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  • 12. März 2009 25 3 Min.

Selbst im harmlosen Online-Fantasyspiel "World of Warcraft" gibt es Streit um Homo-Rechte: Die Aufseher von "World of Warcraft" haben einer deutschen Spielergemeinschaft den Namen "Queerschlag" untersagt – weil dieser diskriminierend sei.

Von Dennis Klein

Seit 2004 zieht das Rollenspiel "World of Warcraft" ("Welt der Kriegskunst") weltweit meist junge Computernutzer in den Bann und produziert für die Firma Blizzard Entertainment satte Rendite in Millionenhöhe: In der Fantasywelt können sich die Gamer eine neue Identität zulegen und gemeinsam mit anderen in einer Spielergemeinschaft – einer so genannten Gilde – Missionen erfüllen. Manchmal können diese aber von Monstern vereitelt werden.

Schlecht ist es dem spielbegeisterten Stephan S, ergangen: Er hat mit Freunden im Januar 2008 die Gilde "queerschlag" ins Leben gerufen. "Der ursprüngliche Gründungsgedanke war, eine Heimat in den Welten von WoW für Schwule und Lesben zu gründen", so S. a gegenüber queer.de. "Sehr schnell stellt sich jedoch heraus, dass sich mit dem Wort queerschlag sehr viele Heterosexuelle identifizieren konnten und sich unserer Gildengemeinschaft angeschlossen haben. Mittlerweile steht unser Name für Toleranz und Akzeptanz."

Youtube | In der US-Serie "South Park" dreht sich die Folge "Make Love, Not Warcraft" um das populäre Online-Spiel.

Im Dezember war aber Schluss mit lustig: In einem Standardbrief teilte das "Game Master Team" mit, dass der Name gegen die Richtlinien verstoße und geändert werden müsse. Außerdem erhielt der Gildenleiter eine offizielle Verwarnung. In einem späteren Gespräch erklärte ein Verantwortlicher schriftlich, dass der Name wegen der "Anspielung … auf sexuelle Orientierung" geändert werden müsse. Aber nicht nur die Anspielung auf Homosexualität sei verboten, "Queer" sei zudem im Englischen ein Schimpfwort, so Blizzard Entertainment. Auf die Frage, warum sich im "World of Warcraft"-Universum unbehelligt Hitlers und Eva Brauns herumtrieben, hieß es lapidar: "Der Gildenname verstößt gegen unsere Bestimmungen. Dass es schlimmere Namen gibt, ist hierbei kein Argument."

Selbst nach mehreren Gesprächen blieben die Oberen hart: Die Gilde musste ein "e" streichen und sich jetzt mit dem genehmen Namen "Querschlag" begnügen. Der Kampf um schwul-lesbische Bezeichungen in der virtuellen Spielewelt ist nicht neu: Schon 2006 kam es in den USA zu Auseinandersetzungen, weil eine Spielerin für ihre Gilde mit dem Slogan "GLBT-friendly" warb und deswegen verwarnt worden ist. In der daraufhin folgenden Diskussion zeigten manche Spieler in Chaträumen ihr wahres Gesicht: "Die meisten Homos glauben, dass jeder um sie herum, der einen nicht-perversen Lebensstil pflegt, ein paranoider, bigotter Homosexuellen-Hasser ist", erklärte einer.

Das Thema zeigt, wie schwierig es für die Macher von "World of Warcraft" ist, In ihren Antidiskriminierungsrichtlinien verbieten die Spielemacher daher jede Namensgebung auf Basis von sexueller Ausrichtung. Allerdings können sie nicht verhindern, dass die meist jungen, männlichen Spieler beim Chatten "that's so gay" schreiben – und "das ist scheiße" meinen.

-w-

#1 lolAnonym
  • 12.03.2009, 19:24h
  • Ja, so ist das mit der "political correctness": Am Ende wird sie gegen Leute gerichtet, die Kreise angehören könnten, welche sie einmal besonders lautstark verfochten haben. Und die "Antidiskriminierungsrichtlinien" werden in vollendeter Form zur Diskriminierung benutzt. Womit "Blizzard Entertainment" nebenher sehr schön, da eindeutig zeigt, wes Geistes Kind es ist. Früher hätte es da Rabatz, Boykott, Konkurrenzgründung gegeben. Heute sucht man das Gespräch - und fügt sich dann in sein Schicksal, nachdem man noch einmal protestiert hat. In aller Form, natürlich. Und gemäß der Richtlinien des maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze. Brav.
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#2 Etienne
  • 12.03.2009, 20:59hGladbeck
  • Hallo zusammen ...

    Als Betroffener möchte ich mich hierzu gerne einmal äußern.

    Die Gespräche mit den Blizzard Mitarbeitern sind an Ignoranz nicht mehr zu überbieten. Ein Gespräch mit einer Mauer macht durchaus wesentlich mehr Spaß.

    Das Verhalten von Blizzard zeigt mir letztendlich, das man als Schwuler solange geduldet wird, wie man leise und unauffällig ist, die ach so saubere Onlinewelt nicht infiziert und jeden Monat brav zahlt.

    In einem Gespräch mit einem Freund habe ich erfahren, dass ein Account komplett gesperrt wurde, weil die Besitzerin eine Porondarstellerin ist und irgendwie wurden im realen Leben die Zusammenhänge nach einem Interview mit ihr bekannt. Blizzard hat es damit abgetan, dass man solche Spieler nicht haben wolle.

    Ich würde liebend gerne lieber heute als Morgen meinen Account kündigen, nur habe ich seit bestehen unserer Gildengemeinschaft viele tolle Leute kennen und schätzen gelernt, was mir sehr viel wert ist und bedeutet.

    Just my 2 Cent

    Stephan
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#3 SchlagqueerAnonym
  • 12.03.2009, 22:39h
  • Das zeigt mal wieder, dass jeder, der einen nicht-perversen Lebensstil pflegt, ein paranoider, bigotter Homosexuellen-Hasser ist!
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