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Kommentare zu:
Wuppertaler Club: Homo-Mordaufrufe "im Kontext sehen"


#1 remixbeb
  • 11.01.2010, 14:22h
  • Auch wenn ich finde, man sollte etwas besonnener an die Sache gehen, als es die letzten Monate von beiden Seiten der Fall war, halte ich diese Aussage , man solle es hinnehmen, denn es sei ja schließlich kulturell bedingt, einfach nur für bescheuert.
    Als Doppelstaatler bin auch ich in zwei Kulturen aufgewachsen und denke auch, dass man immer die Zusammenhänge im Hinterkopf haben muss. Das hört allerdings dann auf, wenn es um menschenverachtende Dinge geht. Kultur hin oder her.
    Und seien wir ehrlich: So "verständnisvoll" mit andren Kulturen sind all diese Leute nur so lang, wie es sie selbst nicht betrifft. Da hat dann nämlich die Toleranz mit andren kulturellen Hintergründen meist schnell ein Ende!
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#2 schwulenaktivist
  • 11.01.2010, 15:38h
  • Wieso können die religiösen Fundamentalisten nicht offen über das sprechen und singen, was sie so überzeugt und gottesfürchtig diskriminieren?
    Es geht um die anale Penetration des Mannes. Da geht mir einfach eine Lachsalve ab, so etwas noch heute im Namen irgendwelcher Götter zu verfluchen!
    Insofern ist die Penetrations-Diskriminierung auch eine solche gegen die Frauen! Aber da schweigen die hetero Penetrierer wohl lieber...
    Spätestens ab 50 sollte jeder Mann zum Urologen gehen, um seine Prostata abtasten zu lassen, wünschen die den Ärzten dann auch den Tod?
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#3 Klaus MayerAnonym
  • 11.01.2010, 15:43h
  • Ich halte es für ein wichtiges und richtiges Zeichen seitens der Reggae-Community im Kampf gegen Homophobie. Dass in dem Schreiben angemahnt wird, man solle die kulturellen Hintergründe berücksichtigen ist ebenfalls richtig, soweit es - wie gefordert - um das Stattfinden der Konzerte geht. Was zudem noch Berücksichtigung finden sollte, sind die geschichtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe der Musik selbst.
    Dass die Homo-Gruppe "U-Club dichtmachen" das Schreiben für nicht ernst gemeint hält, ist konsequent. Schließlich ist bereits dem Gruppennamen zu entnehmen, wo "die Reise hinführen" soll. Und dies ist ja nichts geringers als das Schließen des "U-Clubs". Da verwundert es auch nicht, dass offensichtlich bewusst die Informationen zurückgehalten werden, wie die Tatsache, dass die besagten Interpreten religionsbedingt Gewaltausübungen zutiefst ablehnen.
    Auch scheinen die Aktivsten zu verkennen, dass im Falle der Nichtäußerung homophober Inhalte, wegen der dem Art. 5 I GG immanenten Erfordernis der Kundgabe, eine Kollission mit anderen Grundrechte unmöglich wird. Eine Einschränkung der Denkfreiheit ist nicht möglich (mir ist bewusst, dass ich mich ständig wiederhole ). Insofern ist die Aussage, soweit sie sich auf den Geltungsbereich unserer Grundgesetzes bezieht.
    Ob allerdings eine Gruppierung namens "U-Club dichtmachen" in der Lage ist eine Befriedung zwischen Homo- und Reggae-Community ist fraglich. Welchen Mitteln will sich eine Gruppierung bedienen, um dies durchzusetzen. Rechtlich gibt es keine Möglichkeit, die Betreiber machen nicht freiwillig "dicht" und andere Mittel haben sich in der Vergangenheit als nicht wirksam erwiesen. Allzu viele friedliche Möglichkeiten bleiben also nicht! Naja egal, ich empfinde es jedenfalls seitens des "U-Clubs" für ein Zeichen des Befriedungswillens und der Selbstverpflichtung sich vor homophoben Anhaftungen zu befreien. Ob dies klappt, wird sich Zeigen. Aber man sollte dem Ganzen eine Chance geben.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#4 ObserverAnonym
  • 11.01.2010, 16:45h
  • Antwort auf #1 von remixbeb
  • Halte dieses Kulturargument auch für denkbar schwach. Dieses "Kolonialkomplexgelaber" ist so nervig. Da gibt es einfach bessere Argumente für Konzerte in Deutschland (vgl. Klaus und Ben). Aber immerhin ist es ein Argument. Welche Argumente gibt es zugunsten deutscher Hasssänger? Welche Gründe gibt es, dass hier nicht darüber berichtet wird?
    Die Dimension ist vergleichbar mit der im Dancehall. Die Tatsache, dass sie hier in Deutschland aufgewachsen sind, gibt dem ganzen aber nochmals eine andere Dimension. Und das Kulturargument entfällt.
    G-Hot, der sich wie „Dschihad“ ausspricht, führt einen heiligen Krieg: gegen Schwule, die sein Weltbild verstören. Und in einem Moment besonderer Kühnheit rief er zum Mord an ihnen auf, wollte sie kastrieren und empfahl, sie „mit der Axt zu halbieren“. So etwas wie die habe „kein Leben verdient“.Auch der frühere Aggro Berlin-Kollege Bushido und der Maskenträger Sido haben homophobe Texte in ihrem Repertoire. So heißt es in einem Text bei Bushido, er wolle "Tunten vergasen".

    Link zu www.faz.net

    Im Dancehallbereich ist zwar die Wiedergabe homophober Texte wegen deren Wirkung auf die Konsumenten unverzeihlich. Jedoch ist es dort erwiesen, dass sie entgegen der Aussagen Gewalt wegen ihrer Religion ("Du sollst nicht töten") zutiefst ablehnen. Aber wie sieht es in deutschem Hip-Hop aus?
    Ist dies weniger schlimm, nur weil die Situation von Homosexuellen in der BRD besser ist als auf Jamaika...
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#5 alexander
  • 11.01.2010, 17:13h
  • houston wir haben ein problem !
    genauso alt ist dieses, wirkt langsam wie ein marketingfake !
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#6 Klaus MayerAnonym
#7 Klaus MayerAnonym
  • 11.01.2010, 17:25h
  • Antwort auf #5 von alexander
  • @ Alexander
    Was heißt "Marketingfake". Dazu ist das Spektrum der im Artikel zitierten Lieder etwas zu beschränkt. Man müsste schon sehr pervers sein, um über diese Zitate Dancehall für sich zu entdecken. Noch dazu auf queer.de. Housten wir haben doch kein Problem.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#8 Klaus MayerAnonym
#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
#10 AndyAnonym
  • 11.01.2010, 18:44h
  • Ach, was schätze ich doch die tolerante und aufgeklärte europäische Kultur. Es fällt shcwer sich nicht zivilisatorisch überlegen zu fühlen, wenn man diese barbarische Lyrik hört und liest, die dort von Hunderttausenden Menschen gekauft wird.
    Um die paar verwirrten Geister, die in Deutrschland diese Musik konsumieren mache ich mir keine Sorgen. Mein Mitleid gilt den Homosexuellen, die die Diskriminierung auf Jamaika ertragen müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#11 Klaus MayerAnonym
  • 11.01.2010, 18:45h
  • Wenn es ernst gemeint ist, so ist dies eine gute Sache. Man sollte einfach abwarten. Was soll man groß spekulieren. Bringt nichts...
    Was diese Gruppe "U-Club dichtmachen" angeht, so würde ich deren Kritik nicht allzu viel Beachtung schenken. Die Tatsache, dass sie die Adressen der Betreiber veröffentlichen, aber selbst gegen die Impressumpflicht verstoßen, um anonym zu bleiben, kommt mir irgenwie bekannt vor. Genau auf diese Weise wird die Antifa auch eingeschüchtert(
    www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/anti-antifa;

    uclubdichtmachen.blogsport.de/mehr-infos/).Hab
    bei so etwas immer ein komisches Gefühl. Wenn ich mich in die Leute reinversetze, so ist dies schon heftig. Man weiß ja nie, was Verrückte damit anfangen.
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#12 LorenProfil
  • 11.01.2010, 20:03hGreifswald
  • Antwort auf #8 von Klaus Mayer
  • Wenn du auf Carolyn Cooper verweist, so sollte das
    Bild von ihr auch weiter vervollständigt werden.
    In Bezugnahme auf "hard-core-gay-rights-activists"
    in den USA, die sich für Konzertverbote für Buju
    Banton einsetz(t)en, kommt sie immerhin zu fol-
    gender Fragestellung, die in ihrem Wortlaut schon
    ein interessantes Licht wirft:

    "It makes you wonder if it's not a particularly perverse pathology that makes these activists hug up Boom Bye Bye."

    www.soulrebels.org/dancehall/v_article_044.htm

    Nur gut, dass Schwule -ob Aktivisten oder nicht- schon Übung haben in der Auseinandersetzung mit
    Leuten, die ihnen eine "particularly pervere pa-
    thologie" unterstellen .

    Zur Initiative des u-club:

    Es scheint, dass der öffentliche Druck langsam
    erste Früchte bringt und man beginnt, sich mit
    dem Thema "Aufführung homophober Musik auf
    Dancehall-Konzerten/-parties" ernsthafter zu be-
    schäftigen. Das begrüße ich ebenso wie die o.g.
    Initiative, die ein Ausgangspunkt sein kann für
    eine positive Entwicklung in dieser Frage. Wenn
    der u-club tatsächlich ab sofort keinen einzigen
    Song mit homophoben Inhalt mehr in seinem Hause duldet, ist ein erster Schritt getan. Würden sich andere Clubs diesem Vorgehen an-
    schließen, könnte man sich dann den Konzertver-anstaltern zuwenden und weitere
    Schritte die von ihnen vermarkteten Sänger be-
    treffend fordern .
  • Antworten » | Direktlink » | zu #8 springen »
#13 RabaukeAnonym
#14 stromboliProfil
  • 11.01.2010, 21:13hberlin
  • Antwort auf #4 von Observer
  • blättert doch einfach ein paar seiten hier zurück unter buschido und co. und du wirst finden was dir fehlt...
    immer eins nach dem anderen, oder der aktualität angemessen.

    Klaus: muss man dancehall für sich entdecken oder langen die zitate um den perversen inhalt zu deuten...
    Ehrlich, selbst wenn ich wollte, könnt ich mich für die musik nicht entscheiden; behindert dies nun mein wahrnehmungsvermögen bezüglich der texte?
    Oder unterstellst du , dass mangel an interesse am dancehall zur fehlinterpretation perverser inhalte führt... Housten, ein musikliebhaber hat ein ernsthaftes problem, wo können wir ihn abladen?
  • Antworten » | Direktlink » | zu #4 springen »
#15 Thom_ass1973
  • 11.01.2010, 21:17h
  • Antwort auf #3 von Klaus Mayer
  • Lieber Klaus Mayer!!

    BRAVO !!! Also lassen alle Dancehallfans ihre Frauen, Töchter, Schwestern und Mütter auch ab sofort die Vagina (am Besten noch mit einer Scherbe) verstümmeln - Verzeihung ich meine natürlich beschneiden !! Geschieht dann natürlich auch nur im Rahmen des historischen Gesamtkontextes !!!
    und weil es der "Deutsche Historische Kontext" hergibt den wir ja alle Berücksichtigen schmeissen wir wieder die KZ-Maschinerie an - Merken Sie so langsam wie selten dämlich Ihre Argumentation ist ??
    Schön das Sie immer wieder explizit den Artikel 5 des GG ins Feld führen, wohl wissend das dieser bereits durch die Präambel und die Artikel 1-4 mehr als deutlich eingeschränkt ist, wer zu Mord aufruft für den gibt es sehr wohl einen Platz in Deutschland erstmal die u-Haft, danach den Gerichtssaal und zu guter Letzt die JVA - mit allem Gebotenen Respekt, penetrieren sie doch mal bitte mit Artikel 5 Ihre ureigene, persönliche Rosette!!
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#16 LorenProfil
  • 11.01.2010, 22:30hGreifswald
  • Antwort auf #14 von stromboli
  • Zur möglichen "Fehlinterpretation" in Texten, hier
    am Beispiel der Hip-Hop-/Rap-Musik:

    "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen alle
    Schwuchteln." (Bushido, "Berlin")

    Ich freue mich schon auf die Diskussion im Februar,wenn Bushido in D. große Kasse machen will und hoffentlich von der schwulen Community
    ins Kreuzfeuer genommen wird . "Natürlich
    ist mit 'Schwuchtel' kein Schwuler gemeint, sondern das ist eine Metapher der scene, die für
    sowas wie 'Schwächling' oder 'Weichei' steht ..." . "Alles ein großes Missverständnis bla bla bla" .

    Was die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende
    Medien dazu sagt:

    "Jugendkultur hat schon immer ihre eigenen Begriffe geprägt, die dann oftmals in die Umgangssprache eingehen. Allerdings ist dies ein langsamer Prozess, in dem Sprache auch Ausdruck eines Wertewandels ist.

    Hip-Hop-Codes sind als Szenesprache nicht zu verhindern. Die Gremien der Bundesprüfstelle
    haben sich mit der Tatsache, dass Rap-Texte eine andere, szenetypische Bedeutung haben können und mit möglichen Auslegungsalternativen auch intensiv auseinandergesetzt. Da die Wortbedeutungen jedoch mit dem allgemeinen Sprachgebrauch nicht übereinstimmen, ja sogar Grundwerte ver-
    letzen, kommen die Gremien aber angesichts
    konkreter Formulierungen in der Regel zu der
    Auslegung, dass in den Liedtexten körperliche
    Gewalt oder sexistisches, rassistisches Handeln
    besungen wird.

    Ironie, Satire, Kritik, Transfer sind Stilmittel, die Kinder noch nicht verstehen und Jugendliche immer weniger beherrschen. Die Be-
    hauptung, sie könnten die Codes in ihrem über-
    tragenen Sinn richtig einordnen, trifft nicht zu.
    Hip-Hop-Codes sind kein gesellschaftlicher Schonraum, ihre Übertragung trifft auf keinen ge-
    sellschaftlichen Konsens. Frauendiskriminierung,
    Anreizen zu Gewalt und Verherrlichung von
    Drogenkonsum müssen jedoch sanktioniert und
    erzieherisch behandelt werden."

    www.bundespruefstelle.de/bpjm/Jugendmedienschutz-Medienerzie
    hung/lese-hoermedien,did=111816.html


    Man könnte glatt auf die Idee kommen, diese Aussagen auch auf Dancehall-Texte zu beziehen:
    Dancehall-lyrics "sind kein gesellschaftlicher Schonraum, ihre Übertragung trifft auf keinen
    gesellschaftlichen Konsens". Also -nochmals Donovan Germain (Ex-Manager von Buju Banton)
    zitierend: "Lass den Song fallen!"
  • Antworten » | Direktlink » | zu #14 springen »
#17 Liedel
  • 11.01.2010, 23:06h
  • Ich weiß grad nicht genau, in welcher Funktion Klaus Mayer hier schreibt. Aber bei religiösen Themen taucht hier auch immer gleich mit mehreren Threads hintereinander dieser User "diskriminierung" auf. Unwahrscheinlich, dass das derselbe ist, auch vom Schreibstil her.
    Aber auffällig: immer dieser übereifrige Rechtfertigungsdruck, wenns mal wieder Proteste von den pösen Homos gab. Sei es gegen die Umpolerszene, sei es gegen die "gewaltfreie, tolerante und respektvolle" Reggae- Community, besonders der einschlägig bekannten Dancehall- Interpreten. Muss wohl was dran sein an den Protesten
  • Antworten » | Direktlink »
#18 Klaus MayerAnonym
  • 11.01.2010, 23:51h
  • Antwort auf #15 von Thom_ass1973
  • Ich glaube du hast mich missverstanden. Ich meinte den geschichtlichen Kontext der Dancehallmusik, um etwa den genrell raueren Ton zu begründen (vgl.
    www.queer.de/detail.php?article_id=11602&kommstart=50#kommen
    tare;

    Kommentar 55 von Ben).
    Aufruf zum Mord hört sich natürlich immer wahnsinnig heftig an. Allerdings ist mir kein einziger Fall bekannt, in dem ein Musiker wegen Anstiftung zum Mord etc. verurteilt, geschweige denn nur angeklagt wurde. Jedenfalls die Nachweisbarkeit eines Anstiftungsvorsatzes zu einer konkreten Tat dürfte nie gelingen. Bei etwa volksverhezenden Inhalten auf einer CD macht sich der Künstler nicht bei jedem spielen erneut strafbar. Er müsste also tatsächlich etwas derartiges kundgegen.
    Außerdem war es nicht meine Absicht hier homophobe Äußerungen zu rechtfertigen, sondern wollte nur zur gebotenen Betrachtung aus verschieden Blickwinkeln aufrufen. Also kein Grund zur Aufregung. Und sollten auf einem Konzert wirklich mal "negativ virbrations" verbreitet werden, so vertraue ich unseren Justizverfolgungsbehören.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#19 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 00:11h
  • Antwort auf #12 von Loren
  • Mir war der genannte Text bereits bekannt. Naja vielleicht kam sie zu dem Schluss, nachdem sie allen erzählt hat, Buju Banton hätte sich geändert und keiner hat ihr zugehört. Dessen Veränderung war ja letztendlich auch der Schwerpunkt des genannten Beitrags.
    Ich will mich hier nicht als Anwalt von Carolyn Cooper hinstellen, was die Musik betrifft, verfügt sie meiner Einschätzung nach über eine erstaunliche Kenntnis, da sie sich ernthaft mit den Hintergründen beschäftigt.
    Was die Sache mit dem U-Club angeht, stimme ich dir nur zu. Fand in diesem Zusammenhang übrigens auch die Anmerkung von "U-Club dichtmachen" so bescheuert, als es als nachteilig dargestellt wurde, dass der (angedeutete) Sinneswandel Folge des Drucks von Außen ist. Da kann man sich wirklich an den Kopf langen. War es nicht immer genau Sinn und Zweck unzähliger und teils leidiger Diskussionen hier, Homophobie durch Druck von Außen zu bekämpfen?
    Nun beugt sich ein Club dem Druck von Außen, jetzt wird auch dies bemängelt.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
  • Antworten » | Direktlink » | zu #12 springen »
#20 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 10:41h
  • Antwort auf #16 von Loren
  • Lieber Loren,

    Fakt ist, dass sich Interpreten egal ,ob Dancehall oder Hip-Hop, zunächst einmal am Wortlaut festhalten lassen müssen. Nur dies sollte Maßstab dafür sein, ob solche Texte in Deutschland auf Konzerten wiedergegeben oder auf Tonträgern erscheinen dürfen.
    Weitergehende Interpretationen sind meiner Meinung nach nur für die Bewertung der Künstler und deren Gefährlichkeit wichtig.
    Insofern ist es auch richtig und konsequent, wenn die Bundesprüfstelle, soweit es um Indizierungen geht, die Inhalte nach dem objektiven Empfängerhorizont eines Durchschnittshöhers ermittelt. Etwas anderes gilt natürlich bei Beschlagnahmungen. Da für die objektive Tatbestandserfüllung einer Straftat, etwa volksverhezender Inhalte, immer ein Vorsatz erforderlich ist, muss sehr wohl auf die oben angeführte Intention des Künstlers eingegangen werden, bei der auch kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe dazugehören. Im Dancehallbereich kam es aus genau diesem Grund zu keiner einzigen Beschlagnahmung.
    Insofern hast du Recht, wenn du Hip-Hop und Dancehall vergleichst.
    Mit der Forderung den "Song fallen lassen", hast du auch Recht. Meinen Recherchen zu Folge hat Buju Banton dies bereits getan. Buju Banton hat ihn niemals auf einem Album veröffentlicht, er hat ihn seit nachweislich drei Jahren nicht mehr gespielt und sich von Gewalt distanziert.
    Beachte: Der Orginalsong heißt Boom By By. Es gibt nur eine inoffizelle Compilation mit der Buju Banton nichts zu tun hat. Die heißt: Buju Banton - The early years: 1990 - 1995.

    Klaus Mayer
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#21 stromboliProfil
  • 12.01.2010, 10:44hberlin
  • Antwort auf #18 von Klaus Mayer
  • ..."Jedenfalls die Nachweisbarkeit eines Anstiftungsvorsatzes zu einer konkreten Tat dürfte nie gelingen....
    ..." Bei etwa volksverhezenden Inhalten auf einer CD macht sich der Künstler nicht bei jedem spielen erneut strafbar...
    ..."Und sollten auf einem Konzert wirklich mal "negativ virbrations" verbreitet werden...

    Soviel zu deinem rechtsverständnis verbunden mit dem wunsch, die "nichtnachweisbarkeit" unseren justizbehörden zu überlassen...
    du hast doch offensichtlich einen juristischen sonnenstich!
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#22 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 11:00h
  • Antwort auf #17 von Liedel
  • Lieber Pittiplatsch

    Dass du nicht weißt, in welcher Funktion ich schreibe verwundert nicht, schließlich hast du mich diesbezüglich nie gefragt.
    Ich schreibe als Privatperon. Meine Motivation hier zu Schreiben, ergibt sich zum einen aus meinen Interesse an juristischen Fragestellungen und zum anderen an Themen wie (In)toleranz, Musik, Politik etc.
    Wenn du mir untertstellst, ich rechtfertige etwas, so solltest du darauf achten, was dies thematisch ist.
    Ich habe kein Verständnis für Homophobie, doch sehe ich mich gezwungen zur Sachlichkeit und Gesamtbetrachtung zu mahnen, wenn etwa Songtexte zusammmenhangslos zitiert werden, um bewusst ein falschen Eindruck von den Künstlern und der Musik entstehen zu lassen oder aufrecht zu erhalten.
    Der Fehleindruck, der regelmäßig von mir entsteht, rührt daher, dass meine Forderungen nach Homophobiefreiheit der Musik von Radikalansichten düpert werden.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
  • Antworten » | Direktlink » | zu #17 springen »
#23 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 11:16h
  • Antwort auf #21 von stromboli
  • Ich komme ja aus dem rechtfertigen meiner selbst gar nicht mehr raus.
    Was heißt hier Wunsch der Nichtnachweisbarkeit. Wenn du einen Fall aus der Musikbranche kennst, bei dem der Künstler wegen eines Songtextes zur Anstiftung zur Körperverletzung, zum Totschlag und zu Mord verurteilt oder angeklagt wird, bitte berichte mir davon.

