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  • 18. März 2009 26 4 Min.

Die schicke schwule Hotelkette Axel hat am Dienstag in Berlin ihr drittes Haus eröffnet – und das erste in Deutschland. queer.de hat mit dem Eigentümer Juan P. Juliá darüber gesprochen, was es mit dem Slogan "heterofriendly" auf sich hat, an wen sich das Angebot richtet und wie es mit der Prosecco-Versorgung aussieht.

Von Dennis Klein

Starfrisör Udo Waltz, Komiker Thomas Hermanns und Quietsche-Entchen Daniel Küblböck waren nur drei von 500 Gästen, die am Dienstag bei der Einweihungsparty des Axel Hotels in Schöneberg teilnahmen. Eröffnet hat das 13 Millionen Euro teure Luxushaus mit 86 Zimmern Klaus Wowereit persönlich. Der Zimmerpreis beträgt durchschnittlich knapp über 100 Euro - dafür liegt es nicht weit von der schwulen Szene am Nollendorfplatz entfernt. Das Hotel gehört zur ersten schwule Kette dieser Art. Sie hat ihre Ursprünge in Spanien: 2003 öffnete das erste Haus in Barcelona seine Pforten, 2007 war Buenos Aires dran. Erfinder der Kette und Eigentümer Juan P. Juliá stellt sich im Interview den Fragen von queer.de.

Ihr tretet als erstes "heterofriendly" Hotel an. Was bedeutet das?

Eigentlich ist das das Gleiche wie "gayfriendly". Wir als Schwule haben ja Erfahrungen damit, was es bedeutet, diskriminiert zu werden. Daher wollen wir einen Platz schaffen, an dem es keine Diskriminierung gibt und an dem sich jeder wohlfühlen kann.

Richtet sich Euer Angebot nicht hauptsächlich an Schwule und Lesben?

Es ist natürlich auf diese Zielgruppe ausgerichtet, denn sie wird von unserem Angebot mehr angesprochen. Aber jeder ist willkommen, falls er oder sie sich nicht unwohl fühlt in der Gegenwart von Schwulen und Lesben.

Was macht das Axel aus? Gibt es wegen Eurer Zielgruppe einen besonderen Service, etwa einen besonders großen Vorrat an Prosecco?

(lacht) Nein, das nicht, und wir haben auch keine Drag Queens an der Rezeption. Was wir machen wollen, ist, einen besonders hohen Standard im Service zu erfüllen, so dass sich alle Gäste wohl fühlen. Der größte Unterschied ist aber natürlich die besonders offene Atmosphäre. Wenn bei uns zwei Jungs oder zwei Mädels im Hotel-Restaurant sitzen und mit Champagner etwas feiern, guckt keiner schief. Sie können sie selbst sein, ohne sich Gedanken machen zu müssen. Und natürlich haben wir noch manche besonderen Service-Angebote. Beispielsweise kann jeder bei uns Gleitgel und Kondome erhalten, bevor er ausgeht. Wir wollen ja, dass unsere Kundschaft sicher ist, auch in diesem Bereich.

Wie hoch ist der Anteil der Heteros bei Euren Gästen?

Wir überprüfen das natürlich nicht, aber aus Erfahrung würde ich sagen, dass ungefähr 75 bis 80 Prozent Schwule und Lesben sind, der Rest Heteros. Das kann sich aber ändern. Im Sommer sind in Barcelona beispielsweise bis zu 100 Prozent schwul-lesbische Urlauber, während im Winter Geschäftsleute kommen und es sehr viel gemischter zugeht.

Was für Geschäftsleute steigen gerne bei Euch ab?

Das sind viele aus künstlerischen Berufen, also Designer oder Menschen aus der Modeindustrie, aber auch die neuen Technologien sind vertreten. Insgesamt sind es eher kleiner Firmen, wobei sich das in Barcelona schon ändert und wir auch größere Kunden gewonnen haben.

Bislang habt Ihr drei Hotels in drei Metropolen eröffnet. Wie geht’s weiter?

Wir stehen gerade in Verhandlungen. Die sind aber noch nicht abgeschlossen, deshalb möchte ich dazu noch nichts sagen. Es geht aber dabei um Expansion in europäische Hauptstädte und insbesondere in die USA. In zehn Jahren wollen wir ungefähr 15 Hotels eröffnet haben.

Wollt Ihr weitere Hotels in Deutschland eröffnen?

Das ist bislang noch nicht geplant.

Ihr wollt nach den Angaben auf Eurer Website nur in homofreundlichen Städten Hotels eröffnen. Was passiert, wenn sich an einem Ort der Wind dreht und Homo-Rechte wieder beschnitten werden?

Die Tendenz zeigt ja zum Glück insgesamt in eine andere Richtung. Uns kommt es darauf an, dass die Bevölkerung homofreundlich ist. Als wir beispielsweise das erste Axel Hotel in Barcelona eröffnet haben, war in Spanien noch eine konservative Regierung an der Macht, die nicht gerade homofreundlich war. Aber die Bevölkerung war weiter, sie hat die Regierung abgewählt und jetzt sieht es für uns viel besser aus. Ich vertraue auf diese Entwicklung. Aber natürlich können wir kein Hotel in Städten eröffnen, in denen Homosexuelle verfolgt werden.

Also gibt es zunächst kein Axel Hotel in Moskau?

Na ja, vielleicht eines Tages mal.

-w-

#1 hwAnonym
#2 seb1983
  • 18.03.2009, 19:17h
  • wenns schee macht

    Aber für 100 euro die Nacht nicht meine Liga.
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#3 Pornoprinz
  • 18.03.2009, 19:24hDüsseldorf
  • Also, ich weiß ja nicht...

    Braucht die Welt wirklich "Homo-Hotels", um zu ihrer wahren Bestimmung zu finden?

    Ich persönlich fühle mich in solchen ghettoisierten Kästen ja eher unwohl - und Gay-Hotels erinnern mich immer an diesen Ralf-König-Comic mit den zwei Homoletten, die in einem Café folgendermaßen bestellen: "Erstens sind wir schwul, und zweitens hätten wir gerne zwei große Eisbecher!". Darauf die Bedienung: "Das erste interessiert mich nicht, und das zweite mit oder ohne Sahne?".

    Muss ich als Schwuler unbedingt in einem Hotel nächtigen, dass extra für mich als Angehöriger einer ach so gebeutelten Zielgruppe errichtet wurde?

    Und dann auch noch durchschnittlich (!) 100 € pro Nacht dafür hinblättern? Na ja, mit den dummen Homos kann man's ja machen, die zahlen jeden Preis... *kopfschüttel*

    Wenn ich als Touri nach Berlin reise, buche ich ein nettes Apartment, ebenfalls in Schöneberg, für 30-40 € die Nacht, habe eine volleingerichtete Küche anstelle einer popeligen Minibar und brauche mich nicht die ganze Zeit als Homo-Hotelgast zu fühlen.

    Auf Homo-Schnickschnack in einem Homo-Hotel verzichte ich dankend. Das ist etwas, das im Jahre 2009 die Welt nun wirklich nicht mehr braucht!
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