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  • 06. November 2009 13 3 Min.

Die Wörter "Faggot" und "Fag" (Schwuchtel) sind ab sofort im amerikanischen Wörterbuch als herabwürdigende Bezeichnung von Harley-Fahrern definiert – zumindest in der Welt von "South Park". Homo-Aktivisten kritisieren die neueste Folge der satirischen Zeichentrickserie.

In der soeben in den USA ausgestrahlten 193. Folge der Comedyreihe nehmen sich die "South Park"-Macher Trey Parker und Matt Stone das andere "F Word" vor, das im Englischen zu den gröbsten Beleidigungen gehört: Die Protagonisten Eric, Kyle, Stan und Kenny kämpfen in dieser Folge darum, dass nicht mehr Schwule als "Faggots" bezeichnet werden sondern Harley-Fahrer. Grund: Der Motorradclub trifft sich in South Park und die Fahrer stören mit ihren lauten Maschinen und ihrer nervtötenden Persönlichkeit die Ruhe im Städtchen.

Die Viertklässler greifen daraufhin zu harten Bandagen: Sie schmieren Exkremente auf die Motorräder, mitsamt einem Fähnchen mit der Aufschrift: "Ihr seid Schwuchteln". Als sie auf die Häuserwände "Schwuchteln raus" schmieren, steht South Park zunächst Kopf, da der Bürgermeisterin und den Lehrern die neue Definition des Wortes noch nicht bekannt ist. Als die Kinder erklären, dass "Faggot" Harley-Fahrer bedeutet, steht die Stadt aber hinter ihnen und erwirkt sogar eine Änderung im US-Wörterbuch. "Fag" bedeutet jetzt: "Eine extrem nervige, taktlose Person, meist im Zusammenhang mit Harley-Fahrern."

Es macht Spaß, Schwuchtel zu sagen

Die Schwulen der Serie sind ganz begeistert von der Definitionsänderung. So erklärt Big Gay Al: "Wir müssen einsehen, dass die Wörter 'Fag' und 'Faggot' nie verschwinden werden, weil es einfach zu viel Spaß macht, sie zu benutzen. Aber wir müssen begreifen, dass wir nicht länger die meistgehassten Menschen auf der Welt sind. Deshalb müssen wir den Kindern helfen, die Bedeutung der Wörter zu ändern – sie sollen künftig diese lauten, schwuchteligen Harley-Fahrer beschreiben. Wir sollten alle tolerant sein. Aber nicht gegenüber diesen Scheißleuten – das sind wahre Schwuchteln." Mit dem Slogan "Gays Against Fags" beteiligen sie sich an Protestaktionen in South Park.

Nicht alle Homo-Aktivisten im echten Leben waren jedoch über die Episode glücklich. So protestierte die Gay & Lesbian Alliance Against Defamation: "Die Macher von 'South Park' haben in einem Punkt recht: Mehr und mehr Leute benutzen das F-Wort als Allzweckbeleidigung", so die GLAAD in einer Pressemitteilung. "Es ist aber unverantwortlich und falsch zu denken, dass es sich dabei um eine freundliche Beleidigung handelt und dass es keine Konsequenzen für die Opfer von antischwuler Schikanierung und Gewalt hat". Das Wort sei in den USA nach wie vor mit Homophobie verknüpft. Die GLAAD erinnerte dabei an einen elfjährigen Schüler aus Massachusetts, der sich im April nach schwulenfeindlichen Beschimpfungen durch seine Klassenkameraden das Leben nahm (queer.de berichtete).

In "South Park" wird mit Klischees über viele Minderheiten gespielt, auch über Schwule. Dennoch sprechen sich die Figuren in der Serie stets für die Gleichbehandlung von Homosexuellen aus. Unter Schwulen und Lesben ist die seit 1998 laufende Serie sehr populär: So haben in einer Umfrage aus dem Jahr 2005 ganze acht Prozent der Heterosexuellen angegeben, sie hätten in den letzten vier Wochen "South Park" eingeschaltet – bei Schwulen und Lesben waren es dagegen 25 Prozent. (dk)

Galerie:
South Park - The F Word
8 Bilder
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#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 06.11.2009, 14:19h
  • Was soll man dazu sagen? Zuerst dachte ich, daß es sich bei dem Wort "Faggot" um das Blasinstrument in der englischen Übersetzung handelt. Allerdings heißt das Fagott im englischen "bassoon".

    Dennoch dürften Harleyfahrer (ob schwul, lesbisch oder hetero) über die neueste Übersetzung nicht gerade erfreut sein! Als alter Southparkzuschauer kann ich da nur mit dem Kopf schütteln!
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#2 MaschbauerAnonym
  • 06.11.2009, 15:14h
  • Das Phänomen gibt es doch in Deutschland genauso. Ich hatte einen Kommilitonen in Maschinenbau, der hat innerhalb von 10 Minuten die Wörter "schwul", "Schwuchtel" und "gay" gebraucht. Als ich ihn darauf angesprochen habe, ob er auch gerne mal das Wort "Nigger" oder "Judd" gebrauchen wolle, schaute er ganz unschuldig und entgegnete schnippisch, "schwul" würde heutzutage jeder so gebrauchen!

    Daraufhin habe ich ihn daran erinnert, dass er sich jetzt - nach seiner Schulzeit - auf einer Uni befindet und es dort riesige Ansammlungen an Büchern gibt, Bibliotheken genannt, wo er sich in Ruhe erkundigen kann, was Diskriminierung bedeutet! Ganz nach dem Motto "Diskrimi... was?".

    Solange Schwule in Film und Fernsehen immer noch als effeminierte Männer oder Antihelden vorkommen und es geradezu en vogue ist, alles schlechte mit "schwul" zu deklarieren, wird sich innerhalb der jüngeren Generation an der Sprache und der Vorstellung von Schwulen nichts ändern.

    Und gerade das tut weh: seine eigene Selbstbezeichnung und Identität ständig im negativen Kontext eingebunden zu sehen.

    Zu mehr als Toleranz scheint diese Gesellschaft nicht fähig oder willens zu sein; im Hinblick der Etymologie des Wortes "Toleranz" (lat. "tolerare") erträgt und erduldet sie uns, ganz nach ihrem Gutdünken und Wohlwollen.
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#3 Jonas
  • 06.11.2009, 18:42hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #2 von Maschbauer
  • kann dir da nur recht geben!

    Wenn jemand auf der Straße Ni**er ruft, wird er zurecht von allen böse angeschaut.
    Schwuchtel is total normal.

    Das Ganze ist sicherlich auch ein Problem unseres Justizsystem, da diese Beleidigung nunmal gar nicht als Beleidigungen geahndet werden, sondern auch dort als Normalität gesehen werden. Welcher Moderator würde sich schon im Fernsehen trauen Ni**er zu sagen? Schwule Beleidigungsbegriffe sind hingegen an der Tagesordnung.

    Finde Southpark ab und zu ganz nett: Die Sendung versucht ja mit solchen Folgen über diese und andere Themen aufzuklären; Allerdings bewirken die meiner Meinung nach oft das Gegenteil und Konservatisten werden sich mehr bestärkt als kritisiert fühlen.
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