    Wenn Lieder von einer CD, etwa in einer Disko abgespielt werden, so dürfte es doch auch dem juristischen Laien einleuchten, dass der Vorsatz bezüglich einer Straftat, der etwa bei Aufnahme der CD bestand, nicht unendlich lange aufrechterhalten bleibt, geschweige den nachweisbar ist. Die Person würde einmal verurteilt werden, wegen der Äußerung zum Zeitpunkt der Aufnahme. Leuchtet doch ein, oder?

    Fazit: Verwechsele nicht juristische Realitäten mit meiner persönlichen Meinung.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#24 Rosette NoirAnonym
#25 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 12:59h
  • Antwort auf #15 von Thom_ass1973
  • Nachdem der Artikel von Thom_ass1973 auch noch positiv bewertet wurde, sehe ich mir veranlasst, die wohlmöglich bewusst gestreute Fehlinformation zu widerlegen:

    --> "Schön das Sie immer wieder explizit den Artikel 5 des GG ins Feld führen, wohl wissend das dieser bereits durch die Präambel und die Artikel 1-4 mehr als deutlich eingeschränkt ist"

    1. Artikel 5 I GG kann entgegen deiner Behauptung durch die in Art. 5 II GG genannten Schranken eingeschränkt werden. Wie du ausgerechnet auf die Art. 1-4 GG kommst, ist mir nicht klar und zeugt von deiner Unkenntnis.
    2. Voraussetzung der Einschlägigkeit des Art. 5 I GG ist eine Äußerung. Es wird also eine Kundgabe zwingend vorausgesetzt. Dies ist Art. 5 I immanent, da denknotwendigerweise ohne Kundgabe eine Kollision mit anderen (Grund)rechten nicht denkbar ist. Kommt es etwa auf einem Konzert im Geltungsgebiet unserer Rechtsordnung zu keiner Äußerung, so besteht überhaupt keine Möglichkeit der Einschränkung. Es geht nicht mehr um Meinungsfreheit, wie sie der Art. 5 I GG schützt, sondern um eine Denkfreiheit, die unter Art 1 GG zu subsumieren wäre und gar nicht einschränkbar ist.
    3. Mangels Gefahr einer Äußerung gibt es auch keine Rechtsgrundlage für ein behördliches Auftrittsverbot. Dass es zu keinen Äußerungen in der jüngeren Vergangenheit kam, wurde auch durch polizei- und verfassungsrechtliche Überwachung bestätigt, so dass sich eine derartige Gefahr auch für die Zukunft kaum begründen lässt. Auch wenn es berechnend ist, so ist die Problematik den Künstlern auch bekannt, weswegen sie sicherlich nichts mehr im Rahmen eines Deutschlandkonzertes Äußerungen treffen werden.
    4. Für die angeführte Verhaftung besteht also nach deutschem Recht keine Rechtsgrundlage. Und soweit es keinen internationalen Haftbefehl gibt, haben deutsche Jusitzbehören keinen Grund für ein einschreiten.
    5. Dass diese Tatsache hier sicherlich nicht gerne gehört wird, ist klar. Allerdings kann es nicht sein, dass ein Thom_ass1973 Fehlinformationen streuen lässt, nur um die Community auf Linie zu bringen.
    6. "Mit allem Gebotenen Respekt, penetrieren sie doch mal bitte mit Artikel 5 Ihre ureigene, persönliche Rosette!!" Was dieser unsachliche Nonsens mit sexuellem Bezug soll, ist mir unklar. Aber den Bewertungen zu urteilen, scheinen solch kleine Unverschämtheiten besonders beliebt zu sein und noch dazu ein probates Mittel, fehlende Sachkenntnis zu überspielen.
    7. Fazit: Die Wunschvorstellung andere Personen im Gefängnis zu sehen, sei dir überlassen. Aber allen Ernstes zu behaupten diesbezüglich bestünde eine Rechtsgrundlage ist einfach nur falsch.

    Klaus Mayer
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#28 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 15:18h
  • Antwort auf #27 von Loren
  • Danke Loren,
    schön recherchiert. Dass meinte ich: Dass eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht, muss schon eingies auf Konzerten vorgefallen sein. Aber genau diese Gefahr ist die Voraussetzung für ein behördliches Konzertverbot. Wenn keine Äußerung droht, sieht es schlecht aus. Und im Gegensatz zu den Nazi-Bands gibt es zwar bei Danchall einige CDs, die auf Liste B der Indizierungen stehen, also ein Verdacht einer Straftat besteht. Zu einer Erhärtung des Verdachts und damit zu einer Beschlagnahmung kam es nie.
    Interessanterweise ist es im Falle Buju Bantons, der immerhin als "Hasssänger" gilt und dessen CDs geprüft wurden, bisher zu keiner einzigen Indizierung gekommen. (
    fightfascism.wordpress.com/2010/01/02/indizierungen-dezember
    -2009/)


    @ stromboli. Halte Treffen mit Künstlern, unabhängig unser Dauerstreits über Konzertverbote für sinnvoll. Mit dieser Ansicht befinde ich mich in guter Gesellschaft. Die amerikanische Homo-Community sieht dies genauso:
    mpetrelis.blogspot.com/2009/10/sf-gays-meet-with-buju-banton
    -his-first.html


    The meeting was very civil and productive (...). We felt it was a very positive step forward that the meeting took place.
    Our hope is that we will continue to speak with him and his representatives (...). I believe Buju fully understands that today's meeting was a beneficial first step and that the gay community will want more concrete steps taken, before our actions against his concerts cease.
    Quelle:
    mpetrelis.blogspot.com/2009/10/sf-gays-meet-with-buju-banton
    -his-first.html


    Schade, dass man derartige Vorschläge, nur weil sie von einem Nicht-Community-Mitlgied kommen, immer niederreden muss. Sicherlich könnten solche Treffen auch mit der Reggae-Community (wohlmöglich sogar leichter) vereinbart werden, allerdings ist es positiv, wenn auch die Partei dabei ist, die am lautesten nach Konzertverboten "schreit".

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
  • Antworten » | Direktlink » | zu #27 springen »
#29 MarekAnonym
  • 12.01.2010, 16:18h
  • Wenn Schwule, die sich durch die Mordaufrufe bedroht fühlen, einen Gegenmordaufruf an den Clubbesitzern starten würde, würden die dann auch sagen, dass man das "im Kontext sehen müsse".

    Mordaufruf ist Mordaufruf! Bei Mordaufrufen von Nazi-Bands käme niemand auf die Idee, dass "im Kontext sehen" zu wollen.

    Das zeigt nur eines: um ihre Einnahmequellen nicht zu gefährden, schrecken diese Leute nicht mal vor den abstrusesten Pseudo-Argumenten zurück. Oder sind die wirklich so du..., dass sie das wirklich glauben?
  • Antworten » | Direktlink »
#30 Klaus MayerAnonym
  • 12.01.2010, 17:32h
  • Antwort auf #29 von Marek
  • ...dann bleib doch bei deiner engstirnigen und einseitigen Betrachtungsweise. Ob die Diskussion dadurch zielführender wird oder eher das Gegenteil errreicht wird und die Chance einer Problemlösung vereitelt wird, bleibt abzuwarten.
    Zwar halte ich deinen Vergleich für denkbar unpassend, zumal die Betreiber nicht einmal im Falle homophober Äußerung durch die auftretenden Künstler strafrechtlich belangt würden, da das zur Verfügung stellen von Räumen keine Garantenstellung begründet und somit ein Begehung der jeweiligen Straftat durch Unterlassen nicht möglich ist. Um Ernsthaftigkeit bemüht, gebe ich dir dennoch eine Antwort.
    Jedenfalls auf Strafzumessungsebene könnte die akute, nachvollziehbare Verärgerung einer Personen gegenüber einer anderen durchaus, zu einer Strafmilderung führen. Insofern würde man selbst im Strafprozess bei dem von dir genannten Beispiel die Sache "im Kontext sehen".
    Ob du deren Argumente gut findest oder nicht ist doch letztlich egal. Selbst, wenn sie durch kommerzielle Absichten hierzu verleitet wurden, ist es deren Sache, wenn dadurch keine "Batty Man"-Tunes mehr gespielt werden. Und diesbezüglich haben sie ja versichert, denn "Batty Man"-Tune abgeschafft zu haben.
    Man muss die Sache doch vor allem ergebnisorientiert sehen.
    Dieses beleidigte Geschreibe ist so lächerlich. Ist schon bezeichnend, wenn außer mir erst eine Person, nämlich Loren, dem Ganzen wenigstens eine Chance gibt.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#31 Klaus MayerAnonym
#32 Lupo__Profil
  • 13.01.2010, 01:39hBielefeld
  • Antwort auf #18 von Klaus Mayer
  • "Allerdings ist mir kein einziger Fall bekannt, in dem ein Musiker wegen Anstiftung zum Mord etc. verurteilt, geschweige denn nur angeklagt wurde. Jedenfalls die Nachweisbarkeit eines Anstiftungsvorsatzes zu einer konkreten Tat dürfte nie gelingen."

    Dieses ist in den Verhältnissen auf Jamaica nicht möglich, da LGBT people dort keinen Schutz Ihrer Bürgerrechte genießen.
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#33 Lupo__Profil
  • 13.01.2010, 01:41hBielefeld
  • aus dem Artikel:
    "Homophobie ist auf Jamaika kulturell, religiös und sogar gesetzlich verankert"

    Dazu aus der englischen Wikipedia:
    "According to the Human Rights Activist Peter Tatchell, homophobia is not authentic Jamaican culture. It was imposed on the people of Jamaica in the nineteenth century by British colonisers and their Christian missionary allies."

    en.wikipedia.org/wiki/LGBT_rights_in_Jamaica
  • Antworten » | Direktlink »
#34 Lupo__Profil
#35 Klaus MayerAnonym
  • 13.01.2010, 10:06h
  • Antwort auf #32 von Lupo__
  • ...und was natürlich noch dazu kommt, ist die Tatsache, dass die Aufrufe zu Straftaten zu wenig konkret sind.
    Weswegen bei den betreffenden Liedern auch nach deutschem Recht regelmäßig "nur" Volksverhetzung einschlägig wäre und nicht Anstiftung zu Mord etc.
    Für homosexuelle Personen, die unter den Texten leiden, macht es allerdings keinen Unterschied, wonach sich die Künstler bei entsprechenden Äußerungen strafbar machen.
    Zu bedauern ist, dass bei derartigen Diskussionen kaum über die Verbesserung der Situation der Homosexuellen auf Jamaika gesprochen wird. Auch wenn man mir nun vorwerfen mag, ich möchte dadurch nur mein Meinungsfreiheits- bzw. Denkfreiheitsargument untermaueren, sollte man sich dennoch die Frage stellen, ob man es sich mit dem moralisch nachvollziehbaren Argument, man möchte dieses "Gesinde nicht hier haben", etwas einfach macht. Aber schon seltsam, dass es einhellige Meinung zu sein scheint, dass Konzerte unter keinen Umständen mehr stattfinden sollen. Mit diesen Umständen meine ich: Keine homophoben Lieder (wobei Durchsetzung wegen der weitreichenden Indizierungen ohnehin vereinfacht ist), Gespräche mit Künstlern, Abführung eines Teil des Eintrittsgeldes, etwa zur Untersützung J-Flags. Manifestiert werden könnten diese Vereinbarungen in einem National Reggae Compassion Act. Und dass Homosexuelle in Deutschland unter diesen Umständen nicht mit den ohnehin sehr kleinen Auftritten Leben könnten, kann ich mir nichtt vorstellen.

    Bezüglich des Vergleichs zu Hip-Hop sei noch angemerkt, dass sämtliche Proteste seitens der Homo-Community bereits 5 Jahre zurückliegen. Zunächst konnte ich die entsprechende Diskussion auch gar nicht finden, da bei diesen Rappern der Suchbegriff Hasssänger keine Ergebnisse liefert. Und dass es seit 5 Jahren kein eingziges Konzert mehr gab, bei dem keine homophoben Äußerungen zu erwarten waren, halte ich für unrealistisch. Diese Künstler beeinflussen, und dazu muss man sich nur die Verkaufszahlen ansehen
    www.dancehallusa.com/?p=7043,
    deutsche Jungendliche, vgl. etwa Rüttlischule, erheblich mehr, als es Dancehall hierzulande jemals getan hat.
    Aber wenn der Grad der Beeinflussung von Danchall nachgewiesener Maßen deutlich geringer ist, so muss man sich eben die Frage stellen, weswegen mit zweierlei Maß gemessen wird. Und wenn man sich dann die Frage stellt, ob es nicht doch mit der Hautfarbe der Künstler zu tun hat, ist man einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt, wie man nur einen solchen Vorwurf erheben könne.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
  • Antworten » | Direktlink » | zu #32 springen »
#36 Klaus MayerAnonym
  • 13.01.2010, 10:19h
  • Antwort auf #34 von Lupo__
  • --> "Unterdessen wurde G-Hot von seinem Label Aggro Berlin gekickt"

    Die Tatsache, dass er von seinem Label gekickt wurde, entschärft nicht die Gefahr, dass er weiter Konzerte gibt oder sich ein neues Label sucht oder ein eigenes gründet. Dass diese Berler Rapperin Anzeige erstattet hat, hat nichts mit G-Hot selbst zu tun.
    Wie oben dargelegt, hält sich Buju Banton, seit drei Jahren an den Reggae Compassion Act, dem vorrangig ein 1988 geschriebens Lied namens "Boom By By" vorgeworfen wird. Zudem hat er sich zu wiederholten Male von Gewalt distanziert .
    Also wie gesagt: Es wird mit zweierlei Maß gemessen und dies lasse ich mir nicht ausreden.

    Klaus Mayer
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#37 stromboliProfil
  • 13.01.2010, 10:55hberlin
  • Antwort auf #28 von Klaus Mayer
  • herr meyer, du zitierst, wenns dirs passt , aber zuende lesen tust du offensichtlich nicht:
    www.queer.de/detail.php?article_id=11229

    "Trotz eines Treffens mit Homo-Aktivisten in San Francisco bleibt der jamaikanische Sänger Buju Banton dabei, dass er nach wie vor mit "Schwuchteln" (faggots) im Krieg sei.
    Buju Banton: "Endloser Krieg zwischen mir und Schwuchteln"!
    Mit was also soll ich mich treffen? Zu welchem zweck?
    Mir einen ring durch die nase ziehen und mich in der arena heteronormativer gefühle rumführen, kann ich bei bedarf auch selbst.. siehe dein verhalten! Dumm sind die burschen nicht ; sie wissen wo sie zurückstecken müssen und sie wissen wo sie werbewirksam zurückschlagen. Dieses -hase und igelspiel- nicht länger mit UNS!
    Und die fehler, die unsere community mit solchen leuten macht, sind nicht anlass sie ständig zu wiederholen.

    Deshalb auch dein ansatz " gesetzlich abgesicherter " vorgehensweisen mit den von dir so trefflich angeführtern einschränkungen, kein politischer weg und mittel der auseinandersetzung darstellt!
    Das muß einfach mal in unsere köpfe rein: wir werden nur dann erfolg haben, wenn wir auch bereit sind die uns auferlegten "grenzen " zu durchbrechen.
    Und da sage ich klar: haut dem aufs maul! Haut jedem , der euch anspuckt, anmacht aufs ungewaschene maul! Sucht die konfrontation, bis es diesen möchtegernprovokateuren klar ist: sie bekommen es mit gleicher münze zurück! Das muß in unsere köpfe zurück ! Ohne dieses denken wäre STONEWALL nie gelaufen!
    Auch dass muß uns immer vor augen stehen!

    Hör mir auf, uns mit deinen juristischen finessen zumüllen zu wollen! Wir/ich sind es leid! Was soll ich den von solchen sottissen halten die nur der juristischen spitzfindigkeit dienen aber das grundsätzliche aussen vor lässt : wie hälst du es mit der homophobie usw: ..."die Betreiber nicht einmal im Falle homophober Äußerung durch die auftretenden Künstler strafrechtlich belangt würden, da das zur Verfügung stellen von Räumen keine Garantenstellung begründet und somit ein Begehung der jeweiligen Straftat durch Unterlassen nicht möglich ist. Wie stelle ich eine solchermaßen durch recht und gesetz geschützen mittelsmann und helfershelfer zur verantwortung wenn nicht das gesetz brechend das ihn schützt! ... "Jedenfalls auf Strafzumessungsebene könnte die akute, nachvollziehbare Verärgerung einer Personen gegenüber einer anderen durchaus, zu einer Strafmilderung führen." auf wutbonus bewährung... deine "ernsthaftigkeit bringt mich zum lachen wäre sie nicht absurd absurd-traurig!
    Auch aus unseren eigenen reihen "beschwichtigt" , zugemüllt zu werden muß uns über-leid sein! Beschwichtiger brauchen wir nicht und das konzept der vermittlung ist im gedachten ansatz bereits fehlgeschlagen da unsere ansprüche auf respekt in keiner weise durchdacht werden von der gegenseite. Da bleibt es bei der forderung, weiterhin den selben sänger im weichspülverfahren konsumieren zu dürfen.
    Geh du auf deine party, fühl dich da menschenrechtlich auf sicherem terrain; wenn der veranstalterladen plattform für hasssänger sein will ,muß man den laden im zweifelsfalle platt machen! Ansonsten gibt es nur pseudoangebote und die verwischung grundsätzlichen anspruches: den auf respekt.
    Die mir/ uns ansonsten angebotenen toleranzen, können sich die/ihr sonstwo hinschieben!
    Von dir möchte ich hingegen jetzt mal wissen was du eigentlich hier vertrittst: bist du schwul? Bist du hetero? Bist du nur dancehallsüchtiger oder kulturpabst...

    Wenn du hetero bist, hast du einfach keine ahnung von schwulen belangen und auuskrenzungen; dann halt dich mal raus mit empfehlungen wie schwule diskriminierung entgegen treten sollen!
    Bist du schwul und trotzdem begeistert davon das dein "star" dir vor die füsse pisst, seis drumm; aber erzähl dann denen nicht, die es sich nicht gefallen lassen , wie sie ihr handeln zu bestimmen haben! Schon gar nicht mit deinem rechtsanwaltsgeschwaffele. Wären wir nähmlich darauf angewiesen, hätten wir heute noch den § 175!
    Vertrittst du die reggae-gemeinde ( in welcher funktion bietest du dich dann an.. als mediator?) müssen die forderungen klar formuliert auf den "gemeinsamen verhandlungstisch" , auch die der größtmöglichen forderungen... also würg nicht hier im vorfeld ab mit der these, dass maximalforderungen den dialog verhindern... das steht nur in deinesgleichen vorstellung vom "kompromiss" , nicht in den auszuhandelnden interessenslagen!
    "Chance einer Problemlösung... " Ist schon bezeichnend, wenn außer mir erst eine Person, nämlich Loren, dem Ganzen wenigstens eine Chance gibt.
    An dem keil mußt du noch schnitzen, den du meinst hier zwischen die argumente treiben zu können...
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#38 stromboliProfil
  • 13.01.2010, 11:38hberlin
  • Antwort auf #36 von Klaus Mayer
  • bravo... endlich auch herr mayer, der sein thema enddeckt: g-hot und die beständige drohung das verleihe ihn verleihen, clubs ihn auftreten lassen; der womöglich sogar eine holding gründet, in der er sich und sein werk gesamt vermarkten kann.
    Na beim gründen schnell ein paar rechthilfetips und sehn, ob sich das nicht auch auf den dancehall als marktnische ausweiten lässt.
    Gehen den "clubs" dank spielangebot von hetzsängern die kommunalen zuschüsse flöten, könnte über ein netzwerk eigenproduzierender "künstler" wie sizzla ,jojo , bullshido und hotspot, dies über "spendenbeiträge" zufinanziert werden... Eintritt dann nur für mitglieder und der bär tanzt auf der bühne...
    Endlich, weil geschlossenen gesellschaft ,könnten dann auch wieder inkriminierende battysongs abgelutscht werden...
    und ben bekäme wieder eine feuchten schritt beim anhimmeln seines idols

    ausreden... wer redet von dir was ausreden wollen... du redest dir doch genügend selbst was ein
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#39 Klaus MayerAnonym
  • 13.01.2010, 11:53h
  • Antwort auf #37 von stromboli
  • Ich lese sehr wohl zu Ende und auch dieses Zitat war mit bekannt. Allerdings hatte ich diese Äußerung auf die akute Verärgerung Buju Bantons zurückgeführt und dem wenig Beachtung geschenkt. Nachdem weder Buju Banton noch die "Schwuchteln", Staaten darstellen, handelt es sich ohnehin um keinen Krieg. Die Aussage sollte wohl nur beschreiben, dass er mit einem lang andauernden Konflikt rechnet, ohne dass dies eine "Kriegserklärung" seinerseits ist, also er alleine für die Aufrechterhaltung des Konflikts verantwortlich wäre.
    Aber wie gesagt, du kannst vertreten was du willst. Ich halte es aber durchaus mit meiner Homosexualität vereinbar meine Meinung so zu vertreten, wenngleich die Tatsache, dass die Aussage richtig ist, dass die strikte Gesetzestreue gesellschaftlichen Veränderungen im Wege stehen kann.
    Aber aus verschiedenen Gründen, die ich hier nicht nochmals breittreten will, bin ich im Ergebnis für homophobiefreie Konzerte, Dialog und einen community-übergreifenden Kampf gegen Homophobie. Zumal ich hier nochmals betonen will, dass ich kein überobligatorisch großer Danchall-Fan bin, wenngleich ich einige Lieder von Capleton oder Buju Banton wegen ihrer radikalen Sprachfindung gegen das politische Establishment und Babylon gut finde. Insofern kann man froh sein, dass sich diese Gruppen im Kampf gegen Reggae zurückgehalten haben. Denn derart konkrete Aussagen, wie "Burn/Kill/Execute Georg W. Bush, Tony Blair, Taliban, the Vatican" wären nach der stikten Worlautauslegung rechtlich deutlich bedenklicher.
    Dass du im Abwägungsergebnis zu einem anderen Ergebnis kommst, kann ich wirklich nachvollziehen. Allerdings sehe ich keine Gefahr in den Auswirkungen derartiger Künstler auf deutsches Publikum. Die Konflikte entstehen, und da fühle dich bitte nicht persönlich angegriffen, durch meiner Einschätzung nach zu radikale Forderungen, die Stilisierung der Künstler und der Fans, die bewusste oder unbewusste Unterdrückung bestimmter Fakten, wie die Tatsache, dass Gewalt von besagten Künstlern erwiesener Maßen abgelehnt wird.

