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- 06. Oktober 2009 3 Min.
Wirtschaftsredakteure der "New York Times" haben errechnet, dass Homo-Paare wegen staatlicher Diskriminierung bis zu 470.000 Dollar (320.000 Euro) mehr Ausgaben haben als vergleichbare Hetero-Paare – der Staat könnte mit einem Gesetz die Benachteiligung beenden.
Von Dennis Klein
Die Journalisten Tara Siegel Bernard und Ron Lieber haben ein hypothetisches Durchschnitts-Homopaar mit Uni-Abschluss für ihre Berechnungen herangezogen, das im Bundesstaat Florida, New York oder Kalifornien lebt. Dann berechneten sie die Mehrausgaben, die im Vergleich zu Heteropaaren durch Kosten für die Krankenversicherung, eine verminderte Rente, Schenkungs-, Erbschafts- und Einkommenssteuer sowie andere Faktoren entstehen. Im besten Fall errechneten die Redakteure Mehrausgaben von insgesamt 41.000 Dollar, im schlechtesten Fall waren es 470.000 Dollar.
Die höchsten Kosten verursachte die private Krankenversicherung, die für Mehrausgaben zwischen 29.000 und 212.000 Dollar verantwortlich war. Auch die Erbschaftssteuer fällt in den USA ins Gewicht, da sie hohe Freibeträge für Eheleute vorsieht, aber keine für Homo-Paare. Nur bei der Bundeseinkommenssteuer gibt es in den USA keinen Nachteil für Homo-Paare: Denn verheiratete Hetero-Paare mit etwa gleich hohem Einkommen müssen in den USA oft sogar mehr zahlen als Singles oder Homo-Paare, da sie in einen höheren Steuersatz rutschen (von Politikern oft als "Marriage Penalty"/"Ehe-Nachteil" bezeichnet). Das ist aber der einzige Vorteil, den die Forscher gefunden haben. Er muss außerdem im späteren Leben zurückgezahlt werden: Unverheiratete Pensionisten erhalten nämlich weit weniger aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
Ehe-Öffnung ist die Lösung
Um die Ungleichbehandlung zu beenden, müsste Washington nur ein Gesetz ändern, erklärten die Autoren Bernard und Lieber: "Fast alle Extrakosten für Homo-Paare würden ein Ende haben, wenn die Bundesregierung die Ehe für Schwule und Lesben öffnet", erklärten die Wirtschaftsredakteure. "Eine Ausnahme sind die Kosten für eigene Kinder. Wir haben diese mitberechnet, weil wir alle Faktoren einschließen wollten, bei denen homosexuelle Paare höher belastet werden." So berechneten die Forscher im ungünstigsten Fall mit Kosten von 40.000 Dollar für ein lesbisches Paar, das sich mit einer künstlichen Befruchtung den Kinderwunsch erfüllt. Die Ausgaben für schwule Paare wären allerdings viel höher, da diese auch eine Leihmutter finanziell entschädigen müssten.
Situation in Deutschland
In Deutschland ist es auch teurer, schwul oder lesbisch zu sein, allerdings verteilen sich hier die Kosten anders. Nachteile entstehen bei Eingetragenen Lebenspartnern anders als in den USA am meisten dadurch, dass sie nicht in den Genuss des Ehegattensplittings kommen. Dieses kommt nur heterosexuellen Ehepaaren zugute. Je unterschiedlicher die Einkommen der Partner sind, desto höher ist der Gewinn; der beste Fall im Ehegattensplitting ist also die Hausfrauen-Ehe. Auf Druck der CDU/CSU kommen Homo-Paare auch acht Jahre nach der Einführung von Eingetragenen Partnerschaften nicht in den Genuss dieser Subvention, von der in erster Linie kinderlose Hetero-Paare profitieren. Im Extremfall entstehen ihnen so Mehrkosten von 15.000 Euro jährlich. Punktuelle Benachteiligungen für Homo-Paare existieren auch in anderen Bereichen, etwa bei der Riester-Rente oder der Erbschaftssteuer. Sie sind aber in den vergangenen Jahren mehr und mehr abgebaut worden.
Die amerikanische Lösung würde auch in Deutschland wirken: Hierzulande könnte wie in den USA die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben die finanzielle Benachteiligung auf einen Schlag beenden.
Links zum Thema:
» Artikel in der "New York Times"















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