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- 28. Juli 2009 2 Min.
In Stuttgart ruft die Pius-Bruderschaft für Samstag zu einer Demonstration gegen den "Umzug der sexuellen Perversion" auf.
Die katholische Organisation will während der Polit-Parade des CSD demonstrieren. "Die Vereinigung der Homosexuellen und Lesben in Deutschland hält auch dieses Jahr wieder einen Umzug der sexuellen Perversion in Stuttgart", heißt es in dem Aufruf. "Wir überzeugte Katholiken der Tradition möchten in einer friedlichen Meinungskundgebung unsere Grundrechte als deutsche Staatbürger wahrnehmen, und gegen diese Verspottung von Gottes Geboten unsere Stimme erheben!". Aufgerufen seien alle volljährigen Christen, genauer gesagt: "Erwachsene Katholiken, Protestanten und alle jene, denen Gottes Gebote noch heilig sind (Mindestalter: 18 Jahre)."
Bereits im vergangenen Jahr haben Christen nach einem Aufruf der Pius-Bruderschaft gegen den CSD demonstriert (queer.de berichtete). Das war die erste Protestaktion gegen den Stuttgarter CSD seit 2001, als die NPD gegen Homo-Rechte mobil gemacht hatte.
Auf ihrer Website tritt die Pius-Bruderschaft für eine Wiedereinführung des Paragrafen 175 in der Nazi-Fassung von 1935 ein. Dieses Gesetz wurde erst 1969 von der Großen Koalition abgemildert und 1994 abgeschafft. "Von der Straftat zum Grundrecht - Ein nie gekannter Werteverfall innerhalb von 40 Jahren!", erklärte die Glaubensgemeinschaft und zitiert die Unterstützung der Adenauer-Regierung für den Paragrafen. "Adenauer würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die sodomitischen Umzüge in Deutschland miterleben müsste", ist sich die Pius-Bruderschaft sicher. "Merkt denn niemand mehr in Deutschland den unvorstellbaren Werteverfall?".
Papst Benedikt XVI. hatte Anfang des Jahres die Exkommunikation von mehreren Bischöfen der Pius-Bruderschaft aufgehoben und die Gemeinschaft damit rehabilitiert (queer.de berichtete) - und das, obwohl Teile der Organisation den Holocaust leugnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte den Papst nach dieser Entscheidung. Zuletzt sorgte die 1970 gegründete Vereinigung für Empörung, nachdem sie den katholischen Widerstand gegen CSDs mit dem Widerstand gegen die Nazi-Diktatur verglichen hatte (queer.de berichtete). (dk)
Die Polit-Parade des CSD Stuttgart startet um 16 Uhr im Stadtteil Heslach (Böblinger Straße). Um 18 Uhr findet die Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz statt. Die katholische Gegendemonstration soll gegen 15:30 Uhr am Marienplatz stattfinden.