    Ich will keinen "Keil zwischen die Argumente" treiben. Wenn die Abschaffung des "Batty Man"-Tunes deklariert, so wundere ich mich aber doch, ausschließlich negative Äußerungen zu hören. Denn selbst wenn es nicht deiner Forderung entspricht, so kommt es doch deiner Forderung näher. Und genau dies verstehe ich an dieser Diskussion nicht. Sämtliche meiner Argumente zielen auf eine Verbesserung ab, nur weil du einzelne Fakten anders gewichtest, heißt es allerdings nicht, dass wir nicht am selben Problem, in die selbe Richtung arbeiten. Wie gesagt: Der Eindruck, der hier von mir entsteht, ich sei der "verrückte Fan" und "rechtsgehörige Trottel", der sich an der sterbenden Dancehall-Musik festklammert, entsteht nur dadurch, dass du meine eigenen Verbesserungsvorschläge (wie gesagt: Verbesserung!) durch radikalere Forderungen düpierst.

    Für weitere Fragen und ein Fortsetzen der Diskussion, stehe ich die nächsten Tage mangels entsprechender Zeit, leider (andere Ansicht vertretbar ) nicht zur Vefügung.

    Liebe Grüße

    Klaus Mayer
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#40 Lupo__Profil
  • 13.01.2010, 12:18hBielefeld
  • Antwort auf #35 von Klaus Mayer
  • "Für homosexuelle Personen, die unter den Texten leiden, macht es allerdings keinen Unterschied, wonach sich die Künstler bei entsprechenden Äußerungen strafbar machen."

    Es geht hier weniger um die Auswirkungen solcher Batty Tunes in Deutschland, sondern um die Auswirkungen von Batty Tunes in Jamaika, wo solche Songs (ideologisch gesehen) auf sehr fruchtbaren Boden fallen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #35 springen »
#41 Klaus MayerAnonym
#42 KameliendameEhemaliges Profil
  • 13.01.2010, 12:33h
  • Antwort auf #39 von Klaus Mayer
  • "Ich lese sehr wohl zu Ende und auch dieses Zitat war mit bekannt. Allerdings hatte ich diese Äußerung auf die akute Verärgerung Buju Bantons zurückgeführt und dem wenig Beachtung geschenkt."

    Ach wie interessant. Und weil er vielleicht akut verägert ist das also in Ordnung?
    Du beklagst dich an anderer Stelle das mit zweierlei Maß gemessen wird, tust das aber SELBER!
    Du tolerierst solche menschenverachtenden Aussagen. Pfui!
  • Antworten » | Direktlink » | zu #39 springen »
#43 Klaus MayerAnonym
#44 Klaus MayerAnonym
  • 13.01.2010, 12:53h
  • Antwort auf #42 von Kameliendame
  • Buju Banton: “Throughout my travels as an artist, I have witnessed first hand the senseless atrocities being suffered by innocent people around the world and my heart goes out to them.
    I do not condone violence against anyone, including gays, and I have spent my career rallying against violence and injustice through music.
    At this point, I can only hope that my body of work speaks for itself and that anyone still offended by the lyrics of my youth will take the time to explore my catalog or come to one of my shows before reducing my character and entire musical repertoire to a single song."
    www.northcoastjournal.com/blogthing/2009/10/06/buju-banton-s
    how-cancelled/


    Also würde nicht sagen, dass die von dir genannte Aussage menschenverachtend ist. Menschen neigen dazu sich unter dem Einfluss der Verärgerung zu unpassenden Äußerungen hinreißen zu lassen. Und dass ich dies toleriere, ist nicht verachtenswert. Vielmehr sollte man nicht jedes Wort auf die "Goldwaage" legen. Dies trägt nicht zur Konfliktlösung bei. Und wenn du mich verachtest, weil ich als Mensch menschlich nachvollziehbare Entgleisungen nachvollziehen kann, dann ist es dein Problem. Wenn du etwas recherchierst, so wirst du entdecken, dass ich mich hier schon als Faschist und mit einem Mörder vergleichen lassen musste. Dagegen wirkt die Äußerung Buju Bantons, wie die eines Klosterschülers. Aber trotzdem toleriere ich diese Verunglimpfungen meiner Person, da sie in einem Konflikt getroffen wurden und somit menschlich verständlich sind. Der Mensch ist ein sehr emotionales Wesen. Und dies ist er, sei er Reggae-Künstler oder Homoaktivist. Es bleibt dabei: Nicht mit zweierlei Maß messen.

    Klaus Mayer
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#45 Lupo__Profil
#46 Klaus MayerAnonym
  • 13.01.2010, 13:23h
  • Antwort auf #45 von Lupo__
  • Daher die Idee eines National Reggae Compassion Acts, indem etwa konkrete Pläne zur Unterstüzung Homosexueller auf Jamaika als Bedingung eines Konzerts (vgl. weitere Vorschläge oben) bedenklicher Künstler vereinbart werden...
    Wie es in der Bevölkerung ankommt, wenn diese Künstler, die mit Vertrieb, Band, Management, mittelständische Unternehmen darstellen, keine Möglichkeit für Konzerte mehr haben, dürfte ebenfalls klar sein. Und auch ein Sündenbock wäre schnell gefunden...
  • Antworten » | Direktlink » | zu #45 springen »
#47 LorenProfil
  • 13.01.2010, 18:16hGreifswald
  • Antwort auf #46 von Klaus Mayer
  • Einen RCA oder NRCA kann man so oder so sehen.
    Zu diesem Thema:

    www.riddimja.com/News_pg61.htm

    Wer kein "Katz-und-Maus"-Spiel will, muss eine sol-
    che Vereinbarung wohl dann unterschreiben lassen,
    wenn dies begleitend gefilmt und dann ungeschnitten
    ins www gestellt werden kann .

    P.S.
    Wer "Katz und Maus" spielen will, hat m.E. auf
    deutschen Bühnen nichts verloren (wobei ich
    dies ausdrücklich von meiner politischen Bewer-
    tung des Vorgangs her meine - eine rechtliche
    Bewertung mag zu einem anderen Urteil kommen .)
  • Antworten » | Direktlink » | zu #46 springen »
#48 BenAnonym
  • 13.01.2010, 18:46h
  • Antwort auf #47 von Loren
  • Klar rechtlich würde man zu einem anderen Ergebnis kommen .
    Fände es eine gute Sache, den RCA oder NRCA nochmals neu aufzulegen bzw. letzeren zu erfinden. Und zwar sollte die Unterzeichnung so doumentiert werden, dass eine spätere Leugnung unmöglich ist.
    Kanada hat einen solchen NRCA, allerdings habe ich keine Informationen über die Wirksamkeit.
    de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_Jamaika.

    Bezüglich des Artikels wollte ich noch anmerken, dass auf Jamaika nicht Homosexualität als solche, sondern nur Analverkehr, also auch zwischen Mann und Frau, strafbar ist. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung, sowie gleichgeschlechtlicher Oralverkehr oder etwa Cockstuffing sind möglich. Die Situation macht es aber dadurch auch nicht besser.

    Für äußerst unqualifizert halte ich die Aussage:
    "Meinungsfreiheit ist schon eine tolle Sache, hat aber Grenzen. Lynchmord ist keine Meinung und nicht wegen der kulturellen Herkunft zu akzeptieren oder zu reproduzieren."
    Liebe Aktionsgruppe "U-Club dichtmachen". Gegen das Stattfinden der Konzerte gibt es wirklich genügend Argumente. Warum wird dann das Meinungsargument derart delitantisch "weggeschossen". Wenn es zu keiner entsprechenden Kundgabe bei einem Konzert im U-Club kommt, findet die Meinungsfreiheit nirgendwo ihre Grenzen. Diese "Meinung" fällt dann nämlich gar nicht mehr unter die Meinungsfreiheit des Art. 5 I GG. Die von euch genannte Meinungsfreiheit setzt ein Äußern voraus. Das bloße Denken fällt unter die Menschenwürde i. S. d. Art 1 I GG. Und diese "Denkfreiheit" konnte man vielleicht vor 65 Jahren noch einschränken,diese Zeiten sind aber Gott sei Dank vorbei. Also erst überlegen oder erkundigen, dann schreiben.

    Liebe Grüße

    Ben
  • Antworten » | Direktlink » | zu #47 springen »
#49 stromboliProfil
  • 13.01.2010, 19:27hberlin
  • Antwort auf #43 von Klaus Mayer
  • vieleicht treten dann wirkliche künstler auf, die auf diese "verärgerungen" und hahnenkammstilisationen verzichten können um IHRE kunst rüber zu bringen... da gibt es mit sicherheit eine menge davon zu entdecken, anstatt diesen überflüssigen hinterher zu trauern. Die haben ihre chance gehabt und sie haben sie verschenkt!
    Ab auf den müll der musikgeschichte! Das muß die message sein!
  • Antworten » | Direktlink » | zu #43 springen »
#50 LorenProfil
  • 13.01.2010, 22:53hGreifswald
  • Antwort auf #48 von Ben
  • Absichtlich habe ich zwischen juristischer und poli-
    tischer Bewertung unterschieden, da dies ja wohl
    die zwei Ebenen sind, auf denen man -bezogen auf
    Deutschland- zu unterschiedlichen Meinungen be-
    züglich dieses Themas kommen kann (wie diese und
    andere Diskussionen gezeigt haben). Was aus jusistischer Sicht erlaubt ist, kann aus politischer
    Sicht dennoch unerwünscht sein oder abgelehnt
    werden (nicht nur dieses Thema betreffend). Ich
    lehne es -aus politischer Sicht- halt ab, Sängern egal
    welcher Musikrichtung eine Bühne in D. zur Verfü-
    gung zu stellen, die -egal wo- gegen Schwule hetzen bzw. zu Gewalt gegen Schwule in ihren
    Liedern aufrufen oder sie befürworten. Ich lehne das auch ab für Sänger, die dies in der Ver-
    gangenheit getan haben und sich nicht öffentlich
    und nachweislich davon distanzieren und die
    diskriminierenden Lieder nicht aus ihrem Repertoire (in Konzerten, auf Tonträgern, auf
    legalen Downloadplattformen) entfernen. Sollte
    dies ihnen in Einzelfällen nicht möglich sein (aus
    Vertragsgründen), sollten die Tantiemen für diese Lieder für einen guten Zweck zur Verfügung gestellt werden. Sollten die mit solchen Forderungen konfrontierten Sänger dies
    für unzumutbar halten, so halte ich es -aus poli-
    tischer Sicht- für angemessen und als Schwuler
    für unabdingbar, ihnen soviele Steine wie möglich in den Weg zu legen (metaphorisch ge-
    sprochen), sollte ihnen eine Bühne hier in D. ge-
    boten werden, auch wenn dies im Einzelfall juri-
    stisch nach der geltenden Gesetzeslage nicht zu
    beanstanden sein sollte. Sollten dennoch solche
    Konzerte stattfinden, sollten sie polizeilich da-
    hingehend überwacht werden, dass keine volks-
    verhetzenden lyrics dargebracht werden. Dabei
    sollte selbstverständlich jede Musikrichtung gleich behandelt werden.
    Sollten solche Konzerte stattfinden, halte ich es
    aus politischer Sicht auch für angebracht, dieje-
    nigen, die diese Konzerte veranstalten und orga-
    nisieren, politisch anzugehen und zumindest die
    Öffentlichkeit darüber zu informieren, wer verantwortlich ist dafür, dass in D. Sänger auftreten können, die -wo auch immer- Textin-
    halte zum Besten geben, welche mit den Menschenrechten und hiesigen Wertvorstellungen nicht im Einklang stehen.
    Auch DJs, Soundsystems etc. sollten in dieser
    Weise politisch "gewürdigt" werden, wenn sie
    es nicht unterlassen, in welcher Form auch immer volksverhetzende Songs in ihre Playlists
    "einzubauen" (ein Thema, was m.E. mehr Aufmerk-
    samkeit verdient, da hier quasi im "Verborgenen" und von außen schwer kontrollierbar gehandelt wird - man kann ja schlecht und sollte auch nicht jede Disco bzw.
    jeden Club ständig überwachen - Stichwort:Po-
    lizei-und Überwachungsstaat; hier ist also auch
    eine gewisse Selbstkontrolle von politisch sensi-
    bilisierten Partygängern gefragt, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte in einer
    Szene, in der sich viele als politisch bewusste,
    menschenrechtsverbundene, für Minderheiten
    sensible Bürger definieren).

    Dies ist meine politisch motivierte Sichtweise,
    die sich aus meinem Respekt vor meinen Mitmen-
    schen speist (egal wo sie leben) und aus meiner
    Achtung vor den universell gültigen Menschen-
    rechten. Sie gilt für Sänger aller Musikrichtungen
    und bezieht sich auf alle Textinhalte, die mit den
    Menschenrechten nicht im Einklang stehen, nicht nur auf homophobe, sondern auch z.B. auf
    rassistische lyrics.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #48 springen »
#51 stromboliProfil
  • 14.01.2010, 10:36hberlin
  • Antwort auf #46 von Klaus Mayer
  • als würde die nationalwirtschaft unter dem druck der homointernationalen zusammenstürzen...
    lass mal; der jamaikanische staat fördert ja homophobie und somit die binnenabsatzmöglichkeiten.
    Im ausland regeln "ausländer" den ablauf der konzerte-marketing etc., zum tross gehören die musiker mit einiger begleitung. Da bloibt vieleicht vom mittelständigen unternehmen ein familienunternehmen übrig, die schaden nehmen durch konzertausfälle!

    Loren noch mal danke für deine klarstellungen!
  • Antworten » | Direktlink » | zu #46 springen »
#52 LorenProfil
#53 LorenProfil
#54 LorenProfil
#55 LorenProfil
#56 BenAnonym
  • 14.01.2010, 17:24h
  • Antwort auf #53 von Loren
  • Lieber Loren,
    wer bei uns zu Hass und Gewalt aufruft, der würde von der Polizei von der Bühne geholt werden.
    Ich finde wirklich, und dies hat mit keinem der hier Schreibenden zu tun, dass zwischen "Weiß" und "Schwarz" unterschieden wird. Oder warum wird bei ihm nur gefordert, er solle sich für ein Festival "zurückhalten"? Der viel zitierte Buju hat solche Texte schon ewig nicht mehr im Programm, aber ihm gibt man keine Chance.

    Liebe Grüße

    Ben
  • Antworten » | Direktlink » | zu #53 springen »
#57 BenAnonym
  • 14.01.2010, 18:19h
  • Antwort auf #50 von Loren
  • Lieber Loren,

    schön dass du zwischen politischer und juristischer Ebene unterscheidest.
    Finde es immer schade, wenn juristisches Un- und Halbwissen zur Argumentation herangezogen wird, wie es diese Aktionsgruppe "U-Club dichtmachen" leider macht. Zwar kann man das GG immer anders lesen, aber meine Argumentation hatte stets der Rechtsprechung des BVerfG entsprochen und ist somit "faktisch" Gesetz.
    Aus diesem Grunde hatte ich auch dazu geraten sich auf politische Argumente zu berufen und nicht auf juristische, da gegen einen homophoben Künstler nichts zu machen ist, wenn er hier "sein Maul hält".
    Politisch sehe ich die Sache ähnlich wie du. Ich möchte hier in der BRD keinem Sänger eine Bühne bieten, der zu Gewalt aufruft. Wichtig wäre es aber, dass man zur Bewertung, ob ein Aufruf zu Gewalt vorliegt die Herkunft des Künstlers berücksichtigt.
    Es sollte aus dem Empfängerhorizont eines objektiven, jamaikanischen, (vielleicht homosexuellen) Durchschnittshöhrers ermittelt werden, ob er einen bestimmten Song oder eine bestimmte Textstelle als Aufruf zu Gewalt wertet. Reihenweise Lieder der umstrittenen Künstler würden alleine dadurch wegfallen, indem man endlich zur Erkenntnis gelangt, dass sie sich auch gegenseitig als "Batty Man" beschimpfen. Der hier als neuer Hasssänger dargestellte "Movado" (sein Bruder ist übrigens schwul!) etwa hat zwei Songs, in denen er seinen Dancehallkollegen "Vybz Kartel" als schwul hinstellt. Mit einem Aufruf zu Gewalt gegenüber Schwulen hat dies nichts zu tun. Allenfalls mit Gewalt gegenüber "Vybz Kartel". Mich persönlich würde es auch interessieren, ob etwa ein Durchschnittshöhrer auf Jamaika, etwa "Burn Chi Chi Man" wirklich als Aufruf zu Gewalt versteht, oder ob er automatisch den gedanklichen Transfer erbringt, wie es ja immer gesagt wird, es heiße nur "ein Urteil über das Verhalten eines Homosexuellen fällen".
    Man sollte also zwischen den Kulturen unterscheiden.
    Ein deutscher Durchschnittshöher versteht eine solche Aussage (regelmäßig) falsch (vgl. sämtliche Artikel hier zum Thema "Hasssänger"). Der Künstler muss sich daher hierzulande am Wortlaut festhalten lassen, da das Lied aus objektivem, deutschen Empfängerhorizont "falsch" verstanden wird. Aus diesem Grunde lehne ich aus juristischer, wie auch politischer Sicht, eine Wiedergabe derartiger Lieder ab.
    Allerdings lehne ich es ab, unser Rechtssystem (auch wenn es toll ist) und unser politisches Verständnis in die Welt hinaus zu tragen.
    Wenn bestimmte Texte also in Jamaika von keinem als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, so plädiere ich dafür, dass man bei der Bewertung zwischen Deutschland und Jamaika unterscheidet.
    Fazit: Ich sehe die Sache wie du, jedoch mit der Korrektur, dass ich nicht deutsche Maßstäbe anwende, sondern auf den jeweiligen Durchschnittskonsumenten abstelle.
    Die von dir genannte Überwachung durch Polizei bzw. Verfassungsschutz samt Dolmetscher wird bereits vollzogen, vgl. Sizzla in Wuppertal.
    Was also müsste, als konkretes Beispiel, Buju Banton machen, dass er hier auftreten darf. Meiner Meinung nach hat er nämlich die letzten Jahre deine Kriterien erfüllt?! Den Song "Boom Bye Bye" fallen zu lassen wird schwer, da er ihn auf keinem Album von sich veröffentlicht hat, sondern nur auf einer inoffiziellen Compilation.
    Wie es sich mit Soundsystems verhält, kann ich nur bedingt sagen. Ich habe noch nie einen "Batty Man"-Song in einer deutschen Disko gehört. Dass dies vorkommt, kann ich mir anhand der häufig schlechten Englischkenntnisse durchaus vorstellen. Allerdings besuche ich kaum Diskos, in denen Dancehall kommt, da ich keine Freunde habe, die ich (trotz unzähliger Versuche) für diese Musik begeistern kann.
    Würde ich einen höhren, so würde ich den Betreiber darauf hinweisen und wegen des Fehlverhaltens zur Rede stellen. Die großen deutschen Soundsystems Pow Pow Movement (Köln) und Silly Walks Movement (Hamburg) sind sauber.

    Liebe Grüße

    Ben
  • Antworten » | Direktlink » | zu #50 springen »
#58 BenAnonym
  • 14.01.2010, 19:30h
  • Antwort auf #54 von Loren
  • Würde mir wünschen, wenn ein Jurist (kein Politiker!), der mit Öffentlichen Recht vertraut ist, anwesend ist.
    Sonst wird wieder durch Unwahrheiten oder Weglassen von Tatsachen, Stimmung gemacht. Und dass ein Grundrechtsargument von irgendeiner Seite kommt ist wohl abzusehen.
    So hat etwa Volker Beck vor dem Sizzla Konzert in Wuppertal auf Religionsfreiheit bezogen geäußert, diese finde ihre Grenze in den Rechten anderer und rechtfertige keine Gewalt. Dies ist zwar grundsätzlich richtig, allerdings wären die strittigen Grundrechte Art. 5 I, 1 I GG (Meinungsfreit bzw. Menschenwürde in Form der Denkfreíheit) und nicht Art. 4 I GG, da Gewaltaufrufe wohl selbst nach Auffassung der betroffenen Künstler nicht als liturgische Handlung verstanden werden. Zum anderen kann er eine Äußerung nicht mit einem Handeln gleichsetzen, da eine Äußerung ihre Schranken später findet. Auf das U-Club Konzert bezogen, wäre es mangels getätigter Äußerung jedoch zu gar keiner Einschränkung gekommen. Geht er davon aus, Grundrechte finden weltweit ihre Grenzen in den Rechten anderer, so ist dies falsch. Deutsches Verfassungsrecht und deren Maßstäbe auf den anglo-amerikanischen Raum zu übertragen, ist völlig falsch, da Äußerungen dort deutlich später ihre Grenzen finden. Dort kann mangels Konretisierung eines Tötungssubjekts sogar "Boom Bye Bye" unproblematisch gespielt werden.
    Fazit: Ein Jurist bei der Podiusmdiskussion wäre gut.

    www.vimeo.com/user2777878

    Ist übrigens mal ganz interessant zu sehen, wie dumm das anwesende Publikum an diesem Abend war. Ist echt ein Armutszeugnis, dass kein einziger Reggae-Fan die "Pro"-Argumente (richtig) vertreten hat.Habt ihr keine Meinung oder was? Da kann man sich nur schämen . Dass dümmste ist, wenn vertreten wird: Ich höre Reggae nur wegen der Melodie! Hallo!?!? Dann hört euch Dubplates an, da gibt es wenigstens keine störenden Text mehr...
    Da kann man sich nur noch wundern...

    www.youtube.com/watch?v=tgUOcEoLLoM

    Liebe Grüße

    Ben
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#59 BenAnonym
#60 LorenProfil
  • 15.01.2010, 00:40hGreifswald
  • Antwort auf #57 von Ben
  • Hallo Ben,

    schön, dass wir uns einig sind, dass in der Diskussion für und wider Konzerte von Sängern,
    die homophobe Lieder in ihrem Repertoire haben
    oder hatten, zwischen der juristischen und der
    politischen Argumentation unterschieden werden
    sollte - wobei ich dafür plädiere, der politischen
    Argumentation Priorität einzuräumen (mehr dazu
    in #50) nach dem Motto: Nicht alles, was dem der-
    zeit geltenden Recht entspricht, ist deshalb richtig.
    Eine Binsenweisheit, denn warum sonst entwickelt man geltendes Recht weiter.

