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- 20. Juni 2009 2 Min.
Als eine Art politischen Auftakt des schwul-lesbischen Straßenfestwochenendes in Berlin kann man die Demo in Kreuzberg sehen, bei der gegen einen gewaltsamen Übergriff protestiert wurde.
Von Christian Scheuß
Es herrschte der übliche Verkehr auf der multikultibunten Oranienstraße. Autos, Doppeldeckerbusse und Radfahrer teilen sich die enge Fahrspur, und auch die Bürgersteige sind so schmal und versperrt, dass sich Fußgänger ständig wie bei einem Hindernislauf vorkommen. Am Samstagnachmittag nach 13 Uhr wurde es mit einem Mal so voll, dass die Polizei für eine Weile die Straße sperren musste. Etwa 300 Lesben, Schwule, Transmänner und –Frauen, Drag-Queens und ein bisschen Politprominenz versammelten sich vor dem Falafal-Restaurant "Habibi", um gegen einen gewaltsamen Akt zu protestieren, der eine Woche zuvor vor dem Lokal stattgefunden hatte.
Zwei schwule Männer sind laut ihren Aussagen vom Eigentümer des "Habibi" beleidigt und mit einer Eisenstange angegriffen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen schwerer Körperverletzung (queer.de berichtete). Homo-Aktivist Alfonso Pantisano hatte deshalb gemeinsam mit dem LSVD zur Demo vor dem Imbiss in Kreuzberg aufgerufen. Die Versammelten klatschten vehement, als das LSVD-Transparent vor dem Haus entrollt wurde, das Respekt einfordert. Eher fröhlich gestimmt überlegte man in der Menge, ob man denn jetzt etwas skandieren sollte wie "Nie wieder Habibi". Ein Teilnehmer gestand stolz, dass er extra eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier abgesagt hatte: "Es ist mir wichtiger, hier zu sein". Eine bereits etwas angetrunkene Kiezbewohnerin mit einem Glas Caipi in der Hand forderte lautstark die "Internationale Solidarität", was man rundum nun etwas übertrieben fand.
Der Besitzer des Habibi, gegen den nun ermittelt wird, ließ sich nicht blicken, dafür musste einer seiner Mitarbeiter die Sache ausbaden. Von den Demonstranten befragt, versuchte dieser zu beschwichtigen, statt sich zu entschuldigen. Es sei keine Eisenstange im Spiel gewesen, geschlagen worden sei damit erst recht nicht worden. Aber es habe zwischen den beiden schwulen Gästen und der Bedienung Meinungsverschiedenheiten wegen der Rechnung gegeben, ein Stinkefinger sei gezeigt worden. Und jetzt, nach Bekanntwerden des Falles werde man auch noch bedroht. Er zeigt einen anonym verfassten Brief, in dem steht: "Ihr Kanakenschweine. Euer Haus wird brennen." Auch hier ermittelt nun die Polizei.
Alfonso Pantisano bestellte dem Eigentümer einen schönen Gruß. "Es geht nicht an, dass im Jahr 2009 Menschen auf diese Weise miteinander umgehen, deshalb sind wir heute hier." Nach einer dreiviertel Stunde vertrieb der aufkommende Regen die Demonstranten, die nun in Richtung Straßenfest am Nollendorfplatz aufbrachen. Falafal bei Habibi kaufte niemand. Die Umsätze mit der Community machte an diesem Nachmittag dafür der gegenüberliegende Laden "Pizza a Pezi".
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