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- 11. Januar 2010 3 Min.
Der U-Club in Wuppertal verteidigt die Reggae-Szene in Deutschland als "gewaltfreie, tolerante und respektvolle Community" - Homo-Aktivisten nennen die Appelle des Veranstalters "unglaubwürdig".
Unter dem Motto Respect - Dancehall against Discrimination and Intolerance spricht sich der U-Club gegen jegliche Diskriminierung von Schwulen aus. Allerdings gebe in Jamaika anders als in Deutschland noch viele Vorbehalte gegen Homosexuelle. Daher müsse man bei den Texte der Battyboy-Tunes, wie die Gattung der homophoben Reggae-Lieder genannt wird, den größeren Zusammenhang sehen: "Man kann und sollte Äußerungen nicht außerhalb ihres Kontexts betrachten. Homophobie ist auf Jamaika kulturell, religiös und sogar gesetzlich verankert", schreiben die Veranstalter. Das sei zwar zu bedauern, "aber wir hören jamaikanische Musik - und wir hören sie nicht, weil sie homophob ist (und das ist auch nur ein sehr kleiner Ausschnitt des Reggae und Dancehall!) sondern weil wir die Musik lieben".
Hierzulande sei die Konsequenz schon gezogen worden: "Wir schaffen den Battyboy-Tune in Deutschland ab", so der U-Club. Sie würden hierzulande nicht gespielt und von Fans nicht gekauft. Die Veranstalter lehnen es allerdings ab, Sänger zu verurteilen, die sich auf Jamaika für die Ermordung von Schwulen aussprechen.
Tod für "stinkende Schwuchteln" gefordert
Mehrere Dancehall-Interpreten rufen zur Tötung von Schwulen auf. So heißt es in einem Lied von Bounty Killer: "Wir entfachen ein Feuer für euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt". In Jamaika gehören derlei Lieder noch zum Standardrepertoire der Interpreten. Sie werden dafür verantwortlich gemacht, das Klima gegen Homosexuelle anzuheizen. In den letzten Jahren wurde Schwule wiederholt von homophoben Gruppen gelyncht. Die Opfer können sich dabei nicht an die Polizei wenden, da Homosexualität auf Jamaika illegal ist und mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft wird.
Die Homo-Gruppe U-Club dichtmachen erklärte, das Schreiben des U-Clubs könne nicht ernstgenommen werden. Der öffentliche Druck habe die Veranstalter lediglich dazu gezwungen, die "aktive Unterstützung homophober Musiker" zu verschleiern und Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Was meint ihr eigentlich, wenn von Toleranz die Rede ist? Gegenüber Menschen tolerant zu sein, die anderen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung die abscheulichsten Gewalttaten androhen, halten wir für ziemlich paradox und absolut verrückt", argumentieren die Aktivisten. Auch der Hinweis auf die "andere Kultur" in Jamaika sei kein Freifahrtschein für die Künstler: "Meinungsfreiheit ist schon eine tolle Sache, hat aber Grenzen. Lynchmord ist keine Meinung und nicht wegen der kulturellen Herkunft zu akzeptieren oder zu reproduzieren".
Zuletzt gab es Ende November Proteste gegen den U-Club, als der Sänger Sizzla dort auftrat (queer.de berichtete). Der Dancehall-Star wurde durch Texte wie "Verbrennt die Männer, welche andere Männer von hinten reiten" berühmt. (dk)















Als Doppelstaatler bin auch ich in zwei Kulturen aufgewachsen und denke auch, dass man immer die Zusammenhänge im Hinterkopf haben muss. Das hört allerdings dann auf, wenn es um menschenverachtende Dinge geht. Kultur hin oder her.
Und seien wir ehrlich: So "verständnisvoll" mit andren Kulturen sind all diese Leute nur so lang, wie es sie selbst nicht betrifft. Da hat dann nämlich die Toleranz mit andren kulturellen Hintergründen meist schnell ein Ende!