    Wenn du herausbekommen willst, wie Texte rund um den batty man auf durchschnittliche Schwule auf Jamaika wirken, welche Songs er für bedenklich hält und welche nicht, kannst du
    dich ja z.B. per Email an J-Flag wenden und be-
    züglich bestimmter Lieder oder Textstellen nachfragen. Könnte interessant sein.

    www.jflag.org/misc/contact.htm

    Was Buju Banton tun müsste, um hier willkommen zu sein? Nun, abgesehen davon, dass
    er zur Zeit wohl andere Probleme zu lösen hat
    (aber viel Zeit zum Nachdenken), habe ich meine
    Sicht ja in #50 geschrieben. Jeder, der es schafft, zu Fehlern aus seiner Vergangenheit öffentlich zu stehen und sich von ihnen zu distanzieren, hat m.E. ein Recht auf eine zweite Chance. Das bedeutet aber auch, diesen
    Fehler (in dem Fall "Boom Bye Bye") wirklich als
    Fehler zu benennen und es nicht dabei zu be-
    lassen da herumzureden von wegen "Ich habe
    doch nur einen solchen Song gemacht, als ich noch ganz jung war, und ansonsten auch viele ganz tolle und ich engagiere mich in meiner Hei-
    mat für soziale Belange". Dass ihm das schwerfällt -schon weil viele Fans auf Jamaika dies als eine Kapitulation vor den batty men aus Babylon ver-
    urteilen würden- kann ich verstehen, aber das ist
    dann sein Problem. Wenn er in der weiten Welt
    Kasse machen und Anerkennung finden will, muss er halt auch für ihn unangenehme Schritte
    gehen, die er sich selbst durch seinen homophoben Song eingebrockt hat. That's life.
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#61 BenAnonym
  • 15.01.2010, 10:55h
  • Antwort auf #60 von Loren
  • Lieber Loren,

    zwar trenne ich ebenfalls zwischen den beiden Ebenen, dennoch ist festzuhalten, dass die Grenze der politischen Ebene durch die juristische Ebene bedingt ist.
    Sicherlich ist nicht alles ,was geltendem Recht entspricht richtig. Was die BRD betrifft, so halte ich den in der jüngeren Vergangenheit gegangen Weg dennoch für richtig: Einerseits bedingt durch geltendes Recht, Konzerte unter dem Ausschluss problematischer Texte stattfinden zu lassen, andererseits politisch die Fehlentwicklungen in der Musik mittels Protest aufzuzeigen, auf Veranstalter einzuwirken etc.
    Problematisch an der juristischen Ebene ist einzig, dass sich unsere Rechtsordnung auf das Staatsgebiet der BRD beschränkt. Also bei einer Bewertung des Künstlers primär sein in Deutschland zu erwartendes Verhalten Bewertungsmaßstab ist.
    Was sollte also gemacht werden, um diese Lücke zu schließen.
    Meiner Meinung nach wäre eine Neuauflage des Reggae Compassion Act der ideale Weg. Uns zwar einer RCA, der keine bloße Selbstverpflichtung ist ,über die man sich später lustig machen kann. Ich denke dabei an einen Vertrag, der Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung auslöst. So könnte man etwa die Nichteinhaltung mit der Nichterteilung eines Visums für den Schengenraum, etwa beschränkt auf 5 Jahre, ahnden. Inhaltlich sollte vereinbart werden, dass Aufrufe zu Hass und Gewalt in allen Formen künftig unterbleiben, sei es durch nicht mehr spielen alter Songs oder durch Veröffentlichung neuer Songs.
    Maßstab der Bewertung des Verhaltens der betroffenen Künstler sollte dabei allerdings nicht der deutsche Durchschnittskonsument sein, sondern der jamaikanische (vgl. oben). Die Bewertung könnte etwa von einer Kommission vorgenommen werden, die die zuständige Behörde über das Verhalten des Künstlers seit Abschluss des Vertrags unterrichtet und dementsprechend entschieden wird, ob ein Visum erteilt wird oder ob die "5-Jahresstrafe" verhängt wird. Sobald sich der Künstler etwa im Schengenraum befindet greift dann wieder das jeweilig geltende Recht. Dabei ist dann der deutsche oder europäische objektive Empfängerhorizont eines Durschnittskonsumenten maßgeblich. Würde etwa "Bun chi chi man" (was es noch herauszufinden gilt) auf Jamaika tatsächlich nicht als Aufruf zu Gewalt oder Hass verstanden, sondern meint nur ein "Urteil über einen Schwulen zu fällen", so greift auf unserem Rechtsgebiet ein anderer Maßstab, der eine Wiedergabe des Textes wegen des objektiven Empängerhorizonts des deutschen Durchschnittskonsumenten unmöglich macht.
    Es müssen also klare Spielregeln her, die nicht den Eindruck erwecken, der kultivierte Deutsche möchte dem jamaikanischen "Halbwilden"vorschreiben, wie er sich auszudrücken hat oder welchen Stilmitteln er sich bedient, soweit die Grenze des Aufrufs zu Hass und Gewalt nicht überschritten wird.
    Meiner Meinung wäre dies der richtige Weg, einen optimalen Ausgleich der Interessen herzustellen. Was sagst du dazu?

    Ich finde es übrigens doch sehr fragwürdig, dass bezüglich der problematischen Texte keine Rücksprache mit J-Flag stattgefunden hat. Es erweckt wirklich den Eindruck man wolle auch durch die Aufrechterhaltung einer Falschbewertung, eine bestimmte Stimmung erzeugen.

    www.youtube.com/watch?v=j1vNGxAdvJc

    Liebe Grüße

    Ben
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#62 LorenProfil
  • 15.01.2010, 14:36hGreifswald
  • Antwort auf #61 von Ben
  • Grundsätzlich halte ich es für einen interessanten
    Gedanken, die Rezeption besagter Lieder durch
    jamaikanische Schwule zu untersuchen und sich
    von denen darüber aufklären zu lassen, wie sie diese Liedtexte interpretieren und welche Auswir-
    kungen das Abspielen oder Aufführen dieser Lieder
    dort auf ihre persönliche Situation hat. Insofern
    wäre eine Einladung von Vertretern von J-Flag zu
    der Podiumsdiskussion in Berlin sicher wünschenswert, auch Recherchen vor Ort durch
    Zeitschriften wie Riddim wären sicher interessant.

    Auch das Verknüpfen eines RCA mit juristischen Konsequenzen (Erteilung eines zukünftigen Visums) halte ich für bedenkenswert.
    Allerdings gehe ich davon aus, dass jeder Sänger,
    der in seinen Liedern seine Abneigung gegen
    Schwule zum Ausdruck bringt (auch wenn er nicht zu Gewalt aufruft), auch weiterhin mit Protesten und Demonstrationen zu rechnen hat. Würde beispielsweise ein deutscher Sänger
    einen Text wie "If you don't like black people
    raise your hands" veröffentlichen, würde sich
    die black community in den USA auch einiges einfallen lassen, um gegen einen Auftritt dieses
    Sängers dort zu protestieren. Da kommt dann
    wieder die politische Bewertung eines solchen
    Textes wie seiner Veröffentlichung ins Spiel, und solange solche Proteste sich an die im Land
    geltenden Spielregeln halten, halte ich das auch
    für legitim und in Ordnung. Wer andere kritisch
    ins Visier nimmt, muss sich auch selbst der Kritik stellen.

    P.S.
    Ich gehe nicht davon aus, dass von Seiten des LSVD grundlos Stimmung gegen Dancehall oder
    Fans von Dancehall gemacht wird oder gar rassistische Motive eine Rolle spielen. Auch bei
    deutschen Sängern wie Bushido oder G-Hot wurde ja z.B. auf eine Indizierung von CDs hin-
    gewirkt oder im Falle von G-Hot ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung in Gang
    gebracht (allerdings interessanterweise ohne Er-
    folg). Im Falle von Bushido bin ich mal gespannt, was demnächst passiert, da er ja seinen Song "Berlin" von der indizierten CD "Vom Bordstein
    bis zur Skyline" immer noch -leicht verfremdet-
    auf Konzerten und auf einer Live-CD zum Besten
    gibt. Hör mal 0:49 - 0:54 :

    www.youtube.com/watch?v=MP7AihY_T-0
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#63 BenAnonym
  • 16.01.2010, 01:31h
  • Antwort auf #62 von Loren
  • Da kann ich dir nur absolut zustimmen. Wenn wir jamaikanische Homo-Aktivsten in diesen "deutschen Konflikt" einbringen könnten, wäre dies absoult hilfreich. Vor allem wäre es wichtig zu erfahren, welche Lieder sie für "Hetze" halten und welche unproblematisch sind. Ich bin überzeugt davon, dass sich keiner von uns, tatsächlich in die Situation und Gefühlslage eines jamaikanischen Homosexuellen versetzen kann. Dies ist genau der Punkt auf den sich viele meiner Zweifel stützen, da ich zwar regelmäßig Äußerungen der Künstler zu strittigen Texten kenne, ansonsten jedoch nur Äußerungen von europäischen oder amerikanischen Konsumenten, die regelmäßig dazu neigen außerhalb des jeweiligen "Kontexts" zu argumentieren. Wie dies allerdings diejengen bewerten, die eigentlich betroffenen sind, ist nicht bekannt und bleibt somit stets außer Betracht.
    Dass Homosexuelle, auch wenn ein Künstler einen neuen RCA unterzeichnet, weiterhin gegen Konzerte vorgehen, ist deren Sache und ist vorallem in einem demokratischen Land nicht nur akzeptabel, sondern erwünschenswert, wenn es berechtigte Gründe gibt. Ich würde es für viel problematischer halten, wenn Homosexuelle Proteste nur deswegen einstellen, wenn "deren" Verbände bestimmte "Verträge" aushandeln. Jedoch sollten die Verbände, die sich als "Vertragspartner" verpflichten, so konsequent sein und ihre Aufforderungen zu Protesten einstellen, wenn sich auch der Künstler als Vertragspartner daran hält.
    Dass bezüglich der Bewertung von Dancehall und Hip-Hop gleich verfahren wird, kann ich nicht bestätigen. Wenn dies so wäre, wie kann es dann sein, dass selbst Danchall-Künstler mit extrem geringen Absatzzahlen von Tonträgern im Gegensatz zu Hip-Hop Künstlern derart überobligatorisch heftig "angegeriffen" werden. Wie kann es sein, dass auf queer.de seit Jahren von keinem Hip-Hip-Hasssänger-Konzert (natürlich würde man ihn niemals "Hasssänger" nennen) mehr berichtet wurde? Sind sämtliche problematische Sänger wirklich solange nicht mehr aufgetreten? Haben sie sich so zu Guten verändert? Oder hat man einfach seine Prioritäten einseitig verändert?

    Liebe Grüße

    Ben
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#64 stromboliProfil
  • 16.01.2010, 11:36hberlin
  • Antwort auf #63 von Ben
  • tja ben; was empfindet ein jamaikanischer schwuler und was ein aus berlin kommender?
    Gibts da unterschiede?
    Wird veachtung unterschiedlich aufgenommen?
    Oder ist sie universell in ausführung und wahrnehmung?

    Es gibt "ernsthafte" schwule aus dem hiphop bereich, die ähnlich wie du im dancehall, die kulturellen "wurzeln" der diffamierung zu ergründen suchen und schlußendlich da enden wo wir die ganze zeit enden: der text ist zwar "interpretierbar", aber der sänger ist pazifist! Reine aktivistische übertreibung ohne schlußfolgernde auswirkungen.

    Bushido macht sich einen namen als schlichter zwischen den welten orientierungsloser migrantenkids und der bürgerlich verunsicherten willmersdorfer witwen...
    Dafür wird er gelobt und von ex aussenschnulli steinmeier zwecks eigenwerbung als vorzeige assimilant herumgereicht. Da wird das/sein schweigen auf kritische fragen in einer talkshow als cool-staatsmännisches gehabe gewertet und eine schauspielerin flötet, dass sie nach anfänglichem schrecken den bullshitt doch eigentlich ganz normal und nett fände...
    Wandel durch wahrnehmung!
    Danach war , ist, bullshittdo nie mehr dass, was er zuvor mal war ( sein wollte) : nun nur noch abgelutschter kommerz, dessen karriere ebenso in einer baumarkteröffnung enden mag wie zuvor die anderer... hossa,hossa!

    Vieleicht demontieren sich "unsere idole ja auf diese weise..; auch ich hab da so meine erfahrungen mit jugendidolen machen können.

    G-hot als beispiel, ist ein erbärmlich kleinkarrierter trittbrettfahrer der untersten kategorie mit der, solchen typen anhaftenden agressivität. Da muss man bullshittdo nahezu lyrische anwandlungen zuschreiben, wenns zum textvergleich zwischen den beiden käme.
    Aber wichtiger (!) als der sänger ist die angesprochene/anzusprechende zielgruppe der hörergemeinschaft! Auf die/euch kommt es eigentlich an in der ganzen diskussion: ihr seid teil jener passivität, die eingelullt wird in einen "gemeinschaftskontex" .
    Eben auch das, was mich bei den dancehallhörern enttäuscht: Weltläufigkeit beanspruchend, aber keine spur davon; stattdessen kleingeistige versatzstücke reaktionärer weltbilder von familie-glück-religion... eben den angeblichen gegenentwurf zu BABYLON. Aber: schon die bibliche methaper von babylon ist die, einer weltoffenen (sprachen-kultur...etc.) weltstadt gegenüber der archaisch einfachen übersichtlichkeit der kleinfamilie mit sichtbarer patriachalisch-religiöser-hierachie.
    Wenns aber nicht mehr zur eigenanalyse langt, das eigene drama der unzulänglichkeit politischen handelns mit biblichen verschwörungen verwechselt wird, gleicht der dancehallgesang dem des hiphop: Das eigene gesellschaftliche scheitern ( in den musiktexten.. der sänger selbst zeichnet sich ja immer als ein dem moloch entkommener..) wird kompensiert mit einer feindbild-konstruktion des fremden( dancehall) und schwachen( hiphop), dem man nur das ego des an etwas glaubenden-"starken" ( dance..) und sich das ihm "gehörende" nehmende-"starken"(hip..) entgegen zu setzen braucht...; nicht umsonst sind es explizite männerphantasien, die da ihre blüten treiben.
    Inhaltlich sind die sich also gar nicht so weit entfernt: rhythmisierte ghettophantasien..
    Politisch inspirierend sind die nach meiner wahrnehmung jedoch nicht, weil sie zwar ein "wir-gefühl" produzieren aber eben ein wir-gefühl ohne politsche perspektiven, es sei denn religion gilt als politisches ziel.
    Und dicker wagen, goldkette und geile tussis im arm sind zwar pupertäre träume, aber keine alternativen... die enden dann als projektionsleinwand im big -brother-DSDS-müllcontainer als verramschlachnummern!

    Das sich der dancehall als etwas besseres dünkt nur weil er die selbe macker-ideologie aus einen fremden land hierher tranportiert, macht es nicht verständlicher. Sicher, in ein paar jahren wird man gelassen die zeitströmungen interpretieren und über manches lachen, was da so seine capriolen schlug; über den kern der messagen aber wird man sich im gesellschaftlichen gefüge noch wundern: Die unumwundene hingabe zum egoistischen -sich nehmen was man braucht, mit dem anspruch des überlegenen seins und wollens-..., dass wird uns um die gesellschaflichen ohren fliegen wie ein scheißhaus ohne spülung .
    Wir verankern soeben strukturelle "wertmaßstäbe" mit einer einhergehenden rekonservierung konservativ/reaktionären denkens,der politik, der kunst , religion etc., auf dem sich zukünftig wieder ein autoritäres denken aufbauen wird. Diese,Eure musik ist da baustein und schmiermittel.. quasi die schalmeien des neuen jahrtausend .Und sie ist nicht ungefährlich: weil eben besser dem zeitgeschmack angepasst, lassen sich inhalte besser transportieren! Aber auch die burschenschaften trugen bunte gewänder.. und die inhalte waren anfänglich völkerumspannend, bevor sie im niederen sumpf nationalkonservativer gesinnung verendeten. So wurden aus idelalen der aufklärung und französichen revolution reaktionäre weltbilder: frauenrecht umgedeutet als versorgungsrecht und sicherung in der vom mann beherrschten ehe..; was bis heute noch die diskussion um frauen -ehe- mitbestimmt. Der blick auf "die frau", den vorgaben sogenannt schützenswerter eigenschaften entspricht... immer noch!
    Der mann in dieser gesellschaft als beschützer weiterhin seine rolle beansprucht oder in der neusprachreglung der soziologen wieder "neu" finden muß... Auch davon handeln die liedtexte sehr frei übersetzt!
    Entsprechend sexualität in den texten eine eigenartig reaktionär verquirlte deutung findet: entweder porno, oder jungfernhäutchen. Madonna oder hure. Messias oder battyboy!
    Über allem der mann entscheidend, denn der setzt den babylon - modus fest: baylon ist, was in der phantasie des mannes seine blüten treibt oder treiben darf... Und wer die sexuellen anspielungen auf den bühnen zu deuten vermag, weiss um die entsprechend neurotisierenden charaktermasken!
    Das nehme ich bei pupertierenden und heranwachsenden hin, bei erwachsenen fordere ich, hinter die denkschablonen zu schauen, ansonsten nehm ich sie nur beschränkt ernst!

    Wie also mit einer dancehall-fan-gemeinde umgehen wollen, die sich ein weltbild zurechtstrickt dem ich in keiner weise angehören will/mag?
    Auch hier, wie in der religionsfrage: wieviel raum lässt uns EUER "spiritueller"anspruch, und wieviel schränkt er ansonsten freiheiten ein!
    Dann nämlich geht es nicht mehr nur um einen ..."Danchall-Künstler mit extrem geringen Absatzzahlen von Tonträgern (sic?)(die) im Gegensatz zu Hip-Hop Künstlern derart überobligatorisch heftig "angegeriffen" werden."; dann geht es um die fans selbst, mit denen der konflikt zu führen ist... darüber sollten wir uns zuerst in deutschland unterhalten, bevor wir den jamaikanischen schwulen fragen.. der hat eh genug andere probleme auszutragen als die befindlichkeit deutscher dancehallfans!
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#65 stromboliProfil
#66 BenAnonym
  • 16.01.2010, 13:02h
  • Antwort auf #64 von stromboli
  • --> "Auf die/euch kommt es eigentlich an in der ganzen diskussion: ihr seid teil jener passivität, die eingelullt wird in einen "gemeinschaftskontex " ."

    Diesbezüglich kann ich dir nur zustimmen und hatte bereits das Verhalten der Fans vor dem Sizzla-Konzert im U-Club (vgl. Videolink oben) kritisiert. Wie gesagt: Ich schäme mich dafür, wenn ich höre, dass Leute die Problematik damit abtun, sie würden nicht auf den Text achten, sondern hörten Dancehall nur wegen der Melodie. Allerdings kann der Vorwurf der Passivität nicht Allgemeingültigkeit haben, gleichwohl dies auf einen großen Teil der Höhrerschaft zutrifft. Diese kannst du mir jedoch nicht vorwerfen, denn ginge mir die Problematik "am Arsch vorbei" würden wir nicht so intensiv darüber diskutierten. Außerdem wehre ich mich gegen die Bezeichnung "Euch". Mit diesen Leuten kann ich nichts anfangen, weil ich sie schlicht als lächerliche, engstirnige, naive, schlecht argumentiertende und Tatsachen nicht wahrhaben wollende Konsumenten empfinde. Anzumerken ist aber, dass bei diesem "Schlag" von Fans, der zu erwartende "Schaden" dafür als gering zu beurteilen ist. Wie schon einmal erwähnt, ist es aber durchaus schwierig, Leute einfach bestimmten Lagern zuzuteilen. Ich bewerte Leute in diesem Konflikt nicht nach der Gruppenzugehörigkeit, sondern nach der Argumentationskraft. Und dass es in beiden Lagern "Anhänger" gibt, die Fakten nicht wahrhaben wollen ist ebenfalls klar. Daher ist auch dem "Homo-Lager" zum Teil Passivität vorzuwerfen, da sich die Beschäftigung regelmäßig auf das stumpfe Zitat bestimmter Textstellen beschränkt, das zur Grundlage bestimmter Forderungen wird.

    "Politisch inspirierend sind die nach meiner wahrnehmung jedoch nicht, weil sie zwar ein "wir-gefühl" produzieren aber eben ein wir-gefühl ohne politsche perspektiven, es sei denn religion gilt als politisches ziel."

