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  • 09. März 2010 7 3 Min.

Im Kapitol von Utah wurde eine Gesetzesinitiative vorgestellt, die zu einer Entfernung aller Schwulen und Lesben aus dem Land geführt hätte - mit einem Massentransport per Schiene.

Von Norbert Blech

Zahlreiche Medienvertreter waren am Montag in das Kapitol des US-Bundesstaats Utah gekommen, um über eine Pressekonferenz zu berichten, die es in sich hatte. Denn die Redner der "Patriots for a Moral Utah" stellten eine Gesetzesinitiative vor zur "unfreiwilligen Verteilung und Umsiedlung von Homosexuellen in Städte außerhalb der Staatsgrenze oder deren Resozialisation in staatlichen Einrichtungen".

Die bis dahin unbekannte Gruppe hatte in Presseerklärungen und auf Facebook auf den Termin hingewiesen, auch einige schwule Gegenprotestler waren gekommen. Der Gouverneur des Staates solle ein Referendum zu der Gesetzesinitiative zulassen, forderten die Redner Nora Young und Ashley Anderson, denen in Medienberichten zunächst eine Nähe zur republikanischen Tea-Party-Bewegung nachgesagt wurde.

Später stellten einige Journalisten fest, dass es die Personen nicht gibt. Noch ist nicht geklärt, wer für die Pressekonferenz verantwortlich war. Berichte, dass dahinter die Gruppe "Yes Men" steckte, die in der Vergangenheit mehrfach Medien mit falschen Geschichten fütterte, sind noch nicht bestätigt.

"Fair Solution Initiative"

Der fünfseitige Gesetzesentwurf (PDF), der den Titel "Fair Solution Initiative" trägt (die "Endlösung" der Nazis heißt auf Englisch "Final Solution"), sieht eine Deportation von Homosexuellen, die nicht freiwillig den Staat verlassen oder sich nicht einer Therapie unterziehen, per Eisenbahn vor. Eine Kommission soll gebildet werden, die Verdächtige verhören und Entschlüsse über deren Zukunft treffen kann; sie bekommt auch das Recht, Zeugen zu verhören, und wird von Freiwilligen im ganzen Staat vor Ort unterstützt. Wer gegen die Pläne in irgendeiner Form demonstriert oder Homosexuelle vor der Verfolgung schützt oder falsche Angaben über die sexuelle Orientierung anderer macht, wird bestraft, ebenso Personen, die sich weigern, ihre sexuelle Orientierung zu enthüllen.

Mit dem Gesetzentwurf werde eine "endgültige Lösung" ("final solution") geschaffen, die Kinder vor dem "immer stärker werdenden Einfluss von Homosexuellen" schütze, heißt es in der Begründung. Schwule und Lesben hätten die "heiligen Institutionen" des Staates attackiert und würden per Gericht versuchen, die traditionelle Ehe abzuschaffen. Um die "natürliche Ordnung" der Gesellschaft beizubehalten, sei das Gesetz notwendig.

Kritik an Mormonen?

Mit dem Hoax erinnern die falschen Gesetzesmacher nicht nur an die Methoden und Sprache der Nazis, sondern auch an die Ausweisungsbeschlüsse, die Mormonen im 19. Jahrhundert aus dem US-Bundesstaat Missouri vertrieben hatten. Es wird daher spekuliert, dass der Hoax auf die Behandlung von Homosexuellen durch Mormonen hinweisen sollte.

Utah zählt zu den konservativsten Staaten der USA, rund zwei Drittel der Bevölkerung sind Mormonen. Bis 2003 wurde in dem 2,7-Millionen-Staat gleichgeschlechtlicher Sex noch offiziell mit bis zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe geahndet. 2004 stimmten die Bürger Utahs für ein Verbot der Homo-Ehe in der Landesverfassung, ein Verbot, das es als normales Gesetz zu dem Zeitpunkt bereits gab. Bei der umstrittenen Proposition 8, einer Bürgerabstimmung, die zum Ende der Homo-Ehe in Kalifornien führte, gehörten Mormonen-Kirchen aus Utah zu den Großspendern.

