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  • 18. März 2010 35 2 Min.

Der Sexualwissenschaftler Kurt Starke fordert eine Abschaffung des Pornografieverbots: "Verbot kann sogar schädliche Effekte für Jugendliche haben", heißt es in einer heute vorgelegten Expertise des Leipziger Professors. Starke gilt als einer der namhaftesten deutschen Wissenschaftler auf diesem Gebiet.

In seiner Studie mit dem Titel "Pornografie und Jugend - Jugend und Pornografie" behandelt Starke umfassend die Frage, was so genannte einfache Pornografie bei Jugendlichen bewirkt und wie diese ihrerseits mit Pornografie umgehen. Ausgeklammert sind allerdings die Themen Kinder- und Gewaltpornografie.

Starke gelangt zu dem Ergebnis, dass eine schädliche Wirkung von Pornografie per se auf Jugendliche nicht belegt werden kann. "Diese beliebte Fiktion hat keine wissenschaftliche Substanz". In der öffentlichen Diskussion würden Jugendliche zu Unrecht als "Opfer" von Pornografie dargestellt. Ausgeblendet werde zumeist, dass Jugendliche heutzutage Pornografie in unterschiedlicher Weise nutzen, ja sogar teilweise selbst herstellen und verbreiten.

Vor diesem Hintergrund sei das Verbot der Verbreitung einfacher Pornografie im Strafgesetzbuch und im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) unhaltbar, so Starke Gefahren für Jugendliche, vor denen das Verbot einfacher Pornografie schützen könnte, seien wissenschaftlich nicht nachweisbar. Moderner Jugendschutz nehme den Jugendlichen als Subjekt wahr und unterstütze diesen bei der Entwicklung seiner Sexualität. In diesem Licht betrachtet könne das Pornografieverbot sogar schädlich für Jugendliche sein, weil es deren Persönlichkeitsentwicklung behindere. Pornografie sei, so Starke, weder ausrottbar noch verbietbar. Deswegen muteten die Verbotsvorschriften speziell in Bezug auf das Internet "realitätsfern und diskriminierend" an.

Die Huch Medien GmbH, die das Gutachten in Auftrag gab, leitet daraus ihre Forderung nach einer Abschaffung des Verbots der Verbreitung einfacher Pornografie im Strafrecht und im JMStV ab. Am 25. März wollen die Ministerpräsidenten der Länder über eine novellierte Fassung des JMStV beraten. Die Huch Medien GmbH erklärte, dass sie das Starke-Gutachten umgehend den Ministerpräsidenten zur Verfügung stellen werde. Auch im Lichte der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sei die Aufhebung des Pornografieverbotes zwingend geboten: Vernünftiger Jugendschutz, der auch die Erziehungsrechte der Eltern ernst nehme, laufe darauf hinaus, jedermann, also auch Jugendliche, vor ungewollter Konfrontation mit Pornografie zu schützen. Für gesetzliche Pauschalverbote dagegen bestehe keine Rechtfertigung. (cw)

-w-

#1 Orchid
  • 18.03.2010, 15:14h
  • Daß etwas "keine wissenschaftliche Substanz" hat bedeutet ja leider nichts für den Bundestag.
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#2 MIZAnonym
  • 18.03.2010, 15:42h
  • Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht. Gerade Starke hat sich in der Vergangenheit mehrmals mit dem Thema beschäftigt und bereits ähnliche Studien vorgelegt. Pornografiekonsum macht aus Jugendlichen keine "Sex-Monster", die sexuell verwahrlosen oder sexuell desorientiert werden. Die Forschungsergebnisse seiner älteren Studie ergaben sogar, dass Jugendliche Pornografie sehr differenziert wahrnehmen.

    Der viel größere Widerspruch liegt für mich in der Tatsache, dass der Gesetzgeber Jugendliche ab 16 J. für sexuell mündig erklärt, aber den Pornokonsum erst ab 18 erlaubt. Das führt zu der paradoxen Situation, dass die jungen Leute das machen dürfen, was es im Porno zu sehen gibt, nur angucken dürfen sie sich das nicht! *lol*

    Eine Parallele sehe ich übrigens zur Diskussion über die sog. Bareback-Filme. Da wird auch immer sehr schnell behauptet, dass der Konsum solcher Filme zu unsafen Sex verleite. In Ermangelung der wissenschaftlichen Nachweisbarkeit für diese These ziehen die Gegner der Bareback-Filme nun den Arbeitsschutz für Porno-Darsteller ins Felde.

    Was junge Leute und das Pornografieverbot angeht, kann ich aus meiner beruflichen Praxis nur sagen, dass der Paragraph das Papier nicht wert ist, auf dem er gedruckt wurde. In der heutigen Zeit ist so ein Porno nur ein Klick weit entfernt. Da spreche ich den Konsum von Pornos lieber offen an und rede mit Jugendlichen über das, was es da zu sehen gibt und versuche dazu beizutragen, dass sie ein realistisches Bild von menschlicher Sexualität bekommen.
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#3 KatholenbasherAnonym
  • 18.03.2010, 16:13h
  • Das war doch klar! MÖcht ewissen, wer sowas in die Welt gesetzt hat! Da waren bestimmt wieder die radikalen Katholen am Werk!
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