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- 10. September 2009 3 Min.
Die Empörung ist groß über die Kampagne "Aids ist ein Massenmörder". Die Verantwortlichen sehen nach wie vor keinen Grund zum Einlenken. Für diese Uneinsichtigkeit gibt es von queer.de die Homo-Gurke.
Von Christian Scheuß
Eine Woche nach der Präsentation des fickenden Adolf Hitlers im Anti-Aidsspot steht nun dagegen einheitlich die Front so ziemlich aller Fachgremien, Dachverbände, Betroffenengruppen, staatlicher Stellen, Stiftungen, dem Zentralrat der Juden und sonstiger Experten. Die Kritik ist eindeutig: Die Spots für TV, Kino und Radio sowie die Plakate, die Hitler und weitere Diktatoren in Verbindung mit ungeschütztem Sex bringen und anschließend Aids zum Massenmörder erklären, sind diskriminierend und stigmatisierend für HIV-Positive, verharmlosen die Verbrechen des Massenmörders Hitler, erzeugen negative Assoziationen in der Bevölkerung gegenüber Betroffenen, enthalten keinerlei motivierende Botschaft, sich zu schützen und stehen gegen alle wissenschaftlich evaluierten Erkenntnisse, die belegen: HIV-Prävention funktioniert nicht über Angstmache und Hysterie. Sie gelingt dann am besten, wenn sie mit Empathie und unter Anerkennung von Lebensweisen auf diejenigen zugeht, die riskiert sind.
Der Orkan der Empörung, der nun aus allen Teilen der Welt über den Saarbrücker Regenbogen e.V. hinwegfegt, lässt die Verantwortlichen unberührt. Die bisherigen Reaktionen gegenüber den Medien kann man nur als verstockt und arrogant bezeichnen. "Es war in keiner Weise von uns beabsichtigt, Aids-Kranke oder HIV-Positive als Massenmörder darzustellen. Wir wollen dem Virus ein Gesicht geben", sagte Jan Schwertner von Regenbogen. Dumm nur, dass in der Bettszene ein vermeintlich HIV-positiver Mensch beim Sex gezeigt wird, der die fiese Fratze des Massenmörders trägt. Und noch dümmer, das Aids in Deutschland keine Massen meuchelt. Das "neue Aids", das Infizierte zu chronisch Kranken macht, die in ihrem von Nebenwirkungen der Therapie beeinträchtigten und nach wie vor durch Stigmatisierung geprägten Leben heute andere Probleme haben, das wäre das Gesicht des Virus, das zu zeigen wäre. Das knallt aber nicht so geil wie Adolf.
Im Interview mit dem Onlineportal news.de wirft Dirk Silz, Leiter der für das Konzept verantwortlichen Hamburger Agentur "das comitee" viele unverantwortliche Nebelkerzen." Jeden Tag sterben an der Krankheit weltweit weitere 5000 Menschen, der Trend geht wieder zum ungeschützten Geschlechtsverkehr. Da ist es Zeit für ein deutliches Statement." Wie eine in Deutschland laufende Kampagne den Tod von Aids-Kranken in Afrika, die er zur Legitimierung heranzieht, verhindern soll, bleibt schleierhaft. "Die herkömmlichen Anti-Aids-Kampagnen funktionieren meiner Ansicht nach nicht. Viel zu unauffällig", behauptet der Werbefachmmann, der damit ignoriert, dass die Infektionszahlen in Deutschland nach wie vor auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegen, und damit einen Erfolg der Prävention belegen. "Man sieht doch, dass Deutschland jetzt wieder über Aids diskutiert. Das ist für uns ein Erfolg", behauptet Silz frech. Dabei wird nicht eine Sekunde lang über Aids geredet und wie man sich davor schützen kann, es wird darüber diskutiert, welchen Schaden diese Kampagne bei den bisherigen Präventionsbemühungen anrichtet, deren Ziel es ist, einen vorurteilsfreien und sachlichen Dialog ohne Hysterie voranzubringen.
Wenn nicht unbedingt notwendig, wolle man das Video nicht entschärfen oder entfernen, betonte Regenbogen-Chef Jan Schwertner. Eine bereits geplatzte Bombe entschärfen? Die einzig denkbare und effektive Methode wäre das komplette Einstampfen dieser Kampagne, verbunden mit einer aufrichtigen Entschuldigung.
Für die bislang gezeigte Uneinsichtigkeit vergibt queer.de an Jan Schwertner vom Regenbogen e.V. und Dirk Silz von der Agentur "das comitee" die Homo-Gurke.