    Meiner Meinung ist es nicht Aufgabe eines Künstlers, egal welchen Genres, Vorschläge der Problemlösung zu unterbreiten. Auch ist mir kein Künstler bekannt, der dies jemals gemacht hat. Insofern kann dieser "überzogene" Bewertungsmaßstab auch nicht im Dancehallbereich angewendet werden. Vielmehr handelt es sich regelmäßig um ein Aufzeigen von Problemen, um ein Aufmerksam machen auf die Situation und das Besingen einer besseren Zukunft. Insofern spielt Religiostät nur eine untergeordnete Rolle. Als störend empfinde ich diesen religiösen Bezug und die damit regelmäßig in Verbindung stehenden Verbrennungs- oder Tötungsmetaphern nur, soweit es um Homosexualität geht, da die Kritik an der Politik und des Kapitalismus regelmäßig auch nach meinem aufgeklärten Bewertungsmaßstab richtig ist. Und auch ein Großteil der Homo-Community hätte wohl keine erheblichen Einwände, wenn es um das methaphorische "Verheizen" von Bush, Blair, Saddam Hussein, dem Papst oder den Taliban, Israelis, der G 8 oder den USA geht.
    Liedbeispiele für das Aufmerksam machen auf die eigene Situation anhand Bounty Killers.

    www.youtube.com/watch?v=TqpGJuhbWHk

    www.youtube.com/watch?v=ob_nh1WMMzU&feature=PlayList&p=135FC
    AA7089509D5&playnext=1&playnext_from=PL&index=32


    www.youtube.com/watch?v=c3He3PR31co

    www.youtube.com/watch?v=nd-OWDHZafA

    www.youtube.com/watch?v=yk37PcZ6TPQ

    Solltest du diese Lieder anhören, würdest du feststellen, dass Religiosität und Homophobie in diesen zufällig gewählten Titeln eine absolut untergeordnete Rolle im Liedgut Bounty Killers spielen.

    Liebe Grüße

    Ben
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#67 BenAnonym
  • 16.01.2010, 13:10h
  • Antwort auf #64 von stromboli
  • Nachtrag:
    Die Befragung homosexueller Jamaikaner hätte eigentlich eher als Interpretationshilfe dienen sollen. Aber, wenn du dies ablehnst, heißt es also, dass dir eine richtige Interpretation der Texte "am Arsch" vorbeigeht, da du dir bereits eine nicht mehr zu erschütternde Meinung gebildet hast. Das mangelnde Interesse an der "Wahrheit" dürfte den Konflikt wohl weiter anheizen. Aber wie gesagt: Die Worte "Passivität" und "Engstirnigkeit" wurden nicht für die Reggae-Community erfunden.
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#68 LorenProfil
  • 16.01.2010, 14:31hGreifswald
  • Also ich fände eine -z.B. über J-Flag vermittelte-
    Recherche vor Ort über die Sichtweise schwuler
    Jamaikaner sehr interessant und gehe davon aus,
    dass die Ergebnisse einer solchen Befragung für
    Dancehall-Fans recht ernüchternd ausfallen könnten.
    Mithin wären sie ein wertvoller Beitrag zur Diskussion außerhalb Jamaikas. Und weil ich gerade
    beim Wünschen bin: Eine der großen Reggae-Zeit-
    schriften könnte ja auch mal einen Fragebogen be-
    züglich des Themas in eine seiner nächsten Ausgaben einlegen (oder online stellen), der in in-
    direkten Fragestellungen auch mal homophobe Ten-
    denzen mit abfragt. Auch dieses Ergebnis wäre
    sicher aufschlussreich für die Diskussion.

    P.S.
    Manchmal wird ja der vermeintliche Vorwurf ge-
    äußert, man würde durch Konzertverbote etc.
    nichts für eine Verbesserung der Situation auf
    Jamaika tun. M.E. sollte das auch gar nicht das
    Ziel sein (ich halte das für naiv und man würde
    sich da wohl auch überheben). Wer da etwas
    tun will, sollte seine Energie eher auf eine Unterstützung z.B. von J-Flag oder auf die Unterstützung oder Mitarbeit in Menschenrechtsorganisationen konzentrieren.
    Mir scheint eher wesentlich dafür zu sorgen, dass hier in D. weder zu Menschenrechtsverle-
    tzungen aufrufenden Sängern eine Bühne geboten noch das Abspielen von Liedern mit
    diskriminierenden Inhalten (gegen wen auch immer) gestattet wird. Dancehall ist da nur ein
    Musikstil, Hip Hop ein weiterer, und Herkunft,
    Hautfarbe etc. der Sänger sind völlig unwesentlich. Auf den Inhalt kommt es an - und
    der kann abgefeiert oder muss politisch und (wenn möglich) juristisch "bekämpft" werden, je
    nachdem um welchen Inhalt es sich handelt.

    P.S. 2
    Eine Generalisierung des "Dancehall-Lagers" halte ich für genau so schubladentechnisch niveaulos wie die Stereotypisierung "des Schwulen". Bei genauerer Betrachtung wird man
    wohl feststellen, dass Dancehall-Fans genau so
    heterogen in ihren Einstellungen sind wie Schwule. Es gibt doch überall solche und solche.
    Lagerbildungen werden zwar von manchen gern
    gesehen (aus manchmal recht persönlichen Gründen), aber ich bevorzuge es, selbst möglichst selbständig zu denken und andere in-
    dividuell und nicht nach Gruppenzugehörigkeiten zu beurteilen.
  • Antworten » | Direktlink »
#69 BenAnonym
  • 16.01.2010, 16:15h
  • Antwort auf #68 von Loren
  • Lieber Loren,

    auf die besagte Ernüchterung nach einer Befragung jamaikanischer Homosexueller würde ich es mit allen Konsequenzen, insbesondere der Erschütterung meines Bildes besagter Künstler, sehr gerne ankommen lassen.
    Interessant wären inbesondere Äußerungen zu vermeindlichen Metaphern; Stichwort: Burn Batty Man. Was wohl als unproblematisch bezeichnet werden würde, sind "Beschimpfungen" anderer Dancehallkünstler als "Homosexuelle", da ihnen die entsprechenden Hintergründe bekannt sein dürften. Eines der bekannsten Beispiele eines solchen "Irrtums" stellt der Song Look Good von Bounty Killer dar. Da heißt es: "Mi ready fi go wipe out this faggot wid pure laser beam". Ohne Hintergrundwissen würde man dies als Tötungsabsicht gegenüber Homosexuellen empfinden. Mit Hintergrundwissen stellt sich die Situation weniger drastisch dar, da als "this faggot" nur Dancehallkollege Beenie Man gemeint ist. "Bounty Killer wrote the song Look Good, as an answer to Beenie Man's allegation that he is gay for being performing in the No Doubt video'Hey Baby'."
    www.soulrebels.org/dancehall/f_apology.htm

    Eine Befragung der Fans wäre interessant. Wenn ich mir oben verlinktes Video ansehe, so glaube ich das Ergebnis zu kennen: Keine nennenswerten homphoben Tendenzen in der deutschen Dancehallkultur, dafür ein kollektives Wegschauen und eine Verharmlosung der Problematik. Ein wichtiger Grund hierfür ist sicherlich dieses ständige "Wie gegen euch", "ihr gegen uns", "ihr wollt uns unsere Musik nehmen", "ihr seid solche Faschisten", "ihr habt keine Ahnung von der Kultur", "Wer sowas hört ist unterste Schublade und kann mangels eines Restes an Ehre beschimpft und bespuckt werden" etc.

    Schön, dass auch mal einer sagt, dass dieses Lagerdenken absolut bescheuert ist. Nur weil einige Leute ihre Dancehallleidenschaft alleine auf die Melodie stützen und somit den Homophobieaspekt nicht hören wollen(), heißt dies nicht dass andere Anhänger eine deutlich differenziertere Ansicht haben (vgl. Ben ). Umgekehrt gibt es im anderen "Meinungslager" (schon wieder das Wort Lager ) Leute, wie dich, die sich vielschichtig mit der Thematik beschäftigen, andere beschränken ihren Protest auf die Aburteilung und Beschimpfung der Künstler und der Fans als Faschisten, Fudamentalisten, Mördern etc. Meiner Meinung nach steht aber genau diesen Denken einer Konfliktlösung im Wege, da es dann nur noch um "Sieg oder Niederlage" der einen Gruppierung oder um unreflektiertes Gruppendenken, dass gerne durch Worte wie "Wie oder Ihr" zum Audruck gebracht wird.

    Liebe Grüße

    Ben
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#70 LorenProfil
  • 16.01.2010, 17:01hGreifswald
  • Antwort auf #69 von Ben
  • Und da es ja auch schwule Dancehall-Fans gibt
    (von denen man in der Debatte erstaunlich wenig
    hört - warum?), könnte es ja irgendwann mal so
    etwas geben wie das hier:

    www.outhiphop.com/

    Als bekennender Musikfreak, der nahezu allen Musikrichtungen gegenüber offen ist, würde ich
    mich freuen (im Internet findet sich da leider nichts).
  • Antworten » | Direktlink » | zu #69 springen »
#71 BenAnonym
  • 17.01.2010, 14:54h
  • Antwort auf #70 von Loren
  • Lieber Loren,

    "Und da es ja auch schwule Dancehall-Fans gibt (von denen man in der Debatte erstaunlich wenig hört - warum?)..."

    Meine Meinung zu dem Thema habe ich ja hinreichend dargelegt. Meinem Freund, der auch gerne mal Dancehall hört, sind zwar die juristischen Aspekte ebenso bekannt, dennoch vertritt er die Meinung man solle solchen Künstlern hier keine Bühne bieten. Allerdings sagt er, er hätte kein Problem mit den Künstlern, wenn eine bedeutende zeitliche Zensur zwischen der letzten Wiedergabe oder der letzten Veröffentlichung eines homophoben Lieds und eines geplanten Konzertes, vgl. etwa Buju Banton,liegt, selbst wenn sich der Künstler nicht davon distanziert.
    Ein anderer schwuler Freund von mir aus England, der ebenfalls Dancehall hört, findet die Sache unter Hinweis auf die Kultur und die Metaphern, also die fehlende Gewaltbereitschaft der Künstler, völlig unproblematisch.
    Auch hatte ich letztes Jahr mit zwei Schwulen vor eínem Anthony B.-Konzert über die Problematik gesprochen und diesen etwa war die gesamte homophobe Kontroverse der Künstler nicht bekannt.

    Aber egal welche Meinung man vertritt, wichtig ist die öffentliche Diskussion. Und Fakt ist, dass die Zahl der Veröffentlichung homophober Lieder in den letzten Jahren massiv gesunken.

    So hat etwa Elephant Man, der die quantitive Liste der "Batty Man"- Tunes anführt, seit Jahren keinen "Batty Man"-Tune mehr veröffentlicht. Auch wenn dies nicht mit der neu entdeckten Liebe zu Homosexuellen zu tun hat, als vielmehr der kommerzielle Aspekt. Nachdem er zu Bad Boys Entertainment gewechselt ist, sagte er bezüglich der Proteste: I know why all that happen, but now we put it aside. We don't talk about them. We just do music, we happy, they happy. Nobody wanna go back to being a problem to nobody. Everyone's just taking it easy and being cool. If you'e on a major label, you can't think of saying those kind of things." (Riddim magazine No.4 (english edition), July 2006)

    Bezüglich der vermeindlichen Gleichbehandlung von Hip-Hop und Danchall, wollte ich noch díe provokante Frage stellen, wie es sein kann, dass die Smash Homophobia- Kampange aus Berlin (wo ja die ganzen homophoben Rapper herkommen!) noch nicht ein einziges Konzert eines Hip-Hoppers bestreikt hat, aber bei jedem noch so unbekannten Danchehallsänger auf die Barikaden geht? (
    smashhomophobia.blogsport.de).
    Dass einem Zweifel an der Gleichbehandlung kommen, sind doch nicht ganz unberechtigt, oder?

    Liebe Grüße

    Ben
  • Antworten » | Direktlink » | zu #70 springen »
#72 LorenProfil
  • 17.01.2010, 15:38hGreifswald
  • Antwort auf #71 von Ben
  • Ein Unterschied zwischen den Musikrichtungen
    sollte bei diesem Thema auf keinen Fall gemacht
    werden. Wer so vorgeht, macht sich in meinen
    Augen unglaubwürdig und ich vermute, dass dann
    andere Interessen im Spiel sein könnten. Ebenso
    gilt das für Herkunft etc. des Sängers. Das gilt m.E.
    auch für Medien, die sich mit Homophobie im Enter-tainment oder in der Jugendkultur beschäftigen. Seriöser Journalismus berichtet in
    meinen Augen über jedes gesellschaftlich unerwünschte Phänomen kritisch, unabhängig davon, um wen es geht (man kennt diese Debatte ja zur Genüge, wenn es um die Frage geht, wie
    journalistisch mit Phänomenen umgegangen werden soll, die z.B. im Zusammenhang mit dem
    Islam zur Diskussion stehen).

    P.S.
    Was mir im Bereich Hip Hop gefällt, ist, dass sich
    dort auch schwule und lesbische Künstler zu Wort melden, die das homophobe Image dieser
    Musikrichtung direkt angehen und konterkarieren, wie z.B. Deadlee (USA) mit sei-
    nem Song "No Fags Allowed", in dem er u.a. auch
    Rapper, die Homophobie verbreiten, disst. Da
    kann ich nur sagen: "Well done!" Schade, dass es
    noch keine schwulen oder lesbischen Dancehall-
    Artists gibt, die sozusagen von innen homophobe
    Tendenzen aufs Korn nehmen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #71 springen »
#73 BenAnonym
#74 BenAnonym
#75 LorenProfil
#76 BenAnonym
  • 18.01.2010, 14:06h
  • Antwort auf #75 von Loren
  • Klar, es ist nur einer sehr kleiner Schritt. Aber durch die "Abschaffung" des "Batty Man"-Tunes im Radio, gibt es vielleicht wenigstens ein paar Leute weniger, die durch diese beeinflusst werden. Und dies dürfte langfristig zur Verbesserung der Situation von Homosexuellen beitragen. Aber es wird wohl noch ein langer Weg sein...

    Liebe Grüße

    Ben
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#77 BenAnonym
#80 LorenProfil
  • 18.01.2010, 19:58hGreifswald
  • Antwort auf #79 von Ben
  • Ich gebe Shaggy Recht, dass eine Gleichsetzung
    von Reggae mit Homophobie übertrieben und falsch
    ist. Mich würde aber interessieren, ob es einen
    Song eines Reggae-Sängers oder einer Sängerin
    gibt, in dem -im Sinne von social consciousness-
    gegen Homophobie -wenn auch vielleicht in einer
    indirekten message- gesungen wird.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #79 springen »
#81 LorenProfil
  • 18.01.2010, 20:08hGreifswald
  • Antwort auf #78 von Ben
  • Was mich an diesem Artikel wirklich ärgert, ist die
    Aussage von Herrn Müller alias Admiral Tuff, Peter
    Tatchell sei ein Rassist, wodurch er den politischen
    Kampf von LGBT-Aktivisten gegen homophobe Dancehall-Tunes in eben dieses Licht rückt. Peter
    Tatchell stellt dies ja dann klar, aber es bleibt für
    mich ein Ärgernis. Der Herr Admiral sollte 1) besser
    recherchieren (über Tatchell, der eine eigene Webside hat) und 2) sehr genau überlegen, welche
    Wendung er der Diskussion geben will. Wer mit allzu starker Munition schießt, könnte -metaphorisch gesprochen- in einem unfriendly fire
    umkommen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #78 springen »
#82 BenAnonym
#83 LorenProfil
  • 18.01.2010, 23:59hGreifswald
  • Antwort auf #77 von Ben
  • Wenn man den Artikel liest, so fällt doch auf, wie
    verfälscht hier dargestellt wird, um einen Konflikt
    zwischen dem deutschen Abgeordneten Beck und
    dem Land Jamaika zu konstruieren, z.B. indem bereits in der Überschrift so getan wird, als werde
    die "nationale Musik" ("...Against Jamaican Music")
    in Gänze angegriffen, obwohl im späteren Zitat dann von "many of Jamaica's Reggae and Dancehall
    stars" gesprochen wird. Es handelt sich auch kaum um eine "smear campaign against Jamaica and all
    its musical forms", wenn auf die Gewalt gegen Schwule in Jamaika explizit hingewiesen wird und
    gesagt wird, dass homophobe lyrics dafür eine Mit-
    verantwortung haben können ("...can be agitated ...). Auch folgende Bemerkung wird
    nicht widerlegt: " ... but clergyman, trade unions and the Jamaican Government, also stir up gay hate" (was u.a. bei youtube zu besichtigen ist). Dass man durch diese Anschul-
    digungen das Image Jamaikas beeinträchtigt sieht ("serious accusations that badly tarnish the
    image of Jamaica"), ist zwar verständlich,, aber
    diese Anschuldigungen sind nicht grundlos, die
    ihnen zugrundeliegende Ursache ist die verfol-
    gung und Diskriminierung der Schwulen dort, und
    diese ist in der Tat ursächlich für das schlechte
    Image, dass dieser Staat allmählich bekommt.
    Über den Radiospot, der dazu aufruft, Jamaika
    nicht zu besuchen, ist mir nichts bekannt und
    im www konnte ich dazu nichts finden.

    Insgesamt wird sich nicht mit den unhaltbaren
    Zuständen dort für die Schwulen auseinandergesetzt oder gar Verbesserungsmög-
    lichkeiten erörtert, sondern es werden die Kri-
    tiker diskreditiert, was letztlich dazu dient, den
    unsäglichen status quo im Lande zu zementieren (gewollt oder ungewollt).

    Der Autor, Charles HE Campbell, ist im Bereich
    Dancehall sehr aktiv und zudem -ich sage mal-
    sehr nationalbewusst, wie man anderen im In-
    ternet zugänglichen Veröffentlichungen entneh-
    men kann. Leider ist für diesen Kenner und Ad-
    vokat der Szene das Thema Homophobie kein
    Thema. Er blendet es schlicht aus, obwohl m.E.
    das Ignorieren eines Problems noch selten zu seiner Lösung geführt hat.

    Dennoch sind seine Blogs lesenswert:

    www.myspace.com/checampbell
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#84 BenAnonym
  • 19.01.2010, 00:08h
  • Antwort auf #81 von Loren
  • Um es gleich auf den Punkt zu bringen:
    Aussagen der Künstler zu Homosexualität werden keinesfalls durch anderes Unrecht, etwa einer Ungleichbehandlung homophober Künstler innerhalb der Anti-Homophobie-Kampange(n), aufgewogen. Rassistische Motive würde ich Peter Tatchell nach meinem Kenntnisstand ebenfalls nicht unterstellen.
    Ich wollte dir durch den Link nur nochmals zeigen, welche Vorwürfe aufkommen, wenn der Eindruck erweckt wird, es gehe um die pauschale Bekämpfung jamaikanischer Musik. Für den Kampf gegen Homophobie ist ein aufkommender Rassismusvorwurf absolut kontraproduktiv. Wenn nicht mehr rational erklärt werden kann, warum die Kampange ausschließlich Jamaikaner trifft, kann man die ganze "Sache" gleich sein lassen, jedenfalls, wenn man durch den Protest (was deinen Kommentaren zu urteilen, bei dir nicht der Fall ist) unmittelbar die Situation homosexueller Jamaikanier verbessern will. Durch einen solchen Vorwurf besteht meiner Meinung nach sogar die Gefahr einer "Jetzt erst Recht"-Bewegung durch Teile der Bevölkerung Jamaikas.
    Anzumerken ist, dass das Gesagte keine Rechtfertigung jamaikanischer Künstler darstellen soll. Denn wie gesagt, die erhobenen Vorwürfe bezüglich Homophobie haben sie sich ja selbst zuzuschrieben.

    Liebe Grüße

    Ben
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#86 LorenProfil
  • 19.01.2010, 13:03hGreifswald
  • Antwort auf #84 von Ben
  • Ich kann dir in allem nur vollkommen zustimmen.
    Dass ein solcher Konflikt gern zu einem Konflikt
    "gay activists against Jamaica" hochstilisiert wird,
    ist ein typischer Abwehrreflex. Das sollte man
    geraderücken und fertig. Den Schwulen auf Jamaika sollte man selbstverständlich Hilfen an-
    bieten, aber m.E. durch eine Unterstützung ihrer
    eigenen Menschenrechtsorganisationen, da sie wohl
    besser als wir wissen, was dort zu tun ist. Hilfe zur
    Selbsthilfe sozusagen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #84 springen »
#87 BenAnonym
#88 LorenProfil
  • 19.01.2010, 13:30hGreifswald
  • Antwort auf #85 von Ben
  • Was Gentleman da zum Thema Homophobie sagt,
    würde ich mit einem Eiertanz vergleichen. Ist ja
    auch schwer, wenn man einem Land so zugeneigt
    ist und es auch einen potentiellen Markt für die
    eigene Musik bieten könnte. Tauscht man die Be-
    griffe "gays"/"gay people" aus gegen "blacks"/"black people", liest sich das dann nicht gerade schön.
    "It's a deeply rooted belief and we have to accept
    that." Frauenbeschneidung? Steinigung vergewaltigter Frauen? Gilt das für diese Phänomene auch? Wer sich für Menschenrechte engagiert, wird menschenfeindliches Verhalten zwar durch religiöse oder einer langen Tradition verhaftete Ideen erklären, aber es niemals akzeptieren. Wie gesagt, ein Eiertanz. Seinen
    Urologen wirds freuen. Ich halte mich da lieber
    an Thomas Jeffersons Gedanken, wie sie in der
    US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
    ihren Niederschlag fanden: "We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of
    Happiness." Das schließt dann Rassismus, Sexismus, Homophobie und viele andere Formen
    der Diskriminierung generell aus und bekämpft
    sie mit politischen Mitteln als inakzeptabel.
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#89 LorenProfil
  • 19.01.2010, 14:10hGreifswald
  • Antwort auf #85 von Ben
  • "The problem in Jamaica is that music has functioned to give a voice to the values and in other cultures you don't have that popular culture
    speaking in the same way." (C. Cooper)
    Da irrt die Professorin gewaltig. Sei es der Blues
    der 20-40er Jahre (als Ausdrucksform der Schwarzen in den USA), die Folk-Bewegung der 60er Jahre dort oder die Musik der Black Power-
    Aktivisten Ende der 60er/Anfang der 70er, man wird homophobe lyrics mit der Lupe suchen müssen (ich kenne keinen einzigen), obwohl es in
    den gen. Musikrichtungen ebenfalls inhaltlich um
    "values" und Lebenssituation der Menschen ging.
    Auch in der Punkmusik Ende der 70er in England
    spielte Homophobie keine Rolle. Meines Wissens
    sind erst seit dem Aufkommen von Hip Hop explizit homophobe Inhalte zu verzeichnen.
    Es scheint da auch einen Zusammenhang zu geben
    zwischen dem Ausstrahlen von Hip Hop-Videos im TV in Jamaika und der Zunahme an gewaltverherrlichenden Dancehall-lyrics (habe ich irgendwo gelesen, aber weiß im Moment nicht wo).

