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- 12. März 2009 2 Min.
Die Makatsch spielt die Knef im Kinofilm "Hilde" Gelingt der Schauspielerin mit prägnanter Persönlichkeit die Darstellung einer eigenwilligen Schwulenikone?
Von Christian Scheuß
Da sieht man diese Frau auf den Bildern, die auf den ersten Blick so vertraut wirken. Hilde Knef im Interieur und Look der sechziger Jahre, wie sie lacht, raucht, singt. Aber etwas ist anders, die Fotografien sind bunt, nicht schwarz-weiß, und die Frau darauf ist plötzlich Heike Makatsch, die die Frisur und Kleider und das Makeup von Hilde trägt.
Die Makatsch spielt die Knef in der biographischen Verfilmung von Regisseur Kai Wessel, die jetzt im Kino läuft, und die ganze Zeit über wird man das Gefühl nicht los, da sitzt die Heike Knef oder die Hilde Makatsch, aber nie nur eine Person. Beide Frauen haben, beziehungsweise hatten ihren eigenen prägenden Stil, und gerade, wenn sich eine Schauspielerin der wichtigsten Künstler-Diva im Nachkriegsdeutschland annähert, die so präsent und eigen war, ist man als Zuschauer stets versucht, die Ikonografie von damals mit dem Geschehen auf der Leinwand zu vergleichen.
Wenn es gelingt, das Vexierbild zu akzeptieren, bekommt man die bunte Interpretation einer grauen Zeit serviert. Wir sehen eine junge Schauspielerin, die mit Unterstützung durch den nationalsozialistischen Propagandaminister Joseph Goebbels eine Schauspielerausbildung beginnt, die im ausgebombten Berlin weiter bereits 1946 ihre erste große Rolle in "Die Mörder sind unter uns" bekommt und 1950 als "Die Sünderin" den ersten größeren Skandal der bundesrepublikanischen Filmgeschichte auslöst. Die in die USA zieht, persönliche und berufliche Abstürze wie Höhepunkte erlebt, und die erst 1966 als Sängerin und Schriftstellerin zurück nach Deutschland kehrt.
Die Kritiker sind nicht begeistert von der Nacherzählung, die 23 Jahre umfasst. Gerade die Widersprüche im Leben der Künstlerin seien ausgespart geblieben, das Geheimnis dessen, was die Knef so faszinierend für die einen und abstoßend für die anderen machte, werde nicht gelüftet. Vielleicht hätte Regisseur Kai Wessel die homosexuell veranlagten Fans fragen sollen, die sie bis heute auf den Händen tragen. Wir kennen die Antwort.
Schließlich erheben wir nur dann Diven in den Schwulenikonen-Himmel, wenn sie über genügend Liebes- und Leidensfähigkeit verfügen, die sie effektvoll dramatisch öffentlich inszenieren können. Die anecken, nur weil sie anders als die Masse sind, die sich dennoch behaupten, emanzipieren und ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten. Die ausgewogen Herzlichkeiten und Zickigkeiten verteilen können und die selbst im hohen Alter noch mindestens so eitel sind wie ein Haufen schwuler Teenager.
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CSI: Vegas
Folge 325: Die Poesie der Puppen, die aus Gummi – Ein Toter mit Gummipuppen-Kostüm wird gefunden, ermittelt wird gegen Schwulenhasser und gekränkte Diven.
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1. Heike kriegt ne 1+! Besser hätte die Knef nicht gespielt werden können.
2. Der Film ist sehr aufwändig und von Anfang bis Ende sehr gut gemacht. Unterm Strich mehr als sehenswert!
3. (Und nun kommt die Kritik) Ich frage mich, ob die "Lebensszenen" richtig ausgewählt wurden. Kindheit und Jugend bleiben unerwähnt (die Bedeutung des Großvaters wird dem Unwissenden nicht erschlossen).Warum wird nur nebenbei auf "Die Mörder sind unter uns" eingegangen? Wieso wird nicht erwähnt, dass Hilde als Erste nach dem Krieg wieder auf der Bühne stand? Wieso wird auf die Freundschaft mit Marlene nicht eingegangen ("Hilde" erwähnt sie nur kurz im Büro von Selznick, bevor sie sie persönlich kannte). Es fehlen aus meiner Sicht ganz einfach bedeutende Daten; 136 Minuten hätten anders gefüllt werden können.
Trotzdem: Hingehen! Ansehen! Unbedingt!
Und: DASS auch 1966-2001 verfilmt werden MÜSSEN, braucht nicht diskutiert zu werden! Mein Titelvorschlag: Nach "Hilde", "Knef!". Denn die singende und schreibende Knef ist weitaus tiefgründiger - ich finde, wichtiger - als die Schauspielerin Knef.