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- 05. Mai 2009 2 Min.
Ein Eisdielenwirt im schwul-lesbischen Viertel am Berliner Nollendorfplatz soll mehrfach Homosexuelle beleidigt und ein Lesben-Pärchen aus seinem Vorgarten geworfen haben. Der Geschäftsmann verteidigt sein Vorgehen mit dem Schutz von Kindern und Migranten. Dies berichtet der Berliner "Tagesspiegel".
Eine 28-Jährige Berlinerin hat den Inhaber des "Dolce Freddo" in der Maaßenstraße nun angezeigt. Am vergangenen Sonntag saß sie gegen 19.10 Uhr mit ihrer Freundin auf einer Bank vor dem Eisladen, um auf Freunde zu warten. Dabei küssten und umarmten sie sich. "Daraufhin kam der Ladeninhaber heraus gestürmt und sagte, wir sollen uns sofort entfernen – wir wüssten schon warum", berichtete die lesbische Frau empört. Als sie eine Erklärung von ihm verlangte, habe er nur gebrüllt: Zwei Frauen, die sich hier küssen bediene er nicht. Sie sollten sich "verpissen". Zeugen bestätigen, dass auch der Satz "Mit so Leuten wie Euch rede ich nicht" und weitere homofeindliche Beschimpfungen gefallen sind.
Gegenüber dem "Tagesspiegel" zeigte sich der Eisdielenwirt, vor dessen Ladentür jährlich zehntausende Besucher das schwul-lesbische Stadtfest feiern, unwirsch: Der Platz vor seinem Eisladen sei Privatgrundstück, und er könne dort von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Auf die Frage des Blattes, ob ihn der lesbische Kuss gestört habe, entgegnete der Mann: "Die haben 20 Minuten herumgeknutscht. Das können die zu Hause machen, aber nicht hier bei mir." Schließlich schauten auch Kinder zu, und er habe auch türkische und arabische Kunden, die so etwas nicht wollten.
Bastian Finke vom schwulen Antigewaltprojekt "Maneo" sind weitere Vorfällen in Zusammenhang mit dem "Dolce Freddo" bekannt: Am 7. April meldete ein Augenzeuge, dass zu zwei Männern, die Arm in Arm vor dem Eisladen standen, gesagt worden sei: Sie sollten sich entfernen, damit derartige Berührungen nicht mit dem Geschäft in Verbindung gebracht würden. Im Mai 2007 meldete ein anderes schwules Paar: Sie hätten in der Schlange vor der Eisdiele gestanden und sich einen kurzen Kuss gegeben. Daraufhin habe der Inhaber gesagt: "Hey, bleibt mal cool. So etwas könnt ihr zu Hause machen, aber nicht bei mir."
Der Eisladen "Dolce Freddo" ist nicht mit der benachbarten Pizzeria "Dolce Pizza" zu verwechseln, die einen anderen Betreiber hat. Schwule und lesbische Gäste sind dort ausdrücklich willkommen. (cw)
Links zum Thema:
» "Dolce Freddo"-Homepage














