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- 06. Mai 2009 3 Min.
Die britische Regierung hat eine Liste von Personen veröffentlicht, die nicht mehr auf die Insel einreisen dürfen. Hierzulande ist das nicht geplant, dabei hat die Westboro Baptist Church längst auch das "von Schwuchteln verseuchte" Deutschland im Visier. Winnenden sei erst der Anfang von Gottes Zorn.
Von Norbert Blech
Die britische Regierung hat am Dienstag eine Liste von 22 Personen veröffentlicht, die nun offiziell unerwünscht bzw. "least wanted" sind und nicht mehr ins Land einreisen dürfen. Sechs Namen wurden nicht veröffentlicht, bei den anderen Personen handelt es sich um Neonazis, Islamisten und einen Radiomoderator sowie den Priester Fred Phelps und seine Tochter Shirley.
Die kleine Westboro Baptist Church aus Topeka im US-Bundesstaat Kansas, deren Anhänger vor allem aus der großen Phelps-Familie rekrutiert sind, führt seit Jahren einen unvergleichlichen Feldzug gegen Schwule, in dem unter anderem bei Beerdigungen mit Plakaten wie "Gott hasst Schwuchteln" demonstriert wird. Bereits im Februar hatte Großbritannien den Phelps-Clan nicht ins Land gelassen (queer.de berichtete). Die Kirche hat zuvor auf ihrer Website GodHatesFags.com angekündigt, dass sie gegen ein schwules Theaterstück im südenglischen Basingstoke protestieren wollte.
Innenministerin Jacqui Smith sagte bei der Vorstellung der Liste im britischen Frühstücksfernsehen, es sei ein Privileg, nach Großbritannien einzureisen. "Und ich weigere mich, dieses Privileg Personen zu gewähren, die unsere Standards und Werte missbrauchen und unseren Lebensentwurf unterlaufen", so Smith weiter.
In Deutschland tut man sich noch schwer mit Einreiseverboten. Im letzten Jahr hatte das Bundesinnenministerium dem Lesben- und Schwulenverband mitgeteilt, dass es nach Protesten bei dem homophoben Sänger Sizzla "die erforderlichen ausländerrechtlichen Maßnahmen zur Verhinderung einer Einreise in den Schengen-Raum getroffen" habe (queer.de berichtete). Der Jamaikaner konnte trotzdem in mehreren europäischen Ländern auftreten (queer.de berichtete). Zuvor hatte die Regierung nach Protesten ein Einreiseverbot für den Hass-Sänger Bounty Killer verhängt; zu diesem Zeitpunkt war er allerdings bereits eingereist und konnte u.a. in München auftreten (queer.de berichtete).
"Homo-faschistisches Deutschland"
Dabei hat die Westboro Baptist Church auch längst Deutschland im Visier: Zum Amoklauf in Winnenden hat die Gemeinde etwa eine kaum beachtete Presseerklärung herausgegeben. Darin heißt es, Gott habe den Schützen als Vergeltung dafür geschickt, dass Deutschland ein "schmutziger, von Schwuchteln verseuchter, homo-faschistischer Staat" geworden sein. Der Phelps-Clan kündigte Open-Air-Gottesdienste in Deutschland an, um Gott für die "16 schmutzigen toten Deutschen" zu danken. "Wir beten für viele (Tote) mehr", heißt es im PDF-Flugblatt. Auch eine Demo zu den Beerdigungsfeiern in Winnenden und zwei Proteste vor deutschen Konsulaten in Boston und Washington wurden angekündigt, aber offensichtlich nicht durchgeführt.
Die Kirche hat auch die Webseite "God hates Germany" eingerichtet, als Teil eines Verbundes von speziellen Länderseiten, die offenbar auf willkürlich ergoogelte Fakten basieren. Neben Zahlen zu Abtreibungen und Scheidungsraten wird auch auf Bierleichen beim Oktoberfest, öffentliche Urinale und die Fuck-Parade eingegangen.
Mit der Abschaffung des §175 habe Deutschland einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, heißt es auf der Webseite. Nun treffe das Land Gottes Zorn, etwa in Winnenden oder auch beim Archiv-Einsturz in Köln. Was die deutsche Justiz aufhorchen lassen sollte: Die Seite bringt auch den Holocaust in Zusammenhang mit Gottes Zorn. "Gott nutzte den teuflisch-perversen Hitler, um Millionen von Christus ablehnenden Juden und Schwuchteln zu bestrafen und zu zerstören".














