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Einzelkommentar zu:
Thailand: Kurs für tuckige Mönche


#15 Theisentheis
  • 01.05.2009, 02:44h
  • Antwort auf #11 von SuperMario
  • @SuperMario:
    "es wird erst problematisch wenn ein spirituelles Übungssystem seine Regeln zur allgemeingültigen gesellschaftlichen Norm erklärt und anfängt zu missionieren" - die Meinung teile ich uneingeschränkt, geht mir auch gegen den Strich.

    Und ich kann dir leider nicht genauer erklären, inwiefern das auf den Buddhismus zutrifft - ich bin kein Buddhist und auch kein Experte für Buddhismus, aber sehr wohl ein Experte in Religionswissenschaft (zählt ein Studium hier was?). Bevor jetzt aber das Triumphgejohle von Seiten Konstandingens losgeht: mit dem Religionsbegriff und was darunter verstanden wird, kenn ich mich durch Studium und Beruf aus. Das ist zwar noch keine Garantie für "in diesem Punkt auf jeden Fall Recht haben". Aber sicher nicht weniger Grundlage für meine begründete Aussage "Buddhismus ist eine Religion" als für Konstandingens unbegründete Behauptung "Buddhismus ist keine Religion" (im übrigen @Konstandingens: hättest du meinen Abschnitt auch nur eine Zeile weiter zitiert, wäre dir die von mir angegebene Quellenangabe nicht verborgen geblieben. Ich kenne die Gepflogenheiten wissenschaftlichen Arbeitens).

    Und ich habe auf die Problematik des Begriffs "Religion" hingewiesen als relativierendes Moment: ja, es ist nicht unstrittig, ob der Buddhismus nun mit dem landläufigen (=laienhaft verstanden) deutschen Begriff "Religion" erfasst werden kann.

    Mir geht es überhaupt nicht um eine pauschale Christentumsverteidigung und auf keinen Fall um eine Verteidigung einer Großkirche und deren Ansichten. Daher sprach ich ja auch davon, dass Kritik in manchen, ja vielleicht sogar vielen, möglicherweisen zentralen Punkten des Christentums angebracht sei. Aber wer sich mit der protestantischen Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandersetzt (nein, will ich nicht! wieso auch! zeitverschwendung! - schon klar), der wird feststellen, dass die meisten Kritikpunkte ganz alte und theologisch! (nicht religiös) längst aufgegebene Positionen sind. Als Beispiel sei nur die Theologie Dietrich Bonhoeffers angeführt (Stichwort "nichtreligiöse Interpretation" ect.). Anders gesagt: was hier gegen das Christentum hervorgebracht wird, ist sogar innerhalb der Theologie ein uralter Hut. Die Religionskritik, Nietzsche hin Feuerbach her, ist über 100 Jahre alt. Und beide Positionen teile ich in ihren stärksten Elementen von Herzen. In ihren polemischen und schwächsten Elementen lassen sie mich kalt, da sind sie so banal und platt und polemisch wie Foren-Kommentare.

    "Deshalb neige ich dazu, die Christen bei allem möglichen zu kritisieren, solange sie eben ihren allgemeingültigen, absoluten Wahrheitsanspruch aufrecht erhalten." - Ich stimme zu: der allgemeingültige, absolute Wahrheitsanspruch gekoppelt damit, diesen anderen Menschen mittels Mission zu indoktrinieren, ist uneingeschränkt abzulehnen. Für mich ist daraus aber keinesfalls die Konsequenz, "bei allem möglichen zu kritisieren", sondern "genau bei diesen Dingen". Und es ist auch so, dass dieser exklusivistische Alleingeltungsanspruch nicht mehr christlicher Lehre entspricht (nicht einmal für die katholische Kirche zutrifft - Quelle Vaticanum II "Nostra aetate" - dort eine inklusivistische Vorstellung...immernoch mäßig sympathisch, aber eben nicht exklusivistisch). Und vor allem: dieser Anspruch müsste nicht von Christen vertreten werden, um Christ zu sein und zu bleiben. Und wo er es wird und Mission in diesem Sinne verstanden wird, widerspreche ich. Wo aber nicht, seh ich dafür keinen Anlass.

    In aller Kürze: ich will gesprächsfähig bleiben, auch mit Christen. Kritisieren, was zu kritisieren ist und respektieren, was ich akzeptieren kann. Und das will ich, genau deshalb, weil ich einer unterdrückten und verachteten Minderheit angehöre und weiß, was Vorurteile, Pauschalisierungen, Feindbilder, Undifferenziertheit usw. bedeuten. Wir alle haben das schon erlebt und erleben es noch. Leider.
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