https://queer.de/?11600
- 05. Januar 2010 2 Min.
In Schottland geht ein schwuler Mann an die Öffentlichkeit, weil er seiner an Leukämie erkrankten Mutter kein Blut spenden durfte.
Die 47-jährige Mutter des jetzt 21-jährigen Studenten Dij Bentley starb im August letzten Jahres in Glasgow. Sie erlitt kurz zuvor eine Infektion im Gehirn, was eine Bluttransfusion nötig machte. Die Ärzte befragten dazu die Verwandten der Frau. Wegen seiner sexuellen Orientierung war Bentley aber selbst mit dem Einverständnis seiner Mutter verboten worden, Blut zu spenden. Wenige Tage später war sie tot.
"Die haben meinen Onkel, meinen Bruder und alle Kollegen gefragt, ob ihr Blut kompatibel ist", erklärte Bentley. "Ich war ja in einer stabilen, monogamen Beziehung. Es gab also keine HIV-Gefahr". Die Klinik lehnte aber selbst einen Bluttest mit Verweis auf die gegenwärtige Gesetzgebung ab. Bentley will sich nun dafür einsetzen, dass das generelle Homo-Verbot beim Blutspenden aufgehoben wird: "Schwule sollten das Recht haben, Blut zu spenden."
In Großbritannien sind - ebenso wie in Deutschland - Schwule wie Prostituierte oder Drogenabhängige als Risikogruppe abgestempelt und dürfen daher kein Blut spenden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich beim Sex risikoreich verhalten. Einige Länder gehen aber bereits neue Wege: So hob Thailand bereits 2008 das Homo-Verbot auf und fragt jetzt bei Hetero- und Homosexuellen nach "risikoreiches sexuelles Verhalten" oder "Drogengebrauch" als Ausschlusskriterien (queer.de berichtete). Im März diesen Jahres fällt auch das Blutspendeverbot in Schweden: Dort müssen Schwule allerdings ein Jahr lang enthaltsam leben, bevor sie spenden dürfen (queer.de berichtete). In Italien und in spanischen Militärkrankenhäusern dürfen Schwule schon seit einigen Jahren spenden, ebenso in Portugal. Durch neue Testverfahren sei das Risiko, eine HIV-infizierte Transfusion zu erhalten, ohnehin praktisch gleich null, erklärte ein Sprecher der Blutspendenbehörde damals.
Auch in Deutschland bemühen sich Aktivisten, das generelle Verbot zu beenden. So engagiert sich etwa Erik Dienel-Reese, mit einer Online-Petition den Bundestag auf das Problem aufmerksam zu machen. (dk)














