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- 18. November 2009 4 Min.
Die Betreiber von Gayromeo gelten als erfolgreich, aber öffentlichkeitsscheu. Dass sie Projekte der Community fördern, wissen nur wenige. Ihre neue Stiftung dürfte das ändern.
Von Dennis Klein und Christian Scheuß
"Tue Gutes und rede darüber." Das alte Sprichwort der Gemeinnützigen hat man bei Gayromeo in der Vergangenheit wenig beachtet. Vielleicht ist auch wegen dieses Understatements bislang wenig bekannt, dass das blaue Einwohnermeldeamt jährlich einen fünfstelligen Betrag an schwul-lesbische Projekte spendet. Anfang Oktober, pünktlich zum siebten Geburtstag des erfolgreichen Datingportals, wartete Mutti, das Maskottchen des Unternehmens, auf der Startseite mit einer Überraschung auf. Man habe am Firmensitz in Amsterdam die "PlanetRomeo Foundation" gegründet, eine Stiftung, mit der man in Zukunft weltweit Projekte der Community unterstützen werde. Queer.de sprach mit Maurice Berendsen, dem Managing Director von Gayromeo, über die Details des Vorhabens.
Wen wollt Ihr mit der Stiftung unterstützen?
Wir wollen mit der Stiftung Wohltätigkeitsorganisationen unterstützen, die sich hauptsächlich für die Interessen von Schwulen, Bisexuellen und Transgender einsetzen. Dabei geht es um die Bereiche Bildung, Kultur, Homo-Rechte, Gesundheit, Emanzipation und Sport.
Das ist ein weites Feld, setzt ihr irgendwo Schwerpunkte?
In der Tat haben wir den Stiftungsgrund und die daraus resultierenden Förderbereiche bewusst weit gewählt. Wichtig für uns wird eine ausgewogene Auswahl der Projekte nach Themen und Orten sein. Letztlich möchten wir gerade die Möglichkeit nutzen, weltweit Projekte zu fördern. Ob sich da mit der Zeit ein Schwerpunkt heraus kristallisiert ist aktuell noch schwer zu sagen. Schwulenrechte stehen aber zumindest derzeit bei uns sehr weit oben auf der Agenda.
Wie kann man die Unterstützung beantragen?
Das wird Anfang 2010 veröffentlicht. Derzeit werden die bestehenden Projekte auf die Stiftung umgezogen und wir sind noch dabei, das Ganze durchzustrukturieren.
Ihr habt euch bei den Plus-User bedankt, sie erst hätten die Stiftung möglich gemacht. Wie hoch wird der Anteil aus diesen Mitgliedsbeiträgen sein, die in die Stiftung fließen sollen?
Ich bitte zu verstehen, dass wir hier derzeit keine wirkliche Aussage treffen wollen – bzw. sogar können. Letztlich besteht aktuell keine direkte Verknüpfung zwischen Plus-Accounts und unseren Geldausgaben für soziale Projekte. Im ersten Quartal 2010 planen wir die derzeit unterstützen Projekte auf die Foundation umzustellen. Wir werden dann als Firma nur noch eine Spende an die Foundation machen, welche dann das Geld weiter reicht und ausschüttet. Derzeit planen wir ab Januar 2010 monatlich 5.000 Euro als Firma an die Foundation zu spenden. Dies ist eine Verdoppelung unsere Aufwendungen im Jahr 2009. Es wird also genügend Luft für weitere und neue Projekte geben.
Und wie viel Einnahmen erwartet Ihr pro Jahr durch die Anlage der Stiftungsmittel?
Das kann ich zum heutigen Tage noch nicht beantworten, weil wir damit natürlich Neuland betreten. Dieses Jahr haben wir als Unternehmen ca 35.000 bis 40.000 Euro für Projekte ausgegeben. Aber wir werden später, wenn alles über den Stiftung läuft, jedes Jahr im Jahresbericht die Zahlen veröffentlichen.
Gibt es noch weitere Hürden für die Stiftungsgründung?
Die Gründung ist bereits vollzogen und die Stiftung im Handelsregister eingetragen. Jetzt sind wir dabei, die Arbeitsstrukturen zu erarbeiten, dazu gehört zum Beispiel ein Verhaltenskodex, der für niederländische Stiftungen vorgeschrieben ist. Das ist vergleichbar mit einer Vereinssatzung.
Gibt es Vor- oder Nachteile gegenüber Stiftungen in Deutschland?
Da die PlanetRomeo BV ein niederländisches Unternehmen ist, war es für uns einfacher, alles hier anzumelden. Ob es da Vorteile oder Nachteile gibt, diese Frage hat sich für uns überhaupt nicht gestellt.
In den letzten Jahren sind in Deutschland ein paar Anläufe zur Gründung von Stiftungen für Schwule und Lesben gemacht worden, wie etwa Arcus in Köln. Werdet Ihr mit diesen zusammenarbeiten oder wollt Ihr Euer eigenes Ding durchziehen?
Das wird sich zeigen. Wir stehen einer Zusammenarbeit immer offen gegenüber.
Stiftungen haben ja seit den Steuerhinterziehungsskandalen à la Klaus Zumwinkel einen schlechten Ruf. Wollt Ihr mit der Gründung der Stiftung nicht auch nur Steuern sparen?
Nein, natürlich nicht. Wenn dem so wäre, hätten wir in der Tat die Stiftung in Liechtenstein gegründet. Und vor allem hätten wir das nicht veröffentlicht. Bisher haben wir nur Projekte in die Niederlanden und Deutschland unterstützen können. Das wollen wir in die Zukunft auch gerne in anderen Ländern machen. Das hat immer wieder zu steuerlichen Problemen geführt.
Ihr feiert jetzt euren siebten Geburtstag. Gibt es neben der Stiftung noch weitere Überraschungen?
Das hat Mutti uns noch nicht verraten, denn es wäre es ja sonst auch keine Überraschung mehr.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zu den bislang geförderten Projekten














