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- 18. Februar 2010 3 Min.
Am 18. Februar 1990 gründeten Homo-Aktivisten während der aufregenden Wendezeit den Schwulenverband der DDR. Aus ihm sollte schließlich der gesamtdeutsche LSVD hervorgehen, der sich vor allem dem Kampf für die Homo-Ehe verschrieben hat.
Von Dennis Klein
Theologe Eduard Stapel nutzte in der DDR die Freiräume, die ihm die evangelische Kirche verschaffte. Die Stasi hatte ihn über Jahre auf dem Kieker, weil er sich unter dem Schutz der nicht staatlichen Glaubensgemeinschaft Homosexuellengruppen gründete; die Spitzel sammelten unter dem anzüglichen Codenamen "After Shave" insgesamt 2.300 Seiten Aktenmaterial.
Nach dem friedlichen Fall der Mauer sollte Stapel Geschichte schreiben: Er trommelte 80 Homo-Aktivisten aus der DDR – sowie zwei aus Westdeutschland – in Leipzig zusammen und gründete den ersten freien Schwulenverband in der Ex-Diktatur. Er sah diese Gruppe als Teil der aufblühenden Bürgerbewegung an. Als sich die Wiedervereinigung nach den Volkskammerwahlen im März 1990 immer näher rückte, nannte er die Gruppe in "Schwulenverband in Deutschland" um.
"Aktion Standesamt"
Größtes Thema des SVDs, der ab 1999 als LSVD auch Lesben ansprach, sollte die Einführung der Homo-Ehe sein. Dieses Ziel verfolgten vor allem drei westdeutschen Homo-Aktivisten Volker Beck, Günter Dworek und Manfred Bruns, die sich bereits kurz nach der Wende im SVD engagierten. Die drei "Wessis" waren begeistert über den Beschluss Dänemarks im Jahre 1989, als erstes Land weltweit Eingetragene Partnerschaften einzuführen. Ihre westdeutsche Lobby-Gruppe, der Bundesverband Homosexualität (BVH), lehnte die Ehe allerdings grundsätzlich ab und setzte sich daher auch nicht für eine Gleichstellung von Homo-Paaren im Eherecht ein. Die alternative Lebensformpolitik, die der linke Homo-Verband forderte, spielte allerdings in der politischen Diskussion in Deutschland keinerlei Rolle. Das frustrierte Beck, Dworek und Bruns.
Über die Jahre engagierte sich der (L)SVD daher für die Homo-Ehe. Bereits 1992 sorgten die Aktivisten mit der "Aktion Standesamt" für mediale Aufmerksamkeit: 250 schwule und lesbische Paare beantragten damals im ganzen Land zu heiraten. Juristische Auseinandersetzungen folgten. Die bekanntesten Heiratswilligen waren die Hella von Sinnen und deren Freundin Cornelia Scheel. Mit vielen medienwirksamen Aktionen drückte der Verband andere Homo-Organisationen immer weiter an den Rand – der BVH wurde schließlich 1997 aufgelöst. Die Ablehnung der Homo-Ehe wurde in der Szene schließlich nur von kleinen Randorganisationen verfolgt, wie etwa dem whk ("Ich scheiß auf euer Ja-Wort").
Grün lackiert
Lange Jahre galt der LSVD als fünfte Kolonne der Grünen, insbesondere nach deren Einzug in die Bundesregierung. Immerhin war Volker Beck von 1991 bis 2004 Sprecher des Verbandes – gleichzeitig fungierte er auch rechtspolitischer Sprecher seiner Partei und seit 2002 Parlamentarischer Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion. Mit der zunehmenden Öffnung der CDU sind inzwischen sind auch Aktivisten der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) im LSVD aktiv.
Der Kampf um die Gleichstellung im Eherecht ist nach wie vor das Hauptthema des Verbandes. So starteten die Aktivisten 2005 die "Aktion Eins zu Eins" ("Gleiche Rechte, gleiche Pflichten – nur das ist fair!"). Viele Prominente wie Günter Grass, Jürgen von der Lippe oder auch die neue Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) unterstützen die Aktion.
Weitere Schwerpunkte der vergangenen Jahre waren die Forderung nach einem Antidiskriminierungsgesetz, einem Gedenkort für von den Nazis verfolgten Homosexuellen oder nach dem Einreiseverbot von homofeindlichen Künstlern – insbesondere Reggae-Sängern aus Jamaika – ein. Obgleich viele Forderungen bereits umgesetzt wurden, sieht der LSVD mit seinen gegenwärtig 3.500 Mitgliedern noch viel Arbeit vor sich: "Viel ist erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun", schreibt der Verband auf seiner Website – und verspricht: "Seien es nun homofeindliche Politiker oder religiöse Hassprediger: Wer gegen Lesben und Schwule hetzt, dem geben wir kräftig Kontra!".
Links zum Thema:
» LSVD.de













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