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  • 03. Juli 2009 60 2 Min.

Der Chef der Berliner Lesben und Schwulen in der Union (LSU) verteidigt seine Partei: Er erklärt, dass CDU und CSU auf Schwule und Lesben zugegangen seien.

Von Eike Alexander Letocha

Das Wahlprogramm der CDU/CSU sorgte in der Community in den letzten Tagen für Gesprächsstoff. Nachdem die CDU im Jahr 2007 die Anerkennung der Eingetragenen Lebenspartnerschaften in ihrem Grundsatzprogramm verankert hat, sind wir als Lesben und Schwule in der Union (LSU) jetzt natürlich auch mit einer noch weitergehenden Erwartungshaltung an die Wahlprogrammdebatte heran getreten.

Und wir wurden nicht enttäuscht! Es heißt jetzt im Unions-Wahlprogramm wörtlich: "Eine vollständige rechtliche Gleichstellung solcher Lebensgemeinschaften mit der Ehe lehnen CDU und CSU ab.". Die Betonung liegt dabei auf vollständig und nicht auf Ablehnung. Mit Blick auf Artikel 6 Grundgesetz ("Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.") herrscht der bekannte Streit unter den Juristen, ob eine vollständige rechtliche Gleichstellung verfassungsrechtlich überhaupt zulässig sein kann. Wir als LSU streben eine weitest mögliche Angleichung an und sehen uns durch die gewählte Formulierung unterstützt.

Mittlerweile haben Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender eingesehen, dass ohne die Zustimmung der Union in der großen Koalition kein einziges Gesetz mit Verbesserungen für uns hätte verabschiedet werden können. Auch wenn dies bewusst nicht anerkannt wird, hat die Union Verbesserungen für die Eingetragene Lebenspartnerschaft in den vergangenen vier Jahren Regierungszeit aktiv gefördert. Als ein Beispiel sei nur die Gleichstellung von Lebenspartnern und Ehegatten bei den Freibeträgen der Erbschaftssteuer genannt.

Einige Kommentatoren in den verschiedenen Foren bemerken in dem Zusammenhang bereits gewohnheitsmäßig, dass die Union für sie nicht wählbar sei. Bei dieser Einstellung fehlt mir grundsätzlich eine differenziertere Haltung. Wir als Lesben und Schwule in der Union wissen genau, wo innerhalb der Partei nachgearbeitet werden muss und tun dies.

In der letzten Zeit bemerke ich leider eine zunehmende Intoleranz innerhalb der lesbisch-schwulen Szene, die mich beunruhigt! Sind wir es nicht als Community, die Jahr für Jahr gemeinsam um Toleranz und Respekt in der Gesellschaft werben?

Unserer Mutterpartei kann man vieles vorwerfen, aber eines definitiv nicht, dass sie sich in den letzten Jahren nicht erheblich voran bewegt hätte. Denn genau das hat sie und das gibt uns als LSU auch immer wieder Kraft um diese gesellschaftspolitische Arbeit aus voller Überzeugung fortzuführen. Wir sollten über Parteigrenzen hinweg gemeinsam für mehr Rechte eintreten und uns nicht nur gegenseitig Defizite vorwerfen!

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-w-

#1 goddamnedliberalAnonym
  • 03.07.2009, 20:28h
  • Zugegeben: Selbst wenn ich nicht schwul wäre, wüßte ich absolut keinen Grund, ausgerechnet die CDU zu wählen.

    Aber irgendwie bewundere ich Leute wie Herrn Letocha für ihre geradezu unendliche Bereitschaft zur Selbstdemütigung. Denn die gehört schon dazu, wenn man Partei-'Freunde' davon überzeugen muss, dass man doch irgendwie so etwas ähnliches wie ein Mensch mit Rechten ist....

    Und sich dann so sehr darüber freuen kann, dass dies ab und an sogar gelingt.
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#2 Linu86
  • 03.07.2009, 21:05hAachen
  • Irgendwie bedaure ich Leute wie Herrn Letocha ein wenig. Nein, ganz im Ernst, ich frage mich ob er das was er hier schreibt wirklich ernst meint.

    "Mit Blick auf Artikel 6 Grundgesetz ("Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.") herrscht der bekannte Streit unter den Juristen, ob eine vollständige rechtliche Gleichstellung verfassungsrechtlich überhaupt zulässig sein kann."

