Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?10192

Ende April startet auf TIMM die Casting-Show "RuPaul’s Drag Race". Queer.de hat mit RuPaul darüber gesprochen, wie sie Amerikas beste neue Drag Queen findet und warum es ohne den Abgang von George W. Bush die Sendung nicht gegeben hätte.

Von Dennis Klein

In "RuPaul’s Drag Race" wird Amerikas beste Drag Queen gesucht. Als Mann im Anzug coacht Superstar RuPaul die Kandidatinnen – und schmeißt sich dann in den Fummel, um sie zu bewerten und Woche für Woche die am wenigsten überzeugende Teilzeitfrau nach Hause zu schicken. Die neunteilige Sendung lief im Februar und März mit guten Quoten im amerikanischen Homo-Sender Logo und im Musikkanal VH1. Ab Ende April wird der deutsche Schwulensender TIMM die Realityserie im Originalton mit Untertiteln ausstrahlen.

Queer.de: Wie habt Ihr die Kandidatinnen ausgesucht?

RuPaul: Der schwul-lesbische Fernsehsender Logo hat dazu aufgerufen, Videos auf seiner Website hochzuladen. Da haben tausende Drag Queens mitgemacht. Casting-Agenten haben dann diejenigen herausgefiltert, die das Zeug zum internationalen Star haben. Da sind 50 Bewerberinnen aus allen Teilen des Landes dabei gewesen, die wir besucht haben. Die neun aussichtsreichsten sind dann in die Sendung eingeladen worden. Wir wollten echte Showgirls haben, die mit den Geschlechterrollen spielen und viele verschiedene Rollen annehmen können. Das sollten vor allem Jüngere sein, da wir die die Drag-Kultur zurück in den Mainstream holen wollten.

War die Drag-Kultur denn aus dem Mainstream verschwunden?

Die Drag-Kultur ist in den Untergrund gegangen. Was geblieben ist, waren heterosexuelle Komiker wie Martin Laurence oder Eddie Murphy, die sich in den Fummel geworfen haben. Die haben aber nicht mit Geschlechtergrenzen gespielt, sondern sich lediglich darüber lustig gemacht.

Hättet Ihr also keine Heterojungs als Kandidatinnen genommen?

Doch, natürlich, wenn sie unsere Kriterien erfüllt hätten. Aber seien wir mal ehrlich: Die besten Drag Queens sind schwul (lacht).

Youtube | RuPaul im CNN-Interview

Was zeichnet Deine Kandidatinnen aus?

Jede repräsentiert eine andere Facette der Drag-Welt. Wir haben das sexy Showgirl, die Diva, die Tänzerin. Wichtig ist auch, dass sie sich selbst nicht so ernst nehmen. Sie müssen verstehen, dass sie eine Illusion darstellen und die viel belaufenen Wege verlassen müssen. Die Drag-Welt ist eine wunderbare Welt der Illusion. Und die neun Mädels, mit denen ich gearbeitet habe, sind mir während der Sendung sehr ans Herz gewachsen.

War es dann nicht schwierig, Woche für Woche eine hinauszuschmeißen?

Das war wirklich hart, denn ich habe alle Kandidaten sehr lieb gewonnen. Ich hätte nie gedacht, wie emotional ich auf diese Verabschiedungen reagieren würde. Ich hab die Show ja auch mitproduziert und wir haben sehr viel im Voraus geplant. Was wir nicht geplant haben, ist, dass ich wirklich vor der Kamera heulen musste.

Sind die Drag Queens denn heute anders als zu der Zeit, als Du mit Deiner Karriere begonnen hast?

Viele sind heute viel angstfreier und sehr erfrischend frech. Früher war es ja so, dass Drag Queens vor allem wie schöne Frauen aussehen wollten, alles andere war zweitrangig. Heute gehen sie mehr Risiken ein. Beispielsweise ist in der Sendung die Kandidatin Nina Flowers, die auf Punk macht. So etwas ist neu.

Drag Queens haben ja auch das Image der lästernden Diven. Wie divenhaft ging es denn unter den Kandidatinnen zu?

Sehr respektvoll, muss ich sagen. Klar, es gab hin und wieder Reibereien. Das liegt natürlich auch an dem Format dieser Sendung und ist erwünscht. Aber die Mädels sind allesamt Profis, die es in ihren Heimatstädten bereits zu einiger Berühmtheit gebracht haben. Sie wissen, dass die Sendung ihre Chance ist, sich auf einer Bühne der ganzen Welt zu präsentieren. Also zeigten sie ihre Schokoladenseite.

Waren sie auch so lieb, als die Kameras ausgeschaltet wurden?

