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- 24. April 2009 2 Min.
Im niederrheinischen Dinslaken wollen CDU, SPD und Grüne den rechtsgerichteten Stadtverordneten Heinrich Mühmert in einer Resolution auffordern, sich aus der Politik zurückzuziehen – die FDP will das allerdings nicht mittragen. Mühmert hatte einen Karnevalsprinzen im Rat als "schwulen Wicht" bezeichnet.
Mühmert ist Stadtverordneter der rechtspopulistischen Offensive Dinslaken ("Sauberkeit, Sicherheit, Recht, Ordnung") und bewirbt sich dieses Jahr um den Posten des Bürgermeisters. Er hatte in einer Ratssitzung Ende März erklärt: "Das politische Jahr begann am 9. Januar 2008 im Rathaus mit der Schlüsselübergabe an den schwulen Prinzen von Eppinghoven 'We sind wer dor'. Liebe Frau Wagemann, als Vorsitzende des Ortsverbandes der CDU Eppinghoven, konnten Sie es nicht verhindern, dass in Ihrer christlichen Gemeinde dieser schwule Wicht zum Prinz gekürt wurde?". Die amtierende Bürgermeisterin erteilte daraufhin einen Ordnungsruf, andere Mandatsträger verließen demonstrativ den Saal. Später entschuldigte sich Mühmert für seine Wortwahl, in der Sache sei die Äußerung aber richtig gewesen.
Der so gescholtene Prinz, Helge Gilbert, hat bereits Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Mühmert erstattet. Die Äußerungen verstießen ferner gegen die Landesverfassung sowie gegen das Diskriminierungsverbot der europäischen Menschenrechtskonvention, argumentierten auch mehrere Stadtverordnete. Auf Initiative von CDU-Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat Heinz Wansing soll Mühmert deshalb aufgefordert werden, sich aus der Politik zurückzuziehen. SPD und Grüne wollen die Resolution voraussichtlich am kommenden Dienstag unterstützen, so die "Rheinische Post".
Lediglich die FDP und eine kleine Wählervereinigung wollen die Resolution nicht mittragen. Man würde zwar jederzeit ernst gemeinte Resolutionen gegen Diskriminierung unterstützen, allerdings sehen die Liberalen keinerlei Ansätze für eine generelle Diskriminierung von Homosexuellen, erklärten die Liberalen. Die Äußerungen seien kein Verstoß gegen die Landesverfassung oder Europarecht. Man wolle daher nicht wie die anderen Fraktionen vor der Wahl gegen unbequemen Ratsmitglieder vorgehen. (dk)












