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- 23. Februar 2010 3 Min.
Anglikanische Bischöfe wollen sich im britischen Oberhaus dafür einsetzen, dass Schwule und Lesben auch in Kirchen zukünftig eine Partnerschaft eingehen können.
Mehrere Bischöfe haben in einem Brief an die Tageszeitung "The Times" erklärt, dass sie einen Antrag im House of Lords unterstützen wollen, mit dem Kirchen die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt werden soll. Bislang dürfen Religionseinrichtungen auf der Insel Hetero-Paare verheiraten, ohne dass diese ein Standesamt betreten müssen. Das Lebenspartnerschaftsgesetz aus dem Jahre 2004 verbietet eine Eintragung von Homo-Partnerschaften jedoch ausdrücklich. Baron Waheed Alli (Labour), ein offen schwuler Oberhausabgeordneter muslimischen Glaubens, will den Antrag Anfang März ins Parlament einbringen.
Unter anderem unterstützt der anglikanische Fraktionsvorsitzende im Oberhaus, Bischof Timothy Stevens aus Leicester, die Trauung von Schwulen und Lesben. Insgesamt stellen die Anglikaner 26 der 734 Oberhaussitze. In dem Brief begründen die Bischöfe die angestrebte Gesetzesänderung mit dem Gleichbehandlungsprinzip: "Heterosexuelle Paare haben die Wahl zwischen der Zivilehe und einer kirchlichen Trauung. Es ist diskriminierend, diese Wahl Gläubigen vorzuenthalten. Sie legen das wichtigste Versprechen ihres Lebens ab und sollten dies auch in ihrer Kirche und Synagoge tun dürfen, wenn diese dazu bereit ist."
Innerhalb der Church of England gibt es derzeit keine Einigkeit, ob sich gläubige Schwule und Lesben in einem Gottesdienst verpartnert werden sollten. Bei einer Gesetzesänderung wird erwartet, dass diese Entscheidung den jeweiligen Gemeinden freigestellt wird. Kirchen sollen aber weiterhin die Möglichkeit haben, die Eintragung von Partnerschaften abzulehnen.
Skeptiker befürchten, dass Homo-Trauungen in britischen Gotteshäusern die Kirchenspaltung innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft vertiefen könnten. Afrikanische und asiatische Anglikaner kritisieren seit der Ernennung des ersten schwulen Bischofs vor sieben Jahren in den USA stets die Akzeptanz von Homosexualität unter westlichen Anglikanern. So bezeichnet etwa die Kirche in Uganda die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben als "europäischen Wert", der in Afrika keine Bedeutung habe (queer.de berichtete).
Lage in Deutschland recht traurig
Anders als in England müssen sich deutsche Heiratswillige immer im Standesamt trauen lassen, ansonsten wird ihre Ehe von den Behörden nicht anerkannt. Die meisten Kirchenvertreter lehnen hierzulande die Homo-Ehe kategorisch ab. Nur zehn der 22 evangelischen Landeskirchen bieten "Segnungen" von gleichgeschlechtlichen Paaren an. Dabei wird aber stets die Schlechterstellung von Homo-Paaren gegenüber Heteros betont. So hieß es in einem Beschluss der lutherischen Kirchen in Deutschland: "Die Kirchenleitung stellt fest, dass die Bedeutung der Ehe und der Trauung es nicht zulässt, den Eintritt in eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft mit einer öffentlichen gottesdienstlichen Handlung zu begleiten, die mit einer christlichen Trauung verwechselt werden könnte."
Die katholische Kirche lehnt jegliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren ab - und setzt diese Position innerkirchlich ohne Kompromisse durch. So wurde 2008 ein Dekan im Bistum Limburg (Hessen) gefeuert, weil er die Verbindung von zwei Männern gesegnet hatte (queer.de berichtete). Das Bistum erklärte daraufhin, dass die Schwulen nicht Teil von Gottes Plan seien. (dk)















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