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- 08. September 2009 2 Min.
In Istanbul beginnt am Dienstag der Prozess gegen den noch flüchtigen Vater des im vergangenen Jahres getöteten Studenten Ahmet Yildiz – er soll seinen Sohn wegen dessen Homosexualität umgebracht haben.
Das Verfahren gilt als erster Ehrenmord-Prozess an einem Schwulen in der Türkei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der aus Südanatolien stammende 49-jährige Gemüse-Exporteur Yahya Yildiz seinen 26-jährigen Sohn, den Physikstudenten und Homo-Aktivisten Ahmet Yildiz, im Juli 2008 in Istanbul auf offener Straße erschossen hat. Ahmet konnte sich nach den Schüssen noch in sein Auto schleppen, verlor dann aber das Bewusstsein. Er starb später im Krankenhaus (queer.de berichtete).
Nach Drohungen der Familie flüchtete Ahmets Lebenspartner, der Deutsch-Türke Ibo Can, unter Polizeischutz in die Bundesrepublik. Er beschuldigte die Istanbuler Behörden, Anzeigen gegen die Familie des Verstorbenen nicht ernst genommen zu haben
Can glaubt auch nicht, dass der Vater den Mord alleine begangen hat: "Ein Mann mit einer Beinprothese soll das Tatfahrzeug gefahren und daraus geschossen haben?", erklärte er. Daher müsse auch gegen den Großvater seines Lebenspartners ermittelt werden, ohne den in dessen Clan keine Entscheidung getroffen werde. Außerdem sei dessen Mutter eine "sehr religiöse und hasserfüllte Frau", die ihren Sohn nach dessen Coming-out bedroht habe.
Der Prozess findet ohne den Angeklagten statt. Die Behörden gehen davon aus, dass er in den Nordirak geflohen ist.
Die Regierung der Türkei bemüht sich seit Jahrzehnten, die Praxis der Ehrenmorde zu unterbinden, der vor allem Frauen zum Opfer fallen. Obwohl sich die Situation auch für Schwule im Zuge der EU-Verhandlungen verbessert hat, geht ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch davon aus, dass das 60 Millionen Einwohner zählende Land noch nicht EU-reif ist (queer.de berichtete). (dk)














