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- 13. März 2009 2 Min.
In der türkischen Metropole Istanbul ist am Dienstag eine Aktivistin für die Rechte von Transsexuellen erstochen worden. Organisationen fordern nun mehr Einsatz der türkischen Regierung für die Rechte von Lesben, Schwulen und Transsexuellen.
Von Norbert Blech
Die 28-jährige Aktivistin Ebru Soykan wurde am 10. März in ihrer Wohnung niedergestochen. Der Täter hatte sie in den Monaten zuvor offenbar schon mehrfach angepöbelt und angegriffen. Nach einer Mordandrohung hatte sich die Aktivistin Medienberichten zufolge an die Polizei gewandt, die den Mann aber nur vorübergehend festnahm. Nach der Tat hat die Polizei den Mann nun wohl für längere Zeit festgenommen.
Zweiter Mord in einem Jahr
Ebru Soykan war bei der Organisation Lambda Istanbul tätig, die am Donnerstag eine Kerzenandacht vor der Wohnung und einen Protestmarsch abhielt. Ein anderes Lambda-Mitglied, der 26-Jährige Ahmet Yildiz, war erst im letzten Jahr beim Verlassen eines Cafés von einem Unbekannten erschossen worden (queer.de berichtete). Die Organisation, die sich für die Rechte von Homo- und Transsexuellen einsetzt, war nach einem Verbot durch die Regierung erst gegen Ende des letzten Jahres durch ein Urteil des Obersten Gerichtshof für legal erklärt worden (queer.de berichtete).
Die Hirschfeld-Eddy-Stiftung hat sich am Freitag in einem Schreiben an den türkischen Botschafter in Deutschland gewandt. Die Organisation fordert eine Intensivierung der Aufklärungsbemühungen in beiden Mordfällen. Hassverbrechen an Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern müsse entschieden entgegengetreten werden. Der Botschafter wird in dem Brief zudem aufgefordert, sich bei der Regierung dafür einzusetzen, dass türkische Behörden die Sicherheit von Menschenrechtsverteidigern garantieren. Die Stiftung ruft außerdem zu Spenden für Lambda Istanbul auf.
Human Rights Watch fordert Schutz
Auch die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Türkei zu einem besseren Schutz von Homosexuellen aufgefordert. In einer am Freitag verbreiteten Erklärung reagierte die Organisation damit auf die Ermordung von Ebru Soykan. Solange es kein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz von Homo- und Transsexuellen gebe und die Polizei ihre Schutzpflichten nicht ernst nehme, werde es weitere Morde geben, erklärte Human Rights Watch. Es gebe ein Klima der Gewalt: "Wenn es um Menschenleben geht, kann die Türkei ihre Verpflichtungen nicht weiter ignorieren", sagte eine Mitarbeiterin der Organisation.
Laut Human Rights Watch habe Lambda Istanbul 2007 ganze 146 dokumentierte Fälle von Gewalt und Diskriminierung an Stadtverwaltung und Polizei übergeben, darunter auch Übergriffe durch die Polizei. Die Berichte wurden ignoriert.















Die Türkei zeigt immer wieder, dass sie nicht in die EU gehört.
Wie mir meine türkischen Freunde erzählt haben (die die Türkei auch nicht in der EU haben wollen, weil das Homorechte in der EU noch mehr blockiert als jetzt schon Polen), ist die Situation auf dem Land und in kleineren Städten noch schlimmer als in Istanbul, was schon die homofreundlichste Stadt dort ist.
Wenn selbst Amnesty International gegen eine EU-Aufnahme der Türkei ist, sollte das schon nachdenklich stimmen.