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- 06. Mai 2009 3 Min.
Schwule US-Blogs können ihre Schadenfreude kaum unterdrücken: Carrie Prejean, die mit einer moralischen Äußerung zur Homo-Ehe bekannt und zum Aushängeschild der Homo-Ehen-Gegner wurde, sorgt mit Tittenfotos für Aufregung.
Von Norbert Blech
Es war ein Kulturkampf, wie er nur in Amerika denkbar ist. In einer US-Fernsehshow zur Wahl der Miss USA hatte die amtierende Miss California, Carrie Prejean, eine ablehnende Haltung zur Homo-Ehe offenbart (queer.de berichtete). Die zu diesem Zeitpunkt in Führung liegende Kandidatin verlor daraufhin knapp das Rennen und gab später Schwulen und Liberalen die Schuld an ihrer Niederlage - die US-Nachrichtensender hatten ein großes Thema für ihre Experten-Diskussionssendungen gefunden.
Prejean, die doch vor allem und von allen nur die Schönste sein wollte, wurde schnell zu einer Heldin der Homo-Ehen-Gegner. Das von Republikanern dominierte Parlament des US-Bundesstaates Alabama hat sogar eine Resolution verabschiedet, in der Carrie Prejean wegen ihrer ablehnenden Haltung zu Homo-Rechten geehrt wird (queer.de berichtete). Auch die National Organization for Marriage, die in den letzten Monaten mit einem apokalyptischen und oft parodierten Video eine Breitseite gegen die Schwulenehe eröffnete, warb in neuen Videos gezielt und unter ihrer Unterstützung mit der Schönheitsqueen (aufgrund von Copyrightklagen der Miss-USA-Veranstalter, denen ihre Kandidatin wohl peinlich ist, sind diese Videos inzwischen entfernt worden).
thedirty.com
Nun haben die Moral-Hardliner ein Problem: Das Tratsch-Blog thedirty.com veröffentlichte ein Bild von Prejean in pinker Unterwäsche, die Brüste nur halb verhüllt. Eine Reporterin des Fernsehsenders KVBC fand heraus, dass das geleakte Bild nur Teil einer Serie von Fotos sein soll, die noch mehr enthüllen - es wird allgemein erwartet, dass diese Fotos in den nächsten Tagen ihren Weg ins Internet finden.
Prejean hat inzwischen auf das Auftauchen der Bilder reagiert: "Ich bin eine Christin und ein Model. Models posieren in Bildern, darunter in Unterwäsche oder Bikinis. Jetzt sind Fotos aus meiner Teenagerzeit auf einer Seite aufgetaucht, die mich aufgrund meines christlichen Glaubens lächerlich macht". Sie sei nicht perfekt, aber dieser Angriff sei "intolerant und beleidigend" und solle sie einschüchtern und ihren Glauben verstummen lassen, so das Statement. Doch sie werde den Kampf für die "ehrenhafte Institution" Ehe beibehalten.
Tittygate
Amerikanische Homo-Blogs hatten angesichts der unchristlichen Bilder, wie man im Englischen sagt, einen Feldtag. Einige bezweifeln, dass die Fotos wie von ihr angegeben eine 17-Jährige zeigen; vielmehr könnte es sich um Aufnahmen nach einer Brustvergößerung handeln, die Prejean erst vor sechs Wochen aus den Einnahmen ihrer Miss-Wettbewerbe finanziert hatte. Der schwule Blogger Joe. My. God. spricht amüsiert von "Tittygate" - in Anspielung auf "Nipplegate", jenem "Skandal", als Janet Jackson vor einigen Jahren im Super-Bowl-Finale für einen Bruchteil einer Sekunde eine Brust entblößte und Amerika kurzzeitig gefühlt vor einem Bürgerkrieg stand. Blogger Joe zitiert auch genüsslich die Bibel, aus dem erste Brief an Timotheus, Kapitel 2: "Auch sollen die Frauen sich anständig, bescheiden und zurückhaltend kleiden; nicht Haartracht, Gold, Perlen oder kostbare Kleider seien ihr Schmuck, sondern gute Werke; so gehört es sich für Frauen, die gottesfürchtig sein wollen."
Die Tittenbilder könnten Prejean den Titel als Miss California kosten - die Satzung verbietet nackte und halbnackte Aufnahmen. Es ist also eine umfassende Seifenopfer zum Thema Doppelmoral, die Amerika da aufführt. Nur dass die Betroffenen davon nichts merken. Die National Organisation for Marriage hat die öffentliche Zurschaustellung der Schönheitskönigin und den "Hass" gegen sie kritisiert: "Natürlich ist Carrie nicht perfekt. (...) Aber man muss nicht perfekt sein, um für die Ehe zu kämpfen."









