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Am Wochenende hat sich Präses Alfred Buß, Chef der evangelischen Kirche von Westfalen, auf dem evangelischen Kirchentag in Bremen für eine bessere Akzeptanz von Homosexuellen in der Kirche ausgesprochen – die Ehe ist aber nach seiner Ansicht für Schwule und Lesben nach wie vor tabu.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sei Homosexualität anlagebedingt, wird Buß in der evangelischen Nachrichtenagentur epd zitiert. "Es handelt sich weder um eine Fehlentwicklung oder eine Krankheit noch um eine Behinderung oder ein Defizit", erklärte der 62-Jährige. In der Bibel spiele das Thema nur eine Nebenrolle. So komme es im Neuen Testament nur in zwei Paulus-Briefen vor, in denen sich der Autor vor allem gegen Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse wende.


Der Präses verglich dabei den Weg zur Anerkennung von Schwulen und Lesben mit dem Umgang mit Linkshändern. Noch vor kurzem sei ihre Veranlagung als ein Mangel betrachtet worden, den man umerziehen müsse. Heute würden Linkshänder selbstverständlich akzeptiert.

Die Ablehnung von Homosexualität dürfe nicht "kontextlos" mit der Bibel begründet werden, so Buß, sondern das Thema sei im größeren Zusammenhang mit der christlichen Botschaft zu deuten. In der Kirche müsse man aber miteinander respektvoll umgehen, auch wenn man nicht einer Meinung sei. Während die katholische Kirche Homosexualität generell ablehnt, erkennen Teile der evangelischen Kirche seit über einem Jahrzehnt gleichgeschlechtliche Lebensweisen teilweise an. So hat erst Anfang des Jahres die Evangelische Kirche im Rheinland Pfarrer und Kirchenbeamte in Eingetragenen Lebenspartnerschaften im Besoldungs- und Versorgungsrecht mit Ehepaaren gleichgestellt (queer.de berichtete).

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Buß machte aber klar, dass die deutsche evangelische Kirche eine Öffnung der Ehe wie in den Niederlanden oder in Belgien nicht dulden werde. Zwar würden für schwule und lesbische Paare die gleichen ethischen Kriterien wie für Ehe und Familie gelten, "nämlich Freiwilligkeit, Ganzheitlichkeit, Verbindlichkeit, Dauer und Partnerschaftlichkeit". Die Ehe sei aber Homosexuellen vorzuenthalten, weil sie die Funktion habe, als "Lebensraum für Geburt und Erziehung der Kinder" zu dienen. (dk)

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#1 SuperMarioEhemaliges Profil
  • 25.05.2009, 14:17h
  • Die "Evangelische Kirche" kann ja ihre Meinung kundtun, sie hat nur nichts weiter zu sagen. Ihre Meinung hat die Politik nicht zu interessieren, ob sie nun die Ehe öffnet oder nicht. Skandalös, wenn sich die Politik von der "Evangelische Kirche" beeinflussen lässt, was vermutlich leider der Fall.

    Wir brauchen eine Trennung von "Kirche" und Staat nach französischem Vorbild. Nicht dass das die Lösung aller Probleme wäre, aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung.
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#2 R.S.Anonym
  • 25.05.2009, 14:27h
  • "Weder eine Fehlentwicklung oder Krankheit, noch eine Behinderung oder ein Defizit"
    Wie großzügig von ihm. Warum ist es eigentlich gleich ein riesiger Fortschritt, wenn ein Kirchenvertreter das Offensichtliche mal nicht leugnet?
    Solange im Hinterkopf bleibt, Homosexualität sei grundsätzlich erst einmal 'schlecht', kann doch kaum von einem Unterschied im Vergleich zur Meinung der Katholiken die Rede sein.

    "Die Ehe sei aber Homosexuellen vorzuenthalten, weil sie die Funktion habe, als "Lebensraum für Geburt und Erziehung der Kinder" zu dienen."
    Ja lol. Dann soll er doch mal beantragen, dass kinderlose (Hetero-)Ehepaare künftig Lebenspartnern gleichgestellt werden. Das wäre fair.
    Solange das Kriterium der Unterschiedlichkeit die sexuelle Orientierung bleibt, ist es ein Hohn, hier von Akzeptanz zu sprechen.
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#3 gerdAnonym
  • 25.05.2009, 14:40h
  • Interessanter Beitrag von Präses Alfred Buß.

    Ich finde es gut, dass die Landeskirche Westfalen, die der EKD angehört, sich für eine bessere Akzeptanz homosexueller Menschen in der Gesellschaft und in den Kirchen stark macht.

    Auch freut es mich als schwuler Christ, dass Alfred Buß auf dem Evangelischen Kirchentag bei der Organisation HuK als Redner aufgetreten ist.

    Zudem finde ich es gut, dass die Landeskirchen der EKD 2000 das Grundsatzpapiert "Verlässlichkeit und Verantwortung stärken" verabschiedet haben.

    Mittlerweile akzeptieren viele protestantische Kirchen in Deutschland und weltweit homosexuelle Paare; gleiches gilt beispielsweise für altkatholische Kirche oder anglikanische Kirchen.

    Die Landeskirchenleitungen der EKD unterstützen die Einführung der Lebenspartnerschaft als familienrechtliches Institut und daher fordern sie auch die Gleichstellung dieser Partnerschaften in Besoldung und Versorgung, wie dies beispielsweise die Landeskirchen Nordelbien, Bremen oder Rheinland umgesetzt haben. Dies sollte daher auch endlich bei den verpartnerten Bundesbeamten durchgesetzt werden.

    Was aber bisher -aus meiner Sicht leider - abgelehnt wird, dass ist die Öffnung der Ehe, wie dies der Beitrag von Alfred Buß zeigt. Aber damit kann ich -vorerst- leben, da es mir erstmal um die gleichen Rechte (!) geht und die lassen sich auch im Rahmen der Lebenspartnerschaft durchsetzen. Die Anpassung der Einkommenssteuer an die Lebenspartnerschaft muss endlich erfolgen (!).

    Dem einzigen Denkfehler, dem Alfred Buß unterliegt, ist die Tatsache, dass auch in homosexuellen Beziehungen Kinder aufwachsen; insbesondere bei lesbischen Paaren oftmals der Fall. Mit diesem Gedanken wird er sich wohl noch stärker vertraut machen müssen. Die homosexuelle Paarbeziehung akzeptiert und unterstützt daher Alfred Buß, aber die homosexuelle Regenbogenfamilie scheint ihm nicht ausreichend bekannt zu sein.

    Fazit: Die Landeskirchenleitungen der EKD unterscheiden sich mittlerweile sehr positiv von der römisch-katholischen Kirchenleitung in Rom, die mit ihrem Zölibats- und Keuschheitsweg für homosexuelle Menschen und ihre Priester auf dem theologisch und ethisch sowie lebensfernen vollkommenen Holzweg sind.
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