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- 17. Dezember 2009 2 Min.
Die britische BBC hat auf ihrer Website für Empörung gesorgt, als sie in einem Forum fragte, ob Schwule exekutiert werden sollten.
Die Kommentarfunktion ("Have Your Say") auf der Nachrichtenseite bezog sich auf einen Artikel über das Ansinnen Ugandas, Homosexualität künftig mit der Todesstrafe zu ahnden (queer.de berichtete). Innerhalb kurzer Zeit hatten User 600 Kommentare geschrieben, von denen lediglich 200 von der BBC veröffentlicht worden sind.
Doch selbst in vielen der freigeschalteten Texte wird die Tötung von Homosexuellen befürwortet. So schreibt Chris aus Guildford im Südosten Englands: "Ich stimme dem voll zu. Das sollten wir in Großbritannien auch einführen, um Familienwerte zurückzubringen." Ein anderer Leser schrieb: "Glückwunsch an Uganda für diese kluge Entscheidung. So entfernt man eine Plage von der Gesellschaft. Wir hoffen, dass andere afrikanische Nationen diesem mutigen Schritt folgen werden."
Homo-Ativisten und Politiker aller großen Parteien verurteilten die BBC scharf. So erklärte der Abgeordnete Eric Joyce von der regierenden Labour-Partei: "Wir sollten mit Abscheu auf das schauen, was in Uganda vor sich geht. Wir sollten es verurteilen, die BBC sollte es verurteilen, genau wie wir sexuelle Gewalt im Kongo oder den Genozid in Ruanda oder Darfur verurteilen."
Die BBC verteidigte die Frage, die nach "langer interner Debatte" online gestellt worden sei. "Das ist eine schwierige Frage, aber sie illustriert ein echtes Thema", erklärte David Stead, Chef von BBC World Service Africa. Immerhin sei die Bestrafung von Homosexuellen in Afrika weit verbreitet und werde von demokratisch gewählten Abgeordneten vorangetrieben. Dennoch änderte die BBC die Fragestellung zu "Sollte Uganda über die Hinrichtung von Homosexuellen diskutieren?" – und schloss gleichzeitig dieses Forum.
BBC entschuldigt sich
Nachtrag (16:40 Uhr): Die BBC hat sich am Donnerstagnachmittag für die Frage auf ihrer Website entschuldigt. Peter Horrocks, Chef von BBC World Service, erklärte in seinem Blog: "Die erste Überschrift war zu krass, wie wir im Nachhinein festgestellt haben. Wir entschuldigen uns bei allen, die sich beleidigt gefühlt haben". Es sei allerdings wichtig, dass der Streit um die Überschrift "nicht ablenkt von einer wichtigen Debatte für Afrikaner und die internationale Gemeinschaft". (dk)
Links zum Thema:
» BBC-Forum: "Should Uganda debate gay execution?"















Auch wenn es gewiss ein paar Trolle im Netz gibt, die sich mit einer "Ja"-Antwort profilieren wollen (und in Wirklichkeit anders denken), spiegelt das Ergebnis dieser Umfrage eine wichtige Dimension im Kampf gegen Homophobie wider. Erkennen wir Schwule und Lesben doch nur so, wie groß die Zahl der Homo-Hasser wirklich ist.
Und im Gegensatz zu einer Telefon- oder Fragebogen-Umfrage besteht auch nicht die Gefahr, dass wirklich Homophobe im Sinne der "social desirability", also der sozialen Erwünschtheit antworten, sondern eher ihr wahres Gesicht zeigen, da die Abstimmung ja anonym durchgeführt wird.
Ich stehe immer auf dem Standpunkt, dass man wissen sollte, wo der "Feind" steht - und wie viele es von ihm gibt. Nur so kann man weiterhin sinnvoll Aufklärung und Prävention im Bereich Homophobie betreiben.
Machen wir uns nichts vor: Wir werden noch in Jahrzehnten gegen Homophobie ankämpfen müssen - auch wenn es natürlich zunehmend leichter werden wird. In Zeiten eines konservativen Rollbacks, in denen wir uns momentan befinden, sollten wir aber erhöhte Wachsamkeit zeigen!