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  • 16. Juli 2009 43 2 Min.

Der 23-jährige Medizinstudent Bryce Faulkner aus dem US-Bundesstaat Arkansas ist von seinen Eltern gezwungen worden, sich in einem "Ex-Gay"-Camp umerziehen zu lassen.

Faulkner war Freunden zufolge finanziell von seinen religiösen Eltern abhängig, die für ihn auch die Studiengebühren aufbrachten. Als sie von der Homosexualität ihres Sohnes erfahren haben, nahmen sie ihm sein Auto und Handy ab und schickten ihn in ein christliches Lager, das die Umerziehung von Homo- zu Heterosexuellen zum Ziel hat. Freunde versuchen inzwischen mit der Website Help Save Bryce Faulkner auf das Schicksal des Studenten aufmerksam zu machen. Inzwischen ist ein Monat vergangen, seitdem sie das letzte Mal von Faulkner gehört haben.

Die Mutter von Faulkner hat von der Homosexualität ihres Sohnes erfahren, als sie dessen E-Mail-Passwort herausfand und Briefe an seinen Partner Travis Swanson gelesen hat. Swanson erklärte gegenüber dem britischen Nachrichtenportal "Pinknews", er sei "sehr beunruhigt": "Bryce wurde an diesen Ort am 15. Juni gebracht. Das letzte Mal, als ich mit ihm gesprochen habe, war an diesem Tag um 16:30 Uhr. Er hat mich angerufen und hat die ganze Zeit geheult. Er sagte: 'Die haben so gemeine und hasserfüllte Sachen zu mir gesagt. Sie haben mich gezwungen, Passagen aus der Bibel laut vorzulesen." Swanson vermutet, dass sein Partner in ein Lager der Gruppe Exodus nach Florida gebracht wurde.

Die Umerziehungslager versprechen, Schwule und Lesben in monogame, heterosexuell handelnde Christen zu verwandeln. Wissenschaftler warnen davor, dass die Behandlung die Betroffenen in eine Identitätskrise stürzen könnte und die Selbstmordgefahr erhöht. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Protesten gegen die Aktivitäten von "Ex-Gay"-Gruppen. So hat 2005 der Fall des damals 16-jährigen Zach Stark für Aufmerksamkeit gesorgt, der von seinen Eltern in ein Umerziehungslager geschickt wurde und davon in seinem Weblog berichtete (queer.de berichtete). Genützt hat die teure "Therapie" nichts: Zuletzt hatte der inzwischen 20-jährige Stark in einer Filmdokumentation erklärt, er habe nach Jahren endlich seine Homosexualität akzeptiert. (dk)

-w-

#1 TommAnonym
  • 16.07.2009, 15:41h
  • nee näh ?! Also - wenn ein 23 jähriger angehender Mediziner sich so von seinen "Alten" behandeln lässt, hat er es wohl auch nicht anders/ besser verdient !?

    Bryce iss 23 und nicht mehr 12 Jahre alt !!

    Wie wäre es gewesen, wenn Bryce seinen Arsch hoch gekriegt hätte, und sein Studium mit ehrlicher Arbeit finanziert hätte, und bei den bibeltreuen "Tyrannen" ausgezogen wäre !? Eben !!

    Es gibt so vieles in der schwulen Welt, wofür Man(n) sich einsetzen sollte !! Hierfür hab ich aber überhaupt kein Verständnis ... und es macht mich auch echt wütend, wenn ich sowas lese ...
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#2 FloAnonym
  • 16.07.2009, 16:14h
  • Schlimm, dass solche Psychoterror-Gehirnwäsche-Lager nicht längst verboten sind, obwohl schon lange bekannt ist, wie gefährlich diese sind und dass die Leute da mit schwersten psychischen Schäden rauskommen und viele von ihnen Selbstmord begehen.

    Und schlimm auch, dass Menschen ihrem eigenen Kind (dessen einziger "Fehler" es ist, zu lieben) soetwas antun können, statt ihn bedingungslos zu lieben und ihn als Gottes Geschöpf genauso anzunehmen, wie er ist.

    Wer ist hier eigentlich der Perverse? Dieser Bryce ist es wohl am allerwenigsten.

    @Tomm:
    Natürlich ist es auch leicht, zu sagen, dass man mit 23 alt genug sein sollte, um in solch schlimmen Situationen auch auf eigenen Füßen zu stehen.

    Auch mein erster Gedanke war:
    wieso hat er nicht eher auf sein Studium verzichtet, ist weggegangen in eine weniger faschistische Gegend und hat dort erst mal gejobbt und vielleicht später auch wieder studieren können. Ich habe mich auch gefragt, ob es für solche Leute keine Hilfsorganisationen gibt, die ihnen helfen und finanziell unter die Arme greifen.

    Aber andererseits: man weiß nicht, was in seinem Kopf vorging. Vielleicht war sein Studium sein absoluter Lebenstraum und er hat sich dieses Psycho-Lager nicht so schlimm vorgestellt, wie es tatsächlich ist. Vielleicht liebt er (obwohl sie es wohl kaum verdient haben) auch nach wie vor seine Eltern und will sie nicht enttäuschen.

    Wie gesagt: aus der Ferne und als offen Schwuler in einer halbwegs liberalen Gesellschaft hat man leicht reden, aber wie es vor Ort wirklich war/ist, können wir nicht beurteilen.

    (Ich denke an den hervorragenden Film Latter Days, der genau dieses Thema hat. Sollte man sich wirklich ansehen, er ist trotz des ernsten Themas einer der romantischsten und besten schwulen Filme, die ich kenne.)

    Ich kann nur hoffen, dass er möglichst bald aus diesem Lager fliehen kann und das Ganze ohne größere Schäden übersteht. Und dass sich danach alles zum Guten für ihn wendet und er sein Glück findet. Mit Menschen, die Liebe nicht verachten und ihn so lieben, wie er ist....

    Ohne ihn zu kennen:
    Alles Gute Bryce!
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#3 kbAnonym
  • 16.07.2009, 16:25h
  • Oberflächlich betrachtet mag es zunächst tatsächlich so aussehen, als hätte Bryce sich lieber in ein christianistisches Umerziehungs- Konzentrationslager schicken lassen, als auf Handy und Auto zu verzichten.

    Kennt man die Situation im Bible-Belt der Vereinigten Staaten aber und berücksichtigt man den allumfassenden Druck und übermächtigen Einfluss von Familie und Gemeinde, dann kann man ihn eher verstehen.

    Bryce ist in diesem Umfeld aufgewachsen und wurde von kleinauf entsprechend beeinflusst und konditioniert. Ein Coming-out ist hier sicherlich viel schwieriger als in dem eher säkularen (Zentral-)Europa. Amerika mag uns in vielem sehr ähneln, manche kulturellen Unterschiede sind aber sehr viel stärker ausgeprägt als man hier so gemeinhin vermutet.

    Jahrzehntelange Indoktrination, fundamentalistisch christiliche Erziehung und völlige wirtschaftliche und emotionale Abhängigkeit von Eltern und Gemeinde mögen erklären, warum Bryce eingewilligt hat, sich "umerziehen" zu lassen.

    Wenn man nicht selbst in einer solchen Situation steckt, ist es leicht zu sagen, "eh, schiess die Alten in den Wind und zieh zu deinem Lover und mach dein eigenes Ding..."

    Wir können froh sein, in einer halbwegs säkularen und liberalen Gesellschaft zu leben, wo Religion höchstens noch Privatsache ist, wenn überhaupt.

    Gerade deshalb wäre ein wenig mehr Verständnis für Leute, die nicht soviel Glück haben, mehr als angebracht.
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