Das weiß ich nicht. Ich habe als ihre Mentorin nur mit ihnen gearbeitet, als die Kameras dabei waren. Aber ich schätze sie so ein, dass sie sich nicht gegenseitig das Leben schwer machen wollen.

Hast Du denn etwas von Deinen Kandidatinnen gelernt?

Gelernt würde ich nicht sagen, aber ich bin von ihnen inspiriert worden. Beispielsweise singe ich auf meinem neuen Album "Champion" Lieder, die ohne unsere gemeinsame Zeit so nicht entstanden wären. So erzählte mir eine Kandidatin, dass sie aus ihrem Elternhaus geworfen wurde, nur weil sie schwul ist. Ihr habe ich das Lieb "Never go home alone" gewidmet. Das Lied "Ladyboy" basiert auf einer anderen Kandidatin, die von den Philippinen stammt.

Casting-Shows gibt es ja in den USA, aber auch in Deutschland, wie Sand am Meer. Was unterscheidet Dich denn von – sagen wir mal – Heidi Klum?

Wir sind zwei völlig unterschiedliche Frauen (lacht). Nein, bei uns muss eine Kandidatin gleichzeitig Model, Modedesigner und auch "American Idol" (US-Version von DSDS, Red.) sein. Gerade die Vielfältigkeit der Drag-Kultur macht die Sendung aus.

Wer hatte denn die Idee für diese Art der Casting-Show?

Das Konzept ist schon seit acht Jahren in meiner Produktionsfirma "World of Wonder" herumgegeistert. Aber davor war die Zeit einfach nicht reif für die Sendung. Sie hätte nicht funktioniert: Jeder wurde die letzten Jahre in Amerika quasi gezwungen, sich anzupassen. Das Spiel mit Geschlechterrollen war mehr als verpönt. Zum Glück ändert sich das gerade. Jetzt bin ich zufrieden, dass die Show sehr gut läuft.

Wieso ist die Zeit jetzt reif? Liegt’s nur am Regierungswechsel?

Das ist ein Teil davon. Wir haben ja in den USA in den letzten Jahren eine regelrechte Kultur der Angst und Hysterie durchleben müssen. Die Einstellung der Bevölkerung hat sich inzwischen geändert. Die Toleranz ist größer geworden und die Menschen sind neugieriger auf Fremdes. Sie fürchten sich nicht mehr so sehr und sind nicht mehr besessen von irrationalen Ängsten. Ich glaube, wir leben in Zyklen – nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt. Jetzt treten wir wieder in die Phase des Experimentierens ein, in der wir uns entfalten können und Fortschritte möglich sind. Ich genieße das, auch wenn ich weiß, dass dieser Zyklus auch irgendwann zu Ende gehen wird. Aber gerade hab ich Spaß.

Ist innerhalb dieses Zyklus’ noch eine zweite Staffel drin?

Ja, wir planen schon eine. Gerade ist die erste Staffel zu Ende gegangen, nach deren Ende werden wir abstimmen, wie es weiter geht. Ich bin ja auch gespannt, wie es in Deutschland laufen wird.

Bist Du denn schon in Deutschland aufgetreten?

Ja, ich bin in einer Live-Fernsehsendung aufgetreten. Da war ich etwas verwirrt, weil die Leute überhaupt nicht mitgegangen sind, sondern wie versteinert dagesessen haben. Später hat mir ein Produzent erzählt, dass das dort normal ist. Ich war dann erleichtert.

Youtube | Vorstellung der Sendung im Boulevardmagazin "The Insider"
Galerie:
RuPaul's Drag Race
17 Bilder


#1 KevinAnonym
#2 Luckylion
  • 28.03.2009, 10:48h
  • Ich liebe RuPaul´s Drag Race. Hab die Folgen in Amerika verfolgt und die Sendung war richtig toll. Alle Kandidaten sind gestandene Drag Queens und keine Anfänger wie in den meisten Castingshows hier. Und die Show wurde mit so viel Spass durchgezogen, der vielen Castingformaten hierzulande inzwischen abhanden gekommen ist.
    Es gibt in der Show unglaublich lustige, aber auch sehr berührende Momente. Toll finde ich, dass Timm es im Originalton sendet.

    Ein Fehler ist noch im Text: RuPauls Album "Champion" ist auch in Deutschland bei iTunes bereits erhältlich. Auch das ist total gelungen

    Danke für den Hinweis. Die CD kann natürlich auch direkt aus den USA, etwa über amazon.com, bestellt werden. Red.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 28.03.2009, 11:37h
  • Das kann ja heiter werden! Bin einmal gespannt, wann es in Deutschland Nachahmer geben wird.
  • Antworten » | Direktlink »