    Einige Musikbeispiele, z.B. der Blues der groß-
    artigen Bessie Smith:

    www.youtube.com/watch?v=6MzU8xM99Uo

    Der Folk der 60er:

    www.youtube.com/watch?v=ntLsElbW9Xo

    Oder Black Power:

    www.youtube.com/watch?v=M53-Mb1KDZ0

    Und ein Klassiker des Punk:

    www.youtube.com/watch?v=JQkActP-isE
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#90 BenAnonym
#91 stromboliProfil
  • 19.01.2010, 15:00hberlin
  • Antwort auf #90 von Ben
  • hab das noch nicht durchlesen können aber pseudowissenschaftlich... nur weils dir nicht in dein köpfchen passt?
    schon beim blättern kamen mir altkannte erkenntnise rüber, die vieles erklären und stützen...
    aber da muß man wohl sich erst mal reinlesen.
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#92 BenAnonym
#93 BenAnonym
  • 19.01.2010, 16:25h
  • Antwort auf #91 von stromboli
  • Noch was zum Thema "Wissenschaftlichkeit". Soweit es um die Ernsthaftigkeit der besagten Mordaufrufe geht, habe ich zwar unzählige wissenschaftliche Abhandlungen gefunden, die meine These der Metaphern stützen (insbesondere Cooper, Carolyn J. "Lyrical Gun: Metaphor and Role Play in Jamaican Dancehall Culture", 1994), aber keine wissenschaftliche Quelle, die diese Ansicht zu erschüttern vermag. Diesbezüglich beschränkt sich der mir zugängliche Fundus auf wortlautfixierte Interpretationen von schlecht informierten Nordamerikanern oder Europäern, denen es offensichtlich nicht um die "Wahrheit" geht, sondern nur darum, eine bestimmte Meinung zu erzeugen oder aufrechtzuerhalten. Auch auf dieser Seite konnte ich kein einziges kritisches Wort bezüglich der Ernsthaftigkeit der "Mordaufrufe" finden.
    Dass ich diesbezüglich zu einer anderen Bewertung als ihr komme, wirkt sich zwar nicht auf die Bewertung und folglich auch nicht auf die Legalität der Wiedergabe dieser Texte hierzulande aus, wohl aber auf die Bewertung der Gefährlichkeit der Künstler insgesamt, da Maßstab der Bewerutung der jeweils geltende objektive Empängerhorizont sein muss. Und dieser scheint, zumindest nach meinem bisherigen Kenntnisstand zu zwischen Jamaika bzw. Reggae-Fans und dem Rest der Welt zu diviergieren. Aber wie gesagt, ich würde gerne auch mal Stimmen aus der Homo-Szene aus Jamaika hören. Solange mir keine verlässlichen Quellen zugänglich sind, die meine Meinung widerlegen, bleibe ich dabei.

    Liebe Grüße

    Ben
  • Antworten » | Direktlink » | zu #91 springen »
#94 BenAnonym
#95 LorenProfil
  • 20.01.2010, 00:11hGreifswald
  • Antwort auf #90 von Ben
  • Na na, du sprichst von "pseudo-wissenschaftlichen
    Arbeiten". Ich muss doch mal sehr bitten .
    Ich habe bei der Betreuung wissenschaftlicher Ar-
    beiten bislang immer den Grundsatz der Ermutigung und positiven Verstärkung verfolgt.
    Aber mal ernsthaft: Könnte ja mal 'ne Doktorarbeit
    draus werden, die grundlegende Gedanken für D.
    zu diesem Thema enthält und für LSVD etc. wie
    die Reggae-/Dancehall-Fraktion Lösungsmöglichkei-
    ten aufzeigt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
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#96 LorenProfil
  • 20.01.2010, 00:27hGreifswald
  • Antwort auf #94 von Ben
  • Der Gentleman ist doch ein ganz Braver und hat als
    quasi Kölscher Jung bei mir sowieso einen kleinen
    Bonus . Solange er sein Feuer nicht gerade
    im Dom entzündet (den ich als Bauwerk sehr schätze - aus religiösen Gründen wiederum weniger, aber was solls), lasse ich ihm auch diesen
    Titel durchgehen. Sollte er aber doch mal dran denken, muss er als Wiedergutmachung halt dieses
    Lied zu Karneval als Reggae singen:

    www.youtube.com/watch?v=NBAXPA5MBUM

    Seine Wischiwaschi-Haltung zu homophoben Dancehall-Texten darf er natürlich auch überdenken .
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#97 LorenProfil
  • 20.01.2010, 00:37hGreifswald
  • Antwort auf #94 von Ben
  • P.S.
    Für das geile Keyboard-Solo und seine Referenz an
    "I shot the sheriff" bekommt er von mir noch zwei
    Bonus-Pünktchen. Jetzt noch 'nen Song, in dem er
    so en passent die Gays zur Party einlädt, und ich
    könnte vielleicht zum Fan werden (solang er mich
    mit religiösem Schmu verschont - eine meiner Schwächen ist, dass ich bei Liedern auch auf den Text achte und Religion für strictly private halte).
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#98 LorenProfil
  • 20.01.2010, 00:45hGreifswald
  • Antwort auf #93 von Ben
  • Eine wohl endlose Diskussion um Metaphern, die
    ja auch im Bezug auf -hoppla, schon wieder- Hip Hop gern mal geführt wird. Vielleicht kann man ja
    dahingehend eine Einigung mit den Anhängern der
    "Metapher-Theorie" finden, dass der Gebrauch der-
    selben die homophoben Haltungen der Mehrheit der Einwohner Jamaikas bedient und keinesfalls
    zu einer Verbesserung (im Sinne der Menschenrechte) der Situation für die Lesben und Schwulen dort beiträgt. Ein sehr kleiner gemeinsamer Nenner mit den Kindern der Aufklärung hierzulande, aber vielleicht doch einer.
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#99 BenAnonym
#101 LorenProfil
  • 20.01.2010, 13:14hGreifswald
  • Antwort auf #99 von Ben
  • Zu Sizzla und Capleton:
    Wenn sie Obama unterstützen, sollten sie sich das
    unbedingt zu Gemüte führen und sich ein Beispiel
    nehmen:

    www.youtube.com/watch?v=vQcviUjEypc

    Zu den Hintergründen:

    www.youtube.com/watch?v=OXO-pQd802Q

    Die Ausschnitte aus dem Gentleman-Konzert finde
    ich gut, v.a. die Band. Die Texte sind mir manchmal
    etwas zu einfach gestrickt und für meinen Geschmack doch zu sehr religiös gefärbt (Jah/
    God/Father's plan). Kann damit wenig anfangen,
    ähnlich wie mit X. Naidoo, der auch musikalisch
    was drauf hat, aber mich mit seinen religiösen
    Inhalten nervt. Na ja, jedem das seine.
    Zum Song "Dangerzone" fällt mir noch ein, dass
    Schwule oft gerade den Weg in die Anonymität
    der Großstädte suchen, weil sie eher auf dem
    Lande Furcht vor Gewalt haben, wenn ihre Homosexualität entdeckt wird.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #99 springen »
#102 LorenProfil
#103 BenAnonym
  • 20.01.2010, 19:02h
  • Antwort auf #102 von Loren
  • Hätte ihm m. E. nach ebenfalls keinen Orden verliehen. Zwar vertritt er insgesamt eine vernünftige Meinung, indem er Homophobie verurteilt, allerdings entspricht diese Meinung, der eines Durchschnittsdeutschen und ist per se ohne weitergehende Aktivitäten nicht auszeichnungswürdig.
    Wäre mal interessant zu erfahren, wie er sich zur "Ernsthaftigkeit" der geäußerten "Mordaufrufe" der Künstler äußert. Meiner Einschätzung nach wird er wohl die Metapher-Ansicht vertreten, andernfalls wären Kollaborationen und gemeinsame Shows (vgl. mit Sizzla in Wuppertal) für ihn wohl, wie auch für sein Label "Four Music", untragbar.

    Finde den Kommentar im Spiegel zu dem Thema Homophobie Recht interessant.
    "Schwulen- und Lesbenverbände liefen gegen schwulenfeindliche Äußerungen von jamaikanischen Sängern Sturm (...). Inmitten der von UNWISSENHEIT GEPRÄGTEN Diskussion über das komplexe Thema meldete sich der britische Kulturwissenschaftler Paul Gilroy im Interview mit "Riddim" weniger aufgeregt als Aktivisten und Politiker zu Wort: "Wenn Jamaikaner ihre Musik im Multikulti-Geschäft verkaufen wollen, dann müssen sie sich nach bestimmten Spielregeln richten. Und wenn diese Regeln sagen: keine Homophobie, dann müssen sie damit umgehen."
    Gleichzeitig warnt er vor Einschränkungen der Meinungsfreiheit: "Ich glaube nicht, dass irgend jemand, einschließlich der Schwulenbewegung, von weiteren Beschränkungen profitiert".

    www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,364377,00.html

    www.riddim.de/feature.php?id=267
  • Antworten » | Direktlink » | zu #102 springen »
#104 LorenProfil
  • 21.01.2010, 00:21hGreifswald
  • Antwort auf #103 von Ben
  • Ein interessantes Interview mit Prof. Riley, zu dem
    mir folgendes einfällt:

    1. Leider wird gerade da nicht nachgefragt, wos für mich interessant wurde:
    "Ich muss zugeben, dass sie (gemeint sind "einige Kritiker aus der jamaikanischen Welt") vielleicht Recht haben, wenn sie sagen, dass der ganze Zusammenhang viel komplexer ist, dass das Konzept von Homophobie neu überdacht werden muss. Vielleicht ist der Begriff Homophobie auch zu einfach, um die Komplexität dieser Angelegenheit in Jamaika zu beleuchten."

    Mal abgesehen davon, dass Riley hier geschickt gleich zweimal relativierend ein "vielleicht" einbaut, wäre es schon interessant gewesen zu erfahren, wie diese "Komplexität" denn nun beschaffen ist und was am "Begriff Homophobie"
    dann zu "einfach" ist. Hier umschifft der Herr Professor geschickt ein paar inhaltliche Riffs und Riddim belässt es dabei. Schade, da gerade hier die spannenden inhaltlichen Fragen zu klären wären.

    2. In D. neigt man wohl gerade wegen der Verfolgung und Ermordung der Juden in der Nazizeit dazu, Mordaufrufe gegen Minderheiten auch dann zu bestrafen, wenn sie nicht auf Einzelpersonen zielen, sondern eben eine Gruppe von Menschen meinen. Auch Kulturgüter werden dementsprechend zensiert
    (korrigiere mich bitte, wenn dem nicht so ist; ich bin ja kein Jurist). Ich halte das auch im Sinne der Gewaltprävention und des sozialen Friedens für richtig.

    3. "Identitätspolitik (...) kann nicht sehr gut mit Veränderung umgehen."
    Da stimme ich zu. Blinder Aktivismus kann auch menschlich ungerecht sein. Wer etwas für Menschen tun will, sollte auch seine Gegenspieler als Menschen mit Veränderungspotential sehen und Veränderungen wahrnehmen und begrüßen, sonst wird er im Kern selbst inhuman. Ich bin schon desöfteren mit Mitstreitern aneinandergeraten, wenn ich z.B. der Meinung wahr, dass auch Argumente der jeweiligen Gegenseite berechtigt und bedenkenswert waren. Da wird einem schon schnell mal Verrat an der "Sache" vorgeworfen, obwohl man wohl eher persönlich enttäuscht ist oder sich angegriffen fühlt.

    4. Interessant für die Diskussion pro und contra Auftrittsverbote etc. ist die Anmerkung, dass manche Fans (vielleicht sogar wesentlich mehr als manche) aus Freude an der Dancehall-Musik,
    den Parties etc. in der Debatte "Dinge verteidigen, die sie gar nicht verteidigen wollen", da der Diskussionsstil zu wenig Raum für differenzierte Sichtweisen zulässt (was man auch gut mit Punkt 3 zusammenbringen kann; ein
    Problem, das auf beiden Seiten auftreten kann).
    Riley bezieht sich da auf seine Erfahrungen mit "Boom Bye Bye" in GB, ich verallgemeinere hier seine Aussage mal auf die gesamte Debatte.
    Vielleicht wird man ja in Zukunft auf allen Seiten
    zunehmend mehr Bereitschaft finden, sachlich und menschlich fair miteinander umzugehen. Ich
    bin da mal gespannt, welche Impulse z.B. von der Podiumsdiskussion im Kesselhaus im Februar ausgehen.
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#105 BenAnonym
  • 21.01.2010, 17:11h
  • Antwort auf #104 von Loren
  • Lieber Loren,
    Zu 1.: Ich habe an anderer Stelle vermutlich das gelesen (leider ist mir die Quelle nicht mehr bekannt), was du an Begründung vermisst hast. Viele Wissenschaftler halten den Begriff "Homophobie" in diesem Zusammenhang deswegen für zu einfach, da der Begriff den Komplex nicht gänzlich beschreibt. Vielmehr beschreiben es viele als "Heterosexismus". Aber selbst dies trifft es meiner Meinung nach nicht im Kern. Vielmehr trifft es wohl "konservativer Heterosexismus" am Besten, da alle von der vermeintlichen Norm abweichenden sexuellen Praktiken auf Jamaika verpönt sind und dementsprechend in der Musik verarbeitet und leider auch verunglimpft werden.
    Zu 2.: Dewegen auch der Straftatbestand der Volksverhetzung, § 130 StGB. Wobei wir wiederum am Anfang der Diskussion wären. Werden entsprechende Lieder hier gesungen, ist regelmäßig der Tatbestand erfüllt, da darauf abzustellen ist, wie ein objektiver Durchschnittshöher aus unserem Kulturkreis, die Texte versteht.
    Im anglo-amerikanischen Rechtskreis reicht hingegen der bloße Aufruf mangels Konkretiserung auf eine bestimmte Personen, zur Verwirklichung eines Straftatbestandes nicht aus.
    Wie schon mehrfach erwähnt, ist aus rechtlicher Sicht eine Wiedergabe bestimmter gewaltverherrlichender homophober Texte hierzulande gar nicht möglich.
    Dennoch muss zur Bewertung der Gefährlichkeit der Künstler drigend eine sachgerechte Interpretation der Texte herangezogen werden. Um eine Verhinderung der Wiedergabe besagter Lieder ging es im Rahmen letztjähriger Deutschlandkonzerte aber ohnehin nicht mehr. Zwar ist es sicherlich für die Situation Homosexueller auf Jamaika nicht zuträglich, wenn derartige Lieder auf Jamaika gesungen werden, Tatsache ist aber auch, dass sämtliche mir bekannte Literatur die Metahpher-Theorie vertritt. Einen wissenschaftlichen Beitrag aus unserem Kulturkreis, der diese Sichtweise zu erschüttern vermag, ist mir nicht bekannt. Und du wirst mir doch sicherlich zustimmen könnnen, dass es oft nicht sachgerecht ist, wenn Texte, egal welchen Genres, ausschließlich nach ihrem Wortlaut ausgelegt werden. Weder in der Schule im Deutschunterricht, noch bei irgenwelchen Gesetzestexten, habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass es des "Rätsels Lösung" ist, wenn ich mich an das Gesagte oder Geschriebene klammere.

    Zu 3.: An der Stelle sei auch erwähnt, dass es dir hoch anrechnen, dass du ein vielschichtig denkender und argumentierender Diskussionspartner bist.
    Zu 4.: Da hast du vollkommen Recht. Sie verteidigen nicht nur häufig das Falsche, sondern begründen die Verteidigung des Falschen auch noch dumm. Aber das gilt wohl entsprechend auch für die Gegenseite. Dies liegt häufig daran, dass sich Mitglieder, der einen oder anderen Gruppe, auf Signalwörter- bzw. argumente reagierend, reflexartig, schützend vor "ihre" Sache verwerfen , und dazu neigen, andere Argumente nicht mehr zu berücksichtigen oder falsch abzuwägen. Da ziehe ich einen gepflegten Individualismus einer allzu stumpfsinnigen normativ wirkenden Gruppenunterwerfung vor.
    Aber mal sehen, was die Diskussion noch bringen wird. Wäre schön, wenn sie sich an uns ein Vorbild nehmen würden .

    Liebe Grüße

    Ben

    www.youtube.com/watch?v=V5YvRlQBPSc
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#106 BenAnonym
  • 21.01.2010, 18:00h
  • Es ist übrigens eine Schande, wenn Volker Beck staatlichen Maßnahmen in Form des Verbots der Einreise in den Schengenraum fordert, ohne sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt zu haben. Das "blinde" Zitat des Wortlauts von Sizzla-Texten scheint allein dem mandatierten Homo-Community-Lobbyismus zu dienen. Dieses Thema behandelt die Bundesregierung weitaus feinfühliger und bedachter:
    Zur Frage, warum die Bundesregierung die Einreise Sizzlas nicht verhindert habe, antwortete Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, dass "das Bundesministerium des Innern die Innenressorts der betreffenden Länder nochmals gebeten hat, notfalls durch ordnungsbehördliche Maßnahmen sicherzustellen, dass kein strafbewehrtes Liedgut vorgetragen wird. Dadurch werden die Belange der öffentlichen Sicherheit auch weiterhin angemessen gewahrt. Auch sei zu berücksichtigen, dass (...) bei zurückliegenden Konzerten in Europa keine Liedtexte mit strafrechtlich relevantem Inhalt bekannt geworden sind. Zur Frage, ob die Bundesregierung bereit sei, eine erneute Eintragung Sizzlas ins Schengen-Informationssystem zu prüfen, antwortete der Parlamentarische Staatssekretär, dass man an die vorliegenden Informationen gebunden sei, und dass wir in einem Rechtsstaat leben, der für alle gelte. Die Einstellung in das Schengener Informationssystem sei ein sehr weitreichender Schritt und nicht mit dem rechtsstaatlichen Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu vereinbaren.

    dip21.bundestag.de/dip21/btp/17/17006.pdf
  • Antworten » | Direktlink »
#107 BenAnonym
#108 LorenProfil
  • 22.01.2010, 00:47hGreifswald
  • Antwort auf #105 von Ben
  • Oh, danke für den Marley-Link. Ein Song, der irgendwie ganz aus meinem Gedächtnis verschwunden war. Besonders die Zeilen "Never make a politician grant you a favor/They will always want to control you forever" - sehr bedenkenswert .

    P.S.
    Finde unseren Gedankenaustausch auch fair und interessant, insofern gebe ich dein Kompliment gern zurück. Man muss auch nicht unbedingt in allem übereinstimmen oder kann auch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen, dennoch kann das ja in einem sachlich fairen Stil erfolgen. Ist dies nicht der Fall, wird man wohl diesen Konflikt auch niemals auflösen können. Ich habe allerdings die Hoffnung, dass auch in Jamaika gewaltverherrlichende Texte eher seltener produziert werden in der Zukunft, da es dort wohl auch langsam eine Gegenbewegung gibt, die mehr auf education setzt (was ich sehr begrüße, da ich Bildung für außerordentlich wichtig halte, nicht nur für die Entwicklung und das Fortkommen des Einzelnen, sondern auch für die gesamte Zivilgesellschaft). Außerdem würde ich mir wünschen, dass die Menschen dort mit Blick auf das nicht ferne Haiti in sich gehen und den Gemeinschaftsgedanken betonen,anstatt Mitglieder ihrer community auszugrenzen. Gerade vor dem Hintergrund solcher Katastrophen wird doch deutlich, dass alle auf ihre Mitmenschen angewiesen sind und
    Hautfarbe, sexuelle Orientierung etc. überhaupt keine Rolle spielen dürfen - ganze im Sinne von one world. Da bleibe ich ein hoffnungsvoller Idealist.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #105 springen »
#109 LorenProfil
  • 22.01.2010, 00:55hGreifswald
  • Noch was zu Haiti:
    Die HGLA-Haitian Gays and Lesbians Alliance Inc.
    bittet auch um Spenden. Vielleicht hat ja der eine oder die andere noch ein paar Euros übrig:

    www.hgla.org/
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#110 LorenProfil
#111 LorenProfil
  • 22.01.2010, 01:26hGreifswald
  • Antwort auf #107 von Ben
  • Ich denke, hier geht es eher um Minderheitenschutz und die Forderung an staatliche Behörden, diesen durch Einreiseverbote zu gewährleisten. Man braucht das Thema nur auf andere Minderheiten transferieren, um sich das klarzumachen. Ich denke da beispielsweise an den notorischen Holocaustleugner David Irving, der auch nicht nach D. einreisen darf oder durfte (?) oder den niederländischen Politiker Geert Wilders,
    dem in GB die Einreise verweigert wurde wegen seiner politischen Ansichten zum Islam. In beiden Fällen wäre es wohl überzogen, gleich "Polizeistaatsassoziationen" zu entwickeln. Sowohl die Juden in D. wie die Muslime in GB haben diese Maßnahmen mehrheitlich sehr begrüßt. Ist also immer eine Sache der Perspektive, aus der man solch staatliches Handeln betrachtet und beurteilt.

