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- 17. September 2009 3 Min.
In Köln ging Deutschlands erste schwul-lesbische Boulevardzeitung "Flash" an den Start.
Von Micha Schulze
Lange hat sich nichts getan in Deutschlands schwul-lesbischem Blätterwald. Fürchteten manche nach der Insolvenz von "Front" zu Beginn dieses Jahres bereits ein reihenweises Abholzen, wird zumindest in Köln nun neu aufgeforstet: "Flash" heißt das neueste Szenemedium, das in vielerlei Hinsicht überrascht.
Zum einen ist "Flash" kein Hochglanzmagazin, sondern wird auf günstigem Zeitungspapier gedruckt. Zum anderen versteht sich das kostenlose, werbefinanzierte Blatt explizit als "schwul-lesbische Boulevardzeitung" – was es in Deutschland so bislang nicht gegeben hat. Der Unterschied zu dahingeschiedenen Vorgänger-Blättern wie "Gay Express", "First" oder "Down-Town" besteht darin, dass hier nicht einfach nur Presseabteilungen abgedruckt werden, sondern tatsächlich professionelle Journalisten (und Grafiker) am Werk sind.
Das Konzept von Chefredakteur Marc Kersten, einst Geschäftsführer des schwulen Ruhrgebiets-Magazins "Exit", ist total lokal: "Flash ist eine Zeitung von Kölnern für Kölner. Fast ausschließlich mit Kölner Themen und in Köln verteilt." So geht es u.a. um die zurückliegende Kommunalwahl mit den beiden offen homosexuellen OB-Kandidaten von CDU und FDP, einen schwulen Partykrieg am Mittwoch oder einen gemeinen Serientäter mit "K.O."-Tropfen.
Von Kölns frisch gewähltem OB Jürgen Roters bekam "Flash" in einem Grußwort Rückendeckung: "Eine Bereicherung für die Kölner Zeitungslandschaft", jubelt der gemeinsame Kandidat von SPD und Grünen. Nicht ganz so freundlich fiel die Kritik aus der Szene aus. "Peinlich, unterirdisch, kindisch, unprofessionell, dämlich, altbacken, ahnungslos, grausam und überflüssig", schreibt etwa Halli im Blog "pluesch-gefluester", die allerdings für ihre böse Zunge bekannt ist.
In der Tat hat die erste Ausgabe deutliche Schwächen. Zwei Wochen nach der Kommunalwahl etwa macht man mit eben dieser nicht mehr auf. Die Schlagzeile "40% in Köln wählen schwul" geht zudem am Thema vorbei, wo doch gerade der rot-grüne Hetero-Kandidat Roters weitaus mehr Unterstützung aus der Community hatte als die homosexuellen Mitbewerber Kurth (CDU) und Sterck (FDP). Auch der Boulevardstil wurde nicht konsequent durchgehalten: Es fehlen exklusive Geschichten, menschelnde Storys, mehr Klatsch und Tratsch und natürlich die kleinen lokalen Skandale und Skandälchen.
Der Blitz ist zwar eingeschlagen, doch auf den Donner warten wir noch immer. Man merkt allzu sehr, dass das Blatt unter Zeitdruck zusammengeschustert worden ist. Bis heute ist auch die Homepage nicht fertiggestellt, in der Zeitung abgedruckte Links führen entweder ins Leere oder auf die Facebook-Page von "Flash". Mit dem unhandlichen Format hat sich Geschäftsführer Tom Laroche ebenfalls keinen Gefallen getan: In einer Stadt, die den kleinen "Express" gewohnt ist, wirkt das halbe nordische ziemlich unkölsch.
Dennoch tut "Flash" dem schwul-lesbischen Blätterwald gerade in der Domstadt gut, wo sich das Stadtmagazin "rik" seit Jahren in seinem Monopol bequem gemacht hat. Das ambitionierte Boulevardblatt könnte schnell in den Himmel wachsen - aber auch der Dünger sein, damit bei der "rik" mal wieder neue Triebe sprießen.
Links zum Thema:
» Flash auf Facebook
» Blog "pluesch-gefluester" über Flash
» Blog "gay-party-guide and more" über Flash














