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  • 21. Juli 2009 24 3 Min.

Mit seinem auf Englisch erschienenen Lesebuch "Gay Travels in the Muslim World" zeigt Autor Michael T. Luongo, wie Schwule Reisen in den Nahen Osten und andere islamische Länder erleben.

Von Carsten Weidemann

Von der großen schwulen Feriensause à la Ballermann handelt dieses Buch nicht – die hier behandelten Länder im Nahen Osten, Afrika und Asien zählen wohl kaum zu den Traumzielen von Spaßtouristen mit Vorliebe für Sangria. Dennoch berichten die kurzen Geschichten in "Gay Travels in the Muslim World" von allerhand schwulem Leben: vom netten jüdischen Jungen, der sich in Mauretanien niederlässt und dort Sex mit ausschließlich "heterosexuellen" Einheimischen hat. Oder von einem Mann in Bangladesch, der die Welt von Cruising und Prostitution entdeckt. Oder von den Taliban in Afghanistan, die selbst fleischlichen Gelüsten untereinander nicht abgeneigt sind.

Mit dem Buch will der Amerikaner Luongo dem schwulen Leser die islamische Welt näher bringen, die mehr sei als Verfolgung in Ägypten und Hinrichtungen im Iran. Er berichtet, wie Männer selbst öffentlich zärtlich zueinander sein können und etwa auf der Straße Händchen halten – ohne das selbst als schwul zu definieren. Viele Männer etwa im Nahen Osten oder Afghanistan identifizierten sich nicht als homosexuell, selbst wenn sie ausschließlich mit Männern schliefen. Luongo erklärt das damit, dass andere Identitäten – wie etwa die Nationalität – eine größere Rolle spielten als im Westen, wo jeder Schwule bei CSDs gleich als solcher abgestempelt werde. Dass sie einfach unterbewusst Angst vor Verfolgung haben und daher ihre Sexualität herunter spielen, diese Schlussfolgerung zieht Luongo allerdings nicht.

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Viel geht der Autor auch darauf ein, dass für westliche Besucher bis vor wenigen Jahrzehnten islamische Länder Zufluchtsorte waren. So sei etwa Marokko ein Ziel schwuler Touristen gewesen, als im Großteil Europas Homosexuelle noch mit Gefängnisstrafen bedroht wurden. Heutzutage rät Luongo aber zur Vorsicht: "Es ist das Beste, wenn man sich nicht völlig offen im westlichen Sinne zeigt", erklärte er in einem Interview. "So halten im Nahen Osten und anderen muslimischen Ländern Männer zwar öffentlich Händchen. Das heißt aber nicht, dass man das als blonder, blauäugiger Europäer auch tun kann."

Die generelle Abneigung gegen "muslimische Länder", wie sie von vielen Schwulen geäußert wird, kann Luongo nicht nachvollziehen. Er vergleicht das mit Reisen im Westen oder in der "christlichen Welt", auch wenn diese nicht so genannt werde. So verhalte sich ein Schwuler auch völlig anders, wenn er sich in Kopenhagen bewege oder in einem kleinen texanischen Dorf. Solche Verhaltensregeln müssten eben auch in der islamischen Welt beachtet werden.

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#1 gatopardo
  • 21.07.2009, 18:21h
  • Vor 10 Tagen bin in Marokko gelandet,wo mich ein dort lebender europäischer Freund erwartete. Es war ein Sprung in eine, wenn auch nur 11km über die Strasse von Gibraltar entfernte andere, aber mysteriöse islamische Welt, die man nur beschreiben kann, wenn man sie erlebt hat. Mich als Verteidiger aufklärerischer abendländischer Werte hat diese total erotische Atmosphäre beim Minztee ohne Alkohol in einer ausschliesslichen Männerwelt tatsächlich fasziniert, wo Körperkontakte selbstverständlich sind, ohne dass man Sex haben muss. Diese Reise stellte zweifellos so etwas wie eine Belehrung dar, an die ich gerne in naher Zukunft wieder einmal mit einem Besuch im Nachbarland anknüpfen würde.
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#2 seb1983
  • 21.07.2009, 18:37h
  • So kann man sich als Autor das Ganze natürlich auch schön schreiben...
    Natürlich ist Körperlichkeit in den islamischen Ländern unter Männern völlig normal, das hat aber die gleichen Gründe wie bei uns im Profifußball: Wo Homosexualität eben 100% ausgeschlossen ist, da kann man sich offen geben ohne Gefahr zu laufen als schwul zu gelten.
    Dass man das als westlicher Tourist angehnem finden kann ist eine Sache, als solcher genießt man ja auch große Freiheiten, mit einer, um es mal in Saschis Worten zu sagen, "selbstbewussten schwulen Identität" hat das aber rein gar nichts zu tun, eher im Gegenteil!!
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#3 Lästermaul XVIIAnonym
  • 21.07.2009, 19:08h
  • "Schwul reisen in der islamischen Welt - Geniessen Sie einen unvergesslichen Blick über Teheran auf unseren eigens für Sie aufgestellten Aussichtskränen... " (Aus einem Prospekt der Ahmadinedschad Gay Travel Agency)

    Selbstverständlich gibt es in den islamischen Ländern prozentual gesehen nicht weniger homosexuell veranlagte Menschen als anderswo. Das Problem ist einzig und allein das durch den religiös-gesellschaftlichen Druck erzwungene Versteckspiel und die daraus resultierenden, teilweise absurden Verhaltensregeln denen sich Homosexuelle dort unterwerfen müssen falls sie nicht überall anecken wollen.

    Mit einem "besonderen orientalischen Flair" hat dies wahrlich nichts zu tun.
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