https://queer.de/?10755
- 14. Juli 2009 4 Min.
Georg Roth ist das neue Rollenmodel auf der Kampagnenwebsite "Ich weiß, was ich tu". Der Kölner Schauspieler (58) hat nach stürmischer Liebe und bewegter Homopolitik auch den Einbruch der Katastrophe AIDS miterlebt. Wir zitieren in Auszügen, was er erlebt hat. Die komplette Story gibt es auf iwwit.de, außerdem kannst du dort mit Georg Kontakt aufnehmen und mit ihm diskutieren.
"So 1982 oder 1983 kamen die ersten Berichte über Aids auf. Und das hat einfach alles verändert. Damals haben wir uns hier in den Schwulengruppen zusammengesetzt und haben überlegt, was man tun kann. Es gab in der Szene ja sogar auch Leute, die meinten, dass wir selber schuld daran sind, da wir so viel rumgefickt haben. Aber ich bin da eher naturwissenschaftlich rangegangen: Das muss bestimmte Ursachen haben, die man beeinflussen kann. Wir brauchen also so viele Infos wie möglich.
Es gab auch schon die ersten konkreten Aidsfälle hier in Köln, und nach und nach wusste man auch mehr darüber, wie sich die Krankheit überträgt. Da von Anfang an besonders Schwule von der Krankheit betroffen waren, hatten wir plötzlich auch Angst, dass es mit unserer errungenen Freiheit vorbei sein könnte und wir wieder in die Löcher zurückmüssten, uns also wieder verstecken müssten. Dadurch gab es aber auch eine unheimliche Power in der Szene, und es gab einen riesigen Zusammenhalt.
Als sich die Krankheit dann weiter ausbreitete, gab es irgendwie zwei Arten von Schwulen, könnte man sagen: Nämlich die mit Aids und die ohne. Ich war wirklich sehr oft auf Beerdigungen, und auch mein erster Freund ist schließlich daran gestorben. Das war schon eine sehr dramatische Zeit. Und darum bin ich auch so froh, dass es inzwischen die Medikamente gibt. Wenn es heute jemand hat, dann kann ich mit der Person wahrscheinlich noch viele gemeinsame Jahre erleben. Das war am Anfang ganz anders. Auch mit dem schwulen Männerchor haben wir das Thema Aids schnell aufgegriffen. Wir haben ein Programm dazu gemacht, ein Krankenhausprogramm, in dem wir alle als Krankenschwestern aufgetreten sind. Ich war "Sister George", und seitdem, also seit 1987, da gibt es diese Rolle; sie wird von mir immer mal wieder reaktiviert, zum CSD zum Beispiel oder auch, wenn ich bestimmte schwule Events moderiere. Zum Beispiel die Verleihung der Kompassnadel vom Schwulen Netzwerk. Irgendwie ist die Schwester dadurch auch recht bekannt. Als Krankenschwester verkörpert man ja so ein bisschen Alltagsweisheit und eine gewisse Strenge. Aber eben auch dieses ganz große Herz.
Es gibt für jeden Pott einen Deckel
Dass es mit dem Bewusstsein für das Kondom bei den Schwulen so schnell ging, das ist im Nachhinein ein bisschen so, als wenn man gesagt hätte: "Hey, wir haben hier einen neuen Dildo!" – das wird ja auch alles gleich ausprobiert. Und so war es eben mit dem Kondom auch. Wie eine neue Spielart eben. Und natürlich hat es immer Leute gegeben, denen das mit dem Schutz ziemlich egal ist. Am wichtigsten ist, dass sie die Informationen haben und wissen, auf was sie sich einlassen. Man kann ja nicht die Hand dazwischenhalten, wenn zwei Leute Sex machen. Für mich stand immer fest, dass die Leute alle wichtigen Informationen brauchen. Denn nur dann können sie eine bewusste Entscheidung treffen. Und darum geht es ja bei der Aufklärung. Es gibt für jeden Pott mindestens einen Deckel!
Bei mir gab es Gott sei Dank noch keine Sexunfälle. Ich bin auch eher so der romantische Typ. Gut, ich habe zwar viele Kontakte gehabt, aber viel Analverkehr habe ich in meinem Leben nicht gemacht. Ich bin der Typ, der sagt, ohne Analverkehr bin ich nicht unglücklich. Das war für mich nicht so wichtig. Wir haben immer eine Sexualität gefunden, mit der wir glücklich waren. Ich glaube auch, dass das, was man an sexuellen Erfahrungen braucht, jeweils ganz unterschiedlich ist. Das ist genauso, wie der eine halt immer Sahnekuchen braucht und der andere nur Obst will. Und mir hat nie jemand so viel bedeutet, dass ich gedacht hätte, dafür gebe ich das alles auf und mache etwas, was mir nicht wirklich auch gefällt. Und wenn mal einer beim Sex dann enttäuscht war, dann war mir das egal. Es ist ja auch nicht so gewesen, dass die dann wutschnaubend abgezogen sind und gar nichts mehr gelaufen ist. Beim Sex sind wir nicht alle gleich; jeder hat andere Bedürfnisse und Wünsche. Und dazu kann man auch stehen; man braucht sich da nicht zu verbiegen. Und meine Erfahrung ist: Es gibt für jeden Pott mindestens einen Deckel!"
Links zum Thema:
» www.iwwit.de















Was Georg Roth im Zusammenhang mit dem ersten Auftreten von AIDS sagt: "... aber viel Analverkehr habe ich in meinem Leben nicht gemacht. Ich bin der Typ, der sagt, ohne Analverkehr bin ich nicht unglücklich ..."
Diese Auffassung akzeptiere ich natürlich, allerdings war das bei mir ganz anders. Ich habe schon als kleiner Junge immer die anale Stimulation gesucht und mir beschafft. Als ich dann regelmäßig Sex mit Männern hatte, war der Analverkehr für mich immer die "Krönung" und das ist bis heute so geblieben. Ich plädiere allerdings entschieden für die Verwendung von Kondomen und führe hier durchaus schon manchmal "flammende Reden", um andere davon zu überzeugen.
Ich wollte damit nur sagen: Auch wer Analverkehr so sehr liebt, wie ich, kann sich verantwortungsvoll verhalten!
VERWENDET KONDOME !!!
Victor