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Die Makatsch spielt die Knef im Kinofilm "Hilde" Gelingt der Schauspielerin mit prägnanter Persönlichkeit die Darstellung einer eigenwilligen Schwulenikone?

Von Christian Scheuß

Da sieht man diese Frau auf den Bildern, die auf den ersten Blick so vertraut wirken. Hilde Knef im Interieur und Look der sechziger Jahre, wie sie lacht, raucht, singt. Aber etwas ist anders, die Fotografien sind bunt, nicht schwarz-weiß, und die Frau darauf ist plötzlich Heike Makatsch, die die Frisur und Kleider und das Makeup von Hilde trägt.

Die Makatsch spielt die Knef in der biographischen Verfilmung von Regisseur Kai Wessel, die jetzt im Kino läuft, und die ganze Zeit über wird man das Gefühl nicht los, da sitzt die Heike Knef oder die Hilde Makatsch, aber nie nur eine Person. Beide Frauen haben, beziehungsweise hatten ihren eigenen prägenden Stil, und gerade, wenn sich eine Schauspielerin der wichtigsten Künstler-Diva im Nachkriegsdeutschland annähert, die so präsent und eigen war, ist man als Zuschauer stets versucht, die Ikonografie von damals mit dem Geschehen auf der Leinwand zu vergleichen.

Wenn es gelingt, das Vexierbild zu akzeptieren, bekommt man die bunte Interpretation einer grauen Zeit serviert. Wir sehen eine junge Schauspielerin, die mit Unterstützung durch den nationalsozialistischen Propagandaminister Joseph Goebbels eine Schauspielerausbildung beginnt, die im ausgebombten Berlin weiter bereits 1946 ihre erste große Rolle in "Die Mörder sind unter uns" bekommt und 1950 als "Die Sünderin" den ersten größeren Skandal der bundesrepublikanischen Filmgeschichte auslöst. Die in die USA zieht, persönliche und berufliche Abstürze wie Höhepunkte erlebt, und die erst 1966 als Sängerin und Schriftstellerin zurück nach Deutschland kehrt.

Die Kritiker sind nicht begeistert von der Nacherzählung, die 23 Jahre umfasst. Gerade die Widersprüche im Leben der Künstlerin seien ausgespart geblieben, das Geheimnis dessen, was die Knef so faszinierend für die einen und abstoßend für die anderen machte, werde nicht gelüftet. Vielleicht hätte Regisseur Kai Wessel die homosexuell veranlagten Fans fragen sollen, die sie bis heute auf den Händen tragen. Wir kennen die Antwort.

Schließlich erheben wir nur dann Diven in den Schwulenikonen-Himmel, wenn sie über genügend Liebes- und Leidensfähigkeit verfügen, die sie effektvoll dramatisch öffentlich inszenieren können. Die anecken, nur weil sie anders als die Masse sind, die sich dennoch behaupten, emanzipieren und ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten. Die ausgewogen Herzlichkeiten und Zickigkeiten verteilen können und die selbst im hohen Alter noch mindestens so eitel sind wie ein Haufen schwuler Teenager.



#1 MarkusHHProfil
  • 14.03.2009, 08:49hHamburg
  • Ich habe den Film gesehen und dazu folgende Meinung (schon, dass der Film kontrovers diskutiert wird, ist wieder mal typisch für alles, was mit Hilde zu tun hat - sogar nach ihrem Tod):

    1. Heike kriegt ne 1+! Besser hätte die Knef nicht gespielt werden können.

    2. Der Film ist sehr aufwändig und von Anfang bis Ende sehr gut gemacht. Unterm Strich mehr als sehenswert!

    3. (Und nun kommt die Kritik) Ich frage mich, ob die "Lebensszenen" richtig ausgewählt wurden. Kindheit und Jugend bleiben unerwähnt (die Bedeutung des Großvaters wird dem Unwissenden nicht erschlossen).Warum wird nur nebenbei auf "Die Mörder sind unter uns" eingegangen? Wieso wird nicht erwähnt, dass Hilde als Erste nach dem Krieg wieder auf der Bühne stand? Wieso wird auf die Freundschaft mit Marlene nicht eingegangen ("Hilde" erwähnt sie nur kurz im Büro von Selznick, bevor sie sie persönlich kannte). Es fehlen aus meiner Sicht ganz einfach bedeutende Daten; 136 Minuten hätten anders gefüllt werden können.

    Trotzdem: Hingehen! Ansehen! Unbedingt!

    Und: DASS auch 1966-2001 verfilmt werden MÜSSEN, braucht nicht diskutiert zu werden! Mein Titelvorschlag: Nach "Hilde", "Knef!". Denn die singende und schreibende Knef ist weitaus tiefgründiger - ich finde, wichtiger - als die Schauspielerin Knef.
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#2 JanAnonym
  • 14.03.2009, 11:49h
  • Antwort auf #1 von MarkusHH
  • Besser hätte ich es auch nicht sagen können!!! Stimmt im Grunde alles.... insbesondere der Teil bezüglich der Musik. Aber auch so ein toller, sehr sehenswerter Film mit einer starken Hauptdarstellerin. Beim Auftritt am Schluss hatte ich echt Pippi in den Augen! ;)
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#3 stromboliProfil
  • 14.03.2009, 14:11hberlin
  • Antwort auf #2 von Jan
  • pippi in den augen...

    www.hildegardknef.de/Texte/tapetenwechsel.htm
    :
    Ich brauch’ Tapetenwechsel

    Hans Hammerschmid / Hildegard Knef



    "Ich brauch' Tapetenwechsel, sprach die Birke,

    und macht' sich in der Dämmerung auf den Weg.



