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  • 28. Juni 2009 11 2 Min.

Schwule gelten gemeinhin als wählerisch – bei ihren Klamotten, ihrem Make-up, ihren Möbeln und Motorrädern, wohl auch bei ihren Lovern. Und in der Politik? Wer die Wahl hat, hat die Qual, denn hier gibt es kaum Alternativen, kaum Orientierungspunkte. Doch wer nicht wählt, wählt immer die Falschen.

Von Jürgen Friedenberg

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Liberalen den Wählern unumwunden als Klub der Besserverdienenden empfahlen, die Unionschristen mit kirchlichem Segen als bibelfeste, sittenstrenge Traditionalisten auftraten, die Sozis als Für- und Lautsprecher der "kleinen Leute" scharfzüngig von sich reden machten. Längst verhallt ist auch das kühne "Zurück zur Natur!", mit dem die Grünen, sandalenbewehrt, einst ihre ersten Parlamentssitze eroberten. Und solange die Linken sich nur mit sich selbst beschäftigen, sind sie auch nicht sonderlich attraktiv.

Heute wollen alle Parteien allen Wahlberechtigten alles bieten, wollen jeden beglücken, keinen enttäuschen. Doch wer allen alles verspricht, wirkt zwangsläufig unglaubwürdig. Kein Wunder, dass bestimmte, profilierte Persönlichkeiten im Volk mehr Ansehen haben als die Parteien, denen sie angehören, ohne deren Unterstützung sie aber nichts bewirken können. Achten wir also darauf, wer und wo diese Männer und Frauen sind und was sie genau vorhaben, womöglich wollen wir das ja auch.

Kritische Zeiten fordern Opfer, fördern aber auch Kreativität. Not macht erfinderisch, aber Not braucht Nothelfer. Eine Frage an die Älteren: War das soziale Engagement, etwa die ehrenamtliche Tätigkeit für hilfsbedürftige Mitmenschen, hierzulande jemals größer als es heute ist? Wohl kaum. Aber Menschen, die sich tatkräftig für andere engagieren, solche Menschen braucht auch die Politik, die sollten wir wählen.

Vor den Wahlen geben sich sämtliche Parteien menschenfreundlich, tolerant gegenüber Schwulen, Lesben und anderen "Minderheiten", rundum kompetent und krisenfest. Es liegt aber an uns, den Wahlberechtigten, ob wir denen, die gewählt werden wollen, es in den wenigen noch verbleibenden Wochen vor der Bundestagswahl bequem machen oder ob wir sie mit kritischen Fragen löchern, bis sie Farbe bekennen. Und dann können wir uns entscheiden.

Eins ist allerdings heute schon sicher: Wer immer uns künftig regieren mag, wird uns zur Kasse bitten - müssen. Auch über den beabsichtigten Schuldenabbau sollten wir die Kandidaten befragen. Denn am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles.

Jürgen Friedenberg (75) war ehemals stellvertretender Chefredakteur der "Allgemeinen Zeitung" und ist Autor des Gedichtbands "Männerliebe pur" und des Journalistenromans "Nach Redaktionsschluss".

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-w-

#1 TimmAnonym
  • 28.06.2009, 09:14h
  • Der Artikel ist größtenteils sehr richtig von Friedenberg; aber gleichwohl nicht das Zentrum und die Forderungen der Interessen homosexueller Menschen treffend.

    Die Staatsverschuldung in Deutschland ist sehr hoch und keine Partei und Koalition in den letzten 20 Jahren seit der Wende hat es vermocht, die Staatsschulden am Ende ihrer Regierungszeit runterzubringen. Immer weiter sind die Schulden Deutschlands gestiegen und das muss gegenfinanziert werden. Entweder durch höhere Mehrwertsteuer wahrscheinlich (siehe die ersten Anzeichen bei der CDU:Oettinger) oder aber durch SPAREN. Das aber kann anscheinend keine Partei in Deutschland, wie dies die letzten 20 Jahre seit der Wende gezeigt haben.

