https://queer.de/?11269
- 26. Oktober 2009 3 Min.
Der CDU-Politiker Stefan Mappus soll die Regierung in Stuttgart anführen. Er findet den CSD "abstoßend" und sieht in einem Adoptionsrecht für Homo-Paare Experimente an Kindern.
Von Norbert Blech
Das Präsidium der baden-württembergischen CDU hat am Montag den Fraktionschef der Partei im Stuttgarter Landtag, Stefan Mappus, einstimmig für die Nachfolge von Ministerpräsident Günther Oettinger vorgeschlagen. Der CDU-Landesvorstand empfahl dem Landesparteitag im November, den Politiker aus dem konservativen Flügel auch zum neuen CDU-Landesvorsitzenden und zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2011 zu machen. Nach einer für morgen geplanten Nominierung durch die CDU-Fraktion muss Mappus dann vom Landtag gewählt werden.
Der 1966 in Pforzheim geborene Mappus ist verheiratet und hat zwei Söhne. 1983 trat er in die Junge Union ein, dreizehn Jahre später wurde er in den Landtag gewählt. Bevor er Fraktionsvorsitzender (und stellvertretender CDU-Landesvortand) wurde, war er für zwei Jahre Umweltminister. Der politische "Ziehsohn" von Oettingers Vorgänger Erwin Teufel gilt als "konservativer Haudrauf", beschreibt ihn der SWR. In der Vergangenheit hat er sich mehrfach gegen die Homo-Ehe positioniert.
Adoptionsrecht: Keine Experimente
Als in diesem Sommer Bundesjustizministerin Zypries (SPD) etwa ein Adoptionsrecht für Homo-Paare gefordert hatte, übte Mappus Kritik: "Kinder sind denkbar ungeeignet für Experimente im Bereich der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und bedürfen dem besonderen Schutz der Gesellschaft". Die klassische heterosexuelle Familie, bestehend aus Vater und Mutter, sei immer noch die beste Basis um Kindern Orientierung, Schutz und Sicherheit zu vermitteln. In einer gemeinsamen Presserklärung sagte der sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Wilfried Klenk: "Geradezu unerträglich ist der Fall jener 'Muster-Regenbogenfamilie' aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg". Neben einem leiblichen Kind aus einer früheren heterosexuellen Beziehung hätten zwei lesbische Frauen ein zweites Kind mittels künstlicher Befruchtung in die Welt gesetzt, berichtet die Pressemitteilung, "kurioserweise mit dem Samen eines homosexuellen Freundes". "Gerade dieses Beispiel zeigt, dass bei den Überlegungen der Bundesjustizministerin nicht alle Fälle berücksichtigt worden sind und das geplante Gesetzesvorhaben daher der Realität angepasst werden muss", so Stefan Mappus abschließend.
"Brutus" und der abstoßende CSD
In einem Interview mit "Spiegel Online" kritisierte der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, die Entscheidung. Mappus, der im Landtag den Spitznamen "Brutus" trage, stecke tief im konservativen Lager: "Er hat eine NS-kritische Ausstellung zu verhindern versucht, er hat zu verantworten, dass sich schwule und lesbische Paare in baden-württembergischen Kfz-Zulassungsstellen trauen lassen müssen." Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland Deutschlands, in dem Landkreise oder Städte Schwulen und Lesben das Standesamt noch verweigern können. In der Vergangenheit kam es zu Gerichtsprozessen, nachdem die Gebühren für Lebenspartnerschaften oft doppelt so hoch waren wie für Ehe-Schließungen. In mehreren Debatten zu Homo-Ehen im Stuttgarter Landtag fiel die von Mappus geführte CDU-Fraktion durch polternde Zwischenrufe auf Stammtisch-Niveau und rückständige Auffassungen auf.
Vor vier Jahren hatte Mappus die Unterstützung seines Parteifreunds Andreas Renner für den CSD in Stuttgart kritisiert (queer.de berichtete). "Wenn wir vorher von der Schirmherrschaft gewusst hätten, hätten wir sicher davon abgeraten", so Mappus in der "Stuttgarter Zeitung". "Ich gebe jetzt noch den Rat, da nicht hinzugehen - weder zur Eröffnungsgala noch zum Umzug." Nach Angaben von Mappus habe er und 90 Prozent der Fraktion ein Problem "mit dem frivolen, karnevalesken Zurschaustellen von sexuellen Neigungen, wie es bei dieser Veranstaltung geschieht." In einem Interview mit der "Pforzheimer Zeitung" ging er noch weiter: Der CSD versuche auf eine "abstoßende Art und Weise eine Woche lang Veranstaltungen durchzubringen, die wir ablehnen." Renner, damals Sozialminister, musste wenig später zurücktreten, weil er angeblich den katholischen Bischof Gebhard Fürst in einem privaten Gespräch beleidigt hatte, in dem es um die Unterstützung für den CSD Stuttgart ging.