    Außerdem hatte ich zu der Zeit, als ich jugendliche Intensivtäter pädagogisch betreut habe, häufig Kontakt zur Polizei und kann die Zeilen des folgenden Songs nach vielen Gesprächen bestätigen (mit Ausnahme der Zigarettensorte ):

    "Wenn sie von der Nachtschicht kommen
    haben ihre Augen dunkle Ränder.
    Sie rauchen 'Milde Sorte',
    weil - das Leben ist doch hart genug."

    Also auch da ist eine differenzierte Sichtweise angebracht :

    www.youtube.com/watch?v=2nZUQQSnXy8
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#112 BenAnonym
  • 22.01.2010, 09:40h
  • Antwort auf #111 von Loren
  • Minderheitenschutz geht natürlich der Einreise eines Sängers vor. Allerdings sollte diese Erkenntnis am Ende einer differenzierten Abwägung stehen. Davor sollte tunlichst die Gefährlichkeit der Interpreten ermittelt werden. Und dazu gehört es eben auch, die Texte u. U. unter Hinzuziehung von Sekundärliteratur richtig zu bewerten. Herr Beck sprach laut Protokoll ausschließlich von Mordaufrufen. Dies ist keine allzu differenzierte Sichtweise. Und wie gesagt: Nach meinem Kenntnisstand handelt es sich bei den vermeintlichen "Gewaltaufrufen" um Metaphern. Dass diese Texte dennoch für Homosexuelle auf Jamaika alles andere als zuträglich sind, ist klar. Hätte er wenigstens letztgenannten Aspekt berücksichtigt und im Ergebnis dennoch anders entscheiden, so mag es aus meiner SIcht ein Abwägungsdefizit sein, dass noch vertretbar ist. Da er gar nicht abgewogen hat, ist es ein Abwägungsausfall und ist zu verurteilen. Und wie ist es denn in einem Polizeistaat: Auch dort findet stets ein Abwägungsaufall statt, da das Sicherheitsbedürfnis stets über Bürger-bzw. Menschenrechte gesetzt wird. Also insofern halte ich den Vergleich für nicht so fernliegend. Außerdem ist es für die Lösung des Konflikts auch nicht zuträglich, wenn eine Seite das Gefühl hat, die andere "lügt".

    Die letztgenannte Aussage lässt sich auch auf Holocaustleugner übertragen. Nimmt man David Irving. Seiner Meinung nach sind dem Holocaust nur 200.000 Menschen zum Opfer gefallen. Mir ist nicht klar, warum diese Person nicht einreisen darf. Ich halte es von Sicherheitspolitikern für mehr als fraglich, wenn man an dieser Stelle Minderheitenschutz als Argumentationsgrundlage heranzieht. Denn was machen diese Herrn Holocaustleugner. Sie gehen von anderen Zahlen aus. Wenn aber bereits das Aussgehen von anderen Zahlen eine Gefahr für eine Minderheit darstellt, so ist den Herrn Sicherheitspoltiker zu unterstellen, dass sie den Holocaust nur noch in seiner Quantiät, nicht aber in seiner Qualität betrachten und dementsprechend verurteilen. Und wäre der Holocaust erheblich harmloser gewesen, wären ihm - wie es die Holocaustleugner behaupten - nur 200.000 Menschen zu Opfer gefallen? Meiner Meinung nach nicht. Aber diese vermeintliche Gefahr, dass etwas behauptet wird, was anderen nicht passt, ist ausreichend, für ein Einreiseverbot. Halte dies doch für bedenklich. Dies halte ich für reinen Minderheitenlobbyismus.
    Beachte: Diese Sichtweise setzt aber voraus, dass bei Irving sichergestellt gewesen wäre, dass es in Deutschland zu keinen derartigen öffentlichen Äußerungen kommt. Diesbezüglich hätte man, wie auch bei Sizzla, die letzten Auftritte in der BRD betrachten müssen.

    "Ich habe allerdings die Hoffnung, dass auch in Jamaika gewaltverherrlichende Texte eher seltener produziert werden in der Zukunft, da es dort wohl auch langsam eine Gegenbewegung gibt, die mehr auf education setzt "

    So würde man das Problem natürlich an der Wurzel beseitigen. Insofern ist, v. a. das Verbot der öffentlichen Wiedergabe von "Batty Man" -Tunes ein wichtiger und richtiger Schritt. Wenn man auf Jamaika keine "Batty Man"-Tunes mehr spielen kann, wird sich das Problem der Produktion schon aus marktstrategischen Gründen lösen. Denn außerhalb des jamaikansichen Marktes, war die Nachfrage nach diesem Liedgut seit jeher doch sehr beschränkt.
    Und wie schon einmal gesagt. Die jeweils letzten Alben der besagten Künstler waren allesamt homophobiefrei. Also insofern sehe ich der Zukunft optimistisch entgegen.

    Liebe Grüße

    Ben
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#113 BenAnonym
  • 22.01.2010, 11:21h
  • Es übrigens interessant zu verfolgen, wie kritisch in letzter Zeit über offensive Texte in der Musik in der jamaikansichen Öffentlichkeit diskutiert werden. So sagt Reggae-Artist Tony Rebel: "You can't preach violence in music and expect the people of Germany to accept it. Because Hitler already show them what violence is. You cannot teach the French and the Americans about sex (...). What they love about us, is when them going through hardship and terrible times dem hear 'don't worry about a ting'.

    www.jamaicaobserver.com/entertainment/Rebel-pleads-using-Hit
    ler-_7297667
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#114 LorenProfil
  • 22.01.2010, 13:26hGreifswald
  • Antwort auf #112 von Ben
  • Bei den Einreiseverboten geht es da wohl nach dem
    Prinzip, nicht die berühmte Büchse der Pandora zu öffnen und ein falsches Signal zu geben, bestimmte
    gewaltverherrlichende oder -relativierende Ausagen seien "von Staats wegen" zulässig. Da kann man natürlich je nach Einzelfall zu recht unterschiedlichen Beurteilungen kommen, aber grundsätzlich halte ich dieses Mittel für zulässig und auch im Einzelfall für erforderlich:

    www.youtube.com/watch?v=oIP-BPzuI6I

    P.S.
    Bei der Verwendung eines Begriffs wie "Minderheitenlobbyismus" bin ich immer vorsichtig, da es sich hier nach meinem Verständnis um einen politischen Kampfbegriff handelt, der gern von denen in die Debatte eingeführt wird, die Vertreter von Minderheiten und ihre politischen Forderungen in Gänze diskreditieren wollen. Man sollte nicht vergessen, dass interessanterweise sowohl Lesben und Schwule als auch Reggae-/Dancehall-Fans hierzulande in einer Minderheitenposition sind (von lesbischen und schwulen Reggae-/Dancehall-Fans mal ganz zu schweigen) .
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#115 LorenProfil
  • 22.01.2010, 13:39hGreifswald
  • Antwort auf #113 von Ben
  • Habe ich auch gelesen. Und meines Wissens bezieht sich die Kritik nicht nur auf die Wirkung dieser Texte im Ausland, sondern auch auf die Wirkung, die diese Texte auf die Jugend in Jamaika und die Gesellschaft dort haben könnten (weiß leider nicht mehr, wo ich das gelesen habe).
    Allerdings muss man bei dieser Kritik natürlich immer darauf achten, wer sie aus welcher Motivlage heraus äußert. Da Dancehall ja eher in der armen Bevölkerung Jamaikas verortet ist, könnte da auch die Furcht vor Entwicklungen ein Grund sein, welche eine Veränderung der gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Sinne von mehr Gerechtigkeit anstreben (im Sinne einer Sozialrevolution), was natürlich die Privilegien der upper class und der politischen Elite gefährdet. Das Propagieren sozialen Friedens (ohne eine Politik der Armutsbekämpfung und der gerechten Teilhabe aller Bürger) könnte von dieser Seite auch unausgesprochen heißen: "Lass mich und meine Privilegien in Frieden!" Scheint alles nicht so einfach zu sein.
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#116 BenAnonym
  • 22.01.2010, 14:43h
  • Antwort auf #114 von Loren
  • Der Begriff "Minderheitslobbyismus" war natürlich bewusst provokant gewählt. Es kommt aber leider oft vor, dass politische Stimmungen durch das "Totschlagsargument" Minderheitenschutz erzeugt werden. Und etwa im Falle Sizzlas gab es entgegen der Ansicht Becks, keine Minderheit, die wegen der bloßen physischen Anwesenheit Sizzlas, ohne homophobe Äußerungen, schutzwürdig war.
    Da hätte er gegebenenfalls anders argumentieren müssen. Aber Minderheitenschutz zugunsten Homosexuueller in Deutschland war in diesem Fall doch etwas weit hergeholt.
    Aber "Minderheitslobbyismus" kann auch durchaus positiv betrieben werden, vgl. Lebenspartnerschaftsgesetz. Damals hätte es im Rahmen einer Volksabstimmung wohlmöglich auch keine Mehrheit gefunden, was heute nach Einführung wohl anders gesehen würde.

    Liebe Grüße

    Ben
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#117 LorenProfil
  • 22.01.2010, 20:32hGreifswald
  • Antwort auf #116 von Ben
  • Volker Becks Sichtweise deckt sich wohl mit der Meinung der meisten Menschenrechtsaktivisten.
    So schreibt er auf seiner Homepage bezüglich Sizzla am 24.11.09:

    "Dabei kommt es nicht darauf an, ob er hier in Deutschland seine Mordaufrufe singt. Man würde ja auch einen Holocaustleugner nicht auftreten lassen,wenn er verspricht nur über den Ersten Weltkrieg zu schwadronieren."

    Auf eine Metapherdebatte lässt er sich wohl nicht ein. Als Politiker weiß er natürlich, wie Worte professionell verwendet werden, um Unangenehmes "durch die Blume" zu sagen. Bei Sizzla habe ich nochmals bei Murder Music Bern nachgeschaut und folgende Anmerkung zu seinem Song "Gi Dem Gunshot" (2001) gefunden:

    "This song was enumerated in a Jamaica Observer article refering on Sizzla advocating the murder of homosexuals.The article introduce part of the lyrics: He has no compassion for gays, who are lyrically slaughtered on about half of his gun tracks:'I am no pretender/shot mi shot de boy who a climb another man fender/cleanliness a godliness, a judgement me render.' "

    Im Song "Pump Up" (2001) heißt es dann:

    "Step up inna front line/Fire fi di man dem weh go ride man behind/Shot battybwoy, my big gun boom".

    Im Song "To The Point" (2000) reimt er:

    "Saddamite and batty bwoy mi say a death fi dem/Mih nuh truss babylon fi a second ya so/Mi ago shot batty bwoie dem wid di weapon".

    Aus dem Song "Spy On Me" (2005) nur diese Zeile:

    "Pussyhole mi seh a gunshot inna yuh skin".

    Genug der Beispiele. Da ich kein Anhänger kuturrelativistischer Theorien (die meist in sich selbst widersprüchlich sind), sondern ein Befürworter universeller Menschenrechte bin und in diesen Textbeispielen keine Metaphern finde (!) -so naiv bin ich nun auch nicht- , habe ich kein Problem damit, wenn Sizzla quasi zur "unerwünschten Person" erklärt und ihm die Einreise verweigert wird. Da sehe ich durchaus gravierende Unterschiede zu z.B. Buju Banton, dem ich bezüglich dieses Themas duraus eine positive Weiterentwicklung bescheinigen würde.
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#118 BenAnonym
  • 23.01.2010, 13:07h
  • Antwort auf #117 von Loren
  • Lieber Loren,

    der Begriff "Metapher" wird in der Fachliteratur häufig insofern falsch gewählt, als er regelmäßig nur zum Ausdruck bringen soll, dass Gewaltdarstellungen nicht ernstlich gemeint sind. Diese Äußerungen sollen vielmehr kraft ihrer Heftigkeit den "Clash"-Gegner (hier: Homosexuelle) verstummen lassen, da der Künstler verbal nicht mehr übertroffen werden kann. Stichwort: Es darf alles Gesagt werden, allerdings bildet das gesprochene Wort die Grenze jeglichen Schlagabtausches.

    Es gibt natürlich auch Fälle, in denen es sich um Methapern im eigentlichen Sinne handelt. Dies ist zum einen die Feuer-Symbolik (Hauptvertreter: Capleton). Aber auch die von dir Gewählten Beispiele sind voller Methaphern. Bei allen Liedern kommt es Pistole vor. Der Pistolenlauf stellt zweifelsfrei ein Fallussymbol dar. Die schießende Pistole ist also der ejakulierende Penis Sizzlas.

    Gehen wir hiervon aus und widmen uns einem Beispiel. Ich wähle den Song "Pump up".

    "Di woman seh pump up har pum pum pump up har pum pum
    Shot battybwoy my big gun boom!!!"

    In der Situation hat Sizzla mit einer Frau Geschlechtsverkehr.
    Was also soll dieses aus dem Zusammenhang gerissene "Shot battybwoy my big gun boom!!!"
    Wir nehmen also wieder oben genannten ejakulierenden Penis - in seinem Fall, laut eigener Angabe, einer von beachtlicher Größe ("my big gun"). Was aber heißt vorliegend "Shot battybwoy". Da man ihm nicht unterstellen sollte, mit einem Homosexullen zu verkehren, bedeutet es so viel wie "fertig machen". Im Ganzen soll also das Stattfinden eines Penisvergleichs symbolisiert werden, aus dem Sizzla als Sieger hervorgeht. Sizzla behauptet also, seine Potenz würde diejenige eines Schwulen (wohlmöhlich ist auch nur "Weichei" gemeint) übertreffen.
    Natürlich ist der Text ordinär und heftig, aber dass eine Gewaltverherrlichung eine erotische Stimmung erzeugen soll, hat auch in Deutschland Tradition. Oder kennst du etwa "Hänsel und Gretel" nicht?!? Dort war auch alles voller Fallussymbole, es wurde ständig irgendwo, irgendetwas hineingeschoben. "Hänsel und Gretel" stellt wie "Pump up" faktisch einen Porno dar. Und bei Erstgenanntem ist dies nicht meine Behauptung. Vielmehr war mir dies, als ich von diesem Märchen im Kindesalter erfahren habe, ebenfalls nicht bewusst. Aber bei Sizzla ist es nicht unintelligent, wenn mit seinem Text Freunde von Pornos und Freunde von Actionfilmen gleichzeitig anspricht.

    Eine entsprechende Interpration könnte ich dir für alle aufgeführten Beispiele geben. Da du dich allerdings der Metaphorik der Texte verschließt, scheint es wenig Sinn zu machen.

    Liebe Grüße

    Ben
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#119 LorenProfil
  • 24.01.2010, 01:04hGreifswald
  • Antwort auf #118 von Ben
  • Ich lasse mich von dieser Interpretation in der Tat recht schwer überzeugen (und das als gelernter Literaturwissenschaftler; aber nur im Zweitstudium). Aber du kannst es ja nochmal versuchen mit den zwei anderen Beispielen nach dem Motto: Überzeugungs-Arbeit muss sein.. Wofür steht "death" in "To The Point"? Wofür stehen "gunshot" und "skin" in "Spy On Me"? Und warum werden Schwule in Kontexte gesetzt, in denen "guns", "weapons", "gunshots" und "death" zum "metaphorischen Inventar" gehören? Und welche textimmanente Stimmung wird so erzeugt? Und welche Rezeption wird dem geneigten Hörer/Leser nahegelegt? Und welche Wirkung können solche Texte beim Hörer/Leser erzielen? Und welche Wirkung können solche Texte auf denjenigen haben, der quasi als "Zielscheibe" dieser "Metaphern"(?) dient? Du siehst, ich hatte schon das "Vergnügen", eigene Werkinterpretationen der Beurteilung von "Scharfrichtern" auszusetzen, die als Literaturprofessoren an deutschen Universitäten ihr "Unwesen treiben" .
    Fragen über Fragen, die aber schlüssig beantwortet werden müssen (nicht unbedingt von dir, viel eher vom Verfasser dieser Texte!).
    Will sagen: Textinterpretation darf sich gern auf mehreren Ebenen "austoben" um umfassend und plausibel zu sein. Sie muss es bei diesem ernsten Thema m.E. sogar, da es hier ja um eingeforderten Respekt im zweifachen Sinne geht: Konzentrieren sich doch einige auf die Forderung nach Respekt vor der anderen Kultur, während andere Respekt vor der anderen sexuellen Orientierung einfordern und um Wege gerungen wird, die vielleicht dieses Dilemma auflösen. Vergessen werden darf dabei natürlich auch nicht, dass diese Texte in dieser Form in einem gesellschaftlichen Umfeld produziert werden, in dem die "Zielscheiben" dieser Texte tatsächlich nicht nur diskriminiert werden, sondern mit Gewalt und Mord konfrontiert sind. Auch dies muss bei der Interpretation, der Einordnung und schließlich der abschließenden Bewertung dieser Texte in einem schlüssigen Zusammenhang zur Gewichtung der Argumente bedacht werden (zumindest nach meinen wissenschaftlich geprägten Ansprüchen).

    Übrigens auch interessant: Welche Rollenverteilung zwischen Verfasser und Schwulen wird in diesen Texten verordnet? Wie sollen Schwule, die ihr Recht auf Gleichstellung -auch in Jamaika- zu Recht einfordern (i.S. der Menschenrechte, zu denen sich auch Jamaika als Mitglied der UN bekennt), auf öffentliche Äußerungen (hier: Liedtexte) reagieren, in denen diese Rollenzuweisung postuliert wird? Und nicht nur die Schwulen dort, sondern auch die Schwulen hier, die ebenfalls rechtlich nicht vollkommen gleichgestellt sind?

    Wie gesagt: Fragen über Fragen, die zumindest der Verfasser zu beantworten hätte.

    P.S.
    Ein Nachtrag zum "clash":
    Als ausgesprochener Fan von Kampfsportarten würde ich ja erwarten, dass in einem fairen Kampf die Kontrahenten mit gleichen Rechten nach denselben Regeln kämpfen können. Ist diese Gleichrangigkeit und die Möglichkeit, nach gleichen Regeln und mit gleichen Mitteln zu kämpfen, auf Jamaika angesichts der rechtlichen Situation für Schwule dort und der gesellschaftlichen Situation Homosexualität betreffend (und hier meine ich die Realsituation) objektiv gegeben?. Ich sehe vor meinem geistigen Auge den offen schwulen Dancehall-Artist, der im battle den heterosexuellen Kontrahenten mit den gleichen verbalen Mitteln auf einer Bühne in Kingston bekämpft. Auf welche Weise würde man ihn "verstummen lassen"? Wie sähe der reale "clash" (im Sinne eines Zusammenpralls) wirklich aus?
    Auch darüber müssen sich die Vertreter der "Metapher-Theorie" schon Gedanken machen.

    'Ne Menge food for thought. Ich wünsche dir trotzdem einen schönen Sonntag.
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#120 BenAnonym
  • 24.01.2010, 16:01h
  • Antwort auf #119 von Loren
  • Lieber Loren,

    da hast du mir ja eine Menge Hausaufgaben gegeben. Aber man soll sich ja nicht beschweren .

    Zunächst zu "To the point". Das Lied handelt ja im Kern darum, dass sich Sizzla nicht länger Beleidigungen aussetzen lässt und in sich in einer Notwehrhandlung befindlich, zur Wehr setzt. Aus dem Kontext des Liedes heraus würde ich sagen, dass sich der Tötungswunsch konkret auf diejenigen bezieht, die ihn beleidigen. Zumindst legt dies der Schluss auf die zuvor geschilderte Notwehrsituation nahe. Aus rechtlicher Sicht wäre das beschriebene Verhalten nach deutschem Strafrecht nicht strafbar. Zwar würde es sich um einen Notwehrexzess handeln, da die erlaubte Notwehrhandlung auf eine Beleidigungstirade keine Tötungen umfasst. Aber mangels näherer Angaben kann von einer Straflosigkeit ausgegangen werden. Speziell dieses Lied halte ich ingesamt für relativ harmlos, da nicht grundlos gegen Homosexuelle "gehetzt" wird, sondern die Tötungshandlung in eine Geschichte gepackt ist, in der sich Sizzla verteidigen darf und muss. Das Wort "death" ist meiner Meinung nach im eigentlichen Wortsinne zu verstehen, allerdings soll in guter alter "Clash"-Kultur nur klargestellt werden, dass er sich von niemanden etwas gefallen lasse.

    Problematischer finde ich ürbigens Lieder wie "Log on" von Elephant Man, da die Geringschätzung gegenüber Homosexuellen mit einer lässigen Selbstverständlichkeit daherkommt.

    Auch bei "Spy on Me" wird eine Art Bedrohungslage suggeriert, gegen die sich Sizzla verteidigt. Insofern kann auf oben Gesagters verwiesen werden.

    Welche Stimmung beim Hörer erzeugt, wird kann meiner Meinung nach nicht einheitlich beantwortet werden. Meiner Meinung sollte zwischen abstrakten und konkreten Gewaltdarstellungen unterscheiden werden. Im Falle der konkreten wird die Gewaltdarstellung in eine bestimmte Geschichte gepackt, bei der der Künstler eine Situation darstellt, bei der die Gewaltausübung zumindest menschlich verständlich erscheint. Diese sind in ihrer Wirkung wohl wenig schädlich. Problematischer empfinde ich abstrakte Gewaltdarstellungen, da für den Höhrer nicht nachvollziehbar Gewalt gegen Homosexuelle ausgeübt wird. Dadurch wird - im Gegensatz zu konkreten Gewaltdarstellungen - eine Stimmung der Geringschätzung geschaffen. Bei erst genannten geht es ja vom Prinzip nicht um die Verurteilung von Homosexualität als solcher, sondern um Personen, gegen die sich der Künstler, in einer bestimmten Situation zu verteidigen hat, sei die dargestellte Geschichte auch noch so bescheuert.

