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  • 04. März 2010 87 4 Min.

Die Schlammschlacht geht weiter: bei "Kerner" erzählt der ehemalige DFB-Verantwortliche Intimes über sich und seine Beziehung zu Michael Kempter.

Von Norbert Blech

Wer gedacht hätte, Manfred Amerell sei der Verlierer des Tages, könnte sich getäuscht haben. Der ehemalige Schiedsrichtersprecher hatte am Donnerstag Nachmittag seine Klage gegen den Deutschen Fußballverbund (DFB) zurückgenommen, mit der er dem Verbund die Aussage verbieten wollte, er habe junge Schiedsrichter sexuell genötigt (queer.de berichtete). Doch im Gegenzug der außergerichtlichen Einigung bekam Amerell die Namen der drei Schiedsrichter präsentiert, die ihn neben Michael Kempter in einer eidesstattlichen Versicherung der sexuellen Annäherung beschuldigen.

Diese wolle er nun verklagen, berichtete Amerell am Abend in der Sendung "Kerner" (Sat 1). "Mit allen vier wird sich in kürzester Zeit der Staatsanwalt beschäftigen", sagte der 63-Jährige. Eine Nennung der Männer ist Amerell wie auch dem DFB durch die Einigung vor Gericht bei einer Vertragsstrafe von 25.000 Euro verboten. Die "Frankfurter Rundschau" berichtet übrigens am Freitag, dass zwei der anonymen Schiedsrichter "ernstlich unter den Folgen der Techniken (sic!) Amerells leiden" sollen.

Coming-out als Bisexueller

Auf die Frage des Moderators Johannes B. Kerner, ob er bisexuell sei, antwortete Amerell: "Könnte man so ausdrücken". Er habe mit Kempter "keine Liebesbeziehung" gehabt, man habe sich schließlich im letzten Jahr nur um die sieben Mal gesehen, es sei aber dreimal zu "körperlichen Beziehungen" gekommen. "Ich mochte ihn sehr, sehr gern. Ich glaube, im Umkehrschluss war es genauso (...) Er ist unter Umständen auf mich abgefahren (...) hat mich gemocht, vielleicht auch geliebt", fasst Amerell die nach seiner Ansicht nach einvernehmliche Beziehung zusammen. Kempter hatte in Interviews betont, nicht schwul zu sein, auch habe er Annäherungsversuche stets abgelehnt.

Warum der junge Schiedsrichter mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen sei, wisse er nicht. "Vielleicht war er eifersüchtig, ich habe keine Ahnung", sagte Amerell. In einem Vorfilm und während des Interviews wurden zahlreiche eMails von Kempter an Amerell gezeigt, die belegen sollen, dass es sich nicht um eine Nötigung sondern um eine Art Beziehung gehandelt haben soll.

In einer schreibt Kempter: "Ich habe noch nie richtig ein Mädchen geliebt, nur meine Freunde wie Dich oder [unkenntlich gemacht]. Dies bedeutet mir viel mehr im Leben, als so blöde Weiber (...) Ich werde nie mit einer zusammenziehen geschweige denn heiraten". Ein anderes Mal schreibt er an Amerell, den er immer "Schatz" oder "mein(en) Lover" nennt: "Schlaf gut, ich träume von Dir". Weiteres Zitat: "Ziehe für Dich extra die 'weiße Hose' an, damit mein schwarzer Tanga vorleuchtet"

Auch eine eMail in umgekehrte Richtung wird zitiert, in der Amerell nach einer Radiosendung schreibt: "Sie spielten gerade unser Lied." Gemeint ist "Du" von "Ich und Ich". Eine weitere eMail Kempters könnte dem Unparteiischen noch ganz andere Probleme bringen: "Hi mein Schatz, Bis später. Freu mich auf's Bayernspiel", schreibt Kempter am Abend des Champions-League-Spiels zwischen München und Mailand. "Hoffentlich fliegen die gleich raus. Dann stoßen wir an!"

"Erpressung" durch den DFB

Amerell verteidigte sich auch gegen den Vorwurf des Amtsmissbrauchs. Kempters Leistung sei "so exorbitant hoch" gewesen, dass er seine Hilfe nicht gebraucht hätte. Dass er nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von seinen Ämtern zurückgetreten sei, bezeichnete Amerell als "glatte Lüge": "Ich wurde erpresst, das so zu machen". Er warf dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vor, "in blindwütiger Art und Weise" gehandelt zu haben: "Er hat die Ehre von zwei Menschen auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert."