    Und da hier keine Partei den Königsweg hat, können sich homosexuelle Menschen besser auf die homopolitischen Ziele einer künftigen Regierungskoalition konzentrieren:

    * Gleichstellung homosexueller, verpartnerter Paare in der Einkommenssteuer (mittelbare Riesterförderung, Ehegattensplitting, Zusammenveranlagung, Verdopplung von verschiedenen Pauschbeträgen), Befreiung verpartnerter Paare von der Grunderwerbssteuer und gleiche Steuerklasse im Erbschaftssteuerrecht
    *Gleichstellung von verpartnerten Bundesbeamten in der Versorgung (Familienzuschlag/Hinterbliebenenpension)
    * Öffnung des Adoptionsrechts für fremde Kinder (Auslandsadoptionen) und nicht nur der bisherigen Stiefkindadoption leiblicher Kinder
    * Artikel 3 Grundgesetz Erweiterung
    * Projekte gegen Homophobie/Homosexualität als verpflichtendes Unterrichtsthema an den Schulen für Lehrer

    Auf diese Kernforderungen des LSVD, homosexueller Menschen und der CSDs der letzten Jahre kommt es an. Hiernach sollten wir besser uns orientieren und Parteien bewerten/wählen.
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#2 Es geht um mehr!Anonym
  • 28.06.2009, 11:25h
  • Antwort auf #1 von Timm
  • Abgesehen davon, dass dein letzgenannter Punkt mit Abstand der wichtigste ist und natürlich eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen umfassen muss, sollten wir noch etwas anderes, ganz Entscheidendes nicht vergessen. Zuallererst erwarte nämlich ich von den Parteien, die ernsthaft um die Stimmen homosexueller Wählerinnen und Wähler werben wollen, dass sie in Gestalt ihrer Spitzenkandidaten jetzt im Wahlkampf konsequent und für die breite Masse wahrnehmbar auf nationaler Bühne das zentrale Menschenrechtsthema der Gleichberechtigung von Homosexuellen in dieser Gesellschaft, den Kampf gegen die wieder zunehmende Homophobie und überhaupt sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung als eines der wichtigsten menschlichen Grundrechte ansprechen und deutlich Farbe bekennen! Barack Obama hat das im US-Wahlkampf unter noch denkbar ungünstigeren Voraussetzungen immer wieder getan und damit ein deutliches und zugleich unverzichtbares Zeichen gesetzt.

    Daher eine klare Ansage an alle Parteien: Wer unsere Anliegen als zentrale Menschen- und Bürgerrechtsfragen zu einem Randthema degradiert und es als Spitzenkandidat seiner Partei gerade im Wahlkampf nicht für nötig hält, einen für die gesamte Gesellschaft sichtbaren, persönlichen Beitrag gegen die zunehmende Homophobie zu leisten, gegen die immer noch massive Verunglimpfung und Diskriminierung von Homosexuellen, gegen eine gewalttätige schwulenfeindliche Jugendsprache etc., der hat nicht eine einzige schwule oder lesbische Wählerstimme verdient.

    Und das sage ich ganz besonders auch an die Adresse der Grünen, die sich in unserer Community ja so ungeheurer Beliebtheit erfreuen, aber deren Spitzenkandidaten bei nationalen Auftritten im Fernsehen etc. in aller Regel "elegant" über unsere dringenden Anliegen hinweggehen (sie zumindest nie von sich aus ansprechen) und eben nicht in der Art Farbe bekennen, wie es die Schwere der Probleme erfordern würde. Wenn sich homosexuell empfindende Jugendliche einem viermal höheren Selbstmordrisiko ausgesetzt sehen, dann läuft etwas grundlegend falsch in dieser Gesellschaft, und es muss sich etwas grundlegend ändern! Gerade die Zeit der intensivierten politischen Debatte gilt es zu nutzen, um hier ein deutliches Zeichen zu setzen. Und das ist das Allermindeste, was homosexuelle Menschen von Politikern erwarten können, die sich mit ihren Stimmen wählen lassen wollen!
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#3 SvenAnonym
  • 28.06.2009, 12:47h
  • Nachdem CDU/CSU und SPD die Opfer von Kindesmissbrauch nochmals missbraucht haben, um in Deutschland die Zensur einzuführen sind diese Parteien unwählbar.
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