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Einzelkommentar zu:
Homo-Sex auf antiker Münze


#35 Theisentheis
  • 15.07.2009, 13:44h
  • Antwort auf #34 von goddamnedliberal
  • @goddemnedliberal: Abermals danke für deine Ausführungen.

    Ich denke wir interpretieren hier beide etwas einseitig. Mir ging es nur darum, den Satz: "Die Antike war homofreundlich" zu relativieren. Denn die Sache stellt sich weit komplizierter dar: wo und wann in der Antike spielen eine Rolle und liefern unterschiedliche Befunde (Griechenland, Hellenismus, Römische Republik, Kaiserreich).

    Ich stimme mit dir aber uneingeschränkt überein: eine ideologische Ablehnung der Homosexualität und eine Einschränkung der Sexualität auf den Aspekt der Fortpflanzung, wie sie erst mit dem Christentum als Staatsreligion Ende des 4. Jh. zur Durchsetzung kommt, kennt die Antike nicht. Aber für mich stellt sich unterm Strich auch heraus: ein Mann mit einem Mann als Lebensgemeinschaft in einem Hausstand (also mehr als nur eine rein Sexuelle Gemeinschaft) gesetzlich abgesichert oder überhaupt rechtlich erwähnt, war in der Antike nicht gesellschaftsfähig. Das ist aber das, was wir heute auch unter "Schwul sein" verstehen. Also ich zumindest möchte nicht, und wenn auch nur "pro forma", eine Frau zu Hause sitzen haben. Und es wird auch heute keine Frau mehr dulden wollen, dass sie eine von vielen Sexpartnern ihres Mannes ist, dessen wahre Liebe einem Jüngling gilt. Hier kommt das "Vorbild" der alten Griechen einfach an eine Grenze. Mit Hypatia und klerikaler Frauenfeindlichkeit hat das überhaupt nichts zu tun. Ich will hier nicht den Teufel mit dem Beelzebul austreiben. Ich wollte nur aufzeigen, dass der griechische "Lifestyle" der Männer voll zu Lasten der sozialen Rolle der Frau gingen. Dass andere Zeiten mindestens genauso fraunfeindlich waren - geschenkt.

    Nachschlag zum "Massaker zu Thessaloniki": ich werde noch deutlicher. Dieses Massaker hat mit Homosexualität unterm Strich überhaupt nichts zu tun! Die zu weiten Teilen aus Goten bestehende Armee wurde in Thessaloniki einquartiert. Darunter litt die Bevölkerung sowieso. Die Goten hatten nur rund 10 Jahre zuvor dem Reich eine bitter Niederlage zugefügt (378 bei Adrianopel; Historiker setzen hier gerne den Beginn der Völkerwanderung an und den Anfang vom Ende des Weströmischen Reiches). Diese verhassten Goten fraßen den Griechen die Haare vom Kopf. Die Einquartierung einer Armee ging immer mit dem Unmut der Bevölkerung einher. In dieser Stimmung wird jetzt auch noch der beliebteste Wagenlenker vom Goten Butherich eingebuchtet - wegen einer Homoaffäre, für die Thessaloniker ein Nichts. Wir wissen, dass die Wagenrennen sehr beliebt waren und es soetwas wie ein Hooliganwesen und krassen Fankult gab. Diese Affäre bringt das Fass zum überlaufen. Die gingen aber nicht auf die Straße mit Schildern "We are Queer, we are here" oder "Gay rights now" oder "Freiheit für Homo-Lenker jetzt, keine Einzelhaft!". Die machten den Goten deutlich, dass sie nicht erwünscht sind und schlugen den Heermeister tot. Der Totschlag des Heermeisters nötigte dem Kaiser eine Reaktion ab, nicht die Homoaffäre. Ein Volksaufstand in der Provinz. Wir kennen die Order des Kaisers nicht. Wir wissen aber, dass das, was dann geschah nicht in seinem Sinne war. Das nutzte der Bischof denn auch eiskalt aus und zwang den Kaiser in die Kirchenbuße.

    Das einzige, was man aus diesem Massaker schließen kann, ist: ein Wagenlenker konnte mit Männern ficken und war trotzdem beliebt. Man könnte aber auch formulieren: der beste Wagenlenker war in der Bevölkerung unheimlich beliebt. Dass er Männer fickte spielte in Thessaloniki bisher überhaupt keine Rolle. Jetzt wird er von unliebsamen Goten im Dienste des Kaisers wegen einer solchen Affäre eingebuchtet...was fällt denen ein! Mehr ist interpretatorisch einfach nicht drin meines Erachtens.
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