Brandie Balken von der Homorechts-Gruppe Equality Utah sagte dem Sender ABC, ein solcher Protest sei nicht "sein Stil", man missgönne den Hoaxern aber nicht das Recht zur freien Meinungsäußerung. Balken sagte, er sei froh, dass Mitglieder seiner Gruppe bei der Pressekonferenz demonstriert hätten. Ob er sich ärgerte, auf den Hoax hereingefallen zu sein, sagte er nicht.

-w-

#1 darkon
  • 09.03.2010, 13:17h
  • Sicher eine sehr krasse Aktion, aber wenn die Macher es so schaffen ein wenig mehr Aufmerksamkeit für die ständigen Ausfälle diverser "religiöser" Gruppen gegen Schwule und Lesben zu schaffen ist das völlig gerechtfertigt.
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#2 hwAnonym
  • 09.03.2010, 13:39h
  • fast skurril, aber gut krachend. krachend den nächsten logischen öffentlichen schritt der perversen vorweggenommen.

    die protestierer müssen sich nicht verarscht fühlen, sondern als eingeladen zu einer kleinen
    generalprobe für proteste, die leider gut möglich
    notwendig werden, wenn der verfall us-amerikanischer kommunen zum sündenbockbauen führt.

    gut. die medien dort.
    mich beeindruckte hier zuletzt:
    kerner.

    kerner kein demokrat bis tief in die wolle,
    ein studienabrecher, der wohl als demokratieabbrecher und nationalaufbrucher quote machen will.

    zum skandal-sendungsauftakt kempter/amerell gab's einen werbetrailer für hassthesen westerwelles in übelster jud-süß-manier.( kein hoax)
    die inszenierung eines maximal derangierten hartz-IV-beziehrs, der zuschauern den fast hörbaren schrei nach arbeitslagern (zwangsarbeitslager/besserunglager) entlocken sollte.

    ein satiriker-mönch am nockherberg, meinte übrigens diese, als er sagte: das gab es schon einmal.

    dessen pointierte kapitalismus-kritik, wurde dann aus der charlottenburg in münchen in den auschwitz-rahmen gesetzt. (kein hoax)

    als schwuler mit "jüdisch-bolschwistischem"
    familienhintergrund, kann ich diesen kunstgriff einer frau, deren sohn bei der hypo-real-estate involviert ist, nachvollziehen. wenn's einfach geht, warum kompliziert.

    das schweigen der lämmer beim satiriker-bashing, verstehe ich allerdings nicht.
    besser gesagt, ich kann es als demokrat nicht akzeptieren.

    zurück zu kerner, zur herausarbeitung der nationalkarte, mit stichwortpressung
    für amerell, ab position 6:30

    www.youtube.com/watch?v=A9gEqTnftNc

    kurz und gut. ich begrüße aktionen, die das schweigen der lämmer oder zahnlose betroffenheits-gymnastik aufmischen.

    könnte gut Yes Men sein.
    Yes Men, can !!!
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#3 yippieyeah yeahAnonym
  • 09.03.2010, 15:39h
  • dreams come true

    bald gay-gun-coffee-to-show ?

    Ins Cafe mit der Pistole am Gürtel
    Waffenfanatiker in den USA wollen das offene Tragen von Schusswaffen durchsetzen und in den Wilden Westen zurückkehren

    www.heise.de/tp/blogs/8/147218

    Amsterdam: CSD-Organisator verprügelt

    #5
    27.07.2009
    14:22:39

    Von Zenon
    Aus Berlin (Grönland)
    Mitglied seit 12.06.2008

    Hugo Braakhuis hat den Schuss nicht gehört, wenn er sagt, die Emanzipation der Schwulen habe noch einen langen Weg vor sich. Hugo, es ist vorbei mit der Emanzipation, jetzt geht es um die Verteidigung der erkämpften Freiheiten. Aufrüstung und Selbstverteidigung sind das Gebot der Stunde.
  • Direktlink »