    Ich brauche frischen Wind um meine Krone,

    ich will nicht mehr in Reih und Glied

    in eurem Haine stehen,

    die gleiche Wiese sehen,

    die Sonne links am Morgen, abends rechts.



    Ein Bus verfehlte sie um zwanzig Zentimeter,

    und auf dem Flugplatz war sie ernsthaft in Gefahr,

    zwei Doggen folgten ihr um Astes Breite,

    und kurz nach zwölf traf sie ein Buchenpaar.



    Die eine sprach: Sie hab'n hier nichts zu suchen,

    so was wie Sie hat nicht einmal ein Nest.

    Sie wurde gelb vor Ärger

    und weil's auch schon Herbst war,

    Verzweiflung kroch ihr langsam ins Geäst.



    Des Försters Beil traf sie im Morgenschimmer,

    gleich an der Schranke, als der D Zug kam,

    und als Kommode dachte sie noch immer,

    wie schön es doch im Birkenhaine war."
    ______________________
    Mein coming out lied! Abzüglich der letzten strophe, entsprach das meiner damaligen geisteshaltung/verfassung.
    Wenn ichs heut hör, treibts immer noch die wässerchen in die müden augenwinkel...
    ja,ja, nah am wasser gebaut!

    Selbst auf besuch des filmes, auf anraten eines freundes, verzichtet: der film sei allenfalls den besuch im fernsehen wert, auf keinen fall großes kino trotz der Makatsch, eher biederes Feuilleton...
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#4 gatopardo
  • 14.03.2009, 17:52h
  • Antwort auf #3 von stromboli
  • Ja unsere Geisteshaltung, die sich entwickelt und ändert. Hilde ist ein Teil unserer schwulen Vergangenheit, die wir unmöglich mit einem "biederen Feuilleton" aufarbeiten können, wie Du Dich mal wieder treffend ausdrückst. Natürlich konnte sie nie dem Anspruch einer grossen Künstlerin genügen, auch wenn "die Mörder sind unter uns" ein grossartiges Nachkriegsepos war.Und wie @markusHH erwähnt, so erinnere ich mich ans Buch "der geschenkte Gaul" , wo doch gerade ihre Bekanntschaft mit Marlene einen höheren Stellenwert verdient hätte. Vielleicht dient dieser Film aber trotzdem, den jungen Leuten unter uns einen kleinen Hauch der Schwulenikone dieser beschränkten Epoche der 50er und 60er Jahre aufzuzeigen, der wir nur im Stillen zujubeln durften.
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#5 MarkusHHProfil
  • 14.03.2009, 18:19hHamburg
  • Antwort auf #4 von gatopardo
  • Die "Jüngeren" können mit dem Namen Knef schon oft gar nichts mehr anfangen. Das Lied "Rote Rosen" kennt trotzdem jeder.

    Ich hörte gestern zum ersten Mal den Begriff "Generation Doof", was man wirklich nicht treffender auf den Punkt bringen kann. Vielleicht gelingt es durch den Film ja trotzdem, wenigstens ein paar Doofe zu erwecken und bei ihnen das Denken und den Anspruch wieder chique zu machen - wäre doch auch ein Erfolg ;-)
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#6 gatopardo
  • 14.03.2009, 20:13h
  • Antwort auf #5 von MarkusHH
  • Bin nicht sicher, ob die Knef dem heutigen Anspruch genügen würde. Für viele von uns war sie vor 40 Jahren einmal trotz schauspielerischen Mittelmasses die Extravaganz schlechthin. Auch Marlene hat uns ja diese Besonderheit vermittelt, die wir als Schwule so lieben. Zeitweise war es für mich die Schygulla, die in Fassbinder-Filmen weltweit berühmt wurde, oder heute die schrillen homofreundlichen Almodóvar-Musen wie Veronica Forqué oder Loles León, die wiederum in anderen Ländern kaum als solche bekannt sind.
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#7 sepp de deppAnonym
  • 14.03.2009, 21:11h
  • Antwort auf #5 von MarkusHH
  • Doof geborn ist keiner! Doof wird man gemacht!
    Und wer behauptet: „Doof bleibt doof!“ , der hat nicht nachgedacht.
    Doof geborn ist keiner! Doof wird man gemacht!
    Und wer behauptet: „Doof bleibt doof!“, vor dem nehmt Euch in Acht.
    Erika ist mies und fad, doch Papi ist Regierungsrat,
    drum macht sie ganz bestimmt das Abitur.
    Paule ist gescheit und schlau, doch sein Vater ist beim Bau,
    drum geht er bis zur neunten Klasse nur.
    Doof geborn ist keiner! Doof wird man gemacht!
    Und wer behauptet: „Doof bleibt doof!“ , der hat nicht nachgedacht.
    Doof geborn ist keiner! Doof wird man gemacht!
    Und wer behauptet: „Doof bleibt doof!“, vor dem nehmt Euch in Acht.
    Einigen hilft alle Welt, doch den meisten fehlt das Geld,
    sie müssen dauernd kämpfen für ihr Recht.
    Darum Kinder aufgepasst, dass Ihr Euch nichts gefallen lasst,
    denn keiner ist von ganz alleine blöd!
    Doof geborn ist keiner! Doof wird man gemacht!
    Und wer behauptet: „Doof bleibt doof!“ , der hat nicht nachgedacht.
    Doof geborn ist keiner! Doof wird man gemacht!
    Und wer behauptet: „Doof bleibt doof!“, vor dem nehmt Euch in Acht.
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#8 stromboliProfil
#9 I. Ramos GarciaAnonym