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- 06. November 2009 3 Min.
Die Wörter "Faggot" und "Fag" (Schwuchtel) sind ab sofort im amerikanischen Wörterbuch als herabwürdigende Bezeichnung von Harley-Fahrern definiert – zumindest in der Welt von "South Park". Homo-Aktivisten kritisieren die neueste Folge der satirischen Zeichentrickserie.
In der soeben in den USA ausgestrahlten 193. Folge der Comedyreihe nehmen sich die "South Park"-Macher Trey Parker und Matt Stone das andere "F Word" vor, das im Englischen zu den gröbsten Beleidigungen gehört: Die Protagonisten Eric, Kyle, Stan und Kenny kämpfen in dieser Folge darum, dass nicht mehr Schwule als "Faggots" bezeichnet werden sondern Harley-Fahrer. Grund: Der Motorradclub trifft sich in South Park und die Fahrer stören mit ihren lauten Maschinen und ihrer nervtötenden Persönlichkeit die Ruhe im Städtchen.
Die Viertklässler greifen daraufhin zu harten Bandagen: Sie schmieren Exkremente auf die Motorräder, mitsamt einem Fähnchen mit der Aufschrift: "Ihr seid Schwuchteln". Als sie auf die Häuserwände "Schwuchteln raus" schmieren, steht South Park zunächst Kopf, da der Bürgermeisterin und den Lehrern die neue Definition des Wortes noch nicht bekannt ist. Als die Kinder erklären, dass "Faggot" Harley-Fahrer bedeutet, steht die Stadt aber hinter ihnen und erwirkt sogar eine Änderung im US-Wörterbuch. "Fag" bedeutet jetzt: "Eine extrem nervige, taktlose Person, meist im Zusammenhang mit Harley-Fahrern."
Es macht Spaß, Schwuchtel zu sagen
Die Schwulen der Serie sind ganz begeistert von der Definitionsänderung. So erklärt Big Gay Al: "Wir müssen einsehen, dass die Wörter 'Fag' und 'Faggot' nie verschwinden werden, weil es einfach zu viel Spaß macht, sie zu benutzen. Aber wir müssen begreifen, dass wir nicht länger die meistgehassten Menschen auf der Welt sind. Deshalb müssen wir den Kindern helfen, die Bedeutung der Wörter zu ändern – sie sollen künftig diese lauten, schwuchteligen Harley-Fahrer beschreiben. Wir sollten alle tolerant sein. Aber nicht gegenüber diesen Scheißleuten – das sind wahre Schwuchteln." Mit dem Slogan "Gays Against Fags" beteiligen sie sich an Protestaktionen in South Park.
Nicht alle Homo-Aktivisten im echten Leben waren jedoch über die Episode glücklich. So protestierte die Gay & Lesbian Alliance Against Defamation: "Die Macher von 'South Park' haben in einem Punkt recht: Mehr und mehr Leute benutzen das F-Wort als Allzweckbeleidigung", so die GLAAD in einer Pressemitteilung. "Es ist aber unverantwortlich und falsch zu denken, dass es sich dabei um eine freundliche Beleidigung handelt und dass es keine Konsequenzen für die Opfer von antischwuler Schikanierung und Gewalt hat". Das Wort sei in den USA nach wie vor mit Homophobie verknüpft. Die GLAAD erinnerte dabei an einen elfjährigen Schüler aus Massachusetts, der sich im April nach schwulenfeindlichen Beschimpfungen durch seine Klassenkameraden das Leben nahm (queer.de berichtete).
In "South Park" wird mit Klischees über viele Minderheiten gespielt, auch über Schwule. Dennoch sprechen sich die Figuren in der Serie stets für die Gleichbehandlung von Homosexuellen aus. Unter Schwulen und Lesben ist die seit 1998 laufende Serie sehr populär: So haben in einer Umfrage aus dem Jahr 2005 ganze acht Prozent der Heterosexuellen angegeben, sie hätten in den letzten vier Wochen "South Park" eingeschaltet – bei Schwulen und Lesben waren es dagegen 25 Prozent. (dk)
Links zum Thema:
» southpark.de
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» auf sissymag.de
12:30h, MDR:
Käthe und ich
Folge 6: Das Adoptivkind – Film über den zwölfjährigen Ben, der vor kurzem noch beliebt war und inzwischen der meistgehasste Junge der Schule ist, auch dabei der schwule Tierarzt Eric.
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Dennoch dürften Harleyfahrer (ob schwul, lesbisch oder hetero) über die neueste Übersetzung nicht gerade erfreut sein! Als alter Southparkzuschauer kann ich da nur mit dem Kopf schütteln!