Zwanziger hatte vor dem Gerichtstermin mit Rücktritt gedroht, falls Amerell diesen (oder einen weiteren) Prozess gewinnen sollte. In einer Pressekonferenz nach der gerichtlichen Einigung betonte er, die Sache "im Griff" zu haben. "Wir haben den Fall transparent, aber mit der nötigen Vertraulichkeit gelöst. Das Ganze schadet uns nur, wenn wir Dinge unter den Teppich kehren würden", so Zwanziger.

Da die Schiri-Affäre nicht die einzige Krise des Verbunds der letzten Zeit ist, gibt es Berichte, dass er bei einem außerordentlichen Verbandstag am 30. April die Vertauensfrage stellen will. Am Freitag will der Schiedsrichter-Ausschuss des DFB entscheiden, ob und wenn in welcher Partie Kempter am Wochenende eingesetzt werden soll.

Kempter: eMail-Inhalte waren erzwungen

Gegenüber "Bild" sagte Michael Kempter am Freitag, der Inhalt der Mails habe sich ergeben aus "der unglaublichen Drucksituation, das war absoluter Terror. Wenn ich mal nur noch 'Liebe Grüße, Michael' geschrieben habe, war er sofort böse und beleidigt, rief mich an und drohte mir damit, dass es keine Spiel mehr für mich gäbe, wenn ich so was nicht mehr schreiben würde. Ich konnte nicht einfach sagen: ich mache das nicht mehr."

Er habe "zu keiner Zeit ein sexuelles Verhältnis, eine Beziehung oder eine Affäre" mit Amerell gehabt. "Manchmal habe ich ihm klare Mails geschrieben, dass die Freundschaft für mich da aufhört, wo der sexuelle Kontakt beginnt." Auf die Frage, ob er mit Konsequenzen rechne, antwortet der 27-Jährige: "Amerell hat ja angekündigt, wenn er untergeht, nimmt er mich mit. Das macht er mit diesen Mails jetzt wahr…"

akt. am 5. März, 9:55h: Kempter in "Bild"

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#1 Liedel
  • 04.03.2010, 23:07h
  • "Auf die Frage des Moderators Johannes B. Kerner, ob er bisexuell sei, antwortete Amerell: "Könnte man so ausdrücken"

    Das ist jetzt natürlich DIE Antwort.
    "Outings", die die Welt nicht braucht (ein gewisser Daniel K. ist ja auch biiiiii und vergöttert Brüste, oder wie die Dinger heißen).

    Mir hat das ein befreundeter Soziologiestudent nach schon so einigen Biersen mal sinngemäß (bzw. pilsbierfilosofisch) so erklärt:

    "Ja wenn du Freud jetzt ganz streng auslegen willst, dann könntest du natürlich auf die Idee kommen zu sagen, dass tatsächlich alle Menschen bi sind, ja"....
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#2 BenAnonym
  • 04.03.2010, 23:32h
  • Antwort auf #1 von Liedel
  • ""Outings", die die Welt nicht braucht"

    Also ich fand die Antwort sehr schön so. Welche Neigung? Verheiratet, zwei Kinder, schwärmt für weinerliche Schiedsrichter.

    Bekommt jetzt von der Frau den Kopf gewaschen und gut ist. Wäre schön wenn das bundesrepublikanischer Alltag wäre.

    Ich halte das für einen entspannteren Umgang mit "Homosexualität" als jetzt irgendwelche identitären Bekenntnisse und Geständnisse zu fordern.
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#3 eMANcipationAnonym
  • 04.03.2010, 23:44h
  • Antwort auf #2 von Ben
  • Ja, klar, so kann man Homosexualität wunderbar der gesellschaftlich konstruierten Zwangsheterosexualität unterordnen und die sexuellen Herrschaftsverhältnisse aufrechterhalten!

    Insbesondere eine wunderbare Möglichkeit, schwule Identität auszulöschen oder gar nicht erst entstehen zu lassen!

    Wir wissen inzwischen, woher der Wind weht - weitere Vertiefungen weder nötig noch erwünscht!

    Ach ja: Ich bin unendlich glücklich, dass mein "bundesrepublikanischer Alltag" und der von Millionen anderer schwuler Männer NICHT so aussieht! "Vorbilder" wie die Beteiligten an dieser absurden Posse sind wohl das Allerletzte, was junge homosexuelle Männer gebrauchen können!
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