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  • 22. September 2009 13 2 Min.

Gedanken zu den Gewalttaten in München, Ansbach oder anderswo

Von Jürgen Friedenberg

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wer der Jugend eine schöne Welt vorgaukelt, in der Spaß als Lebensmaxime gilt, wo Freiheit als Freibrief für rücksichtsloses Tun missverstanden wird und das Ich gottähnlich hoch über dem Wir thront, der darf sich nicht wundern, wenn manch einer sich gewaltsam nimmt, was er friedlich nicht erlangen konnte und es deshalb auch den anderen missgönnt: Anerkennung, Zuneigung, Geborgenheit.

Generationen von Schwulen und Lesben haben leidvoll erfahren - und viele erfahren es noch immer - wie weh gesellschaftliche Ausgrenzung tun kann. Findet man dann nicht Halt bei Freunden oder Heimat in unserer Family, kann sich der Schmerz in Wut und die Wut sich durchaus in Aggressionen verwandeln, die einen selbst und die Umwelt bedrohen. Außenseiter wider Willen leben gefährlich. Etliche greifen zur Flasche, zur Spritze und, wenn es ganz schlimm kommt, zum Messer, zur Pistole oder zu Brandsätzen. Sie ruinieren sich selber und, wenn sie nicht rechtzeitig Hilfe erfahren, tötet ihr Hass – womöglich nicht nur sie, sondern auch andere. Warum nur, warum?

Psychologische Erklärungsversuche mögen im Einzelfall hilfreich sein, greifen aber in aller Regel zu kurz. Denn sie verschleiern meistens die Tatsache, dass unser gesamtes Gesellschaftssystem letztlich auf Gewalt gegründet ist, ja, die Gewalt verherrlicht. Ähnlich wie in der Natur, wo nur der jeweils Stärkere überlebt, belohnt unsere Gesellschaft im Alltag nicht etwa den menschenfreundlichen, hilfsbereiten, opfermutigen Mitmenschen als den Besten, sondern den Erfolgreichsten. Allein der erzielte Erfolg zählt; wie er zustande kam, ob mit legalen oder illegalen Mitteln, wird kaum hinterfragt.

Die Ellbogengesellschaft hat sich zur Fußtrittgesellschaft fortentwickelt: Todtreten oder tot getreten werden. Wir konnten das nicht verhindern. Aber wir sollten verhindern, dass Macht in Übermacht ausartet und Gewalt in Brutalität mündet. Auch darüber wird am kommenden Sonntag abgestimmt.

-w-

#1 schwulenaktivist
  • 22.09.2009, 14:18h
  • Gewalt ist die Kehrseite bürgerlicher Sexualität. Und die Probleme sind hausgemacht sozial, nicht biologisch!
    Wir hatten in den 60er Jahren schon ähnliche Fälle, aber leider lernt diese Gesellschaft nichts, darum kommt sie immer wieder neu auf die Welt...
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#2 seb1983
  • 22.09.2009, 14:49h
  • Antwort auf #1 von schwulenaktivist
  • "Die Gesellschaft" (wunderbar abstrakter Begriff) sind auch du und ich und wir alle.
    Da die Mehrheit in den letzten Jahren auf der 100% Selbstverwirklichung ist mir doch scheißegal Welle geschwommen ist gibt es jetzt die Quittung, in den Großstädten schneller als hier auf dem Land.

    Bei mir daheim gabs noch Ärger von Passanten wenn man Abfall auf die Straße geworfen hat.
    Mit 14 besoffen auf dem Weinfest vom Lehrer erwischt? wurden die Eltern verständigt.
    Geschadet hat es nicht...
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