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- 02. März 2010 3 Min.

Demonstration in Wuppertal gegen einen Auftritt von Sizzla im U-Club am 25. November 2009. Drei Tage später wurde an gleicher Stelle gegen ein zweites Konzert demonstriert. (Bild: Norbert Blech)
Der jamaikanische Sänger distanziert sich von einer Erklärung, keine homophoben Songs mehr aufzuführen. Sein deutscher Konzertmanager gibt auf.
Von Norbert Blech
Er hat im letzten Jahr die deutsche Schwulenszene mobilisiert: zur Enttäuschung und zum Unverständnis vieler Reggae-Fans verhinderten Proteste in Berlin und Hamburg Konzerte des jamaikanischen Sängers Sizzla. Auch in Wuppertal, München und Stuttgart gab es örtliche Proteste, der Sänger konnte aber auftreten (queer.de berichtete).
Sizzla war mit mehreren Songs bekannt geworden, in denen zum Mord an Schwulen aufgerufen wurde (eine Songzeile lautet etwa "Ich gehe und erschieß Schwule mit einer Waffe"). Fans und Club-Betreiber rechtfertigten die Auftritte mit dem Hinweis, der Sänger habe (wie viele weitere Künstler) den "Reggae Compassionate Act" unterzeichnet und sich damit verpflichtet, entsprechende Songs nicht mehr aufzuführen. Hinweise des LSVD und der Kampagnen "Stop Murder Music" und "Smash Homophobia", der Sänger habe sich davon mehrfach distanziert und außerhalb Europas gegen die Erklärung verstoßen, wurden ignoriert.
Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich Sizzla nun Ende Februar erneut von der Verpflichtung distanziert. In einem Interview der "Sunday Mail" aus Simbabwe sagte er anlässlich einer Tour durch Afrika: "Ich habe nichts unterschrieben. Das ist lediglich eine Vereinbarung mit einigen Konzert-Promotern." Auch habe er nicht vor, Songs gegen Schwule nicht mehr aufzuführen: "Ich kann nicht damit aufhören, diese Lieder zu singen, denn es gibt da eine Message in diesen Songs, die die Leute hören sollten."
Gott habe schließlich gesagt, dass es falsch sei, wenn ein Mann mit einem anderen Mann zusammen sei oder eine Frau mit einer weiteren. "Wir wären alle nicht hier, wenn es diese Einheit aus Mann und Frau nicht gäbe." In dem Interview lobt Sizzla den simbabwischen Diktator Robert Mugabe als Ikone der schwarzen Selbst-Ermächtigung und Fürsprecher der Schwarzen.
Sizzla verliert deutschen Konzertmanager

Sizzla hat nun einen Fürsprecher in Deutschland weniger. Dafür hat er Robert Mugabe.
Nach Bekanntwerden des Interviews hat Klaus Maack von der Agentur "contour-music" angekündigt, den Sänger nicht mehr zu vertreten. Bisher hatte Maack die Konzerte von Sizzla in Deutschland organisiert und noch in der letzten Woche bei einer erhitzten Podiumsdiskussion in Berlin verteidigt (die "taz" zitiert ihn in einer bemerkenswerten Nacherzählung des offenbar kaum nachzuerzählenden Abends mit den verärgerten Worten: "Ich bin heterosexuell, und das ist auch gut so". Auch äußerte er, jamaikanische Stars seien Opfer einer Medienkampagne.)
Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der die Nachricht vom Rückzug Maacks verbreitete, lobte den Manager: "Wer in Jamaika und anderswo zu Mord und Gewalt gegen Minderheiten aufruft, darf mit seiner Musik in Deutschland kein Geld verdienen. Es ist zu begrüßen, dass diese Einsicht sich nach und nach auch bei den Konzertveranstaltern und Clubbetreibern durchsetzt." Allerdings: "Wer hören und sehen wollte, konnte die menschenverachtenden Thesen Sizzlas schon lange erkennen." Beck hofft, "dass der Konzertveranstalter seinen Maßstab nun konsequent durchhält und auch auf die Zusammenarbeit mit anderen homophoben oder rassistischen Künstlern verzichtet."
















Man darf und muss gegenüber diesen Leuten endlich mal deutlichere Worte wählen als dieses Endlos-Geschwurbsel (aus purem Geschäftsgehabe!) von Veranstaltern, Konzertmanagern bzw. dem "Künstler" selbst!