    Darüber hat das Verfassungsgericht doch längst entschieden!!! Der Gesetzgeber hat in dem Urteil einen Freifahrtsschein erhalten die Eingetragene Lebenspartnerschaft mit der Ehe gleichzustellen, weil sich die beiden Institutionen an unterschiedliche Personenkreise richten!! Also nicht so einen Stuss labern! So hat auch die Bundes- FDP seinerzeit zunächst argumentiert, ihre Meinung dann aber wenigstens konsequenterweise nach diesem Grundsatzurteil geändert.

    "Auch wenn dies bewusst nicht anerkannt wird, hat die Union Verbesserungen für die Eingetragene Lebenspartnerschaft in den vergangenen vier Jahren Regierungszeit aktiv gefördert."

    *LOL*.. Beispiele???

    "Als ein Beispiel sei nur die Gleichstellung von Lebenspartnern und Ehegatten bei den Freibeträgen der Erbschaftssteuer genannt. "

    Das soll wohl ein Witz sein? Ich bin zwar kein Sozialdemokrat, aber die Gleichstellung beim Freibetrag kann sich, wenn denn überhaupt, nur die SPD auf die Fahnen schreiben. Das einzige bei dem sich die CDU/CSU durchgesetzt hat ist die Tatsache, dass über dem "Freibetrag" Lebenspartner weitaus höher versteuern müssen als Ehepartner. Da hat sich die CDU/CSU in der Tat durchgesetzt (es war Bedingung für die Zustimmung) ...aber nich in unserem Sinne!!!

    "In der letzten Zeit bemerke ich leider eine zunehmende Intoleranz innerhalb der lesbisch-schwulen Szene, die mich beunruhigt! Sind wir es nicht als Community, die Jahr für Jahr gemeinsam um Toleranz und Respekt in der Gesellschaft werben?"

    Ohja genau... vergleichen wir doch Äpfel mit Birnen! Also wenn ich homosexuelle Liebe als minderwertig gegenüber Heterosexueller Liebe bezeichne, so ist dies eine "respektable Meinungsäußerung", aber dies laut und deutlich als diskiminierend anzuprangern heißt "Intoleranz"? Nicht so wie es Ihnen passt, Herr Letocha!

    "Unsere Mutterpartei kann man vieles vorwerfen, aber eines definitiv nicht, dass sie sich in den letzten Jahren nicht erheblich voran bewegt hätte."

    Sie wurde von ALLEN ANDEREN Parteien im Bundestag hinterhergeschleift, wie ein trotziges Kind, dem man seinen Schnulli wegnehmen will. Dass die CDU sich überhaupt bewegt hat liegt auch nicht an ihr selbst, sondern an einem Wandel des gesellschaftlichen Konsenses, dem sich auch die CDU (notgedrungen) stellen muss. Die CDU bleibt für mich deshalb höchstens auf Länderebene (Hamburg) wählbar... Herr Letocha, Sie tuen mir herzlich leid!
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#3 Victor
  • 03.07.2009, 21:24h
  • Lieber Eike Letocha, ja die Community ist schon eine ganz böse. Da will sie einfach nicht die großen Verdienste der Unionsparteien, gegenüber Schwulen und Lesben anerkennen. Wie undankbar!

    Und dabei "haben sich CDU und CSU doch weiterentwickelt" ... ? Ja? Sind wir in den Augen der CDU/CSU-Mehrheit nicht mehr "krank", "pervers", "verirrt", "bedauernswert", "haltlos" usw.? Dann sollten wir uns wohl alle 'mal ganz schnell bei den lieben C-Parteien bedanken.

    Eike, möchten Sie in der CDU Karriere machen? Dann würde ich Ihnen raten, eine Alibi-Frau zu heiraten ... dann klappts auch mit dem innerparteilichen Aufstieg.

    "Sie haben doch Ole von Beust, als 'offen schwulen B .......?" Offen schwul? Wie lange ist der Mann im Amt? Seit wann streitet er nicht mehr ab schwul zu sein? Hat er sich geoutet oder war das ein gewisser Ronald Schill?

    Lange schon nicht mehr eine so gelungene Satire hier bei "Queer.de" gelesen.

    Victor
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