Die Hijras werden oft als "das dritte Geschlecht" bezeichnet. Sie tragen traditionelle Saris, geben sich feminin, nehmen Frauennamen an und bilden praktisch eine eigene Kaste in der komplizierten Hierarchie der indischen Gesellschaft. Diese geht ambivalent mit der Minderheit um: Häufig werden Hijras aufgrund ihrer Andersartigkeit verachtet, doch viele Menschen glauben an deren besondere Kraft, die es ihnen ermöglicht, Neugeborene, Ehen oder auch Häuser zu segnen.

Oft werden Hijras jedoch in die illegale Prostitution gedrängt. Die Zahl der HIV-Infektionen ist unter ihnen besonders hoch. Ehen zwischen Hijras und Männern werden in der Regel akzeptiert. Um zu einer vollwertigen Hijra zu werden, unterziehen sich viele einer Kastration, die oft unter katastrophalen hygienischen Bedingungen durchgeführt wird und bei der viele sterben.

Moderne, finanziell besser gestellte Transsexuelle lassen sich häufig im Ausland operieren. Sie lehnen es aber ab, zum dritten Geschlecht gezählt zu werden, sondern leben als Frauen in Indien relativ integriert. (dk)



#1 Tim_ChrisProfil
  • 10.03.2009, 10:21hBremen
  • "In ganz Indien soll es Schätzungen zufolge 500.000 Mann-zu-Frau-Transsexuelle geben."

    Eine beachtliche Anzahl an FtM. Bei einer so hohen Quote werde ich dann doch etwas stutzig und frage mich, ob nicht in vielen Fällen die Transsexualität nur vorgeschoben ist, um der Diskriminierung und Ausgrenzung auf Grund von Homosexualität zu entgehen. Die Quote der Schwulen müsste dann dementsprechend weitaus geringer ausfallen, als die Schätzungen in anderen Ländern ergeben.
    Ich will nichts falsches sagen, aber ich hörte mal für Deutschland Zahlen zwischen ca. 1500 bis 3000 Transsexuellen und damit sind sowohl Frau zu Mann (Transfrauen), als auch Mann zu Frau (Transmänner) gemeint, die sich in angleichenden Behandlungen befinden oder diese bereits schon abgeschlossen haben.

    Was die Trannytoilette betrifft: während des Passings wäre so etwas "manchmal" ganz hilfreich, wenn man auf kein Örtchen wirklich passt und überall mit Zweifeln im Blick angestarrt wird. Danach ist es aber meist quatsch, da Transsexuelle in der Regel einfach in ihrem Geschlecht angesehen und in diesem vollständig akzeptiert werden möchten. Ohne wenn und aber.
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#2 gAnonym
  • 10.03.2009, 10:51h
  • die indischen "trannies" sind intersexuelle, wie es sie bei uns auch gebe, wenn man nicht alle "hermaphroditen" operieren würde. da diese kostspielige Operation in Indien natürlich nicht möglich ist, hat sich die Kaste der hijras gebildet.
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#3 KimAnonym
  • 10.03.2009, 14:10h
  • "Anerkennung von Mann-zu-Frau-Transsexuellen"
    Es gibt keina Mann-zu-Frau-Transsexuelle. Transsexuelle Frauen sind Frauen, die als Mädchen mit Penis und Hoden geboren werden. Solange hier der Penis als geschlechtsbstimmend angenommen wird, obwohl längst bewiesen wurde, dass die Organe des Menschen schon vor der Geburt geschlechtlich voneinader abweichen können, wird die weltweite Transphobie kein Ende nehmen. Mann-zu-Frau ist so eine Transphobie. Ob Toiletten gegen so eine Diskriminierung auf Grund des Geschlechts helfen, wage ich zu bezweifeln.
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#4 predigerAnonym
  • 10.03.2009, 20:59h
  • zu tim_chris:
    ja, man könnte vermuten, dass einige indische homosexuelle sich in die dort eher akzeptierte identität der hijras flüchten, auch wenn ihnen diese rolle nicht hundertprozentig entspricht.

    umgekehrt könnte man sich fragen, wie viele der europäischen "homosexuellen" lieber in eine andere identität wechseln würden, gäbe es bei uns nur mehr akzeptierte zwischenräume zwischen den geschlechtern und weniger "tuntenfeindlichkeit".

    indische hijras kann man nicht ohne weiteres in das einordnen, was wir unter transsexualität verstehen, und längst nicht alle hijras sind biologische "zwischenstufen". traditionell gelten und verstehen sich die hijras als drittes geschlecht, also ausdrücklich NICHT als frauen. vielle moderne hijras würden gar nicht verstehen, weshalb (oder wie) sie sich in eine unserer westlichen kategorien einordnen sollten. es gibt z.b. hijras, die in den hijra-häusern als hijra auftreten, parallel aber als "normale" ehemänner ein familie versorgen. andere pendeln zwischen der hijra-identität und der homo-subkultur, wo sie sich als homosexuelle bezeichnen. es wäre anmaßend, hier NUR gesellschaftlichen druck zu vermuten und die individuelle entscheidung für parallele lebensweisen nicht anzuerkennen.

    die flexiblen hijra-identitäten scheinen der viellfältigen menschlichen natur wesentlich gerechter zu werden als unsere doch relativ starren und engen westlichen kategorisierung von eindeutig homo / hetero / mann / frau / transexuell.
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#5 EselchenAnonym
  • 11.03.2009, 11:57h
  • Antwort auf #1 von Tim_Chris
  • Hallo Tim, ich habe von weitaus MEHR transsexuellen hierzulande gehört :) die dunkelziffer liegt bei 1:2500 bis 1:10000, was wirklich mehr als 1500 bis 3000 macht. und wahrscheinlich ist die zahl der TG's noch viel höher, die in Indien auch zu den Hijras gezählt werden. Ich denke es handelt sich hier um Definitionsfragen.

    Tranny-Toiletten finde ich persönlich doof, das stempelt einen doch nur noch mehr ab, bzw. stigmatisiert...
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#6 Tim_ChrisProfil
  • 16.03.2009, 18:21hBremen
  • Antwort auf #5 von Eselchen
  • Du hast Recht. Die Zahl die ich im Kopf hatte bezog sich auf einen Artikel von Lynn Conway, der sich zudem noch auf die USA bezog: Sie schätzt "jährlich irgendwo zwischen 1.500 und 2.000 MzF-GA-Operationen an Bürgern und Einwohnern der USA".

    Die Zahl für Deutschland wird dgti Zufolge derzeit auf ca. 66-Tausend transsexuelle Menschen geschätzt, die geschlechtsangleichende Operationen beantragen, beantragt haben oder noch beantragen werden.
    Nachzulesen auch hier (für die, die es interessiert):
    www.dgti.org/texte/Zahlenspiele.htm

    Demnach muss ich meinen Kommentar #1 für Indien revidieren, da die Zahl in Anbetracht meiner neuen Erkenntnisse jetzt durchaus nachvollziehbar erscheint.
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