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  • 07. März 2010 42 2 Min.

Kirchenfürsten und Fußballpräsidium haben in den aktuellen Skandalen schonungslose Aufklärung verprochen - doch das genügt nicht.

Von Jürgen Friedenberg

Was haben die Katholische Kirche und der Deutsche Fußballbund gemeinsam? Beide predigen ihren Anhängern Fairness, leisten sich aber bisweilen bitterböse Fouls. Sonst könnten Sie einem fast leid tun: die Repräsentanten der Katholischen Kirche und des DFB, die auf das Fehlverhalten verantwortungsloser Führungskräfte gegenüber Abhängigen mehr schlecht als recht reagieren.

Leid tun könnten einem die Kirchenmänner, weil sie tagtäglich mit Schreckensnachrichten über sexuelle Gewalt und grausame Prügelszenen konfrontiert werden, die das Vertrauen in ihre einst hoch angesehenen Bildungseinrichtungen abgrundtief erschüttern. Bedauern könnte man auch die hochrangigen Fußballfunktionäre, die herausfinden sollen, ob einige Top-Schiedsrichter Täter oder Opfer sexueller Belästigungen waren oder womöglich noch sind.

Doch unser Mitleid mit den Männern, die unversehens zu Ermittlern von größtenteils strafrechtlich verjährten Missetaten geworden sind, hat Grenzen. Denn nicht diese Amtsträger haben – etwa getrieben von frommem Eifer oder aus purer Menschenfreundlichkeit – die Lawine ins Rollen gebracht, die die bundesdeutsche Gesellschaft jäh aus dem Winterschlaf riss. Sondern einige einst geprügelten und geschändeten Opfer überwanden Scham und Scheu und klagten der Öffentlichkeit ihr Leid. Spät, aber vielleicht nicht zu spät, um künftigen Schaden abzuwenden.

Kirchenfürsten und Fußballpräsidium haben "schonungslose Aufklärung" und "mehr Transparenz" versprochen und die Opfer um Verzeihung gebeten. So weit, so gut. Aber das genügt nicht. Notwendig ist die kritische Überprüfung der eigenen Position. Das bedeutet für die Katholische Kirche, ihre menschenfeindlichen Tabus um das vielschichtige Phänomen Sexualität endlich aufzugeben und für die Fußballvereine, Schwule auch nicht insgeheim zu verunglimpfen.

Wöchentliche Umfrage

» Wer ist für dich am unglaubwürdigsten in der Schiedsrichter-Affäre?
    Ergebnis der Umfrage vom 08.3.2010 bis 15.3.2010
-w-

#1 jochen
  • 07.03.2010, 15:49hmünchen
  • "...Das bedeutet für die Katholische Kirche, ihre menschenfeindlichen Tabus um das vielschichtige Phänomen Sexualität endlich aufzugeben ..."

    Da bin ich sehr pessimistisch.
    Es könnte sein, dass die Kirche es vielleicht irgendwann mal in mildere Worte verschachtelt , aber der "Makel" oder die "Sünde" der Homosexualität werden sie nicht aufgeben KÖNNEN. - selbst wenn Strömungen in der Kirche es wollten ..

    Denn schließlich stehts in der Bibel.

    Jemand hat es vor ca. 3000 Jahren geschrieben Homosexualität ist Sünde, der BEHAUPTET hat von Gott inspiriert zu sein. Und ca. 1000 Jahre später hat jemand entschieden, dass diese Schrift mit in die Bibel hineingehört...

    ... und mit der Dominanz der abrahamitischen Religionen seit ca. 1400 Jahren , ists dann seither für die Schwulen nicht gut gelaufen.
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#2 gegen fanatikerAnonym
  • 07.03.2010, 16:41h
  • Ähm, nur mal so am Rande; was haben bitte die nun ans Tageslicht kommenden sexuellen Übergriffe Pädophiler mit Homosexuellen, insbesondere Schwulen gemeinsam?

    Sollte nicht gerade ein Forum wie queer.de dafür sorgen, durch diese Taten aufkommende homophobe Aktivitäten im Keim zu ersticken und nicht noch den homophoben den Mund zu reden, in dem mann Pädophile Straftaten innerhalb der Katholischen Kirche - und nicht nur da! - zu einem Thema für Schwule macht?

    Wieviele Schwule stehen auf kleine Jungs? 0,1; 0,2%?
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#3 schwulenaktivist
  • 07.03.2010, 16:47h
  • Ich weiss nicht, was es uns bringen soll, wenn die öffentlichen Medien, die "grausamen" und "seelentötenden" Details von längst vergangenen Taten nochmals genüsslich wiederkauen soll.

    Ändert sich das hierarchisch-undemokratische System der Kirche nicht, wird sie neues Elend hinter oder vor der Sexualität erzeugen.

    Mir fällt einfach auf, dass es nur irgendwas mit Kinder und Sexualität braucht, damit die Medien aufschreien. Kindersoldaten, Kinderarbeit, Minenopfer, sogar Kinds-Mütter, etc. - auch Resultate von politischen und familiären Hierarchien - interessieren niefraudem...

    Der Tanz ums sexuelle Kalb (nicht die Kuh!) ist offensichtlich. So kann Sexualität nie für alle von der Kindheit bis ins Altersheim eine nützliche und gesunde Angelegenheit werden. Soll sie wohl auch nie...
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