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- 02. August 2009 2 Min.
Der Toleranzpreis des Ruhr-CSDs in Essen ging in diesem Jahr an die kirchenkritische Professorin.
Von Christian Scheuß
"So, Leute, ich hab drei Minuten Redezeit und hab‘ mir einen Wecker mitgebracht!" Uta Ranke-Heinemann bedankte sich für die Verleihung des "Blütenfest-Award" am vergangenen Samstag auf dem Kennedy-Platz in Essen auf ihre ganz eigene Weise. Im Schweinsgalopp durchlief sie mehrere tausend Jahre sexueller Unterdrückung durch die katholische Kirche in einer Kurzvorlesung, die mit dem Klingeln ihrer mitgebrachten Eieruhr nach exakt drei Minuten beendet war. Den lang andauernden Beifall des Publikums genoss die 81-jährige sichtlich bewegt.
Kurz zuvor hatte der Oberstadtdirektor der Stadt Essen, Christian Hülsmann die Laudatio auf die streitbare Professorin gehalten. Uta Ranke-Heinemann hätte sich zunächst gewundert, dass ausgerechnet ein CDU-Mann die Lobesrede auf sie halten wolle, verriet Hülsmann. Doch sie habe ihm in einem Telefonat auf den Zahn gefühlt. Hülsmann habe sie davon überzeugen können, dass er "nicht dem Mainstream" zum Thema Homosexualität in seiner Partei angehöre. Die Professorin prangert seit den siebziger Jahren in Büchern und Vorträgen die Sexualitätsfeindlichkeit der katholischen Kirche an und macht als einen der Gründe dafür den Machterhalt des ihrer Meinung nach überwiegend und versteckend lebenden homosexuellen Klerus aus.
Das Forum Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.), der Verein Essen Andersrum und die Essener Aidshilfe vergaben den "Blütenfest-Award" an Ranke-Heinemann, weil sie "mit ihrem langjährigen Wirken auch ein Stück weit dazu beigetragen hat, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in der Stadt Essen abzubauen", betonte Klaus-Peter Hackbarth von der Essener AIDS-Hilfe. Der Preis, eine Skulptur aus einem Regenbogen mit rosa und schwarzem Winkel an der Seite, symbolisiert Verfolgung und Diskriminierung sowie Emanzipation. Und der blümerante Name erinnert an Tanzveranstaltungen vergangener Zeiten, die in Essen als Blütenfest deklariert, verschwiegene Treffpunkte von Homosexuellen waren.
Umringt von Regenbogenfahnen und bei trockenem Wetter bot der 6. Ruhr-CSD auf dem Kennedyplatz ansonsten eine Mischung aus Spaß und Aufklärung, buntem musikalischen Programm und politischen Inhalten. 25 Infoständen von Vereinen und Gruppen präsentierten sich. Das zehnstündige Programm wartete auch mit einer Schweigeminute der Aids-Hilfe Essen auf.
Links zum Thema:
» www.ruhr-csd.de
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