Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=10740
Home > Kommentare

Einzelkommentar zu:
Homo-Sex auf antiker Münze


#32 Theisentheis
  • 14.07.2009, 23:01h
  • Antwort auf #22 von goddamnedliberal
  • @goddamnedliberal: Vielen Dank für deinen informativen Beitrag.

    1. Und dennoch bin ich nicht ganz deiner Meinung. Die "Heilige Schar" Thebens existierte rund 40 Jahre (378-338v.Chr.). Sie ist in ihrer Idee eine Singularität und spricht keinesfalls für die sonst gängige militärische Praxis in der Antike (immerhin reden wir hier von einem über 1000jährigen Zeitraum). In der römischen Armee stand sogar die Prügelstrafe auf homosexuelle Kontakte unter den Soldaten.

    2. Für die Asymmetrie der Beziehungen - selbst in Athen! - sei Wikipedia zitiert: "Die Knabenliebe wurde eindeutig gesellschaftlich akzeptiert und teilweise sogar gefördert. Homosexuelle Beziehungen zwischen Partnern gleicher Stellung und gleichen Alters wurden anscheinend als nicht wünschenswert eingestuft, aber zumindest toleriert. [...] Der aktive Partner beim Geschlechtsverkehr wurde also, da er als männlich galt, akzeptiert, der passive Partner moralisch verurteilt, da er eine vermeintlich weibliche Rolle übernahm, wobei der ältere Partner in einer Beziehung jeweils der aktive, der jüngere Partner der passive Teil war. Vor allem in Komödien wurden die passiven weiblichen Partner mehrmals zum Gespött gemacht."

    3. Was Platon anlangt, muss man sich einfach klar machen, dass es sich hier um eine kleine herrschende Elite (von wegen Demokratie! Anteil an dieser ersten Demokratie hatten die freien Männer Athens, die dürften nach Schätzungen vielleicht 10% der Menschen, die dort lebten ausgemacht haben) handelt. Das hohe Männlichkeitsideal war nur zu Lasten der geringen Stellung der Frau im antiken Griechenland realisierbar. Diese "pro forma" Frauen haben die Kinder zur Welt gebracht. Und die Herren haben ihre Bedürfnisse nach Lust und Laune befriedigt. Ich glaube kaum, dass das den Frauen unserer Tage gefallen würde. Und an alle hier, die die Ehe für eine mittelalterliche Erfindung oder Konstruktion halten: ab 450/51 v.Chr. galt "fortan nur als Bürger [...], wer in rechtsgültiger Ehe von einem Bürger und der Tochter eines Bürgers abstammte." (Bleicken, Die athenische Demokratie, S. 102). Oikos, das ist das Haus bestehend aus einem Mann und einer Frau und deren Kindern und Sklaven etc.

    Lange Rede kurzer Sinn: es ist nicht alles Gold, was glänzt. Ich stimme zu: das Männer Sex mit Männern hatten, war in der Antike weitestgehend akzeptiert. Auch Kaiser Roms konnten homosexuelle Kontakte pflegen, ohne dass es ihnen politisch schadete. Und dennoch ist das nicht zu vergleichen mit dem, was wir alles unter "Schwul" oder "Homosexuell" verstehen: es gab eben nie einen Kaiser und seinen Lebenspartner, der sein Erbe oder sonst was war. Auch Hadrian hatte eine Frau - Antinoos hin oder her.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #22 springen »

» zurück zum Artikel