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- 01. Dezember 2009 3 Min.
Ab März 2010 will Schweden die Diskriminierung homosexueller Blutspender beenden - aber nur wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten
Von Norbert Blech
Es ist für Blutspendeorganisationen weltweit eine Art Grundgesetz: Schwule Männer dürfen kein Blut spenden. Obwohl dies durchaus diskriminierend wirkt, betonen Mediziner, dass schwule Männer ein höheres Risiko einer HIV-Infektion in sich tragen. Menschenrechtler kritisieren, dass nicht tatsächliche Risiken wie ungeschützter Geschlechtsverkehr abgefragt werden, sondern dass die sexuelle Orientierung alleine ein Risiko darstellen soll.
Nun gibt es eine neue Entwicklung aus Schweden: das Gesundheitsministerium hat neue Richtlinien für die Blutspende erlassen, die ab dem 1. März 2010 in Kraft treten. Schwule Männer dürfen nun Blut spenden - allerdings nur, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten. Nach der sexuellen Orientierung wird nicht mehr gefragt, allerdings nach mehreren möglichen Risikosituationen. Homosexueller Sex, ob geschützt oder nicht, gehört nach dem heftig erstrittenen Kompromiss dazu; die ursprünglich geplante Frist von sechs Monaten wurde auf ein Jahr herauf gesetzt.
Unter HIV-Generalverdacht
In Deutschland sind Schwule weiterhin komplett von der Blutspende ausgeschlossen. In einem Fragebogen muss der Spendenwillige angeben, ob er zu einer Risikogruppe für HIV gehört. Dazu zählt das deutsche Transfusionsgesetz Prostituierte, Sextouristen, Drogenabhängige, Häftlinge, "Menschen mit häufig wechselnden Intimpartnern" und Schwule – unabhängig davon, wie riskant ihr Sexleben tatsächlich ist. Wer ankreuzt, schwul zu sein, ist von der Blutspende ausgeschlossen.
Dass man als Schwuler trotzdem spenden kann, wenn man lügt, sorgt nicht für eine Entspannung in der Debatte. Der LSVD etwa spricht davon, dass die derzeitige Regelung "Schwule unter HIV-Generalverdacht" stelle. Dabei würden moderne Testverfahren, die ohnehin vorgeschrieben sind, treffsicher arbeiten. Das Paul-Ehrlich-Institut, das zusammen mit der Bundesärztekammer für die Blutspenden zuständig ist, lehnt ein Ende des Blutspendeverbots jedoch weiterhin ab. Das sei keine Diskriminierung, sondern Prophylaxe: auch Personen, die zwischen 1980 und 1996 mehr als sechs Monate in Großbritannien lebten, sind etwa von der Blutspende ausgeschlossen, weil es ein hypothetisches Risiko einer Übertragung der Creuzfeld-Jakob-Krankheit gebe.
Einige Ausnahmen weltweit
Doch das Verbot beginnt weltweit zu wackeln. In Italien und in spanischen Militärkrankenhäusern dürfen Schwule schon seit einigen Jahren Blut spenden. Auch Portugal hat das Blutspendeverbot für Schwule aufgehoben. Durch neue Testverfahren sei das Risiko, eine HIV-infizierte Transfusion zu erhalten, ohnehin praktisch gleich null, erklärte ein Sprecher der Blutspendenbehörde damals.
2008 hatte auch das Rote Kreuz in Thailand das Blutspendeverbot für Schwule aufgehoben. Stattdessen wird allgemein gefragt, ob man etwa "risikoreiches sexuelles Verhalten" gezeigt habe (queer.de berichtete). In Südafrika dürfen Schwule schon seit 2006 Blut spenden, Personen dürfen allgemein sechs Monate lang keinen "Anal- und Oralsex" ausgeübt haben. Selbst im schwulenfeindlichen Russland sind Schwule seit drei Jahren nicht mehr von der Blutspende ausgeschlossen.














