Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?10223
  • 05. April 2009 34 2 Min.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin ist am Wochenende erneut beschädigt worden.

Die Verglasung des Sichtfensters ist von bislang unbekannten Tätern zerkratzt worden, stellten Mitarbeiter des Wachschutzes am Sonntagmorgen fest. Durch das an einer Stele angebrachte Sichtfenster können Besucher eine Videosequenz mit zwei sich küssenden Männern sehen. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat bereits seine Ermittlungen aufgenommen, da ein politischer Hintergrund der Tat nicht ausgeschlossen werden kann.

Das ist bereits die dritte Attacke auf das Mahnmal innerhalb von acht Monaten: Im August 2008 schlugen Unbekannte das Fenster ein (queer.de berichtete), im Dezember wurde ein Stein auf das Glas geworfen, so dass dieses splitterte (queer.de berichtete). Auch hier fehlt bislang von den Tätern jede Spur.

Homo-Aktivisten verurteilten den Anschlag: "Jede Schändung eines Gedenkortes für Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, gefoltert und ermordet wurden, ist eine zutiefst abscheuliche Tat", erklärte der Lesben- und Schwulenverband. "Die wiederholten Anschläge auf das Denkmal zeigen: Homosexuellenfeindlichkeit ist nach wie vor stark verbreitet. Allein der Anblick eines Kusses zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts kann massive Gewalt hervorrufen." Das sei auch die "bittere Alltagserfahrung vieler Schwuler und Lesben". Der LSVD forderte die Bundesregierung auf, einen Nationalen Aktionsplan gegen Homophobie vorzulegen. Der Verband lobte dabei das Land Berlin, das vor einem Monat ein 26-Punkte-Papier im Kampf gegen Homophobie beschlossen hat (queer.de berichtete).

Das 2008 errichtete Mahnmal soll an die Verfolgung von Schwulen und Lesben in der Nazi-Zeit erinnern. Es wird geschätzt, dass die Nationalsozialisten 100.000 schwule Männer polizeilich erfassten, rund 50.000 wurden nach Paragraf 175 verurteilt. Etwa 10.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt und zum Teil bestialisch gefoltert. Viele von ihnen wurden ermordet. (dk)

Wöchentliche Umfrage

» Wie kann das Homo-Mahnmal effektiv geschützt werden?
    Ergebnis der Umfrage
-w-

#1 nino89
  • 05.04.2009, 20:03h
  • Schade, ich dachte, dass wir im 21.Jahrhundert irgendwann die massenhafte Homophobie hinter uns gelassen hätten, anstatt sie wieder zu verstärken...
  • Direktlink »
#2 RoggeAnonym
  • 05.04.2009, 20:08h
  • Der Stein des Anstoßes...

    Sollten wir es nicht so beschädigt lassen?
    Hat das nicht eine viel größere Aussage über den Zustand unserer Gesellschaft - als immer und immer wieder zu reparieren? Mahnt ein beschädigtes Mahnmal nicht auch?
    Wie oft soll es noch instant gesetzt werden?
  • Direktlink »
#3 stephan
  • 06.04.2009, 02:39h
  • Ja, so weit ist es in unserer Gesellschaft mit Toleranz ...
    Ein Aktionsplan gegen Homophobie ist dringend geboten und noch mehr wäre es vonnöten, dass alle Kräfte unserer Gesellschaft vorbehaltlos dahinter ständen und ohne Einschränkung homosexuelle Lebensweisen als vollkommen gleichberechtigt anerkennten und öffentlich so bezeichneten.
    Wenn aber von so vielen gesellschaftlichen Gruppen stets immer nur ein 'Aber' kommt, Konservative auf den Verfassungsschutz der Ehe verweisen, klassische Familienstrukturen immer noch als Idealbild dargestellt werden, Kirchenvertreter homosexuelle Partnerschaften als abartig bezeichnen dürfen, ... dann ist das doch bloß eine Bestätigung für die Täter, die eine Mehrheit hinter sich zu haben glaubt.
    Wenn selbst ein Filmkuss zwischen Männern mitten in Berlin in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel mit der üblichen Präsenz der Staatsmacht solche Reaktionen zeitigt, dann müsste selbst dem ignorantesten Politiker klar werden, wie bedroht sich homosexuelle Menschen irgendwo in der Provinz fühlen müssen, wenn sie z.B. nächtens Hand in Hand über die Straße gehen!
    Ich fürchte nur, man wird das Denkmal wieder herstellen, den Vorgang für zwei Monate vergessen (bis zur nächsten Attacke) und es als Bagatelle oder üblichen Vandalismus herunterspielen - dabei ist es ein deutliches Zeichen für viel Schlimmeres!
    Der vom LSVD geforderte Aktionsplan muss her und die Spitze unseres Staates muss sich offen dahinter stellen. Das wäre ein glaubhafter Anfang!

    Und ich denke auch an die zu Tode gequälten Opfer des NS-Regimes, die 2009 immer noch verhöhnt werden ... widerwärtig, wer das tut oder gleichgültig hinnimmt!
  • Direktlink »