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Einzelkommentar zu:
Homo-Sex auf antiker Münze


#33 Theisentheis
  • 14.07.2009, 23:28h
  • Antwort auf #8 von VolumePro
  • @VolumePro: "Kaiser Theodosius, der direkt nach seiner Amtseinführung ein Massaker an Schwulen und Lesben verüben ließ"

    Ich vermute, du meinst das "Massaker von Thessaloniki"? Das kann man dann aber so, wie du schreibst, nicht stehen lassen.

    1. "direkt nach seiner Amtseinführung" - hm...379 war die Erhebung zum Mitkaiser. Das Gesetz gegen "widernatürliche Unzucht" wird auf den Mai 390 datiert, eher am Ende seiner Herrschaft. Das Massaker von Thessaloniki fällt auf den April 390. Ein Quellenproblem, das nicht gelöst ist. Stehen die Ereignisse in Thessaloniki im Zusammenhang mit dem Gesetz? Die Vermutung liegt nahe - ich glaub das auch - aber wir wissen es nicht genau. Was war passiert?

    2. Ein berühmter Wagenlenker in Thessaloniki wird inhaftiert: es hatte etwas damit zu tun, dass der Wagenlenker entweder einen Diener oder den Heermeister Butherich selbst sexuell Verführen wollte. Genaues weiß man nicht. Anschließend gab es Volksaufstände gegen diese Inhaftierung. In diesem Zusammenhang wird der Heermeister Butherich, der ein Gote war, ermordet. Man muss dazu wissen, dass der "Heermeister" eines der höchsten Ämter im Reich war. Da wurde nicht einfach nur ein Provinzaffe umgelegt. Das war dann ein Politikum von Staatsrang. Und hatte von nun an nur noch sehr, sehr indirekt etwas mit "Homosexualität" zu tun.

    3. Der Kaiser, der überhaupt nicht vor Ort war, sondern in Mailand, ordnet im Zorn Hinrichtungen (kein Massaker) an. Kurz darauf schickte er einen Widerruf los, der allerdings zu spät eintraf. Die überwiegend gotischen (!) Soldaten richteten als Racheakt ein Blutbad unter der Bevölkerung an, die sich im Hippodrom zu Spielen versammelt hatten. Dieses Massaker war nicht kaiserlich angeordnet, sondern die Folge blinder Vergeltungswut der Soldaten dort vor Ort, deren Heermeister umgelegt worden war.

    4. Das ganze hatte also, was das kaiserliche Handeln anlangt, keinen "homophoben" Hintergrund. Sondern er tat das, was alle römischen Herrscher immer machten bei Volksaufständen in den Provinzen: gewaltsam unterdrücken. In diesem Fall wollte er den Befehl sogar rückgängig machen.

    5. Zu guter Letzt: der Mailänder Bischof Ambrosius machte dem Kaiser schwerste Vorwürfe wegen des Massakers und zwang ihn mehrere male im Büßergewand zur Messe zu erscheinen. Dem leistete Theodosius auch folge - noch paarhundert Jahre vor Canossa. Wenn es sich um ein Vorgehen gegen homosexuelles Treiben gehandelt hätte, wäre der Bischof nicht so mit dem Kaiser umgesprungen. Der Bischof war nämlich ein schlimmer Finger: ich verweiße nur auf seine antijüdische Einflussnahme auf den kaiserlichen Hof in der Sache des Synagogenbrandes in Kallinikon. Wäre es also um "Unzucht" gegangen, dann wäre der Bischof wohl auf der Seite des Kaisers gewesen.
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