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- 10. März 2009 3 Min.
Ein Viertel der deutschen Fußballbegeisterten will nicht einem schwulen Profifußballer entgegenjubeln – bei Österreichern und Schweizern ist die Zahl noch höher.
Den Rufen nach mehr Toleranz zum Trotz können sich laut der aktuellen sozioland-Umfrage 25 Prozent der Deutschen, 32 Prozent der Österreicher und 38 Prozent der Schweizer nicht mit dem Gedanken anfreunden, Anhänger eines schwulen Fußballers zu sein. Das ist eines der Ergebnisse der parallel in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Sozioland, dem Online-Meinungsportal der Respondi AG, durchgeführten Umfrage.
Dabei kam auch heraus, dass offenbar das Klischee vom schwulen Kinderverführer noch weit verbreitet ist: In der deutschen Umfrage vertraten 17 Prozent der Teilnehmer den Standpunkt, Schwule seien ein schlechtes Vorbild für den Nachwuchs, in Österreich waren es schon 28 Prozent. Am größten scheint das Ausmaß der Homophobie allerdings unter den Schweizer Fans zu sein. 30 Prozent der eidgenössischen Befragten fürchten um ihre Jugendlichen, sollten sich deren Idole als schwul herausstellen.
Jüngere Fans engstirniger als die Alten
Auffällig ist, dass insbesondere jüngere Fans Vorurteile hegten: In Deutschland sehen 24 Prozent der unter 18-Jährigen Schwule als schlechtes Vorbild im Fußball, aber nur elf Prozent der 40-49-Jährigen und 15 Prozent der über 50-Jährigen. In der ersten Bundesliga sind die Fans von 1899 Hoffenheim und Bayern München am homofeindlichsten, die Fans von Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach aber am homofreundlichsten.
Das Thema "Kinder als Opfer von Schwulen" sorgte bereits im vergangenen Jahr für Aufregung, nachdem der Kölner Trainer Christoph Daum in einem Interview gesagt hatte, Jugendliche müssten vor Homo-Fußballern geschützt werden (queer.de berichtete). Später entschuldigte sich Daum bei schwul-lesbischen Fanclub für diese Aussage (queer.de berichtete).
Insgesamt waren die Reaktionen auf die Frage, was die Teilnehmer über Homosexuelle im Profifußball denken, sehr vielfältig: Sie reichten von Entrüstung ("Sie fragen ja auch nicht nach Blonden im Fußball") über Pragmatismus ("Dann müsste man halt nur ein neues Wort für ‚Spielerfrau’ finden") bis hin zu augenzwinkernder Gelassenheit ("Mir persönlich sind 100 Schwule 1.000 Mal lieber als ein Schalker").
Wie ein roter Faden zieht sich durch den Großteil der Antworten die Besinnung auf das Wesentliche: Solange die fußballerische Leistung stimmt, ist die sexuelle Orientierung uninteressant. Gleichzeitig herrscht aber auch großes Verständnis dafür, dass sich vorerst kaum ein Profi-Fußballer öffentlich outen wird. Der Tabubruch könnte sie ihre Karriere kosten, von den Schmähungen durch gegnerische Fans ganz zu schweigen.
Von August 2008 bis Januar 2009 wurden über 31.000 Personen zu den Herren-Ligen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz befragt. Dabei drehte es sich vor allem um sportliche Fragen, wie welches Team am sympathischsten (in Deutschland: Werder Bremen) oder am unsympathischsten (Bayern München) ist. (pm/dk)
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Willkommen in der Zukunft! Aber wen wundert's: Wenn sogar die meisten Schwulen dem Mittelalter hinterrennen (Stichwort: "Gleichberechtigung" durch "Lebenspartnerschaft" oder "Eheöffnung"), dann werden andere erst recht nicht in eine progressive Richtung steuern!