    Das von dir aufgezählte Jargon "guns", "weapons", "gunshots" und "death" ist quasi die Standardausrüstung beim "Clash". Sinn und Zweck ist es ja den Gegener durch die Schlagkraft der Worte zu übertreffen und ihn in eine Situation zu bringen, in der er keine herftigeren Worte mehr findet, so dass die Niederlage folgt. Sinn und Zweck des Clashes war historisch gesehen, nicht die Erzeugung von Gewalt, sondern die Verhinderung der Gleichen, in dem man das reale "Schlachtfeld" durch ein verbales ersetzt. Meiner Meinung nach sind die Künstler in der Regel keine "schlechten" Menschen, mit bösen Absichten, vielmehr halte ich sie für per se ungefährlich. Problematisch ist aber in der Tat die beim Höhrer erzeugte Stimmung . Ich hatte diesbezüglich mal ein Interview mit Bounty Killer gehört, der seine Lieder auch damit begründet hat, es handele sich nur um Musik und er habe keine bösen Absichten. Typisch "Clash" eben. Ich halte seine Äußerungen für authentisch. Das eigentliche Problem ist die Stimmung, die beim Publikum erzeugt wird. Offensichtlich werden die Künstler auch auf Jamaika in ihrer Intention des rein verbalen Schlagabtausches missverstanden, ansonsten wäre wohl kaum das öffentliche spielen, besonders offensiver Texte strafbar.
    Wie schon mehrfach gesagt. Wenn es etwa um Konzerte geht, sollte Maßstab der Bewertung die Gefährlichkeit des Künstlers sein. Welche Lieder gesungen werden dürfen, sollte dann vom objektiven Empfängerhorizont (und dessen strafrechtlicher Bewertung etc.) des jeweiligen Landes abhängig gemacht werden.
    Meiner Meinung würde ein homosexueller Dancehall-Artist ohne Probleme an einem Clash teilnehmen können. Er müsste aber vermutlich sehr gut sein, um das Publikum für sich zu gewinnen. Da die Clash-Kultur vom Prinzip abstrahiert wurde und der Schlagabtausch nunmehr so abläuft, dass Angriff und Gegenangriff auf einen bestimmten Riddim getext werden, wäre ihm dieser Weg anzuraten, da es Newcomer grundsätzlich sehr schwer haben auf der Bühne. Und dies dürfte wohl erst Recht für einen homosexuellen gelten.

    Ich hoffe, dass ich meine Hausaufgaben einigermaßen hinbekommen habe.
    Dir auch noch einen schönen Sonntag.

    Liebe Grüße

    Ben
    Wünsche dir auch
    auf einen bestimmten Riddim "Angriff" und "Gegenangriff"
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#121 LorenProfil
  • 25.01.2010, 00:47hGreifswald
  • Antwort auf #120 von Ben
  • Na na, ich habe doch keine HA gegeben, tse tse.
    Steht mir gar nicht zu. Trotzdem schön, dass du dich damit beschäftigt hast .

    Also die Interpretationen innerhalb des Genres Dancehall (battles/clashes) kann ich soweit nachvollziehen, auch wenn es m.E. deutlich zu weit geht, auf das Dissen anderer Leute mit verbalem Mord und Totschlag zu reagieren (vom realem Mord und Totschlag mal gar nicht zu reden).
    Worin bestehen die Beleidigungen durch die Schwulen eigentlich? Dass sie ihn als "homophob" bezeichnen. Nun, er scheint es durch seine überzogenen Reaktionen geradezu zu belegen. Souveräne Gegenkritik -also nicht emotional geprägte oder gar hasserfüllte- hätte sich z.B. in Stilmitteln des Humors oder der Ironie ausdrücken können - aber das ist vielleicht im Dancehall mit seiner eher macho-martialischen Wortakrobatik nicht vorgesehen. I don't know.
    Also für meinen Geschmack ist die Wortwahl als Stilmittel überzogen und bei wörtlicher Übersetzung unerträglich. Der Urheber müsste quasi einen Beipackzettel zu jedem Tonträger beilegen, auf dem die Ingredenzien seiner lyrics erklärt, ihre (vermeintliche) Harmlosigkeit beschworen oder vor unangenehmen Nebenwirkungen gewarnt wird (aber braucht Kunst Beipackzettel?).

    Dass die Sänger offenbar auch in Jamaika "missverstanden" werden in ihrem "Wort-Streit"(?), spricht übrigens nicht gerade dafür, dass sie a) ihr Handwerk überzeugend darbringen (man sollte ja erwarten, dass gerade dort im Ursprungsland des Dancehall das Publikum weiß, was auf der Bühne passiert) und b) die besagten lyrics als harmlose Wortakrobatik per se einzustufen sind: Die Nebenwirkungen können z.B. sein, dass die Ablehnung -oder der Hass?- gegenüber Schwulen bestätigt, gesteigert oder initiiert, ggfs. auch begründet wird. Wobei es dem einzelnen Hörer überlassen bleibt, ob er das als eigentliche Intention des Autoren sieht oder nicht. Hier müsste sich ein Sizzla schon selbst äußern und klarstellen (ähnlich wie sich ein G-Hot schonmal genötigt sah, etwas per Videobotschaft klarzustellen, z.B. bei YouTube).

    Ob ein schwuler Dancehall-Artist "ohne Probleme an einem Clash teilnehmen" könnte?
    Nun, ich hatte diese hypothetische Möglichkeit absichtlich nach Kingston und nicht ins vergleichsweise beschauliche München oder Köln verortet, und da wäre ich dann doch pessimistischer als du (um es mal sehr vorsichtig zu formulieren). Die Schwulen scheinen es dort ja wohl aus guten (oder eigentlich schlimmen) Gründen vorzuziehen lieber unsichtbar zu bleiben. Wird also eher ein "Zukunftsprojekt" für schwule Dancehall-Fans bleiben.

    P.S.
    Nochmals danke für deine sonntäglichen Mühen.
    Wir werden wohl keine vollständige Einigkeit in unserer Beurteilung erzielen können (da der Grad unseres Wohlwollens mit den Sängern recht unterschiedlich ausgeprägt ist), aber wie sang schon "The voice" in einem Song, dessen Text m.E. über jeden Zweifel erhaben ist (and I love it):

    www.youtube.com/watch?v=KIiUqfxFttM
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#122 LorenProfil
#123 Lupo__Profil
  • 25.01.2010, 16:39hBielefeld
  • PRESSEMITTEILUNG

    Gegen Homophobie in der Kunst! Aber wie?

    Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Politik, schwul-lesbischen Verbänden, Künstlermanagement, Vertretern der jamaikanischen Musikgewerkschaft und Veranstaltern

    am Donnerstag, 23. Februar 2010, 20.00 - 22.00 Uhr

    Ort: Maschinenhaus in der Kulturbauerei, Knaackstr. 97, 10 435 Berlin

    Eintritt: frei

    Beginn: 20.00 – 22.00 Uhr

    Organisation: Sören Birke, Tel. 030 – 44 31 51 31, Fax 030 - 44 31 51 99, birke@kesselhaus-berlin.de

    Presse: Anne Katrin Hülsmann, Tel. 030-44 31 51 40, Fax 030-44 31 51 99, huelsmann@kesselhaus-berlin.de

    ________________________________________________________________________

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Der für Januar geplante Termin für die Podiumsdiskussion musste aus organisatorischen Grunden verlegt werden. Aber jetzt steht der Termin für den 23. Februar 2010 fest.

    Auf Einladung des Kesselhauses werden Vertreter von Politik, schwul-lesbischen Verbänden, Künstlermanagement, Veranstalter und Vertreter der jamaikanischen Musikgewerkschaft im Maschinenhaus über nachhaltige Maßnahmen gegen Homophobie in der Kunst diskutieren. Ziel ist es, Strategien im Umgang mit kontroversen Künstlern zwischen Verbot und Dialog zu entwickeln.

    Nach der Absage des Konzertes von Sizzla am 26.11.2009 und dem vorangegangenen Verhandlungsprozess ist deutlich geworden, dass eine große Notwendigkeit für neue, konkretere Schritte besteht, da die bis dato getroffenen Maßnahmen (wie RCA) in der Öffentlichkeit keine Akzeptanz finden. Mit der Organisation der Podiumsdiskussion setzen alle beteiligten Akteure ein wichtiges Zeichen zur Fortsetzung des Dialogs.

    Teilnehmer:

    Volker Beck (MdB), Klaus Jetz (LSVD), Klaus Maack (Contour Music), Vertreter der jamaikanischen Musikgewerkschaft (tbc)

    Moderation:

    Andreas Freudenberg (ehemaliger Geschäftsführer der Werkstatt der Kulturen)

    Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. Eine Weiterleitung der Information ist erwünscht!

    Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

    Mit besten Grüßen

    Das Kesselhaus-Team
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#124 FoXXXynessEhemaliges Profil
#125 BenAnonym
  • 26.01.2010, 12:53h
  • Antwort auf #121 von Loren
  • "Worin bestehen die Beleidigungen durch die Schwulen eigentlich? Dass sie ihn als "homophob" bezeichnen."

    --> Ich dachte eher an die Bestreikung der Konzerte im Allgemeinen. Es ist zugegebenermaßen falsch, dass er ausschließlich Homosexuellen Proteste vorwirft und es ist auch falsch, wie er das Missfallen der Proteste zum Ausdruck bringt. Doch meiner Meinung nach geht es im besagten Lied nicht um die Verunglimpfung einer sexuellen Orientierung, sondern er macht Homosexuelle für die Proteste verwantwortlich. Ein "Batty Man" -Tune ist dies m. E. nach nicht.
    Dies entspricht in etwa dem Vorwurf im Falle des Nahostkonflikts, die "Juden" würden durch ihr Verhalten den Konflikt weiter anheizen. Gemeint ist natürlich nur Israel, allerdings ist es mir in der Tat schon zu Ohren gekommen, dass nur von die "Juden" die Rede war. Aber keiner würde ernsthaft behaupten der Grund für die Falschbezeichnung wäre Antisemitismus.
    Abgesehen von dem gewaltverherrlichenden Sidekick halte ich das Lied für absolut unproblematisch. Insofern fand ich es (wie auch die Behörden) für unproblematisch, dass Sizzla "To the point" unter Auslassung der umstrittenen Stelle im U-Club gespielt hat. Ansonsten wird ja an keiner Stelle auf Homosexuelle Bezug genommen.

    Mich verwundert es übrigens nicht, dass die Künstler auf die Proteste mit Liedern reagiern.Hier ein anderes Beispiel, bei dem freundlicherweise ohne sexuellen Bezug nur von "murder dem bombaclaat" die Rede ist.

    www.youtube.com/watch?v=0pgV2KEsD5o

    "Der Urheber müsste quasi einen Beipackzettel zu jedem Tonträger beilegen, auf dem die Ingredenzien seiner lyrics erklärt, ihre (vermeintliche) Harmlosigkeit beschworen oder vor unangenehmen Nebenwirkungen gewarnt wird (aber braucht Kunst Beipackzettel?)."

    Nachdem die von dir angesprochenen Titel ohnehin alle indiziert sind, braucht es den Beipackzettel nicht.
    Allerdings macht es ja gerade Kunst ist, dass unterschiedliche Betrachter andere Interpretationsansätze entwickeln. Dies ist Kunst stets immanent. Das Blöde am vorliegenden Fall ist nur, dass eine Interpretationsvariante den Konsum unerträglich zu machen scheint. Aber dies ist ja auch der Grund, weswegen ich die Meinung vertrete, dass derartige Lieder nicht gesungen werden sollten. Mir ging es ja bei der Interpration nicht darum, ob er die Lieder spielen darf, sondern vielmehr, ob bereits die Intention des Künstlers gefährlich ist. Und da bin ich der Überzeugung, dass dem nicht so ist. Insofern begnüge ich mich damit, dass derartige Lieder nicht mehr gespielt werden.

    "Wir werden wohl keine vollständige Einigkeit in unserer Beurteilung erzielen können (da der Grad unseres Wohlwollens mit den Sängern recht unterschiedlich ausgeprägt ist)"

    Jedenfalls was die Beurteilung der Gefährlichkeit der Künstler angeht, werden wir keine Einigkeit erzielen. Einigkeit besteht aber darüber, dass die Wiedergabe derartiger gänzlich unterbleiben soll. Und auch, wenn auf staatliches Einschreiten zurückzuführen ist, ist dies jedenfalls in Deutschland und auf Jamaika mittlerweile garantiert.
    Die viel interessantere Frage ist eigentlich, wie ein Kompromiss bei dieser "Kesselhaus-Diskussion" aussehen könnte, wenn die Homo-Community an Aufrittsverboten festhält, auch wenn die problematischen Lieder aktuell nicht mehr gesungen werden. Und es ist doch schon bezeichnet, wenn du der einzige bist, der sich hier auf eine konstruktive Diskussion einlässt. Den anderen scheint dies "am Arsch" vorbeizugehen, da sie es vorziehen auf Halb - und Unwahrheiten gestützt, zu fordern, dass solche Leute hier auf ewig keine Autrittsmöglichkeit mehr bekommen sollen.

    Liebe Grüße

    Ben
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#126 LorenProfil
  • 26.01.2010, 13:57hGreifswald
  • Antwort auf #125 von Ben
  • Hallo Ben,

    du musst nicht auf die Kesselhaus-Diskussion in Berlin warten. Wenn ich mich nicht irre, wohnst du doch in München - und da findet bereits am 2. Februar ein ähnliches Hearing statt. Müsste eigentlich öffentlich sein, da ich eine Mitteilung vom LSVD bekam. Schau mal:

    www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/News/Tagungen/Hearing_G
    ewalt_Musikszene.pdf


    P.S.
    Ob es anderen Lesern hier "am Arsch"vorbeigeht, kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber die Ausdauer, die wir hier an den Tag legen, mag bei anderen nicht gegeben sein, da nicht jede oder jeder sich für dieses Thema so sehr interessiert (was ja auch vollkommen okay ist). Hat halt was mit der Liebe zur Musik allgemein (bei mir) oder zu dieser Musik (bei dir) zu tun. Andere haben halt andere Vorlieben bzw. Themen, die sie mehr bewegen.
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#127 stromboliProfil
  • 26.01.2010, 14:01hberlin
  • Antwort auf #125 von Ben
  • schatzerl, wie wärs mal mit sich entscheiden...:
    "...Das Blöde am vorliegenden Fall ist nur, dass eine Interpretationsvariante den Konsum unerträglich zu machen scheint. Aber dies ist ja auch der Grund, weswegen ich die Meinung vertrete, dass derartige Lieder nicht gesungen werden sollten." so deine ausage!

    Du schreibst auch: "Abgesehen von dem gewaltverherrlichenden Sidekick halte ich das Lied für absolut unproblematisch. Insofern fand ich es (wie auch die Behörden) für unproblematisch, dass Sizzla "To the point" unter Auslassung der umstrittenen Stelle im U-Club gespielt hat. Ansonsten wird ja an keiner Stelle auf Homosexuelle Bezug genommen.".. wobei du deutlich heraushebst das das lied unter herauslassung einer offensichtlich so wichtigen textzeile doch veröffentlicht werden sollte... den ausgelassenen text darf /soll der geneigte zuhörer selbst in seinem kopfe intonieren! Das ist doch dumm geschwätz, zudem du dann noch hinterherschiebst: "Mich verwundert es übrigens nicht, dass die Künstler auf die Proteste mit Liedern reagiern."... hier wohl eben mit bewusstem "auslassen"! Dem verbot trotzen, mit geistig erhobenen stinkefinger...

    "...braucht Kunst Beipackzettel?
    braucht Kunst die auslassung? Oder ist gerade die auslassung Kunst ?! In der satire ist auslassung sicherlich eine kunstform! Witzigtes beispiel sind wohl die auftritte Jerry Lee Lewis nach seinem "minderjährigenskandal" wenn er einschlägig "zweideutige" textzeilen wo es um "textkontakte" von mann und frau ging mit einem klaviercrechendo überspielte und sie so für den wissenden zum eindeutigen umdeutete... das ist KUNST! Im politischen ebenso, wenns drum geht inhalte an den bestehenden zwängen/meinungen vorbei zu transportieren! Aber die auslassung kann auch eine provokation sein! Da es hier aber nicht um kunstkritik sondern um gegnerschaften geht, sollte man auf die provokation des leidvortrages auch entsprechend reagieren: kein vortrag eines liedes in dem texte vorhanden sind/waren die irgend wen verunglimpfen... ansonsten singen wir demnächst wieder -die fahnen hoch- unter weglassung der "bösen" textzeilen
    Das war mir schon in der diskussion um die nationalhymne ein gedöns: man kann die texte der ersten & zweiten strophe nicht von der dritten trennen, weil in einem geschichtlichen kontex verhaftet! Weshalb auch immmer von nationalen geistern als stiller widerstand verstanden, die großdeutschen textinhalte zu singen statt der einigungsstrophe...
    Du siehst: der "künstler" gibt nur ein thema vor; ausgefüllt wird es letztendlich durch die zuhörer! Eben "unterschiedliche Betrachter andere Interpretationsansätze entwickeln".

    Da du meinen arsch nicht kennst, solltest du nicht urteilen, was an ihm vorüber geht...;
    aber es stimmt: die zukunft sizzlas und konsorten geht mir mittlerweile am arsch vorbei!
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#128 BenAnonym
  • 26.01.2010, 15:23h
  • Antwort auf #127 von stromboli
  • Naja so wichtig ist die Textstelle nicht, da ja jedem Konsumenten klar ist, von wem sich Sizzla "gedisst" fühlt (ohne eine Wertung bezüglich der Berechtigung vorzunehmen). Außerdem war das Lied in seiner gespielten Form so stark von der ursprünglichen Version abgeändert, dass ich beim Hören des Stückes nicht mehr sagen könnte, wo die umstrittene Stelle fehlt.

    Es ist doch ein legtimes Mittel, wenn ein Künstler Reaktionen, die seine Person hervorruft, thematisiert. Wäre es ein vollkommen neues Lied gewesen, würde er auch den methaporischen Stinkefinger zeigen. Da braucht man sich nicht darüber aufzuregen, wenn er ein altes Lied überarbeitet. Das Lied in seiner neuen Form ist nicht mehr homophob. Er hat bei seinen Deutschlandkonzerten sogar eine neue Zeile zur Klarstellung gesungen...
    "they want to stop me from come to germany and the people say no"

    www.youtube.com/watch?v=a51mAd1ClEQ

    Der Nationalhymnenvergleich trifft die Sache nicht im Kern. Es dürfen in Deutschland alle drei Strophen gespielt werden, allerdings besteht unsere Hymne, aus den von dir genannten Gründen, nur noch aus der dritten Strophe. Aber soweit ich weiß, sollte "To the point" niemals Nationalhymne werden. Übrigens, wie kann man unsere Nationalhymne nur aus der dritten Strophe bestehend gut finden, wenn man doch weiß, dass jeder Neonazi mit erhobenem rechtem Arm - jedenfalls im Geiste - auch die erste Strophe mitsingt.

    Liebe Grüße

    Ben
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#129 stromboliProfil
  • 26.01.2010, 15:47hberlin
  • Antwort auf #128 von Ben
  • ach ben... ; sicher lieb ich die hymne nicht und von den "mitsingenden nazis " schreib ja auch ich.
    Aber zugelassen sind die texte eben nicht als "hymne".. schon ein unterschied, ob der text -vom maas bis an die memel... etc. indiziert ist oder ?
    Beim googln find ich da gleich an erster stelle eine nationalseite - deutsche schutzgebiete- die den text liefern...
    was die musik anbetrifft stammt sie von Franz Josef Haydn (1732-1809) , einem deutschnationalistischem denkens unverdächtigen!
    August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) text ist zeitgeistlicher kitsch in reinkultur der ebenso die nationale erhabenheit vorhebt... was im rückblick eher peinlich wirkt!
    Warum also einer solchen peinlichkeit nachhängen... Zudem hätte man ebenso die letzte strophe an die ddr-version der auferstandenen republik hängen können als würdigenden abschluß.
    Sing mal den text zur ddr melodie..., dass funktioniert.
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#130 LorenProfil
#131 BenAnonym
  • 26.01.2010, 16:11h
  • Antwort auf #129 von stromboli
  • Naja wir brauchen uns ja auch nicht über ein einzelnes Lied streiten. Dies ist wenig zielführend. Die Tatsache, dass ich dieses Lied für relativ unproblematisch halte, heißt ja nicht, dass ich Sizzla eine Generalamnestie für alles bisher Geäußerte erteile.
    Nach meinem Geschmack hätte die frühere DDR-Hymne 1990 in der BRD als Nationalhymne eingeführt werden sollen, da diese ja wegen der Stelle "Deutschland Einig-Vaterland" ihrerseits verboten wurde und quasi von der Geschichte eingeholt, ein schönes Zeichen der Wiedervereinigung darstellen würde... Aber dies soll ja nicht das Thema sein.
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#132 LorenProfil
  • 26.01.2010, 16:13hGreifswald
  • Zur Hymne nur soviel:

    Wäre eine schöne Gelegenheit gewesen, eine neue und vielleicht auch musikalisch moderne neue Hymne komponieren zu lassen, die im Text ein (idealtypisches) demokratisches und weltoffenes Deutschland repräsentiert. Aber im Zuge der Einheit wurden ja so manche Gelegenheiten versäumt ... .
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#133 Fiete_Jansen
  • 29.01.2010, 11:00h
  • Antwort auf #132 von Loren
  • Warum eine neue? Es gab 1949 einen Brecht Vorschlag, der als Kinderhymne bekannt wurde.

    Anmut sparet nicht noch Mühe
    Leidenschaft nicht noch Verstand
    Daß ein gutes Deutschland blühe
    Wie ein andres gutes Land.

    Daß die Völker nicht erbleichen
    Wie vor einer Räuberin
    Sondern ihre Hände reichen
    Uns wie andern Völkern hin.

    Und nicht über und nicht unter
    Andern Völkern wolln wir sein
    Von der See bis zu den Alpen
    Von der Oder bis zum Rhein.

    Und weil wir dies Land verbessern
    Lieben und beschirmen wir's.
    Und das liebste mag's uns scheinen
    So wie andern Völkern ihrs.

    www.youtube.com/watch?v=A0SKw6zrgeM
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#134 LorenProfil
#135 Fiete_Jansen

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